A/N Hier ein neues Kapitel von 'In der Zeit der Marauder'. Ich hoffe es gefällt euch und würde mich sehr über jedes Review freuen :)
Ausserdem möchte ich mich bei jedem, der die FF liest, herzlich bedanken und ganz besonders Feahthum für die nette Rückmeldung. Freut mich dass es dir gefällt!
KAPITEL 2
Als Harry erwachte, dachte er zuerst, noch in Perkins' altes Zelt sein zu müssen und war total verwirrt, als er sich auf einer weichen Couch wiederfand, noch dazu mit der Frau seiner Träume in den Armen. Nur einen Augenblick später kehrte die Erinnerung zurück und er lächelte, er hatte Voldemort besiegt, er konnte wieder mit Ginny zusammen sein- und sie hatten eine Zeitreise gemacht. Beim letzten Gedanken bröckelte das Lächeln etwas. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Weder hatte er eine Ahnung, wie sie hergekommen waren, noch, wie sie wieder zurückkommen würden. Vielleicht wusste Ginny mehr, aber er bezweifelte es. Genau diese wachte in diesem Moment auf und gähnte schläfrig. Harry drückte ihr einen leichten Kuss auf die Lippen
„Guten Morgen mein Schatz" Sie lächelte leicht und erwiderte den Gruss, dann schaute sie ihn sich etwas genauer an und es entfuhr ihr ein schockiertes „Merlin, wie siehst du denn aus?" Er grinste sie an. Er hatte sich im Spiegel gesehen, als sie sich gestern das Badezimmer angeschaut hatten. Und auch sonst hätte er wahrscheinlich geahnt, wie er aussah. Überlange Haare und Bartstoppeln, zerrissene Kleider, Schmutz und Blut am ganzen Körper, alte und frische Wunden, Prellungen, ein blaues Auge und aufgeplatzte Lippen. Kein Wunder, dass McGonagall fassungslos gewesen war.
„Nicht einen Deut schlimmer als du!" Das entsprach natürlich nicht der Wahrheit, sie war immer noch die schönste Frau auf Erden, aber etwas ...ungepflegt schon.
„Och, hast du in den letzten Monaten überhaupt mal in den Spiegel geschaut? Schliesslich musstest du Horcruxe jagen, ich dagegen habe nur einen Kampf hinter mir, wo ich nicht einmal eine besondere Rolle gespielt habe!"
„Für mich warst du die Bedeutendste im ganzen Krieg. Und was das Andere angeht, ich habe mich gepflegt, als ich bei Bill und Fleur war!" Bei seinen Worten hatte das Mädchen angefangen zu lächeln, dann stand sie auf und zog ihn mit sich in den Flur. Dort schob sie ihn durch ein Schlafzimmer zum Bad, im Arm einige frische Kleider, die sie im Kleiderschrank gefunden hatte.
„Na los, wasch dich!", befahl sie ihm und drehte sich lachend und kopfschüttelnd aus dem Raum, als er nach ihrem Arm griff. „Ich bin im anderen Bad. Wage es nicht, reinzukommen, oder ich erzähle es meinen Brüdern!" Diese Drohung hatte natürlich Wirkung und der Auserwählte blieb murrend im Raum. Das Mädchen ging munter in das andere Bad, wo sie sehr lange und gründlich duschte, dann putzte sie sich die Zähne, zog die Kleider an, die in ihrem Schrank bereit gestellt gewesen waren, und zauberte sie auf die richtige Grösse. Ebenfalls mit dem Zauberstab trocknete sie sich dann ihre roten Haare und liess einige zu deutliche Narben zuwachsen. Noch einmal ging sie zum Spiegel und betrachtete sich. Sie trug jetzt ein weinrotes Shirt und einen schwarzen Rock, darüber einen grauen Umhang. Die Haare hatte sie zu einem einfachen Knoten geschlungen. Zufrieden mit ihrer Erscheinung ging sie mit vorfreudigem Grinsen zu Harry's Zimmer, wo sie dann ohne anzuklopfen in das Bad trat. Leider hatte auch der Junge schon fertig geduscht und sich die Kleider angezogen, die Ginny ihm gegeben hatte, eine schwarze Hose sowie ein dunkelblaues Hemd und ein ebenfalls dunkelblauer Umhang. Allerdings band er sich gerade erst den Umhang zu. ‚Verdammt, wäre ich nur drei Minuten früher gekommen' dachte Ginny, liess sich aber nichts anmerken.
