Zweites Kapitel - Jeans Blues
-"Wir sind soeben sicher am Flughafen Narita in Tokyo gelandet. Wir danken Ihnen, dass Sie mit British Airlines geflogen sind. Bitte steigen sie zu ihrer linken aus und vergewissern sie sich das sie alle ihrer Persönlichen Sachen bei sich tragen."-
Da waren sie, zwei Wochen nachdem Onkel Vernon den Brief von seiner Firma empfangen hatte.
Der Morgen, es war der erste Samstag im Juli, an dem Harry die ach so freudigen Nachricht seines Onkels mitgeteilt bekam, er müsse ans praktisch andere Ende der Welt ziehen, war ihm noch gut in Erinnerung.
Er stand wie jeden Morgen um sechs Uhr auf, so hatte er noch Zeit Ron und Hermines Briefe, die meistes in den frühen Morgenstunden bei ihm eintrafen, zu beantworten.
Er war ziemlich froh, dass sie ihm diesen Sommer schrieben, im letztem Sommer konnte man das wohl kaum sagen. Aber das war nicht wirklich ihre Schuld. Trotzdem war und ist er darüber noch ziemlich sauer. Schließlich war sein viertes Jahr absolut furchtbar, genau so wie sein fünftes, er wollte doch nie bei diesem verdammtem Turnier mitmachen, und jetzt?
Gott, das war alles seine schuld! Erst Cedric und dann Sirius!
Wenn er nicht so . . . und . . . Nein! Bloß nicht darüber nachdenken.
Auf jeden Fall, nachdem er auf Ron und Hermines Briefe geantwortet hatte, ging er zu seinem Kleiderschrank, der in der linken Ecke seines kleinen Zimmers stand.
Oder viel mehr Dudleys zweites Schlafzimmer.
Außer seinem Kleiderschrank standen in dem Zimmer noch ein kleiner Schreibtisch, auf dem eine altmodische Tischlampe, mit einem rotem Blumenmuster am unterem Rand des Schirms und einem goldig lackiertem Ständer, außerdem Tintenfass und Papier, das er gerade noch verwendet hatte. Gegenüber des Schreibtisches, sein Bett. Schmal mit weißen Laken, einem Kissen und einer braunen Wolldecke. Daneben stand ein kleiner Nachttisch auf dem eine zweite kleinere Lampe mit grünem Schirm und ein alter silberner Wecker stand. An der Wand, die mit einer beigen Rauchfasertapete oben und dunklen Holzpanelen unten bedeckt war, hingen über seinem Bett Wimpel seiner, und Rons, Lieblings Quiddich Mannschaft.
Er öffnete eine der Schranktüren, nahm sich ein weißes T-Shirt und eine dunkelblaue Jeans heraus, außerdem nahm er sich ein breites schwarzes Armband um die
Narben an seinem linkem Unterarm vor seiner Tante und seinem Onkel zu verstecken.
Er konnte es auf den Tod nicht ausstehen die Kleidung seines Cousins zu tragen. Es war nicht so, dass er sich zu fein war etwas gebrauchtes zu tragen. Gut Dudleys Sachen waren ihm größtenteils viel zu groß, aber daran würde er sich eigentlich auch nicht
stören.
Aber zum einen hatten die Dursleys, er nannte sie nicht gerne seine Familie, genug Geld um ihm seine eigenen Kleider zu kaufen, mussten ja nicht gleich Markenklamotten sein, wie sie es für Dudley taten.
Zum anderen sieht Dudley das alles als selbstverständlich an. Harry glaubte gelegentlich, wen es Mode würde vom Dach seiner Schule zu springen, dann würde Dudley das mit Sicherheit sofort, ohne auch nur darüber nachzudenken, tun.
Aber dann, er war schließlich auch ziemlich angepasst. Eben nur auf eine andere Art und Weise.
Nachdem er einen weiteren Blick auf seinen Wecker warf, es war zwanzig Minuten nach Sieben, entschloss er sich, sich langsam in Richtung Badezimmer zu bewegen.
Sein Onkel war jetzt mit Sicherheit schon im Wohnzimmer und las die Post, seine Tante war in der Küche, Dudley schlief noch. Es war seit Jahren dasselbe. Eigentlich auch gut so, je vorhersehbarer seine Verwandten waren, um so einfacher war es ihnen aus dem Weg zu gehen.
Er öffnete langsam die Tür des Zimmers, seine Sachen immer noch in den Armen, und eilte schräg über den Flur zum Badezimmer.
Im Flur hingen eine Hand voll Bilder. Die Sorte die man für kleines Geld in fast allen Einrichtungshäusern kaufen kann.
