Molly war froh als der Lernkreis endlich zu ende war. Sie hatte sich kaum konzentrieren können. Das Gespräch mit Professor Lestrade hatte sie die ganze Zeit beschäftigt. Gedanklich war sie bereits beim morgigen Tag und hoffte inständig, dass der Termin nicht platzen würde. Den Rest des Abends war sie völlig aufgekratzt und nicht in der Lage zu lernen. Sie fühlte ein seltsames Glücksgefühl, von dem sie nicht wusste woher es kam. Ob es an Lestrade lag oder an der Tatsache, dass sie endlich einmal nicht ihrem sturen Wochenplan folgen musste, konnte sie nicht sagen. Endlich entstand so etwas wie ein Abwechslung.
Lestrade hatte bereits sehnsüchtig die Uhr im Auge, als sein Dienst gerade anfing. Ungeduldig arbeitete er den angestauten Papierkram weg und hoffte auf eine Ruhige Lage bis zum Ende der Dienstzeit. Mehrmals ertappte er sich wie seine Fingerspitzen unruhig gegen die Unterseite der Tischkante trommelten. Dabei gab es keinen Grund nervös zu sein, hielt er sich vor Augen. Es würde einfach ein netter Nachmittag werden.
Als Molly am Café eintraf, war sie bereits ein paar Minuten zu spät. Sie blickte durch die Fensterscheiben und konnte Lestrade nirgends sehen. Vorsorglich überprüfte sie den Namen des Cafés noch einmal, der stimmte. Sie hatte plötzlich Angst, dass er wieder gegangen war, weil sie unpünktlich gewesen war. Viel schlimmer; dass er gar nicht erst erschienen war und sie versetzt hatte. Der Gedanke drückte sich mit einem mal in den Vordergrund ihres Bewusstseins und wurde übermächtig. Sie fühlte sich plötzlich hilflos. Wie dumm war sie nur gewesen, zu glauben, dass er sich mit Ihr zu einem Gespräch über Ihre Aufsätze treffen wollte. Die Enttäuschung kroch plötzlich in ihr hoch.
„Dumm Molly, du bist einfach nur dumm!", flüsterte sie leise zu sich selbst. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, drehte sie sich zum gehen um und rannte direkt in Lestrade.
Beide gaben einen erschrockenen Ton von sich. Lestrade fasste sie an den Armen.
"Molly!"
"Professor Lestrade! Ich...", sie wusste nicht ob sie über sein Erscheinen Lachen oder Ihre Dummheit weinen sollte.
"Es tut mir leid, ich bin ein paar Minuten zu spät."
Greg ging voran und hielt Molly die Tür auf. Sie suchten sich einen Platz in der Ecke des Cafés und er bestellte zwei Tassen Kaffee.
"Ich musste noch eine Vernehmung zu ende bringen und dann fiel auch noch der Bus aus.", entschuldigte er sich nochmals für sein zu spät kommen.
"Oh.. ja.. so was habe ich mir schon gedacht.", flunkerte sie, aber die Enttäuschung stand ihr wohl noch immer ins Gesicht geschrieben. Lestrade lächelte versöhnlich.
"Ich würde sie nie einfach versetzen, Molly.", da wurde ihm bewusste, dass er ihren Vornamen benutzte und räusperte sich verlegen. "Ich meine... Miss Hooper."
Molly lächelte nachsichtig, es war ihr überhaupt nicht aufgefallen. "Sie können gerne Molly sagen... also wenn sie das wollen... dürfen...", verhaspelte sie sich in Ihren Worten, "Als Professor ... können sie ruhig meinen Vornamen verwenden .. ähm .. ja."
"Gut.. Molly, aber nur wenn Sie mich nicht mehr als Professor bezeichnen.", er nestelte nervös an einer Servierte herum, "Wenn wir nicht im Klassenraum sind, können sie mich ruhig Greg nennen."
Mollys Herz machte einen Sprung vor Freude.
"Greg..", sie flüsterte den Namen leise vor sich hin, um sich seiner gewahr zu werden und den Klang wahrzunehmen, "Greg.. von Gregory?"
Bei der Erwähnung seines ganzen Vornamens verzog er spielerisch das Gesicht.
"Ja, von Gregory.. aber Greg reicht vollkommen aus."
Molly überlegte kurz und fing dann an, all ihre Gedanken zum Namen Gregory auszuplaudern. "Im ersten Jahrtausend gab es mehrere Herzöge von Neapel (Duke of Nables) mit dem Namen Gregory. Papst Gregory der IV., nachdem der Gregorianische Kalender benannt ist. Ein schöner und geschichtsträchtiger Name."
