Kapitel 1: Gefühl
„Vielleicht wäre es besser das Spiel abzusagen."
Dieser Gedanke geisterte schon seit Wochen in Kuroko Tetsuyas Kopf herum. Das ungute Gefühl, das sich tief in seinem Inneren eingenistet hatte, wurde er seit dem Augenblick, in dem er erfuhr, wer ihr nächster Gegner sein würde, nicht mehr los. Es war teilweise so schlimm, dass er mitten in der Nacht schweißgebadet aufwachte und stundenlang keinen Schlaf fand.
Aber was sollte er Riko sagen? Dass sie ein Freundschaftsspiel gegen Touou aufgrund eines flauen Gefühls im Magen und ein paar unbedachter Äußerungen abblasen sollte? Lächerlich! Schließlich trainierte das gesamte Team wie verrückt. Besonders Kagami kannte nur noch ein Thema. Der Rotschopf war Feuer und Flamme, fieberte dem Match gegen Aomine regelrecht entgegen. Und genau darin lag das Problem. Vielleicht interpretierte er auch zu viel in die Sache hinein. Was sollte schon groß passieren? Aber bis jetzt hatte ihn sein Gefühl noch nie getäuscht.
„Bist du endlich mal fertig? Ich will hier nicht übernachten!"
Eine wohlbekannte Stimme riss Kuroko plötzlich unsanft aus seinen Überlegungen und katapultierte ihn somit schlagartig zurück ins Hier und Jetzt.
„Mhm?"
Überrascht realisierte Kuroko, dass Kagami und er mittlerweile die Einzigen in dem kleinen Umkleideraum waren.
„Kommst du?!"
Ungeduldig trommelte der Rotschopf derweil mit den Fingern auf dem Tragegurt der Sporttasche, die bereits über seiner Schulter hing. Schnell, um seinen Freund nicht noch länger warten zu lassen, packte der Blauhaarige seine Sporttasche. Zusammen verließen sie schließlich die Turnhalle und machten sich auf den Weg in Richtung Stadtpark. Dort würden sie ein kleines Extratraining einlegen. Natürlich war es Kagami gewesen, der den Vorschlag gemacht hatte. Wenn es nach ihm ginge, würden sie den lieben langen Tag nichts anderes machen außer Basketball zu spielen.
„Ich kann es kaum erwarten! In zwei Tagen zeigen wir ihnen, wie man richtig Basketball spielt!"
Schweigend lauschte Tetsuya dem Größeren, wie dieser seiner Euphorie angesichts des kommenden Spieles in zwei Tagen lautstark Luft machte. Dabei war es ihm relativ gleichgültig, dass sich die anderen Passanten auf der Straße neugierig nach ihnen umdrehten. Für Kagami war es ein Geschenk des Himmels seine Kräfte erneut mit Aomine messen zu können. Es war zwar nur ein Trainingsspiel ohne große Bedeutung, aber für Taiga war es die Chance endgültig zu zeigen, dass er besser war, als dieser braungebrannte Angeber!
„Okay …" Abwesend starrte der Kleinere von beiden weiterhin auf den Boden.
Kagami, der etwas mehr Begeisterung gegenüber der nahenden Herausforderung erwartet hätte, warf Kuroko einen besorgten Seitenblick zu. Seit Längeren benahm sich dieser recht seltsam. Genaugenommen seit … ja, seit wann eigentlich? Wenn Taiga genau darüber nachdachte, musste er zugeben, dass er es nicht genau sagen konnte. Heute beim Training war es besonders schlimm gewesen. Ihm kam es beinahe so vor, als befände sich Kuroko´s Körper auf dem Feld, sein Geist allerdings schien meilenweit weg zu sein. Riko wäre beinahe explodiert, als er drei Mal hintereinander einen Pass verpatzte.
„Hey! Was ist los? Welche Laus ist dir über die Leber gelaufen?", fragte er daher ohne weiteres, um den Grund für Kuroko´s merkwürdiges Verhalten zu erfahren. Dessen Augen rissen sich endlich vom Boden los. Mit blassem Gesicht sah er zu seinem Partner auf. Stumm fixierten die blauen Augen die des Größeren. Der Ausdruck im Blick des anderen jagte dem Rothaarigen einen kalten Schauer über den Rücken.
„Ha! Sag ... sag bloß du hast Angst vor übermorgen?!"
Grinsend verpasste Kagami dem Schattenspieler einen freundschaftlichen Knuff in die Seite.
„Du Idiot! Dafür gibt es keinen Grund! Die können einpacken gegen uns!"
Aufmunternd streckte er Kuroko die Faust hin. Nach kurzem Zögern schlug der Spieler ein. Das Ass konnte ja nicht ahnen, wie Recht er mit seiner Vermutung hatte. Jedoch galt Tetsuya´s Sorge nicht sich selbst, sondern jemand anderen.
Zu Kagami's Freude war der Basketballplatz so gut wie leer. Lediglich ein paar Jugendliche, die planlos in der Nähe herumlungerten, leisteten ihnen Gesellschaft.
„Yes! Auf geht's!", stieß der Schüler begeistert aus, schmiss Sport- und Schultasche achtlos zu Boden und stürmte auf das Feld. Kuroko´s Mundwinkel verzogen sich zu einem leichten Lächeln, während er dem anderen dabei zusah.
"Kuroko! Fang! "
Schlagartig flog der Ball auf Tetsuya zu. Geschickt fing er ihn. Allerdings, ohne seine guten Reflexe wäre ihm der Basketball mit großer Sicherheit an den Kopf geknallt. Nachdenklich drehte er den Ball einige Atemzüge lang in den Händen. Plötzlich hob er den Kopf.
„Kagami-kun … das Spiel gegen Touou … bitte spiel nicht …"
**Ende Kapitel 1**
