East Blue, Fuchsia Island
Es war ein Tag wie jeder andere auf Fuchsia Island. Die Sonne stand hoch am Himmel und warf harte Schatten durch die Fensterläden der „Partys Bar", an den Stühlen und Tischen vorbei auf den frisch gewischten Boden der Bar.
Ein dunkelhaariger Junge saß am Tresen und stocherte lustlos in den Kartoffeln seines Mittagessens herum. Ketchup war alle und allein mit ein paar Erbsen, Karotten und Kartoffeln ließ sich einfach kein spannendes Szenario auf seinem Teller formen.
Außer dem Jungen befand sich noch eine weitere Person in den Räumen, eine junge Frau, die eifrig den Wischmop um die Tische herum schwang und ihr grünes Haar, bis auf ein paar Strähnen die an der Stirn herauslugten, in ein kariertes Kopftuch gewickelt hatte.
Der Junge stöhnte dramatisch, während sein Versuch, aus den Kartoffeln einen Vulkan zu formen aus denen Erbsen purzelten, fehlschlug. Mit Ketchup war alles besser.
„Schmeckt dir das Essen nicht, Ruffy?" , fragte die Frau an den Jungen gewandt.
Übertrieben zuckte der Junge mit den Schultern und zog die Mundwinkel protestiv nach unten.
„Ach komm, iss schon. Du musst doch groß und stark werden wenn du eines Tages Marinesoldat werden willst!", lächelte Makino ihm zu.
Darauf erwiderte Ruffy nichts, es zeigte allerdings wohl seine Wirkung denn er griff wieder entschlossen nach seiner Gabel, spießte eine der nicht zerstampften Kartoffeln auf und schob sie sich in den Mund. Dann, mit neuem Kampfgeist erfüllt hob er seine Gabel stolz in die Höhe und leerte seinen Teller anschließend in Rekordzeit. Zufrieden strubbelte Makino ihm durch die Haare nachdem sie mit Wischen fertig war. „Gehen wir zum Markt? Ich glaube wir brauchen noch neuen Ketchup." Ruffy war gerade fertig damit seinen Teller sauber zu lecken, stellte diesen scheppernd auf den Tresen und antwortete mit einem breitem zustimmendem Grinsen.
Währenddessen, in den Gewässern des East Blues
„LAND IN SIIIIIICHT", hallte es vom Hauptmast und das Treiben auf Deck wurde auf der Stelle wieder zu Leben erweckt.
Ein Mann mit schwarzem, wehendem Umhang und einem Strohhut auf dem Kopf rückte auf das Zentrum des Decks von wo aus ihn alle deutlich sehen und hören konnten „Jungs, ihr wisst was zu tun ist! Kurs beibehalten und den Anker bereit halten!" rief er breit grinsend seiner Crew zu.
Mit einem Schlag war die zuvor herrschende, trübselige Stimmung weggeschlagen und die Strapazen der seit einigen Tagen leeren Speisekammer vergessen.
Voller Enthusiasmus folgte die Crew ihrer Pflicht, nahm ihre Posten und und tat, was getan werden musste.
Nur Ben war etwas mulmig bei der Sache. Nicht weit von hier befand sich eine Marinebasis. Nicht auszudenken, wenn die von ihren Vorhaben Wind bekamen bei den aktuellen Umständen. Nur für einen Moment dachte er daran dem Kapitän vorzuschlagen den Jolly Roger abzuhängen, erinnerte sich dann aber an das letzte Mal. „Bist du doof? Wir müssen Flagge zeigen!", waren damals Shanks' Worte gewesen und damit war das Thema gegessen. So würde es auch heute sein.
Ein heftiger Schlag auf den Rücken riss ihn in die Gegenwart zurück. „Bald gibt's wieder was vernünftiges zwischen die Zähne. Schluss mit trock'nem Brot!", grinste ihm Lucky Roo zu. Zögernd nickte er dann bejahend und beide schauten zuversichtlich auf den Horizont und die Umrisse der sich nähernden Insel.