„da ist jemand aber besonders scharf darauf, mich nackt zu sehen, nicht wahr?"
„Natürlich. Schliesslich bist du der Junge-der-lebt, der Auserwählte, der Bezwinger Voldemorts. Wer würde dich nicht nackt sehen wollen?", fragte sie ungerührt zurück. Er grinste zurück und streckte die Hand nach ihr aus, was sie gerne annahm. Mit Leichtigkeit hob er sie auf die Ablegefläche neben dem Waschbecken und küsste sie sanft auf den Mund. Er spürte, wie ihre Lippen sich unter seinen öffneten und ihre Zungen sich berührten. Wie sehr er dieses Gefühl vermisst hatte! Die Fontäne der Gefühle, die ihn immer heimsuchte, wenn sie ihn so küsste, das Glücksgefühl, das ihn durchströmte, die Leichtigkeit, das Gefühl, fliegen zu können. Ohne Besen. Da fiel ihm ein, dass er auch gerne wieder einmal auf einem Besen fliegen würde. Aber das musste wohl warten. Lächelnd löste er sich vom Mädchen.
„Ich liebe dich so sehr", hauchte er in ihr Ohr und blickte in ihre wunderschönen Augen. Sie lächelte ebenfalls, dann strich sie ihm über die Wange und grinste.
„Ja, aber du solltest dich wirklich rasieren!" Bevor er etwas erwidern konnte, fügte sie wieder ernst hinzu, Nach einer kurzen Jagd durch die Wohnung, einer Kitzelattacke, einem Versöhnungskuss und einigen von ihr ausgeführten Rasier- und Heilzaubern lächelte sie und küsste ihn einmal auf jede Wange.
„So ist's fein!" Er schaute in den Spiegel und sah glatte Backen und auch dort weiche Haut, wo vorhin Narben und Prellungen gewesen waren. Ausser natürlich seiner Stirn, wo immer noch die alte Blitznarbe prangte und einigen anderen Fluchnarben. Die beiden gingen in das Wohnzimmer und während Ginny magisch Kaffee kochte, besprachen sie ihre gegenwärtige Situation.
„Ich denke, Dumbledore's Lösung wäre in Ordnung für mich. Ron, Hermine und ich hatten sowieso vor, das siebte Schuljahr zu wiederholen. Also es war natürlich Mines Idee, ich bezweifle, dass jemand nach meinen UTZen verlangt, wenn der berühmte Retter der Zauberwelt um eine Arbeitsstelle fragt."
„Es hat also doch Vorteile, berühmt zu sein, siehst du!", grinste seine Freundin Harry an.
„Das ist auch ein Grund, weshalb ich irgendwie fast froh bin, hier zu sein. Ich lebe, aber bin nicht überall bekannt, das ist doch mal was Neues!"
„Wir wissen aber nicht, wie lange wir hier bleiben. Oder du schon?"
„Nein, natürlich nicht. Aber die Zeit, die wir hier sind, können wir ja nutzen. Obwohl ich eigentlich keine Lust habe, die nächsten zwei Monate zur Schule zu gehen. Diese Umstellung wäre etwas krass, gestern habe ich in einem Zelt übernachtet und den dunkelsten Zauberer aller Zeiten besiegt, morgen langweile ich mich bei Professor Binns zu Tode. In welches Jahr wirst du eigentlich gehen?"
„Ich denke, in das Siebte. Erstens habe ich bis Weihnachten das Sechste besucht und würde mich langweilen, zweitens wäre ich gerne mit dir in einer Klasse. Ich denke, es würde vieles einfacher machen, zumindest für mich."
