Teil:
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1. Woche / Dienstag Mittag
Lachend und schwatzend lief sie mit Lisa und Frank über den großen Campus zur Mensa. Die Hexe und der Zauberer waren mittlerweile zu zwei sehr guten Freunden geworden, auch wenn es ihr hin und wieder einen Stich versetzte, das Pärchen so glücklich und verliebt zu sehen. Wie sehr sie sich auch bemühte, dieses Glücksgefühl wollte sich zwischen ihr und Ron einfach nicht einstellen.
Die junge Hexe grinste breit, als Lisa mit weit ausholenden Bewegungen die letzte Vorlesung kommentierte. „Ich kann mir nicht helfen, aber der Professor erinnert mich irgendwie an Ernie aus der Sesamstrasse, vor allem sein Lachen!", die ebenfalls muggelstämmige Hexe schnaubte, „jedes Mal wenn ich ihn sehe, kann ich nicht anders und stelle ihn mir orange mit buntgestreiften Pullover vor! Wie soll man einen solchen Menschen denn ernst nehmen?!" Gegen ihren Willen musste Hermine lachen, als sie sich ihren Professor als Mitglied der Sesamstrasse vorstellte. Frank neben ihr stieß beleidigt die Luft aus.
„So und jetzt
nochmal für nicht muggelstämmige Zauberer, die leider
keinen Fernseher Zuhause haben", grummelte er gespielt böse
und zwinkerte den beiden Frauen zu. Seine Freundin sah den
Braunhaarigen entschuldigend an. „Sorry Sweetheart, ich vergesse
immer wieder, dass du deine halbe Kindheit ja nicht vor dem Fernseher
verbracht hast!", sie runzelte nachdenklich die Stirn, „eine
Kindheit ohne Fernseher kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen.
Ich hätte nicht eine einzige Woche ohne die Schlümpfe oder
Biene Maya überlebt! Ich wäre vor Langeweile wahrscheinlich
gestorben!"
Der Zauberer grinste frech. „Tja, scheinbar haben
reinblütige Kinder mehr Fantasie als mugglestämmige. Wir
brauchen keinen Fernseher, um uns beschäftigen zu können!"
Spöttisch wanderten die Augenbrauen beider Frauen in die
Höhe.
„Achja und das von dem, der in meiner Wohnung bei
jeder günstigen Gelegenheit vor dem Fernseher hockt und sich
Spielshows ansieht!", konterte Lisa gleich darauf und kniff ihrem
Freund spielerisch in die Seite. Frank lachte ertappt und fasste sich
scheinbar reuhmütig an den Hinterkopf. „Ich gestehe ja schon,
meine Damen, ich bin ein schlechter Mensch", theatralisch verbeugte
sich der Zauberer vor ihnen, „aber ihr müsst auch zugeben
meine Damen", mit einem breiten Grinsen hob er den Kopf, „dass
außer dem Fernseher auch nichts interessantes in der Wohnung
der holden Maid Lisa existiert!"
„Achja?", die Blonde
hob drohend ihre Augenbrauen, „und als was würdest du mich
dann bezeichnen, teuerster Freund?" Das Grinsen des Zauberers wurde
breiter, während er hastig ein paar Schritte schneller ging,
„notwendiges Übel?"
„Oh verschwinde, du Schuft",
spielerisch drohte die Hexe ihrem Freund mit dem Zauberstab, während
dieser schleunigst Land gewann. Lachend drehte sich Lisa zu ihrer
Freundin. „Männer", meinte sie kopfschüttelnd,
„manchmal benehmen sie sich schlimmer als Fünfjährige!"
Hermine schnaubte belustigt, während sie dem davoneilenden
Braunhaarigen hinterher sah.
„Aber apropos Männer",
die Hexe grinste vielsagend, „wie läuft es denn mit dir und
dem rothaarigen Struppel?" Hermine lächelte schief, als sie an
die Geschehnisse des letzten Tages dachte. Verwirrte blickte die
andere Hexe sie an. „Was denn, so schlecht?" Hermine schüttelte
leicht den Kopf und seufzte leise.