Lestrade sah sie bewundernd an. "Und das wissen Sie einfach so aus dem Stehgreif? Sie waren in der Bibliothek, nicht wahr?!"
Molly lief sofort rot an. "Nein, ich...ich kann mir Dinge nur gut merken."
Er lachte laut. "Ich muss zugeben, ich kann da jetzt nicht mithalten.", Molly verstand nicht recht, "Molly.. ähm.. Kurzform von Mary, richtig? Mary .. mh. Magdalena.. Mary Curie.. Und das war's dann auch schon." er lächelte verschmitzt und nahm schnell einen Schluck von seinem Kaffee.
"Das ist doch schon nicht schlecht. Sie schlagen sich gut."
Eine kurze Pause entstand.
Greg tat sich etwas schwer, versuchte aber nach außen hin, selbstsicher zu wirken. Molly hingegen konnte ihre Unsicherheit nicht ganz verbergen. Sie hatte die Hände in den Schoss gelegt und zupfte an ihrem Pulloverärmel herum. Viele Fragen gingen ihr im Kopf herum, sie wusste nur nicht mit welcher sie anfangen sollte.
So kam es das beide gleichzeitig anfingen zu sprechen.
"Ihr Aufsatz über Keats hat mir gefallen." - "Sind sie jetzt mehr Lehrer oder mehr Polizist?"
Beide lachten darüber.
"Sie zuerst!" sprudelten beide im Gleichklang hervor. Wieder mussten beide lachen.
Lestrade hob einen Zeigefinger. "Ich werde jetzt sprechen, ja?", Molly nickte lächelnd, "Zuerst ihre Frage."
Sie wiederholte ihre Frage und fügte hinzu; "Oder werden Sie sich entscheiden müssen?"
"Ich wollte immer Polizist werden, das war mein erster Traumberuf.", begann er zu erzählen, "Aber vor einem Jahr ergab sich die Möglichkeit einen Referendar hier an der Uni zu vertreten und das war immer mein zweiter Berufswunsch. Ich konnte und wollte es mir nicht nehmen lassen."
"Das sind zwei absolut verschiedene Berufe.", ihre Hände hatten den Weg zurück auf den Tisch gefunden und wärmten sich an der Kaffeetasse, "Ist es den so einfach, beide Berufe gleichzeitig zu machen?"
Auch Lestrade begann sich zu entspannen. "Ich musste ein wenig Überzeugungsarbeit bei meinem Vorgesetzten leisten, und ich habe in den letzten Monaten ziemlich wenig Freizeit gehabt. Tagsüber stehe ich ein paar Stunden in der Uni und nachmittags oder abends bin ich im Scotland Yard."
"Da bleibt nicht viel Zeit.", folgerte Molly.
"Nein, deshalb..", er machte eine Geste ins Cafe hinein, "bin ich froh, dass das hier geklappt hat. Es ist eine angenehme Abwechslung. Ich war schon lange nicht mehr... aus.", er lächelte sie an.
Molly erwiderte sein Lächeln.
"Ja, ich auch nicht. Ich bin ... wie gesagt, nicht so der Ausgehtyp."
Lestrade konnte den Unterton deutlich heraushören. Sie schämte sich ein wenig dafür.
"Das klingt ein wenig, als hätten sie Angst, eine Langweilerin zu sein."
Ihre großen Augen sahen ihn mit stiller Bewunderung an. Auf der anderen Seite, war es einfach eine Tatsache, dass sie - in ihren Augen - einfach langweilig war, und das konnte einfach nicht erstrebenswert sein.
"Nun,", stammelte sie etwas unsicher, "ich.. ich bin wie ich bin."
"Sie sind keine Langweilerin, Molly! Sie sind intelligent, wissbegierig und nur weil sie sich am Wochenende nicht betrinken und mit dann mit den falschen Typen nach Hause gehen, sind sie nicht langweilig. Sie sind...", er suchte nach den richtigen Worten.
"Vernünftig.", sie sprach das Wort abschätzig aus.
'Vernünftig.' war genau das Wort, welches Ihre Mutter immer zu ihr sagte, und all ihre Freunde. 'Molly, du bist eben so vernünftig.' Obwohl es ein Lob war, hatte es immer einen Beigeschmack, der Ihr nicht gefiel. Sie blickte zum Fenster um auf seine Zustimmung zu warten. Stattdessen lies er absichtlich ein paar Sekunden verstreichen. Plötzlich berührte etwas ihre Hand und als sie hinsah, spürte sie seine Finger auf ihrem Handrücken. Es war seine Art sich bemerkbar zu machen. Sie sah ihn überrascht an.