„Ich bin froh dass du das gesagt hast. Es würde auch mir wirklich helfen." Sie lächelten einander kurz an, dann schauten die Weasley auf die grosse Uhr mit zwölf Zeigern, die an der Wand aufgehängt war, und bemerkte, dass sich auf zu Dumbledore machen sollten. Gesagt, getan, sodass sie kurz darauf wieder vor der massiven Holztüre standen und dreimal klopften. Nach dem üblichen ‚Herein' traten sie ein und setzten sich auf das weiche Sofa und warteten darauf, dass Dumbledore anfing.
„Schön, dass ihr pünktlich da seid. Ihr wisst ja schon, um was es geht, ich hoffe, ihr habt euch ein paar Gedanken darüber gemacht."
„Ja, Sir. Wir haben entschieden, dass wir beide in die siebte Klasse gehen werden, und zwar ab dem nächsten September, wenn das für sie in Ordnung ist. Ich glaube, das werde ich schon schaffen, denn durch den Krieg habe ich sehr viel gelernt, was ich in der Schule noch nicht hatte, wenn auch hauptsächlich Verteidigung und Zaubersprüche. Trotzdem, Harry kann mir ja helfen, wenn ich etwas nicht verstehe."
„Natürlich. Ich habe geahnt, dass sie so wählen. Dann wäre da noch eine Sache. Ich weiss ja nicht, ob die Tradition sich in den nächsten 20 Jahren ändert, aber ich bezweifle es. Ich bin sicher, Sie gehören einem der Häuser an?"
„Natürlich. Wir sind beide Gryffindors."
„Sehr schön. Ich werde Sie dann beim Willkommensfest als neue Schüler vorstellen, die bisher zuhause unterrichtet wurden, und nun für ihre UTZe hierherkommen. Sie können sich noch überlegen, wie sie heissen und aussehen möchten, vor allem Mr. Potter. Bei Miss Weasley ist das kein solches Problem, da die Weasleys eine sehr grosse Familie ist."
„Vielen Dank, Sir. Das wäre grossartig. Dann hätten wir nur noch ein kleines Anliegen..." Harry zögerte. Er hatte das mit Ginny besprochen und es war ihnen ziemlich wichtig, aber durfte man so was verlangen? Immerhin waren sie nur Schüler. Der Junge war sehr froh, als Ginny weitersprach.
„Es ist so, dass wir in den vergangenen Jahren, vor allem dem Letzten, nie Zeit hatten, nichts zu tun. Wir mussten immer vorsichtig und misstrauisch sein und die Wahrscheinlichkeit zu sterben war gross, wenn wir uns einfach ausruhten. Deshalb befürchten wir, wir könnten es vorerst nicht aushalten, einfach in die Schule zu gehen. Was ich damit meine, ist, ob sie vielleicht eine nebensächliche Arbeit für uns hätten? Ich habe mich in letzter Zeit stark mit Heilen auseinander gesetzt, könnte ich vielleicht Madam Pomfrey im Krankenflügel helfen? Oder irgendwas anderes, egal was... Wäre das möglich?", schloss sie nervös und schaute den Direktor bittend an. Dessen Augen funkelten gütig und er lächelte.
„Das verstehe ich sehr gut. Ich werde sehen, was ich machen kann. Madam Pomfrey kann eine Aushilfe bestimmt gebrauchen, ich werde mit ihr sprechen. Wenn es in Ordnung für sie ist, können wir in Kürze noch mal miteinander reden. Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie ihren Zauberstab bei sich haben?" die beiden nickten kurz und er fuhr fort „Gut. Ich weiss nicht, was in ihrer Zeit für Regeln gelten, hier jedenfalls ist es verboten, ausser zu den festgelegten Zeiten das Schularreal zu verlassen. Ich vermute, dass sie eine schwere Zeit hinter sich hatten, und bitte Sie zu mir zu kommen, wenn Sie sich eingeschlossen fühlen. Dann können wir das besprechen. In der Zeit bis zum Schulanfang, also die nächsten vier Monate, können sie tun und lassen, was Sie wollen. Ihre Wohnung können Sie behalten, zu den Mahlzeiten können Sie sich entweder selbst etwas zubereiten, oder auch einen Hauselfen damit auftragen. Ausserdem gebe ich Ihnen etwas Geld und eine dauerhafte Erlaubnis für die verbotene Abteilung der Bibliothek mit. Ich vertraue darauf, dass sie das nicht missbrauchen, sondern bei Interesse nutzen, um etwas über ihre Reise zu erfahren."
