Besuch in der Winkelgasse
Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte hatte sie die Tür aufgestoßen und befand sich in einem merkwürdig vertrauten Umfeld wieder. Ja, so hatte sie den tropfenden Kessel in Erinnerung. Hier hat sich zum Glück nichts verändert, was sie doch in gewisser Weise positiv überraschte. Sie wagte sogar so weit zu gehen, um zu vermuten, dass sonst auch nicht viel in der magischen Welt passiert war. Doch das sollte sie noch bitter bereuen. Sie suchte sich einen Weg von der Tür zur Hintertür. Hinter dieser lag nämlich das Tor zur Winkelgasse, eines das zur magischen Welt von London führte. Als sie die Hintertür erreicht hatte atmete sie erleichtert aus. Hätte sie gewusst, dass ihr, ihre Rückkehr in die magische Welt so einfach fiel, wäre sie schon viel früher zurückgekehrt. Mit einem leichten Druck der Klinke öffnete sich die Tür und sie stand auf einem kleinen Hinterhof. Zielstrebig ging sie auf die Wand zu und berührte einige Steine mit ihrem Zauberstab. Mit staunen sah sie sich die Verwandlung der Wand zum Tor an. Doch hatte sie diese um einiges unspektakulärer in Erinnerung.
Schon kurz darauf stand sie in der Winkelgasse und nahm alle Eindrücke in sich auf, so wie beim ersten Mal, wo sie hier war. Erst beim zweiten Blick fiel ihr das Geschäftige Treiben auf. Eine ganze Menge Hexen und Zauberer, jeden Alters wuselten wirr durcheinander. Ihr erster Weg führte zu Gringots, der Zaubererbank. Dort holte sie Geld für ihre Einkäufe und begann dann ihre zuvor erstellte Liste abzuarbeiten.
Vier Stunden später hatte sie die Liste fast ganz abgearbeitet. Nur noch Umhänge und die Tagespropheten der letzten fünf Jahre fehlten. Erschöpft gönnte sie sich erstmal eine Pause. Sie setzte sich in ein kleines Straßencafé und bestellte einen Kaffee. Ihr Blick schweifte durch die immer noch gut gefüllte Winkelgasse und ihr fiel siedend heiß ein, dass sie vergessen hatte den Brief für Minerva McGonagal beim Postamt vorbei zubringen. Sie bezahlte und machte sich direkt auf den Weg zum Postamt. Kurze Zeit später flog eine Schleiereule, mit ihrem Brief am Bein in Richtung Hogwarts aus dem Eulenturm und sie verließ es ebenfalls erleichtert.
Danach führt ihr Weg sie zu Madame Malkins um Umhänge zu kaufen. Sie hatten den Laden gerade betreten, als sie inne hielt. „Kann ich ihnen irgendwie behilflich sein?" fragte die Frau, die auch schon zu ihrer Schulzeit dieses Geschäft führte. „Danke, nein. Ich werde mich erstmal umsehen." „Lassen sie sich ruhig Zeit." So lief Heaven durch die Gänge und nahm hin und wieder einen Umhang von der Stange. Schließlich hatte sie zwei sehr schlichte, einfache, schwarze Umhänge über dem Arm liegen. Sie kehrte zu ihrer Ausgangsposition zurück, um der Frau die Umhänge zu reichen und um in die andere Hälfte des Ladens zu gehen. In die Hälfte mit den Aufwendigen und meistens auch ziemlich teuren Umhängen. Sie lief an den Reihen von Umhängen vorbei, nahm einen Umhang, sah in sich genau an, schüttelte den Kopf und hängte ihn enttäuscht wieder auf die Stange. Nein, sie fand einfach keinen geeigneten Umhang. In Gedanken strich sie über einen Umhang und riss plötzlich den Kopf herum. Der Stoff des Umhangs den ihre Finger gerade berührten, fühlte sich sehr angenehm an. Heaven nahm den Umhang von der Stange und hielt ihn vor sich hoch. Er hatte ein sehr dunkles Blau, na ja eigentlich wirkte er schon schwarz, der Stoff schillerte auf eine magische Art und Weise. Sie entscheid sich denn Umhang auch mit zu nehmen. Erfreut über ihren Fund kehrte sie zur Mitte des Geschäfts zurück.
