2. Kapitel: Erste Begegnungen
Lärm erfüllte den Bahnsteig. Der Hogwarts Express wartete bereits auf die Schüler. Die älteren saßen bereits in den Abteilen, doch die Neulinge standen noch bei ihren Familien und nahmen Abschied. Severus war alleine gekommen. Die Sorge um seine Mutter plagte ihn schwer. Sie hatte ihm geholfen aus dem Haus zu kommen. Sein Vater hasste die Magie und wollte mit allen Mittel verhindern, dass sein Sohn diese zu beherrschen lernte.
Als er Lily bei ihren Eltern entdeckte setzte er ein Lächeln auf und ging auf sie zu. Der 11-jährige ging zielstrebig auf sie zu. Er war sichtlich nervös. Die Rothaarige strahlte als sie ihn sah.
„Ich bin froh, dass du es geschafft hast!" Sie wusste wie ihr Vater dachte. Ihre Befürchtung war es gewesen, dass Tobias Snape den armen Severus in seinem Zimmer einsperren würde. Gott sei Dank war dem nicht so.
„Ich freu mich auch, aber ich mache mir Sorgen um meine Mutter", flüsterte er. Lily legte ihm ihren Arm um die Schulter.
„Sie schafft das schon. Komm lass uns einsteigen!" Sie packte ihn am Arm und zog ihn in den Zug. Nicht lange und sie fanden ein leeres Abteil und machten es sich gemütlich.
„Ich bin froh, dass wir zu zweit sind! Dann kenne ich wenigstens schon jemanden!" Lily saß neben ihm. Ihr Kopf lag auf seinen Schultern. „Die Schuluniform steht dir richtig gut", stellte sie fest.
Da er nicht mit seinen alten, hässlichen Klamotten auftauchen wollte, hatte er bereits die Schulkleidung an. Ihm gefiel das Schwarz der Kleidung.
Eine Weile saßen sie nur stillschweigend da, bis die Abteiltür aufgeschoben wurde. 2 Jungen traten ein und sahen sich um.
„Hi ich bin James Potter und das ist Sirius Black. Ist hier vielleicht noch Platz?", fragte der eine. Er hatte kurzes schwarzes Haar, welches ungekämmt wirkte. Die des anderen waren lang und braun. Lily nickte.
James setze sich Lily direkt gegenüber und sah ihr tief in die Augen. Sofort regte sich in Severus die Eifersucht. Mit zusammen gekniffenen Augen beobachtete er den Jungen. Sirius hingegen sah aus dem Fenster.
Plötzlich wandte Potter seinen Blick Sev zu. „Hast wohl Angst, dass ich dir deine Schnecke ausspanne, was?" Lily wurde augenblicklich rot.
„Wir sind beste Freunde!" Diese Worte trafen den jungen Snape hart. Nur Freunde. Er wandte seinen Blick Sirius zu.
„Du bist also ein Black. Deine Familie besteht nur aus Reinblütern. Ich habe alles darüber gelesen …" Sirius hob die Hand und brachte ihn zum Schweigen.
„Ich hasse meine Familie, also sprich nicht von ihr. Alles Idioten, die glauben, dass Reinblütigkeit etwas bringt. Ich hoffe, dass ich niemals nach Slytherin komme!" Seine Stimme klang verbittert. James sah seinen Freund besorgt an.
„Keine Sorge, Kumpel. Wir kommen bestimmt nach Gryffindor! Wenn nicht, haben die keinen Grips!", lachte er. Lily musste auch lachen. Der Junge schien ihr zu gefallen.
„Wie heißt ihr beiden eigentlich?"
„Ich bin Lily Evans und das ist Severus Snape!"
„Dein Name gefällt mir, Kleine!" James zwinkerte ihr zu. Angewidert sah sie zu Boden. Es reichte. Severus sprang auf.
„Hör auf sie zu belästigen!" Seine Stimme zitterte. James erhob sich. Er war eindeutig stärker und größer als er. Auch Sirius erhob sich und gesellte sich neben seinen Freund. Beide hatten bereits den Zauberstab in der Hand. Severus schluckte, gab aber nicht nach.
„Ihr sollt sie in Ruhe lassen. Los verschwindet!"