„Haben Sie vielen Dank, Professor. Das ist mehr, als wir zu hoffen gewagt haben. Natürlich werden wir Ihre Grosszügigkeit nicht ausnutzen."
„Das würde mich auch sehr wundern" Er lächelte sie über die Halbmondbrille hinweg an. Eine Weile besprachen sie noch dieses und jenes, bis es an der Tür klopfte und Professor McGonagall eintrat. Obwohl sie die Nachricht von zwei Zeitreisenden langsam verarbeitet hatte, war sie noch immer etwas verwirrt und das Paar nahm ihre Ankunft als Gelegenheit und verliessen das Zimmer. In ihrer Wohnung angelangt, liessen sie sich erst mal im Wohnzimmer nieder und sahen ihre alten Kleider durch, ob sie vielleicht etwas fanden. Ginny hatte eine Geldbörse mit drei Galleonen sowie einem Foto ihrer Familie und eines von Harry dabei, sonst ihren Zauberstab und das war's auch schon. Harry hatte ausser Draco's und dem Elderstab den Tarnumhang und Hagrid's Eselsfellbeutel mit seinen persönlichen Sachen dabei: Den nun leeren Schnatz, die Spiegelscherbe, seinen eigenen, kaputten Zauberstab, die Karte der Rumtreiber und einige Galleonen, von denen er nicht wusste, wie sie dort hingekommen waren. Aber es war nützlich, sie zu haben. Der alte Schuleiter hatte ihnen wie versprochen eine Erlaubnis für die verbotenen Bücher und einen Beutel mit dreissig Galleonen gegeben. Das war sehr grosszügig, aber Dumbledore hatte sich nicht davon abbringen lassen. Dafür hatte er schliesslich soweit nachgegeben, dass die Beiden die benötigten Sachen- Bücher, Kleider und ähnliches- selbst kauften und hatte ihnen die Liste gleich mitgegeben. Das Paar hatte für morgen einen Besuch in der Winkelgasse geplant. Noch lange sassen sie im Wohnzimmer und sprachen über alles Mögliche, froh, Zeit für sich zu haben, bis das Mädchen am späten Abend einschlief. Harry trug sie in ihr Bett, küsste sie sanft auf die Stirn und kuschelte sich an sie. Wenig später war auch er eingeschlafen.
Die nächsten Wochen vergingen viel schneller als erwartet. Wenn sie ihr Aussehen veränderten, konnten sie gehen, wohin sie wollten. Oft gingen sie in die Winkelgasse oder auch nur in die Bibliothek, um mehr über Zeitreisen herauszufinden. Bisher hatten sie jedoch noch keinen Erfolg zu verbuchen. Immer wieder sprachen sie mit Dumbledore, erzählten ihm jedoch nichts, was die Zukunft verändern konnte. Dank dem Tarnumhang und der Karte konnten sie es vermeiden, anderen Schülern zu begegnen. Zwar sahen sie anders aus, aber es würde trotzdem Verwirrung stiften, wenn zwei völlig Fremde täglich durch Hogwarts schlendern würden. Tagsüber half Ginny Madam Pomfrey, die zwar nicht die ganze Wahrheit kannte, aber dank Dumbledore nicht weiter nachfragte. Ausserdem war sie mehr als froh über die Hilfe, denn das Mädchen war wirklich aussergewöhnlich begabt und hatte auch schon einige Erfahrung. Harry machte derweil alles mögliche. Mal kam er Hagrid zu Hilfe, ein anderes Mal Professor Sprout. Sehr oft zog er sich auch in den Raum der Wünsche zurück und duellierte sich stundenlang mit heraufbeschworenen Illusionen. Natürlich unternahmen die beiden oft auch zusammen etwas. Und jeden Abend sassen sie über Stunden im Wohnzimmer und redeten einfach. Oder sie sagten nichts, sondern genossen einfach die Nähe des Anderen. Immer wieder kam es vor, dass einer von ihnen plötzlich zusammenbrach. Sie hatten viel erlebt und kaum Zeit gehabt, zu trauern. Und gerade als es endlich zu Ende war, waren sie durch die Zeit gereist und konnten nicht bei ihrer Familie sein. Ohne einander wären sie wahrscheinlich beide endgültig zerbrochen. Was man in ihrer Zeit wohl gerade