Ein Brief aus der Vergangenheit
Draco Malfoy war ein stattlicher junger Mann im Alter von 18 Jahren. Er hatte vor kurzem erfolgreich seinen Abschluss in Hogwarts gemacht und war nun zurück in Malfoy Manor. Dort wollte er sich intensiv auf seine Zukunft vorbereiten, wie er sagte.
Was so viel bedeutete wie Urlaub!
Die Erlebnisse der letzten Wochen lasteten noch immer auf ihm. Der Krieg war vorbei; Voldemort besiegt und das Leben der Todesser war zu einem einzigen harten Kampf geworden.
Seine Eltern hatten sich bereits vor Voldemorts Fall von allem was damit zu tun hatte distanziert. Doch letzten Endes wurden sie ebenso gemieden und verachtet wie alle anderen Todesser auch.
Seine Ankunft in Malfoy Manor was auch dementsprechend unspektakulär ausgefallen. Seine Mutter hatte sich nach dem Tod ihrer Schwester von allem zurückgezogen und ihrer Familie den Rücken gekehrt. Sie war nicht mal da gewesen als er eingetroffen war. Sein Vater hatte ihn mit der üblichen Kälte empfangen, die er bereits kannte. Doch dieses Mal war noch etwas anderes da gewesen. Etwas, das die gesamte Atmosphäre in Malfoy Manor verändert hatte.
Draco wusste nicht was es war und die Stimmung erdrückte ihn. Doch weg konnte er nicht. Hatte er da draußen ja auch niemanden zu dem er gehen könnte. Freunde hatte er kaum welche und selbst diese konnte er nicht als Freunde bezeichnen. Eher als gegenseitige Akzeptanten des jeweils anderen.
Also wo hätte hingehen sollen?
War es sein Schicksal auf Ewig alleine zu bleiben? Nicht einmal mehr Pansy wollte noch etwas mit ihm zu tun haben, nachdem sie erfahren hatte, dass er sich von Harry Potter das Leben hat retten lassen. Danach war er bei ihr unten durch gewesen.
Nicht dass er sich deshalb Sorgen machte, da er sich noch nie um Pansy gekümmert hatte, geschweige denn sich für ihre Meinung über irgendwen, oder irgendwas interessierte.
Doch jetzt da er sich so ungewohnt verloren vorkam, wäre ihm sogar Pansys Gesellschaft lieb gewesen. Aber das hier war mehr als nur trostlos.
Sein Vater verbrachte die meiste Zeit in seinem Arbeitszimmer und seine Mutter war noch immer nicht aufgetaucht.
Er wollte weinen oder schreien, aber er konnte nichts dergleichen tun. Sein Ego und seine eigenen Empfindungen hinderten ihn daran! Er war gefangen in einem goldenen Käfig aus dem ein Ausbruch nicht möglich war.
Warum war er so alleine? Weshalb fühlte er sich so verloren? Warum fühlte er überhaupt noch etwas?
In all den Jahren in denen er emotionale Kälte durch seinen Vater erfahren hatte, in denen er ihm eingetrichtert hatte, weder Schwäche noch Gefühle zu zeigen hatte, hätten ihn eigentlich zu einem emotionalen Eisklotz werden lassen müssen. Doch er war es nicht.
Eine winzige, silberne Träne glitt an seiner Wange hinunter. Gedankenverloren wischte er sie weg wobei sein Blick, wie so oft in letzter Zeit, an seinem Arm hängen blieb.
Eine riesige Brandwunde haftete dort.
Da, wo noch vor wenigen Wochen das Dunkle Mal gewesen war.
Er hatte bereits öfters versucht es zu entfernen, aber bisher war es ihm nicht gelungen. Erst nach Voldemorts Fall hatte er einen Weg gefunden es los zu werden.
Auch wenn dieser Weg mehr als nur schmerzhaft gewesen war, wie seine Wunde deutlich zeigte.
Apathisch strich er über die Wunde und starrte diese an, als wäre sie nicht von dieser Welt. Dabei bemerkte er nicht einmal wie seine Bewegungen immer hektischer wurden und ein brennender Schmerz durch seinen Arm fuhr.