Die beiden Jungen lachten und sahen ihn an. „Was willst, Schniefelus? Glaubst du, Kleiner, dass du gegen uns ankommst? Du solltest lieber verschwinden!" Sirius ließ die Finger knacksen. Auch Severus hatte seinen Zauberstab bereits gezogen. Doch bevor er einen Zauber wirken konnte, hatte Sirius bereits einen ausgesprochen. Der Junge wurde nach hinten geworfen und landete hart am Boden.
„AUFHÖREN!", schrie Lily aufgebracht. Sev war schon wieder auf den Beinen. Schützend stellte sie sich vor ihn hin.
„Komm Sirius. Lass es. Sonst bekommen wir noch ärger mit Schniefelus Mum!" James bugsierte seinen Freund aus dem Abteil.
Lily wandte sich zu Severus um. „Ich dachte, du wärst klüger!" Beschämt ließ er den Kopf sinken. Warum hatte er sich zu sowas hinreißen lassen.
„Es tut mir leid. Ich konnte es nicht ertragen, dass er dich so behandelt hatte." Mitfühlend sah sie ihn an.
„Danke!" Sie küsste ihn auf die Wange. „Du bist ein wahrer Freund." Er setzte ein schwaches Lächeln auf. Sie hatte ihn wieder als Freund bezeichnet und wieder tat es weh.
Nachdem Lily sich auch endlich den Schulumhang angezogen hatte, erschien die Süßigkeitenfrau. Sie schien Mitte 30 zu sein.
„Wollt ihr was zum Naschen?", fragte sie freundlich. Lily sprang sofort auf und kaufte alles was ihr gefiel. Beide kannten keine der Süßigkeiten, die magische Kinder tagtäglich verzerrten. Freundlich lächelte sie Severus an.
„Und du mein Junge?" Traurig sah er zu Boden und schüttelte den Kopf. Er hatte kein Geld. Mitleidig sah sie ihn an. „Weißt du was Junge, hier nimm das!" Sie reichte ihm einen Schokofrosch und zwinkerte ihm zu. Neugierig nahm er es entgegen. Dann zog die Süßigkeitenfrau weiter.
„Ich hasse es, arm zu sein!", seufzte er missmutig. Almosen annehmen war unter seiner Würde. Lily zwinkerte ihm zu. „Warte nur, wenn du mit der Schule fertig bist, dann wirst du bestimmt berühmt. Du bist jetzt schon der beste Zauberer, den ich kenne!" Sie umarmte ihn noch mal zum Trost und begann dann ihr Naschzeug zu begutachten.
Gespannt öffnete sie eine Tüte Berttie Botts Bohnen. Auf der Packung stand „Alle Geschmacksrichtungen" und deswegen war sie neugierig geworden. Sie fischte ein blaues heraus und nahm es in den Mund. Sofort verzog sie ihr Gesicht. „Iiiii Blaukraut!" Severus grinste. „Grins nicht so, hier nimm auch eine!" Sie hielt ihm die Packung hin. Die restliche Fahrt über probierten sie immer abwechselnd die verschiedensten Geschmäcker aus. Hin und wieder fand sich etwas Gutes.
Lily und Severus lachten immer über das Gesicht des anderen. Der Junge wünschte sich, dass diese Fahrt niemals ein Ende nehmen sollte, doch Hogwarts war bereits in Sicht. Sev und Lily verzehrten noch jeder eine Schokofrosch und traten dann auf den Bahnsteig.
Es war bereits dunkel und kühl geworden. Die Älteren Schüler machten sich alle auf den Weg zu den Kutschen. Die Erstklässler jedoch standen nur da und wussten nicht weiter. Severus sah sich um und entdeckte die 2 Idioten wieder. Sie hatten anscheinend 2 neue Freunde gefunden. Gerade wollten die Neulinge den Älteren folgen, als sie eine Stimme vernahmen.
„Erstklässler! Bitte zu mir!" Lily packte den Jungen und zog ihn mit sich.
„Komm, da geht's lang!", lachte sie ihn an. Sie gingen auf einen riesigen Kerl zu.
„Ich bin Hagrid. Habt keine Angst und folgt mir einfach!", meinte der Kerl und Schritt voran. Gleich hinter ihm folgten ihm James, Sirius und dessen neue Freunde. James wandte sich um und suchte Lily. Als er sie erblickt hatte, zwinkerte er ihr zu. Severus spürte sofort, wie der Hass in ihm aufstieg. Von diesem Tag an wusste er, dass er den Jungen nicht leiden konnte.