machte? Bestimmt gab es ziemliche Schlagzeilen, wenn der Retter der Zauberwelt und seine Freundin plötzlich ins Nichts verschwanden. In diesen Zeiten zogen sie Kraft aus dem Anderen und versuchten sich so gut es ging darauf zu konzentrieren, dass sie zurückkommen würden. Nachts plagten Harry schreckliche Albträume, sodass er oft schreiend und schweissgebadet aus dem Schlaf fuhr. Ginny war hier nicht so betroffen- wenn auch keineswegs gar nicht- und konnte für ihren Freund dasein. Und wenn er in ihren Armen einschlief, so passierte es um Welten seltener, dass die Träume ihn heimsuchten. Dasselbe war bei ihr der Fall. Manchmal träumte sie vom Tod der Menschen, die sie liebte, aber mit Harry war es selten. Es machte beiden sehr zu schaffen, dass es in ihrer Zeit wahrscheinlich Beerdigungen gab, für Remus, Tonks, Fred und so vielen anderen, sie aber nicht dabei sein konnten.
So vergingen Wochen und Monate, und dann war es der erste September. Wie sie genau wussten, würde der Zug erst abends ankommen, aber Ginny und Harry sassen den ganzen Tag auf glühenden Kohlen. Dabei wussten sie selbst nicht genau, wieso sie so nervös waren. Alles war genau geplant. Noch vor den Erstklässern würde Dumbledore die beiden als Harry Priston und Ginny Weasley vorstellen. Sie hatten es gemacht wie vorgeschlagen, Ginny behielt sowohl Namen als auch Aussehen, während der Junge es seiner Freundin erlaubte, ihn wie gewünscht zu verändern. Und genau das tat sie jetzt mit höllischem Vergnügen.
„Bitte, Ginny, Liebes, Schätzchen, ich liebe dich, mach keinen Quatsch, ich flehe dich an, alle werden mich anstarr-"
„Jetzt halt den Mund! Ich verunstalte dich schon nicht zu sehr, schliesslich bin ich es, die dich ansehen muss"
„Jaah schon aber ich muss damit leben! Und wage es ja nicht, mir einen Bart wachsen zu lassen, sonst werde ich nie wieder mit dir reden!"
„Du drohst mir? Sicher, dass das schlau ist, mein Lieber?" bei jedem Wort wurde ihr Grinsen breiter und höhnischer und die Hand mit ihrem Zauberstab etwas schwungvoller. Und gerade als Harry sich fragte, wieso er ihr das erlaubt hatte, sagte sie „fertig!" und drehte ihn zum Spiegel. Zögernd öffnete der Junge seine Augen einen Spalt- und riss sie dann so fest wie möglich auf. Nicht vor Entsetzen, sondern voller Unglauben. „Wow!"
„Ja, nicht wahr?" Harry nickte schwach. Er sah wirklich sehr gut aus. Seine Haare waren immer noch tiefschwarz, allerdings nicht so ungebändigt, sondern modern aufgegelt. Die Augen waren statt smaragdgrün von einem satten dunkelblau und etwas mandelförmiger als gewohnt. Die Nase war vielleicht etwas kräftiger geworden, aber nicht erheblich. Die Lippen waren immer noch gleich, die Wangenknochen etwas markanter, aber nicht zu hart. Allgemein gesehen sah er sehr attraktiv aus und man konnte ihn unmöglich erkennen, wenn man nichts wusste. Da man Fluchnarben nicht verschwinden lassen konnte, sah man neben vielen anderen im Gesicht und am ganzen Körper auch seine Blitznarbe auf der Stirn, allerdings verdeckte das Mädchen sie geschickt mit Make-up. Abends holte Professor McGonagall sie von ihrer Wohnung ab und führte sie zur grossen Halle, die schon voller Schüler war. Aus einem kleinen Raum in der Nähe holte sie dann auch die kleinen Erstklässler, welche die Älteren neugierig betrachteten. Harry begann sich schon unwohl unter den ganzen Blicken zu fühlen, als die Professorin ihnen bedeutete ihr zu folgen und in die Halle ging. In einer Reihe stehend, Ginny und Harry ganz am Ende, warteten sie, bis der Direktor aufstand und mit der Begrüssungsrede anfing.