"Individuell, Molly. Das Wort, ist individuell."
Obwohl sie seine Berührung genoss, zog sie die Hand weg um nach der Tasse zu greifen.
"Woher wollen Sie das wissen? Sie kennen mich doch gar nicht."
Er schmunzelte über ihren Vorwurf.
"Zum einen; ist es einfach das, was ich in ihnen sehe. Und ich sehe keine vernünftige Langweilerin in ihnen. Zum anderen; bin ich ja genau deswegen hier, um sie besser kennen zu lernen."
Seine Worte klangen warmherzig und fremd zu gleich. Niemand hatte so mit ihr gesprochen seit sie in London wohnte. Da ihr die Worte fehlten, sprach Greg vorsichtig weiter.
"Es ist nicht schlimm, wenn man keine Partys besucht. Es ist nicht schlimm zu lernen und für sein Leben vorzusorgen. Sie werden irgendwann einen gut bezahlten Beruf ergreifen und sehr erfolgreich sein."
Molly senkte kurz den Blick und dachte über seine Worte nach. "Aber,", sie sah ihn stirnrunzelnd an, "ist es nicht genau das, an was jeder später denken wird, wenn er von seiner Studienzeit erzählt? Legendäre Partys. Böse Mädchenstreiche. Wer mit wem. Ich bin nur eine Streberin. Seien sie ehrlich, Greg!" die Nutzung seines Namens, erschrak sie innerlich, "An was denken Sie, wenn sie an ihre Studienzeit denken?"
Die Frage traf ihn unvorbereitet. Molly hatte einen scharfen Verstand und wusste zu argumentieren. Er lachte anerkennend auf.
"An legendäre Partys, an böse Jungenstreiche und an.. wer mit wem.", zählte er schmunzelnd auf.
Molly lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Ihr Gesichtsaudruck spiegelte trotzigen Triumph.
"Wir verstehen uns?"
"Aber!", rief Greg, "Ich erinnere mich auch, dass ich immer wieder in Schwierigkeiten gesteckt habe. An all die bösen morgendlichen Überraschungen nach einer Party. Die vielen Kopfschmerzen, versäumte Prüfungen. Schlechte Noten. Schlechte Dates.", er ahnte, dass er Molly nicht überzeugen konnte, "Gut, ja es ist schon irgendwie wichtig, aber sie sind noch jung, ihre Studentenzeit ist noch nicht vorbei. Manchmal ändern sich Dinge im Leben schlagartig und dann werden sie die Ruhe und die Zeit vermissen, die sie ins Lernen investieren konnten. Außerdem ist nicht nur die Studentenzeit schön. Alles was danach kommt, das ganze Leben bietet die Möglichkeit für Partys, Streiche und schlechte Dates."
Das brachte sie immerhin zum Lachen. Trotzdem beschloss sie das Thema zu wechseln.
"Wie lange bleiben Sie noch Lehrer?"
"Ein paar Monate.", er atmete tief ein, "Bis zu den Semesterferien."
"Aber...!", die Aussage traf sie hart, "Und dann?"
"Dann bin ich nur noch Polizist.", kommentierte er trocken ohne zu merken, dass Molly das überhaupt nicht gefiel.
"Und wer unterrichtet uns dann?"
Greg überlegte kurz. "Ich schätze, Professor Reynolds. Wie davor auch."
Molly sank in sich zusammen. Sie konnte die Enttäuschung nicht mehr verbergen.
"Reynolds ist kein schlechter Lehrer."
"Das ist es nicht.", unterbrach sie ihn.
Langsam verstand Greg, wieso Molly plötzlich so enttäusch war.
"Sie sind ein guter Lehrer. Es ist schade wenn Sie weg sind.", sie blickte ihn mit einem gezwungenem Lächeln an und fügte dann schnell aber etwas leiser hinzu, "Ich mag sie."
„Oh,", Lestrade benötigte einige Sekunden ehe er zu einer Antwort fand, „das ist schön zu hören. Aber ich denke Professor Reynolds wird auch ein guter Lehrer sein."
Sie ignorierte seinen Versuch, sie aufzumuntern.
"Kann sein.", antwortete sie knapp.
Plötzlich fühlte er sich sehr schuldig, obwohl er gar nichts getan hatte. Er nippte von seinem Kaffee um etwas Zeit zu schinden und sich eine Antwort zu überlegen. So recht wollte ihm aber keine diplomatische Lösung einfallen. So beschloss er das Thema vorerst fallen zu lassen. Sie würde sich schon beruhigen.