Er kratzte an dem Schorf, bis dieser sich zu läsen begann und Blut aus seinen Adern hervorquoll.
Es wurde immer mehr, doch aufhören konnte er auch nicht, da er das Gefühl hatte nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich zu verbrennen, und das dies der einzige Weg war, dieses Feuer zu löschen.
Schmerz. Stechend heißer Schmerz. Er durchfuhr ihn wie ein Blitz und brachte ihn in Wallung.
Schmerzen hatten ihn schon immer seltsam erregt.
Als er noch kleiner war, kamen ihm diese Gefühle befremdlich vor. Er hatte Angst verspürt. Hatte sich vor sich selbst geekelt. Hatte ihn angewidert.
Doch nun, da er älter war, und verstand was mit ihm passierte, empfand er nur noch ein wahres Hochgefühl.
Dunkelrotes Blut. Es rann seinen Arm hinunter und Tropfte auf den kalten marmornen Boden zu seinen Füßen.
Seine Zunge fuhr über seine schmalen Lippen und seine kalten, grauen Augen blickten hungrig auf seine Wunde hinab.
Dann schnellte er hinab und sog das Blut in sich auf.
Seine andere Hand wanderte langsam an seinem Köper entlang und massierte seine Schultern und seinen Nacken. Mit einer gekonnten Bewegung hatte er sich seines Pullovers entledigt und verteilte sein Blut auf seinem Brustkorb und Bauch.
Als das Blut seinen gesamten Oberköper bedeckte griff er nach seinem Zauberstab und verschloss die Wunde.
Draco ließ diesen fallen, verschränkte seine Arme vor der Brust und ließ sich vom Bett fallen.
Nach wenigen Sekunden wurde ihm schwarz vor Augen.
Das Erste was Draco wahrnahm, als er die Augen wieder aufschlug war Schwärze.
Nur langsam gewöhnte er sich an seine Umgebung.
Er lag noch immer auf dem Boden, seine Augen auf die Decke seines Zimmers gerichtet.
Sauerstoff pochte gegen seine Lunge und er hatte das Gefühl zu ersticken.
Schwerfällig rappelte er sich auf. Das Blut war inzwischen etwas angetrocknet und klebte an seiner Brust, ebenso an seinen Armen. Er atmete tief ein und aus und blickte sich in seinem Zimmer um.
Es war weiß und ziemlich spartanisch eingerichtet. Sein Bett war genau wie seines in Hogwarts gewesen war. Darauf hatte er gleich nach seinem ersten Jahr bestanden. Der einige Unterschied war, dass sein Bett beinahe dreimal so groß war. Darauf hatte wiederum sein Vater bestanden.
Für den Fall, dass sein Sohn mal eine "Freundin" mitbringen sollte. Das hatte er aber nie getan.
Nicht, das er sich nicht für Frauen interessierte, das tat er schon, aber bisher war keine dabei gewesen, für die er sich ernsthaft interessierte.
Er hatte zwar schon einiges ausprobiert und das auch mit vielen Mädchen, aber keine konnte seine Befriedigung bringen. Jedenfalls nicht in der Form, wie er es gerne gehabt hätte.
Pansy hatte noch am Meisten mitgemacht, aber nicht so weit, dass Draco sich wirklich ausgelastet vorkam. Feine Narben überzogen seine Arme, Beine, seinen Rücken und seinen Brustkorb. Durch das Blut wurden diese aber größtenteils verdeckt, nur die auf dem Rücken lagen blank.
Langsam trat er vor den großen Spiegel, der an seinem Kleiderschrank befestigt war, und begutachtete seine Narben. Einige waren kaum zu sehen, andere gingen etwas tiefer und eine grub sich tief in sein Fleisch hinein.
Diese hatte er sich selbst zugefügt, nachdem Pansy ihn nach dem Weihnachtsball hatte stehen lassen.