Auf dem Boden befand sich ein roter Läufer mit goldenen Ornamenten, der vom Schlafzimmer seines Onkels und seiner Tante, das rechts am Ende des Flurs lag und dem Gästezimmer, das demgegenüber war und in dem Onkel Vernons Schwester Marge immer Wohnte, wenn sie zu Besuch kam, bis zu Dudleys zweitem Schlafzimmer, das am Anfang des Flurs lag, direkt neben der Treppe und gegenüber von Dudleys Schlafzimmer, ging.
Im Badezimmer angekommen legte er seine frischen Sachen auf den Toilettendeckel und nahm erst einmal eine kurze Dusche.
Als er fertig war und sein Handtuch fein säuberlich aufgehangen hatte, so wie es seine Tante von ihm verlangte, zog er sich Dudleys alte Jeans an, streifte sich das weiße T-Shirt über den Kopf und legte sein Armband an.
Im Badezimmer war es um diese Zeit immer sehr sonnig, Harry liebte Sonnenlicht. Dudleys zweites Schlafzimmer, in dem er sich die meiste Zeit aufhielt, lag im Norden, da hatte er nie direktes Sonnenlicht . Die Badewanne befand sich rechts an der Wand, eingerahmt in einen Wäscheschrank am unterem Ende und einen Blauen Duschvorhang. Gegenüber der Badewanne war ein großzügiger Waschtisch auf dem sich ein kleiner Seifenspender der Marke Dion mit Lavendel Duft befand. Darüber ein schmales Bord mit vier Bechern, darin Zahnbürsten. Der Spiegel war groß und einfach rechteckig gehalten. Daneben stand ein kleiner hoher Schrank in dem Petunia alles andere aufbewahrte das man so im Bad gebrauchen konnte.
Harry schnappte sich seine rote Zahnbürste, putzte sich die Zähne.
Als er damit fertig war blickte er in den Spiegel. Er mochte das was er da sah nicht sonderlich. Natürlich, sein Aussehen erinnerte ihn an seinen Vater, jeden Tag. Auf der einen Seite war das auch ganz gut so, auf der Anderen tat es einfach nur ganz fürchterlich weh, jeden Tag daran erinnert zu werden, dass er seinen Vater niemals kennenlernen wird. Und wer sagt, man könne etwas, was man nie wirklich hatte, nicht vermissen, der irrt sich gewaltig. Seine Augen, er wusste nicht warum jeder immer mit dem Spruch kommen musste - die Augen seiner Mutter- na und? War er etwa eine kleine Kopie seiner Eltern? Aber so benahm er sich ja auch größtenteils, und das meinte sicher auch niemand böse, woher sollte man auch wissen, dass ihn das stört, wenn er es selbst nie gesagt hatte.
Nach einer gewissen Zeit, die er sich jeden Morgen nahm, um einfach nur in den Spiegel zu starren und nachdem er hörte wie Dudley sich auf direktem Weg in die Küche zum Frühstücken machte, machte er sich auch auf seinen Weg hinunter in die Küche.
Die Küche befand sich am hintern Ende des Flurs, gegenüber der Küche lag das Esszimmer mit Tante Petunias kleinem aber, so musste Harry zugeben, sehr schönem Wintergarten und daneben das Wohnzimmer in dem Onkel Vernon bis eben wohl noch gesessen haben musste.
Als Harry die Küche betragt und seinem Onkel und seiner Tante ein kurzes aber höffliches guten Morgen gesagt hatte setzte er sich so leise wie möglich an den Küchentisch, immer der Platz in Richtung Tür.
Er nahm sich wie immer eine kleine Portion Rührei, das lag weniger an den Dursleys als an Harrys ohnehin eher kleinem Appetit. Außerdem gehörte er zu den Menschen die Morgens wirklich nicht gerne etwas essen. Aber das wusste ja auch niemand. Es war ja auch nicht so wichtig.
"Ich habe eine Ankündigung zu machen", hörte Harry seinen Onkel sagen. Er war kurz erschrocken. Er gab es nicht gerne zu, aber nach all den Jahren hatte er doch immer noch Angst vor Vernon.
"Ich habe heute Morgen einen Brief erhalten, von der Geschäftsleitung. Und ich wurde zum Manager befördert, da verdiene ich locker das Fünffache."
"Oh Vernon, das ist ja gro-" setze seine Tante an, doch wurde von ihrem Mann rasch unterbrochen.
"Die Sache hat leider einen Hacken Petunia. Die Stelle ist im Ausland, wir müssen also umziehen" , erklärte Vernon als wäre das eine Nebensächlichkeit, er hatte das anscheinend schon längst entschieden.
"Bitte, aber Vernon, Duddys Schule? Und wo genau ist den deine neue Stelle, und was ist mit unserem Haus"
"Die Stelle ist in Japan, genauer in der Hauptstadt, Tokyo, da gibt es bestimmt gute Privatschulen und Dudley wird das gut tun, da kann er schon mal Kontakte knüpfen. Das Haus müssen wir nicht mal verkaufen, können es ja für den Urlaub verwenden oder vermieten wen du´s unbedingt behalten willst. Die Firma stellt uns eine möblierte Wohnung.", grunze Vernon während er sich gerade ein Stück gebratenen Speck einverleibte.