Marktplatz, Windmühlendorf
Der Marktplatz im Windmühlendorf war, wie immer, übersichtlich spärlich gefüllt. Es folgte ein bisschen Smalltalk mit Edmund, dem Fischer. Neues gab es nichts und so gab Edmund erneut seine Geschichte über sein Zusammentreffen und knappes Entkommen mit einem Seekönig preis, die er jedem erzählte, der es hören wollte oder auch nicht. Sogar Ruffy, der die Geschichte nun mindestens zum zehnten Mal gehört hatte, hatte es langsam satt und nickte diesmal nur mit wenig Begeisterung auf die Frage „Naa, Ruffy! Soll ich dir wieder die Geschichte von meinem Kampf mit dem Seeungeheuer erzählen?". Diesem gingen auch allmählich die Ideen aus die Geschichte weiter mit spannenden Details und todesmutigen Hirngespinsten auszuschmücken.
Nachdem sie die 2 Pfund Lachs und den Beutel Krabben bezahlt hatten machten sie sich weiter auf zu Tante Magritta, die wieder aufgeregt unter vorgehaltener Hand mit Elsa vom Obstand nebenan am plauschen und kichern war. „Ohhhh, Kundschaft!", sagte sie als sie die beiden näherkommen sah und fuhr hektisch herum. „Was darf es denn heute sein? Vielleicht ein paar Mohnschnecken? Sind gerade frisch aus'm Ofen!"
„Ja, sehr gerne. Sonst alles wie immer bitte.", antwortete Makino und zählte bereits ein paar Münzen aus ihrem Beutel ab, als etwas an ihrem Rock zupfte.
„Maaa-san, was machen die da hinten?", wollte Ruffy, noch immer mit einer Hand an ihrem Rock ziehend, den Finger der anderen Hand in die entgegengesetzte Richtung zeigend, wissen.
„Ruffy, ich hab dir doch schon so oft gesagt du sollst nicht an meinem- hm?" Sie brach ab nachdem sie Ruffys Arm von sich schob und der Richtung seines Fingers folgte. Etwa 30 Meter entfernt von ihnen, am Ende des Marktplatzes, dort wo ein Pfad zur Südküste führte, stand der Bürgermeister, umkreist von einigen Bewohnern des Dorfes und fuchtelte wild mit einer Mistgabel.
Auch Magritta und Elsa waren mittlerweile auf diesen Umstand aufmerksam geworden. „Nanu, was ist denn da los?"
Die Traube um den Bürgermeister löste sich, ein paar der Männer folgten dem Bürgermeister in Richtung Küste, zwei von ihnen steuerten mit schnellen Schritten in die entgegengesetzte, direkt auf sie zu.
„ALLE FRAUEN UND KINDER IN DIE HÄUSER! PIRATEN!", brüllte einer der Männer.
„Wie schrecklich!", kreischte Magritta und ließ vor Schreck die Tüte mit den Mohnschnecken fallen, die sie Makino gerade reichen wollte.
Makino packte mit der freien Hand Ruffy am Arm und zog ihn an sich. „Waaaas, Piraten?! Lass mich loooos!", setzte sich Ruffy erfolglos zur Wehr. Die Lage war ernst und ließ keinen Raum für riskante Spielchen. Mit Leichtigkeit umpackte Makino den zappelnden Jungen um die Taille und klemmte sich ihn unter den Arm. Gegen die ausgewachsene Bardame hatte er keine Chance und ließ sich den Weg zurück in die Bar befördern, natürlich nicht ohne lautstark zu protestieren. „Lass miiiich! Ich muss kämpfen!" Man sah es ihr vielleicht nicht direkt an, aber trotz ihrer sonst schmächtigen Gestalt hatte Makino durch die tägliche Arbeit in der Bar ordentliche Kraft in den Armen und störte sich somit wenig an Ruffys Versuchen sich aus ihrem Griff heraus zu winden.
Derweil an der Küste des Windmühlendorfs.
„Anscheinend werden wir bereits erwartet.", lachte Lucky und sprach das Offensichtliche aus, während er auf die Gestalten am Hafenanleger deutete. Ein kleines Dutzend Männer stand dort, mit geballten Fäusten und Schaufeln und Mistgabeln in den Händen, grimmig dreinschauend. Ihnen voran ein älterer, untersetzter Mann mit einem Hawaiihemd und komischem Hut.
Sie waren mittlerweile in Hörreichweite und der Kapitän der Red Hair Pirates trat aus der Menge der Crew hervor, dicht gefolgt von seinen ersten beiden Offizieren, Ben Beckman und Lucky Roo.