Er war weder verletzt noch enttäuscht gewesen, aber er hatte Wut verspürt. Kein Mädchen hatte ihn jemals stehen gelassen, niemand hätte es gewagt.
Pansy war in gewisser Weise zu seinem weiblichen Pendant geworden.
Irgendwie vermisste er sie sogar.
Nicht auf emotionaler Ebene, aber auf psychischer.
Sie hatte ihm immer das Gefühl gegeben, dass er sich nicht zu verstecken brauchte. Dass er sein konnte, wie er wirklich war:
grob, unfähig Gefühle zuzulassen, ein emotionales Wrack und ein egoistisches Arschloch!
Wobei er letztere Tatsache auch anderen gegenüber äußerst wohlwollend entgegen brachte. Pansy war die Einzige, die aber alles mit einer solchen Ignoranz abgetan hatte, dass ihn sogar ab und an das Gefühl beschlich, er wäre ihr genauso gleich, wie sie ihm.
Irgendwie faszinierte ihn dieser Gedanke sogar, hatte er Pansy doch bisher für ziemlich beschränkt und dumm gehalten. Aber wenn er so im Nachhinein so über sie nachdachte, dann war sie sogar intelligenter als er es jemals von ihr erwartet hätte.
Sie hatte es aber sehr gut geschafft, ihre Intelligenz sehr gekonnt zu verstecken.
Ob das nun geschehen war, um sich einfach nur Vorteile zu verschaffe, oder weil es einfach eine von langer Hand geplante, eiskalte Berechnung ihrerseits gewesen war wagte er gar nicht zu überlegen.
Je länger er sich Gedanken über Pansy Parkinson machte, desto mehr wurde ihm klar, dass er sie eigentlich nie richtig kennen gelernt hatte.
Ganz im Gegensatz zu ihr.
Pansy hatte fast alles von ihm gewusst. Nicht weil er ihr auch nur irgendetwas erzählt hatte.
Das schickte sich erstens nicht für einen Malfoy und zweitens hatte er sich grundsätzlich mit niemandem über sich unterhalten. Er sprach zwar sehr gerne von sich, aber nur über die Dinge die ohnehin schon jeder wusste. Draco hatte diese dann nur noch ein wenig ausgeschmückt und ein paar eigene Ideen, die gut dazu gepasst haben, hinzugefügt.
Warum also wusste Pansy Parkinson so viel über ihn, aber er so gut wie nichts über sie?
Er wusste dass sie Einzelkind war, ihre Eltern Pennilyn und Patrick hießen und sie in Schottland lebten. Sie hatte einst einen kleinen Bruder namens Timothy gehabt, aber dieser war zwei Wochen nach der Geburt verstorben. Das war als Pansy bereits 10 Jahre alt war.
Das waren die einzig persönlichen Dinge die sie ihm jemals erzählt hatte. Zumindest alles, was er herausgefunden hatte, da er sich früher nicht für ihr Leben interessiert hatte.
Dass sie seltsamerweise beinahe alles über ihn wusste, hatte er nur herausgefunden, weil sie ihm während der Sommerferien zwischen seinem vierten und fünften Schuljahr einen langen Brief geschickt hatte. Weshalb sie ihm überhaupt geschrieben hatte wusste er bis heute nicht, aber sie hatte es ihm ja auch nie gesagt und er hatte nie gefragt.
Aufgehoben hatte er den Brief aber dennoch.
Er wandte sich von seinem Spiegelbild ab und wankte hinüber zu seinem Schreibtisch.
Hinter einer seiner Schubladen verbarg er eine kleine Blechdose. Dort bewarte er alles auf, was jemals von Bedeutung für ihn gewesen war. Und Pansys Brief gehörte ebenfalls dazu.
Es war eines der vielen Geheimnisse, die er vor seiner Familie hütete.
Sein Vater wollte immer dass er genau so ein emotionaler Eisklotz wie er wird, doch das war ihm bisher nicht gelungen, und Draco bezweifelte stark, dass er es jetzt auch noch werden würde.
Er hatte sich schon lange von seiner Familie distanziert. Traf seine eigenen Entscheidungen und lebte sein eigenes Leben.