"Ihre Interpretation von Keats "Ode an die Nachtigall" gefiel mir wirklich sehr gut."
Natürlich erkannte Molly sofort, dass dies nur ein Ablenkungsmanöver war. Um des Friedens willen, und um nicht als etwas zu überempfindlich zu wirken, ging sie darauf ein.
"Danke. Ich mag Keats, das war vielleicht von Vorteil.", schmunzelte sie.
"Was ist ihr Lieblingsgedicht von Keats?"
Sie lächelte wissend und fing dann an zu rezitieren.
"I have been astonished that men could die Martyrs for relgion - I have shuddered at it- I shudder no more - I could be martyred for my religion.."
Im Impuls beendete Greg das Gedicht. "..Love is my religion - I could die for that - I could die ...for you."
Er bemerkte, dass er rote Ohren bekam und das Molly ihn gleichzeitig bewundernd und überrascht ansah. Er beschloss so zu tun, als wäre nichts. "Ein Auszug aus einem Brief an Fanny Brown. Keats und die Liebe."
"Stellen sie sich vor, was er noch alles hätte schreiben können, wenn er nicht so jung gestorben wäre."
Lestrade hatte das Thema gut gewählt, denn darüber entwickelte sich ein angenehmes Gespräch zwischen den Beiden. Zuerst sprachen sie über die Literatur um irgendwann begannen sie über Gott und die Welt zu sprechen. Beide vergaßen, dass sie Lehrer und Schülerin waren und sprachen wie Freunde miteinander. Sie lachten viel miteinander und die Zeit floss dahin. Molly erzählte Greg von Ihrem Berufswunsch in Richtung Forschung und Medizin und er war beeindruckt davon.
"Sie sollten dieses Ziel hartnäckig verfolgen. Ihre Neugier wird sie in diesem Beruf immer leiten.", er musste über sich selbst lachen, "Ich klinge wie ihr Großvater kann das sein?"
"Nur ein bisschen.", sie lächelte verschmitzt, "Aber sie sehen wesentlich attraktiver aus als mein Großvater."
Sie hatte den Satz bereits gesagt, als sie registrierte was sie ausgesprudelt hatte. Für Greg kam das Kompliment unverhofft und er sah sie verlegen an. "Das klingt doch viel versprechend."
"Uh... äh... also.. Oh Mann." Molly überlegt wie sie die Situation retten konnte, "Tut mir leid... ich.."
"Es muss Ihnen nicht Leid tun. Hören sie endlich auf sich zu entschuldigen. Ich beiße doch nicht, oder? Ich bin ihnen auch nicht böse. In keiner Weise."
Wieder begann sie auf ihrem Stuhl nervös hin und her zu rutschen. Ein Blick nach draußen verriet ihr, dass es bereits weit nach 19 Uhr sein musste. Sie genoss seine Anwesenheit. Sie genoss den Gedankenaustausch. Und genau das, machte Ihr Angst. Sie griff nach Ihrer Tasche.
"Hören Sie, ich ... also... ich mag Sie und es tut mir sehr leid, dass sie aufhören zu unterrichten und ich fand das Gespräch wirklich sehr nett, aber,", sie kramte in ihrer Tasche, und zog eine fünf Pfund Note heraus, die sie auf den Tisch legte, "Sie sind ein Lehrer und ich bin eine Schülerin. Meine Ansichten sind vielleicht etwas antiquiert, aber ich denke, wir sollten jetzt nach Hause gehen." Sie war aufgestanden und sah ihn an.
Er wusste nicht was er tun sollte und blickte nur zurück.
"Also ich meine, jeder für sich, logischerweise.", fügte sie schnell hinzu, da sie das Gefühl hatte, er hätte es falsch verstanden. Noch immer reagierte er nicht. Molly wusste sich nicht zu helfen. Die Tasche fest an sich gedrückt, schob sie den Stuhl beiseite.
"Also dann, es war wirklich nett.", sie machte Anstalten zu gehen, blieb aber nach zwei Schritten stehen, "Sehr nett sogar." Damit verließ sie das Cafe.
Jetzt erst begriff Lestrade was geschehen war. "Molly...", schnell legte er ebenfalls Geld auf den Tisch, griff nach seiner Jacke und stürmte aus dem Cafe auf die Straße. Er konnte gar nicht begreifen, dass er so langsam reagierte. Er blickte beide Straßenseiten hinunter und versuchte Mollys Gestalt irgendwo zu erkennen. Aber sie war weg.
"Verdammt!", schimpfte er laut und die Passanten um Ihn herum, warfen ihm einen skeptischen Blick im Vorbeigehen zu.