„An die Erstklässler: Willkommen in Hogwarts, der Schule, wo ihr das Zaubern erlernen werdet! An unsere Älteren: Willkommen zurück und freut euch auf ein weiteres Jahr Unterricht, Schule und Streiche!" bei den letzten Worten zwinkerte er zum Gryffindortisch und alle lachten. Harry konnte allerdings nicht erkennen, wer da sass, da fuhr er auch schon fort „Ich will euch nicht zu lange vom heiss erwarteten Festmahl abhalten, aber eine Ankündigung gibt es noch: Neben unseren neuen Schülern heisse ich dieses Jahr ebenfalls Harry Priston und Ginny Weasley willkommen. Sie wurden beide bisher zu Hause unterrichtet und sind nun im siebten Jahr hier, um ihre UTZe abzulegen. Beide wurden bereits dem Haus Gryffindor zugeteilt, heisst sie willkommen!" Nachdem der Applaus und das Kichern von einigen Mädchen abgebrandet war, setzten sich Harry und Ginny an zwei freie Plätze am gewohnten Tisch, während Dumbledore noch etwas sagte und dann die Erstklässler einzeln aufgerufen wurden, um zugeteilt zu werden. Froh, das hinter sich zu haben, schaute Harry sich die Schüler neben sich an- und erstarrte. Wie hatte er das vergessen können? Am ersten Tag, als sie das Jahr erfahren hatten und die Verwandlungslehrerin ihn mit Mr. Potter angesprochen hatte, war ihm klar geworden, dass er mit seinen Eltern zur Schule gehen würde. Das war zwar ein Schock für ihn gewesen, aber irgendwie hatte er es tatsächlich vergessen. Und jetzt sass er am Gryffindortisch und vier Köpfe starrten ihn neugierig an- drei, um dessen Tod er trauerte, und ein Verräter. „Hey, ich bin James. Wir sind eure Mitschüler. Harry und Ginny, oder?" Er konnte nicht behaupten, jemand aus seiner Zeit habe gelogen, sein Vater könnte wirklich sein Zwilling sein. Die gleichen Haare, das gleiche Gesicht, nur andersfarbige Augen.
„Ja, genau. Und wer seid ihr?" Als Ginny seine Hand unter dem Tisch drückte und antwortete, erwachte auch Harry aus seiner Starre und versuchte sich normal zu benehmen. Wäre ja toll wenn sein Vater ihn für einen Idioten hielte.
„Ich bin Sirius", sagte Sirius und strich sich das dunkle Haar teilweise aus dem Gesicht. Er sah unglaublich attraktiv aus, und mit Wehmut stellte sein zukünftiger Patensohn fest, wie sehr Azkaban ihn verändert hatte. Seine Augen waren auch jetzt nicht völlig sorgenfrei, wahrscheinlich wegen seiner Familie, aber er wirkte trotzdem viel lebendiger. Glatte Haare fielen ihm bis auf die Schultern und ins Gesicht, eine gerade Nase und kräftige Gesichtszüge liessen ihn älter aussehen, als er war. Harry's Blick schweifte weiter zu Remus, der sich gerade vorstellte. Auch er sah um Welten besser und fröhlicher aus, als Harry es je erlebt hatte. Sandfarbene Haare ohne graue Strähnen trug er kurz, mit einem tiefen Pony. Er hatte einige Narben im Gesicht und wahrscheinlich auch am Körper, was man jetzt aber nicht sehen konnte. Wunderschöne bernsteinfarbene Augen schauten wach und intelligent, als wären seine Sinne immer und überall vollkommen geschärft. Seine Lippen waren voll und die geraden Zähne weiss. Eigentlich war er sehr gutaussehend, aber wahrscheinlich liess er kein Mädchen zu sich heran. Sirius hatte ihm das einmal erzählt. Innerlich lächelnd drehte Harry den Kopf noch ein Stück weiter und das Lächeln, wenn auch nur innerlich, verging ihm. Dort sass der Verräter. Wässrige, babyblaue Augen, zu grosse Vorderzähne, spitze Nase, fettige blonde Haare, fett. Harry konnte nicht verstehen, dass so eine beliebte Gruppe wie die Marauder sich mit einer Ratte abgaben.