Und weder sein Vater noch sonst wer konnte ihn noch beeinflussen.
Seine Mutter hatte sich von ihnen abgewendet, sein Vater zog sich mehr und mehr von der Außenwelt zurück und kapselte sich größtenteils von allem, was mit der Familie zu tun hatte ab. Und sonst hatte er auch nicht sonderlich viele Menschen in seinem Leben die sich mit ihm beschäftigten und ihm Vorschriften machten.
Und jene, die es taten, waren entweder bereits gestorben, saßen in Askaban oder waren vor den Auroren geflohen.
Also alles in allem hatte er niemanden um sich herum, der ihm irgendetwas aufzwang, dass er nicht wollte. Er hätte vermutlich sogar aus Malfoy Manor fliehen können, doch dazu fehlte ihm der Mut, und er wusste auch nicht so genau, wo er hätte hingehen sollen.
Womit er wieder am Anfang seiner ursprünglichen Überlegungen war.
Mit zitternden Händen nahm er die Blechdose in die Hand, ging mit dieser zu seinem Bett und öffnete sie.
Darin lagen einige Unterlagen, von Hogwarts, unter anderem seine Annahmebestätigung und seine Bücherlisten.
Außerdem lagen einige Bilder von seinen Verwandten darin.
Ebenfalls lag ein kleines Foto von Pansy darin.
Er hatte sie nie so genau betrachtet, aber wie er sie nun so ansah, wurde ihm zum ersten Mal wirklich bewusst, dass sie sogar so etwas wie hübsch war.
Auf ihre Weiblichkeit hatte er nie sonderlich geachtet, wenn er sie für seine schmutzigen Fantasien missbraucht hatte.
Sie hatte sich ja nie gewehrt, nie etwas gesagt. Hatte jedes noch so perverse Spielchen mitgemacht ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Er hatte sie nie gefragt warum sie alles mitmachte.
Er war einfach davon ausgegangen, dass es ihr entweder gefiel, oder dass sie nicht den Mut oder die Kraft besessen hatte sich ihm zu entziehen. Was es auch gewesen war, er hatte niemals gefragt.
Der Grund, weshalb er nie so weit gegangen war, wie er es immer wollte lag wohl größtenteils daran, dass er ihr seine wahren Begehren nicht offenbaren wollte um sie zu verschrecken.
Pansy Parkinson war die einzige Person auf diesem Planeten, auf die er je Rücksicht genommen hatte.
Nicht aus Liebe. Das hatte er nie für sie empfunden. Sie war eher so etwas wie eine kleine Schwester für ihn. Eine Schwester mit der er schlimme Dinge angestellt hatte und die ihm alles verziehen hatte.
Er hatte ihr das Herz gebrochen. Mehrmals. Aber sie hatte ihm immer wieder versichert, dass sie ihm treu ergeben war, ihn liebte und alles für ihn tun würde.
Ganz unten lag Pansys Brief. Ein paar zusammen gefaltete Blätter Pergament. Der Brief war in einem schlichten weißen Briefumschlag deponiert und wurde von Pansys Schneeeule Mystic gebracht.
Apathisch öffnete er den Brief und begann die Zeilen zu lesen, die sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hatten und ihn ein seltsames Gefühlswirrwarr gestürzt hatten.
Lieber Draco,
du wunderst dich vermutlich warum ausgerechnet ICH dir schreibe. Wir sind ja nicht zusammen, das habe mittlerweile selbst ich begriffen. Aber uns verbinden Dinge, die du mit niemandem sonst verbindest. Jedenfalls gehe ich mal davon aus. Ich weiß dass du neben mir noch andere „Gespielinnen" hast, aber keine von ihnen kommt an mich heran. Das können weder „DU" noch „ICH" bestreiten. Aber ich bin auch ganz froh dass dem so ist.
Wie dem auch sei, warum ich dir schreibe weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Es war ein Impuls der mich dazu gebracht hat. Ein Gefühl, dass ich es einfach tun muss.