"Also- Was hältst du eigentlich davon Dudley?", fragte Petunia ihren Sohn der ihr gegenüber saß und gerade mit einem zu großem bissen kämpfte.
"Wen Dad dann mehr verdient, krieg ich dann auch mehr Sachen?", schmatzte Dudley.
"Selbstverständlich mein Sohn", antwortete ihm Vernon und kam somit seiner Frau zuvor gefolgt von einem: "Dann Ok", von seinem Sohn.
Nach diesem Gespräch hatte Tante Petunia Dumbledore geschrieben, und der war der Meinung es wäre eine sehr gute Idee.
Vor allem, da Harry so erst mal aus England weg wäre. Schließlich hatte das Ministerium beschlossen Hogwarts erst einmal zu schließen, nachdem bekannt wurde, dass `Du weißt schon wer` wirklich wieder zurück war.
Es war noch nicht klar wie lange, aber Harry sollte so oder so die gesamte Zeit bei den Dursleys verbringen. Gut, mit vereinzelten Besuchen bei den Weasleys. Aber das wollte er eigentlich nicht, selbstverständlich verbrachte er gerne Zeit mit Rons Familie, aber er wollte sie auf keinen Fall in Gefahr bringen.
Und selbst Hogwarts war nicht wirklich sicher.
Immerhin wusste er, dass ihm unter dem Fidelius Zauber nichts passieren konnte.
In den nächsten zwei Wochen hatte Tante Petunia ihren Hausstand sorgfältig in Kisten verstaut und es wurde eine Spedition beauftragt, sämtliche Umzugskisten und die wenigen Möbel, die Petunia mitnehmen wollte, zu ihrem neuem Wohnsitz zu schaffen.
Es wurden zwei Sessel aus dem Wohnzimmer mitgenommen, ein paar Zimmerpflanzen, Dudleys Kickertisch mit dem Flamenmuster an den Seiten und andere kleine Möbelstücke, die die Familie an ihre gute englische Heimat erinnern sollte.
Onkel Vernon hatte die Flüge noch an dem Morgen gebucht, an dem er den Brief
bekommen hatte. Sie würden früh Morgens abfliegen, am Hearthrow Flughafen, und erst spät Abends ankommen. Selbstverständlich hatte Vernon erste Klasse gebucht. Immerhin war er jetzt ein Top Manager und musste deshalb auch angemessen Reisen, was würden seine neuen Geschäftspartner sonst nur denken? Das er keine Klasse hatte?
Der Abschied aus Little Whinging war ziemlich kühl, fand Harry. Seine Tante hatte eine Grillparty organisiert und dazu die halbe Nachbarschaft eingeladen. Wahrscheinlich mehr, um noch mal richtig anzugeben, als um sich zu verabschieden.
Diesen Abend hatte Harry alleine auf Dudleys zweitem Schlafzimmer verbracht, gelesen und kleine komische Figuren auf Papier gekritzelt, aber eigentlich die meiste Zeit mit ausgebreiteten Gliedmassen auf seinem Bett gelegen und an die Decke gestarrt.
Als die Familie Dursley dann am Flughafen stand, Harry sogar mit neuen passenden Sachen, einem Weißem Hemd und hell blauer Jeans. Vernon wollte immerhin einen guten Eindruck machen, wenn sie in Japan am Flughafen abgeholt wurden, bemerkte Harry, dass er eigentlich so gut wie nichts über Japan wusste, und Vernon würde ihn bestimmt zur Schule schicken, einer Muggel Schule? Er hatte dafür doch gar nicht die Vorkenntnisse schließlich ging er seit er elf war auf eine Magische Schule und da wurde ganz bestimmt keine Mathe unterrichtet. Auch wen er früher immer ganz gut darin war.
Egal, da müsste er halt durch. Die Sprache würde er schon lernen, und die Kultur könne er ja kennenlernen.
Irgendwie konnte er sich in seinem Optimismus selber nicht wirklich glauben.
Im Flugzeug saßen neben den Dursleys noch ein reiches, altes Ehepaar, ein paar Männer und auch die ein oder andere Frau im Anzug und Kostüm und ein kleines Mädchen in einem gelben Kleidchen, das offenbar alleine unterwegs war.
Harry konnte im Flugzeug überraschend gut schlafen, im Gegensatz zum Rest seiner sogenannten Familie. Die waren nämlich nach dem ungewöhnlich frühen Aufstehen an diesem Morgen genau so müde wie er.
Sie kamen am einundzwanzigstem Juli um Neunzehn Uhr dreißig am Tokioter Hauptflughafen Narita an.
Der Regenschauer der sich gerade über der Stadt ergoss, wollte Harry nicht als schlechtes Zeichen deuten.