Die Verkäuferin verabschiedete gerade einen jungen Mann. Heaven traf beinah der Schlag, als der Mann sich umdrehte und an ihr vorbei ging. Für einen Moment dachte sie James stände vor ihr. So hatte sie ihn zu mindestens in Erinnerung: groß, schlank, die schwarzen strubbeligen Haare, die Brille und dieser anmutige Gang, doch etwas war anders an diesem jungen Mann. Die Augen und das Lächeln, das auf seinen Lippen lag. Es waren Lilys Augen und auch ihr Lächeln und als ihr das klar wurde, wusste sie wer der junge Mann gewesen war. Es war Harry, Harry Potter, der Junge der Überlebt hat und ihr Neffe. „Ein erstaunlicher junger Mann dieser Harry Potter, so zuvorkommend. Immer ein Lächeln auf den Lippen und das trotz dessen er so eine schwere Zeit hinter sich hatte. Erst der Tod seiner Eltern, dann die Rückkehr Voldemorts und dann dieser Kampf Anfang Mai grausam. Aber was erzähl ich ihnen das überhaupt, sie haben doch sicherlich im Tagespropheten darüber gelesen, wenn sie nicht sogar selber dabei waren." Abwesend nickte Heaven mit dem Kopf, sie hatte anscheinend doch eine ganze Menge in den letzten fünf Jahren verpasst. „War's das?", fragte die Verkäuferin als sie Heaven den Umhang abgenommen hatte und zu den anderen dazu gelegt hatte. „Ja, das sollte es gewesen sein." bemühte sie sich zu sagen. „Das macht dann 60 Galleonen und 2 Knuts." Heaven reichte der Frau das Geld, nahm die Tüte entgegen und verschwand möglichst schnell aus dem Laden.
Konnte es sein, dass sie wirklich so viel verpasst hatte. Das Letzte wo sie sich noch dran erinnern konnte, war der Ausbruch Sirius Blacks aus Askaban. Wie immer, wenn sie daran dachte, schüttelte sie bestürzt den Kopf. Wie konnte ein Mann nur seinen besten Freund und dessen Frau verraten. Es wolle einfach nicht in ihren Kopf rein. Verzweifelt setzte sie sich auf eine der Bänke und stellte ihre Tüten neben sich. „Ist alles okay bei ihnen?", fragte eine junge Brünette sie. „Danke, es geht. Es ist nur… ach nicht so wichtig", erwiderte Heaven. „Hermine Granger." Die Brünette hielt ihr die Hand hin. „Heaven McAdam, freut mich." „Mich auch. Erzählen sie schon. Was bedrückt sie?" „Nichts weiter, es ist nur ich hab keine Ahnung wie ich die ganzen Taschen mit nach Hause bekommen soll", versucht sie es. Doch sie konnte der Brünetten deutlich ansehen, dass sie wusste, dass das nicht alles war. Jedoch fragte sie nicht weiter. „Da kann ich ihnen sogar behilflich sein", bot Hermine ihr an. „Ach ja?", fragte sie erstaunt. „Hab sie schon mal was von dem unauffindbaren Ausdehnungszauber gehört?" „Das ich nicht selber darauf gekommen bin." Sie schlug sich die Hand vor die Stirn und zog ihren Zauberstab aus der Tasche murmelte einen Zauberspruch und begann ihre Tüten in ihre Handtasche zu packen. „Danke, Miss Granger." Sie wandte sich Hermine nach Beendigung ihres Tuns wieder zu. „Ich helfe wo ich kann, Miss McAdam. Na dann ich muss jetzt auch weiter. Vielleicht läuft man sich irgendwann mal wieder über den Weg." „Ja vielleicht und danke noch mal." „Gerne auf wiedersehen." „Wiedersehen." Und schon war Hermine wieder in das rege Treiben verschwunden, das immer noch in der Winkelgasse herrschte.