Nachdem was in diesem Sommer alles geschehen ist. Der Tod von Diggory war definitiv erst der Anfang. Der Anfang von etwas großem. Der Krieg hat nun definitiv begonnen! Und ich weiß nicht, welche Seite für mich, für uns, die bessere wäre.
Die aktive Seite der Todesser, oder die passive Seite der Anhänger.
Ich persönlich wäre sehr froh kämpfen zu können an der Seite meiner Eltern. Aber andererseits möchte ich auch sicher sein, dass ich nicht sterbe.
Das mag jetzt sehr kitschig und gryffindormäßig klingen, aber ich will eine echte Zukunft haben.
Wie auch immer diese irgendwann aussehen mag. Ob sie nun vom Dunklen Lord regiert wird, oder von Leuten wie Dumbledore, das ist mir relativ egal. Solange sie sicher für mich und meine Familie ist.
Ich will leben, eine Zukunft haben und auch eine eigene Familie gründen.
Verurteile mich ruhig dafür. Das macht mir nichts aus. Ich gebe nichts auf solche Kritik.
Es mag dir vielleicht noch nie wirklich aufgefallen sein, auch wenn ich das aufgrund unserer gemeinsamen Nächte einfach mal bezweifle, aber ich bin eine Frau. Und tief in meinem Inneren denke ich nun mal auch wie eine Frau. Und ich glaube, dass die meisten Frauen in unserer Schule sich gerne eine eigene Familie wünschen.
In meinem ersten Jahr habe ich mir gewünscht meine Familie mit dir zu gründen, aber im weiteren Verlauf unserer Schulzeit und den Nächten die wir miteinander verbracht haben, weiß ich, dass du niemals der Mann sein wirst, der an meiner Seite stehen wird, wenn ich eines Tages heiraten werde.
Wenn ich eines Tages Mutter werde.
Dafür bist du nicht gemacht. Du hast dich von den Überzeugungen deines Vaters so sehr einnehmen lassen, dass du gar nicht weißt, dass es auch noch andere Dinge auf der Welt gibt.
Du bist gefühlskalt geworden. Wenn du es nicht schon immer gewesen bist. Ich kann mir nicht vorstellen so vollkommen ohne Liebe aufgewachsen zu sein. Meine Eltern haben es mich immer spüren und wissen lassen, dass sie mich ehrlich lieben. Aber bei deiner Familie scheint das wohl anders zu sein.
Ich habe dich und deine Familie beobachtet wie ihr miteinander umgeht. So gefühllos und eisig kalt, dass es mir das Blut in den Adern gefriert. Wie du das nur schaffst?
Ich habe da meine eigenen Theorien aufgestellt. Ich glaube, dass du im Inneren schwach bist. Nicht fähig dich zu wehren. Nicht in der Lage sich gegen die Prinzipien deines Vaters zu stellen und unfähig sich seiner zu entziehen.
Ich kenne das nur zu gut. Denn so bin ich. So und nicht anders.
Und ich werde auch nicht anders sein. Ich gebe mich nach außen hin, so wie die Leute mich haben wollen, aber ich bin couragiert genug um zu wissen wer ich bin und mich gegen andere zu wehren.
Auch gegen meine Eltern!!
Solltest du auch mal versuchen. Täte dir zur Abwechslung mal ganz gut. Außerdem finde ich es schon beinahe erbärmlich, wie du versuchst, Potter weiterhin fertig zu machen.
Er reagiert sowieso nicht darauf. Also solltest du es einfach lassen. Und wenn du es doch nicht lassen kannst, wovon ich mal ausgehe, dann übertreib es nicht so sehr.
Du solltest dich wichtigeren Dingen widmen.
Wie zum Beispiel deiner Zukunft.
Was hast du später vor?
Willst du in die Fußstapfen deines Vaters treten und dich dem Dunklen Lord anschließen? Oder willst du fliehen und dich vor allem verstecken?
Ich weiß dass du selten einer Konfrontation aus dem Weg gehst, aber ich bin mir nicht völlig sicher, ob du dem gewachsen bist, was noch in der Zukunft auf uns zu kommen wird. Und ich weiß, dass es eine Menge sein wird!