„Was für ein herzlicher Empfang!", sprach Kapitän Shanks zu den Männern am Anleger, die deutlich in der Unterzahl waren.
Jetzt war es der Bürgermeister der einen weiteren Schritt hervortrat und entschlossen seine Mistgabel emporstreckte. „Verschwindet von hier, Piraten! Hier gibt es nichts für euch zu plündern!"
„Hoooo hoo!", machte Shanks, und hob dramatisch beide Hände hervor. „Wir haben keine feindlichen Absichten."
Der kleine Mann mit der Mistgabel sah nicht überzeugt aus und machte lächerliche, stechende Bewegungen mit seinem Werkzeug, was von Seiten der Piratencrew für schallendes Gelächter sorgte. „Ich sag es nur noch einmal, geht! Sonst...!"
„Sonst was?" fragte Shanks und deutete mit einer Handbewegung den Lautstärkepegel zu senken. „Wollt ihr einen Kratzer in mein Schiff schlagen?"
Außer sich vor Zorn blickte der kleine Mann hilfesuchend um sich her, in der Hoffnung die Anzahl seiner Gefolgsleute hätte sich durch ein Wunder verzehnfacht. Aber alles was er vorfand waren eine Handvoll verängstigter Dorfbewohnern die ihre provisorischen Waffen zitternd in den Händen hielten und in ihrem Leben mit nichts mehr, als vielleicht einer schlechten Ernte zu kämpfen hatten.
„Nun gut... vielleicht kann euch dies ja von unseren guten Absichten überzeugen... Ben!", rief der Kapitän zu der kleinen Meute und dann an seinen ersten Offizier gewandt.
Dieser nickte und trat mit einem kopfgroßen, klimpernden Leinenbeutel an die Reling vor, den er dann mit einem Ruck mühelos über Bord, zu Füßen des Bürgermeisters warf. Beim Aufprall löste sich die lockere Schnur, mit der der Sack zugebunden war, und klirrend ergossen sich unzählige, im Sonnenlicht goldschimmernde, Münzen heraus.
Nachdem er, es schien einem Herzinfarkt nahe, zurückgewichen war, starrte der Mann zunächst ungläubig auf den Sack voller Goldmünzen, dann zu dem Piratenkapitän, dann wieder auf den Sack. Nur kurz zögerte er, eher er sich zu Boden kniete, die Mistgabel zur Seite legte und vorsichtig die Hand nach eine der Münzen ausstreckte.
„Wir legen dann an", meinte der Kapitän, als wäre die Sache geklärt und gab seiner Crew bereits Anweisungen.
„Woop, was machen wir denn jetzt?", fragte einer der Dorfbewohner und beobachtete wie die Piraten, die ihnen nun keinerlei Beachtung mehr schenkten, fröhlich an ihrem Hafen Anker anlegten.
Bürgermeister Woop Slapp wusste keine passende Antwort auf diese Frage und lenkte sich damit ab die Münzen einzeln aufzusammeln und zurück in den Sack zu verfrachten. Die Situation war aussichtslos. Im Kampf gegen die Piraten würden sie nicht den Hauch einer Chance haben. Nachdenklich betrachtete Woop das Innere des Sacks. Das Gold darin war mindestens einige Tausend Berry Wert. Wenn nicht sogar an die Zehntausend! Im Falle aller Fälle könnten sie es als Schutzgeld für die Bergräuber nutzen.
„Lasst sie...", sagte er letztlich, den Kopf immer noch beschämt nach unten geneigt. Versunken in Gedanken bemerkte Woop nicht was um ihn herum geschah und seine eigenen Männer stumm erstarrten, bis er selbst aufschreckte als etwas ihm an der Schulter antippte.
Das Herz in der Hose sitzend, fuhr erlangsam herum. Der Mann, der vorhin vorne auf dem Deck stand und wohl der Kapitän der Crew war, stand jetzt direkt hinter ihm. Drei tiefe, diagonal verlaufende Narben zierten dessen linkes Auge und auf dem Kopf trug er einen Strohhut, der irgendwie nicht ins Gesamtbild passte, aber der Bedrohlichkeit keinen Deut nahm. Grinsend rückte dieser seinen Hut zurecht.
„Ehhm, wo iss'n hier die nächste Spelunke?"