„Nicht direkt schlecht",
obwohl, wenn sie an seine Kneterei dachte, taten ihre Brüste
noch immer weh. „Ron ist durchaus lieb und nett und auch
aufmerksam", sie seufzte erneut. „Oje, das klingt nach
einem aber", mit hochgezogenen Augebenbrauen sah Lisa sie
an.
Hermine errötete leicht und blickte sich aufmerksam
um. In ihrer direkten Nähe liefen keine Studenten, dennoch legte
sie sicherheitshalber einen Silencio über sie beide.
Die
Augenbrauen ihrer Freundin stiegen noch ein wenig weiter in die Höhe.
Mit hochrotem Kopf begann Hermine über das gestrige
Zusammentreffen mit Ron zu berichten. Nachdem sie geendet hatte,
blickte Lisa sie mitfühlend an. „Oje, dein neuer Freund
scheint ja nicht gerade eine Leuchte im Bett zu sein", meinte sie
zögernd, verlegen blickte Hermine auf den Boden, nickte
schließlich. „Ich weiß auch nicht, was ich machen
soll", flüsterte sie und merkte, wie ihre Augen langsam feucht
wurden. „Ich will es ihm nicht sagen, weil ich ihn so
wahrscheinlich ziemlich verletzen würde."
Ihre Freundin nickte nachdenklich, schüttelte gleich darauf wieder den Kopf. „Du musst es ihm sagen, Hermine", erklärte sie eindringlich und legte eine Hand auf die Schulter ihrer Freundin, „sonst wird er ewig so weitermachen und auf Dauer hält das eure Beziehung nicht aus. Du musst ihm ja nicht direkt sagen; Schatz, du bist scheiße im Bett, schlag ihm doch einfach mal vor, sanft zu streicheln oder dir Schmetterlingsküsse zu verpassen, statt feuchter Schmatzer. Du bist doch sonst immer so redegewandt und diplomatisch, du schaffst das schon!" Hermine versuchte ein Lächeln, was jedoch kläglich versagte. „Aber wenn er doch meint, dass seinen Exfreundinnen seine Art gefallen hat."
Die blonde Hexe keuchte empört. „Das hat dieser Depp gesagt?" Hermine nickte verlegen. „Daran sieht man ja, dass dieser Typ wirklich überhaupt keine Ahnung hat!", entsetzt schüttelte die Hexe ihren Kopf, „Wir Frauen sind wie Sprachen. Einige ähneln sich stark, andere sind grundverschieden, aber keine zwei sind gleich!" Sie grinste erfreut, als sie Hermine lächeln sah. „Komischer Vergleich, ich weiß! So hat es mir meine Mutter erklärt, als ich unzufrieden mit meiner Oberweite war. Sie meinte, so wie nicht jeder Mensch dieselbe Sprache gerne spricht, mag auch nicht jeder denselben Typ Frau!"
Sie wurde leicht rot, als sie Hermines überraschten Blick auffing. „Hey, ich bin eine Frau! Denkst du wirklich, ich wäre mit meinem Körper zufrieden?! Aber zurück zum Thema, wenn dein Freund nicht auf deine Wünsche eingeht, dann solltest du ihn lieber gleich in die Wüste schicken! Denn du hast echt mehr verdient als so einen Holzklotz!"
Kurz war Hermine versucht, etwas einzuwenden, Ron zu verteidigen, aber im Prinzip hatte ihre Freundin ja recht. Wenn Ron nicht auf sie eingehen würde, wäre er vielleicht wirklich nicht der Richtige für sie. Nachdenklich kaute sie auf ihrer Unterlippe. Aber wenn er nicht auf sie eingehen würde, was dann? Schließlich war Ron einer ihrer ältesten und besten Freunde und sie wollte ihn nicht verlieren.
Fortsetzung folgt...