Er hatte keinerlei Erwartungen gehabt, aber, dass der Abend so enden würde, damit hatte er nicht gerechnet. Über ihm hing ein großes Fragezeichen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er in drei Stunden zum Dienst musste und die Idee Molly im Studentenwohnheim aufzusuchen, war dem Ganzen wohl doch eher abträglich. Es gefiel ihm nicht, aber er musste die Sache vorerst auf sich beruhen lassen.
Molly war aus dem Cafe geeilt, und sofort in einen Bus gestiegen ohne zu wissen in welche Richtung er fuhr. Von ihrem Platz aus konnte sie Lestrade kurz nach Ihr aus dem Cafe eilen sehen, sichtlich Ausschau nach Ihr haltend. Er wirkte nicht sehr glücklich. Ihre Flucht tat ihr in diesem Moment leid, aber sie hatte sich nicht anders zu helfen gewusst. Molly hatte Lestrade immer schon gemocht. Ihn bewundert und sogar etwas angehimmelt. Er sah gut aus, und hatte Charakter, aber sie hatte nie daran geglaubt jemals näher an ihn heranzukommen, als im Unterricht. Ein Treffen außerhalb der Schulzeit hatte sie immer als utopisch betrachtet, bis eben zu diesem Nachmittag. Und während sie sich über Keats und ihre Arbeit unterhielten spürte sie wie das Gefühl von Mögen und Wollen in ihr größer wurde. Ein Gefühl, was genauso unrealistisch war, wie dieses Treffen es in Wirklichkeit war. Ein Gefühl, von dem sie wusste, es würde irgendwann sehr wehtun, wenn sie nicht sofort dagegen intervenierte. Flucht war ihre einzige Option gewesen.
Der Bus in dem sie saß fuhr natürlich in die falsche Richtung, deswegen dauerte es eine ganze Stunde bis sie wieder am Universitätsgelände ankam. Molly beschloss den Tag mit einer heißen Dusche zu beenden um dann Müde und enttäuscht ins Bett zu fallen. Doch wie es eben so war, sollte auch dies nicht ganz einfach werden. Als Sie in Ihr Zimmer kam, fand sie unerwartet Esther vor, ihre Zimmernachbarin.
"Esther!"
"Molly!"
Beide waren ziemlich überrascht. "Esther was tust Du hier?"
"Ich wohne hier?", antwortete diese etwas verblüfft, "Wo warst Du?"
"Aus. Ich weiß, dass Du hier wohnst, aber ... es ist nur ungewöhnlich.", glitt Molly auf ihr Bett.
"Mark und ich hatten einen Streit, ich dachte ich schlafe heute Nacht hier, bis er morgen früh auf kniend rutschend um Verzeihung bitten wird.", sie lächelte sadistisch, dann runzelte sie die Stirn, "Wie; du warst AUS? Seit wann gehst du aus?"
Das hatte Molly gerade noch gefehlt, Esther die unangenehme Fragen stellte.
Molly lies sich rücklings auf ihr Bett fallen, nun war guter Rat teuer. "Ähm.. na ja aus ist vielleicht zuviel gesagt, ich war einen Kaffee trinken. Mehr nicht."
Das entfachte die Neugier nun erst recht. "Mit wem!?"
"Mit niemanden."
"Spuks aus, ich finde es sowieso heraus!"
Genau das war zu befürchten, dachte Molly. "Marvin.." es war eine Lüge und es war erstaunlich wie ruhig und gelassen ihr der Name über die Lippen kam.
"Marvin?" Esther überlegte. "Ich kenne keinen Marvin."
"Der braunhaarige, wenig intelligente Typ neben mir in Englisch."
Esther ging ein Licht auf. "Oh Molly, sag mir bitte, dass das nichts ernstes ist. Der geht ja gar nicht."
Molly lächelte in sich hinein. Marvin, war wirklich alles andere als eine ernsthafte Option.
"Nein, nicht wirklich. Er wollte nur unbedingt einen Kaffee trinken gehen. Aber es war nicht so toll."
Damit war Esthers Neugier befriedigt. "Na, immerhin bist Du mal vor die Tür, hier drin wirst du nämlich keinen netten Typen finden. Ich hab dir schon immer gesagt, etwas Schminke hier und da, etwas mehr Volumen in dein Haar und schon laufen dir die Kerle hinter her."
Molly seufzte. "Ja, dass hast Du." Dann rappelte sie sich wieder vom Bett auf und beendete das Gespräch in dem sie sagte; "Ich geh duschen."