Ich selbst bin mir noch nicht ganz sicher was ich tun werde. Das wird sich aus der Situation heraus ergeben.
Wenn meine Eltern mich darum bitten werde ich entweder kämpfen und für sie sterben, oder fliehen und mich retten. Meine Zukunft ist ebenso ungewiss wie deine. Der einzige Unterschied dabei ist, dass ich eine Wahl habe und du nicht!
Das ist wohl auch der grundlegende Unterschied zwischen uns beiden. Wenn man die Tatsache dass du ein Mann und ich eine Frau bin mal außen vorstehen lässt.
Aber dass ist eigentlich nicht der Grund warum ich diesen Brief an dich hier aufgesetzt habe.
Ich will dich weder beleidigen, oder mit Psycho-Geschwafel zutexten, noch dich zu einer Entscheidung bezüglich der Zukunft drängen.
Ich will einfach nur sicher gehen, dass es dir gut geht, und dass du deine Ferien genießen kannst, denn ich weiß, dass viele mit denen ich nach Diggory's Tod gesprochen habe, oder haben sagen hören, diesen Sommer weiß Gott nicht so sehr genießen können, wie andere Leute.
Ich mache mir einfach nur Sorgen, dass es dir eventuell genauso gehen könnte. Aber Gefühle zu zeigen fiel dir ja schon immer etwas schwer, um nicht zu sagen, dass es dir größtenteils vollkommen unmöglich ist, überhaupt irgendein Gefühl zu zeigen.
Du kannst darüber jetzt wütend sein, mich hassen und verurteilen, aber im Grunde weißt du dass ich Recht habe. Streite es ab, aber letztendlich wirst du mir zustimmen müssen.
Ich kann nicht genau definieren was genau wir sind. Ich bin mir ja nicht einmal sicher, dass ich dass was uns verbindet als „WIR" bezeichnen kann. Aber wenn es ein „WIR" gibt, dann würde ich uns als Freunde bezeichnen.
Denn nur eine gute Freundin hätte all das mitgemacht, was du mit mir in den letzten zwei Jahren so alles angestellt hast. Ich will nicht sagen dass es mir nicht gefallen hat, denn das hat es. Ich wäre niemals so weit gegangen, wenn ich es nicht auch nur ansatzweise gewollt hätte.
Aber ich muss sagen, dass ich mir manchmal schon Sorgen um dich gemacht habe.
Entweder bist du zu aggressiv, oder zu zurückhaltend!
Was es auch war, du warst nie ganz du selbst!
Aber ich will dich nicht zwingen dich mir ganz hinzugeben, wenn du es nicht möchtest, aber ich werde warten. Solange bis du bereit dafür bist.
Bist du für „MICH" bereit bist.
Ich werde vielleicht nicht ewig warten. Aber lange genug, bis du dir sicher bist.
Was auch immer das nun bedeuten mag.
Ich hoffe du hast dennoch wunderschöne Ferien, und denkst vielleicht ab und zu an mich, denn ich denke beinahe täglich an dich.
Du musst mir auf diesen Brief keine Antwort schicken.
Du musst mir nicht mal sagen, ob du ihn gelesen hast. Ich will nur, dass du ein wenig über ihn nachdenkst.
In Liebe
Pansy
Gedankenverloren legte er den Brief beiseite.
Er hatte niemals auf ihn geantwortet. Er hatte damals einfach nicht gewusst, was er darauf antworten sollte. Er hatte nicht mal richtig gewusst, was sie in diesem Brief meinte.
Hatte es einfach nicht genau verstanden.
Doch jetzt nach drei Jahren, war es ihm endlich klar.
Sie hatte ihn schon damals besser gekannt und verstanden als er selbst etwas.
„Vielleicht sollte ich ihr endlich antworten.", dachte er so bei sich.
Jetzt wusste er, was er ihr sagen konnte.