„Pe- Peter Pett- Pettigr-eww", stellte die Ratte sich auch schon mit einer unerträglich hohen Stimme- hatte der mit siebzehn noch keinen Stimmbruch gehabt?- vor. Harry's Hand ballte sich zu einer Faust und seine Freundin strich ihm beruhigend über den Handrücken, was ihm wirklich half.
„Wo kommt ihr denn her?", fragte sein Pate neugierig, und dankbar, nichts mehr von der Ratte zu hören, begannen Harry und Ginny ein Gespräch mit den Maraudern.
„Wir kommen beide aus Biddenden, ich weiss nicht, ob ihr das kennt. Ein kleines Muggeldorf. Wie ist die Schule hier?"
„Die Schule ist toll. Es gibt tausende Regeln, die man brechen kann. Mögt ihr Streiche?"
„Ähm, ja, klar. Wir haben zuhause nicht so viel Gelegenheit zu Streiche spielen, aber hier ist das bestimmt viel lustiger", antwortete Harry grinsend. Es war lustig, sich mit den Maraudern zu unterhalten. Die Ratte traute sich ja sowieso nicht mitzureden.
„Das ist sehr gut. Wisst ihr, wir sind in der ganzen Schule bekannt für unsere Streiche. Aber alle mögen es. Alle lieben uns!", sagte sein Vater stolz und warf sich in die Brust.
„Fast alle, Prongs. Fast.", widersprach sein bester Freund ihm grinsend.
„Falls du die Schlangen meinst, die-"
„Nein, ich meine Evans!"
„Ooch, sie liebt mich auch. Sie ist nur zu stolz, um es einzusehen. Du wirst sehen, irgendwann wird sie mit mir ausgehen und danach werden wir heiraten und sie wird mit mir schlafen und dann wird sie ein Kind von mir kriegen und dann wird sie-"
„Nein, Potter, ich bezweifle, dass das passieren wird. Ich bezweifle es sehr stark, dass irgend etwas davon jemals passieren wird. Hi, Ginny, Harry, ich bin übrigens Lily Evans." Harry, Ginny, Sirius und Remus prusteten los. Die Ratte war natürlich nicht mitgekommen und James sprach gerade völlig gelassen seine zukünftige Frau an.
„Hey Evans! Schönen Sommer gehabt? Ich wollte dich mal fragen: Gehst du mit mir nach Hogsmeade?"
„Nein! Hörst du nicht zu? Ich hab schon abgesagt, bevor du mich gefragt hast!"
„Aber vielleicht hast du mittlerweile deine Meinung geändert?"
„In fünf Sekunden? Nein, habe ich nicht und das werde ich auch niemals!"
„Prongs, wenn Evans jemals ein Kind von dir bekommt, werde ich ihm zum ersten Geburtstag einen dieser Kleinkindbesen schenken, die wir in der Winkelgasse gesehen haben!"
„Hey, hörst du, Evans? Unser Kind kriegt so einen tollen Spielzeugbesen von Onkel Paddy!
„WIR HABEN KEIN KIND! UND WERDEN ES AUCH NIEMALS HABEN!" Harry genoss die Zankereien seiner Eltern sehr. Sirius hatte ihm mehrmals davon erzählt, aber es war etwas anderes, als wirklich dabei zu sein. Ausserdem wusste er ja, dass die Beiden noch in diesem Jahr zusammenkommen würden. Lächelnd schaute er zu Ginny, bevor er weiter das Gespräch der Anderen verfolgte. Es war trotzdem schön, hier zu sein.