Er wollte sich gerade an seinen Schreibtisch setzen bis ihm klar wurde, dass sein Brustkorb noch immer voll mit getrocknetem Blut war. Das musste er zuallererst loswerden, ohne dass er gesehen wurde.
Er machte sich auf zu seinem Kleiderschrank, öffnete diesen, zog ein paar Klamotten heraus und machte sich auf ins Badezimmer. Dabei musste er sehr darauf achten, dass er nicht von irgendwem gesehen wurde. Er wollte keine unnötigen Fragen beantworten, denn er hasste es.
Und seine Neigungen wollte er nicht gerade hier öffentlich breit treten.
Es erschien ihm wie eine halbe Ewigkeit, als er sich unter die Dusche stellte und das heiße Wasser seinen Körper benetzte.
Nach ungefähr zwei Stunden verließ er gewaschen und angezogen das Badezimmer.
Als er sich endlich in seinen geliebten Schreibtischsessel niedergelassen hatte blickte er apathisch auf die weiße Wand.
Wenige Augenblicke später öffnete er eine Schublade und entnahm ein paar Blätter Pergament, ein Tintenfass und einen Federkiel.
Er stand auf, ging zu seinem Bett und nahm sowohl den Brief als auch das kleine Foto von Pansy mit zu seinem Schreibtisch.
Als er sich wieder gesetzt hatte betrachtete er lange das Bild und den Brief.
Liebe Pansy,
Weiter kam er nicht. Er wusste nicht, wie er beginnen sollte. Wusste nicht, was er ihr schreiben sollte.
Er fühlte sich ratlos.
„Warum bist du nur so kompliziert?", fragte er und betrachtete Pansys lächelndes Gesicht auf dem Foto.
Ihre braunen Haare fielen ihr lasch über die Schultern und ihre Augen wirkten stechend. Darüber konnte auch das unschuldige Lächeln welches sie aufgelegt hatte nicht hinwegtäuschen.
Sie war ein Teufel in Engelsgestalt, auch wenn sie braunes und nicht blondes Haar hatte.
Aber die Haarfarbe war ihm bei Frauen schon immer ziemlich egal gewesen. Hauptsache sie taten was er wollte und stellten keine überflüssigen Fragen.
Wobei weder das eine noch das andere auch nur ansatzweise auf Pansy zutraf.
Sie war ein Hitzkopf, stur und temperamentvoll. Sie ließ sich nichts vorschreiben und hatte keine Probleme damit andere zu dominieren.
Selbst Draco war das ein oder andere Mal vor ihr gekuscht und hatte sich ihrem Willen gebeugt.
Das war noch das Meiste, was ihn an ihr fasziniert hatte.
Faszination! Keine Liebe! Das rief er sich immer wieder ins Gedächtnis. Er hatte nie Liebe für sie empfunden als er mit ihr geschlafen hatte und sie für sich benutzt hatte, und empfand auch jetzt keine Liebe für sie, nachdem es vorbei war.
Freunde. Das war wohl definitiv die beste Umschreibung für sie beide.
Besondere Freunde. Denn sie teilten eine Menge miteinander.
Hauptsächlich natürlich den Sex, aber auch ihr Schicksal.
Beides war sehr ungewiss, vor allem nach Voldemorts Fall.
Und das war es. Das waren die Dinge die er ihr sagen wollte.
Endlich wurde ihm klar, dass das die Dinge waren, die er ihr einfach sagen musste.
Dass sie Freunde waren. Und dass er sie nicht als Freundin verlieren wollte. Auch wenn sie offensichtlich nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte.
Aber er war immer noch ein Malfoy. Und seit seiner Geburt war es die oberste Priorität eines Malfoys niemals aufzugeben und an seinen Vorhaben festzuhalten, komme was wolle!
Egal was auch immer irgendwann einmal passieren würde, er würde es durchstehen und damit fertig werden.
So wie er es immer getan hatte, und auch immer tun wird!
„Ich bin ein Malfoy. Aufgeben werde ich erst dann, wenn es längst vorbei und somit auch zu spät ist!", sagte er zu sich selbst.
Dann begann er seinen Brief…