Mit einem Blick auf ihre Armbanduhr stellte Heaven, das sie sich bald auf den Weg machen müsste. Denn es war bereits viertel nach vier und der letzte Bus zurück nach Hause fährt um fünf. Also nur noch in die Buchhandlung und dann ab nach Hause, dachte sie sich und verschwand schon im Laden. „Kann ich Ihnen helfen?", fragte der junge Mann hinter dem Verkaufstresen. „Ja… also ich. Im Schaufenster habe ich gesehen, dass Sie die neuste Ausgabe Geschichte der Zauberei haben. Wie alt ist die Auflage?" „Sie ist erst gestern erschienen und beinhaltet alle wichtigen Vorkommnisse, bis hin zur Vernichtung Voldemorts sind darin vorhanden. Obwohl bis auf Mister Harry Potter keiner so genau weiß, was überhaupt passiert ist, als sich die beiden im alles entscheidenden Duell gegenüber standen." „Das heißt es steht alles drinnen was in den letzten fünf Jahren passiert ist?" „Sicher doch sonst wäre es ja nicht die neuste Auflage. Warum fragen Sie?" Verlegen sah Heaven den Verkäufer an. „Nicht so wichtig", murmelte sie schließlich. „Wie viel soll es denn kosten?", fragte sie nach kurzem schweigen. „12 Galleonen, 11 Sickel und 3 Knuts." „Dann hätte ich gerne ein Exemplar." „Soll es sonst noch etwas sein?" „Haben Sie gute Sammelbände zu Verteidigung gegen die dunkeln Künste und Zaubertränke?" „Durchaus wir haben Nachschlagewerke und Lehrwerke. Was brauchen Sie denn?" „Wenn ich recht überlege bräuchte ich beides Nachschlage- und Lehrwerk." „Da kann ich Ihnen diese Ausgaben empfehlen. Beides sehr ausführliche Werke, dafür aber umso besser, wenn man etwas bestimmtes Sucht." „Dann nehme ich diese beiden Bücher ebenfalls." „War's das?" „Ja, das war's." „Dann macht das genau 40 Galleonen und 14 Sickel." Heaven reichte dem jungen Mann 40 Galleonen und 14 Sickel. Dann packte sie die drei Bücher in ihre Handtasche und verließ mit einem ‚schönen Tag noch' den Laden.
Draußen drängte sie sich durch das Gewühl und erreichte schließlich ihren Ausgangspunkt. Mit einem letzten Blick auf die Wand hinter der sich die Winkelgasse verbarg, wandte sie sich ab und betrat wieder den tropfenden Kessel. Sie durchquerte ihn mit schnellen Schritten und stand wieder im nichtmagischen Teil von London. Noch fünfzehn Minuten bis der Bus kommt stellte sie mit einem Blick auf ihre Armbanduhr fest. So machte sie sich auf den Weg zur Haltestelle. Fünf Minuten bevor der Bus kam hatte sie die Haltestelle erreicht und setzte sich auf eine Bank. Ein zufriedenes Lächeln zog über ihr Gesicht und doch schwante ihr schlimmes, noch hatte sie sich nicht gewagt eine der Zeitungen zu lesen. Ihr Überlegungen wurden vom ankommen des Busses unterbrochen. Also stand sie auf, betrat den Bus und zeigte ihre Fahrkarte vor. Schließlich fand sie noch eine freie Bank und rutschte ans Fenster. Der Fahrer wollte gerade die Türen schließen als noch jemand den Bus betrat. Schließlich ließ sich jemand außer Atem auf den freien Platz neben ihr.
„Ich habe nicht gedacht sie so schnell wieder zu treffen", sagte die Person neben ihr als sich ihre Atmung wieder beruhigt hatte. Heaven drehte sich abrupt um und erkannte die Frau von vorhin wieder, Hermine Granger. „Ich bin auch überrascht sie hier zu treffen." Mit der Betonung auf ‚hier' ließ Heaven den Blick durch den Bus wandern. „Da ich kein Auto habe, ist der Bus ein geeignetes Mittel." „Und was ist mit apparieren?", fragte Heaven leise. „Außerhalb der Schule darf nicht gezaubert werden, nicht das ich es nicht dürfte ich bin schließlich 18 und somit nach Gesetz volljährig, doch sieht man es in der Schule nicht so gerne. Und außerdem was würden den meine Eltern sagen wenn ich plötzlich aus dem nichts vor ihrer Nase stehe?" Heaven nickte. „Muggeleltern, nehme ich mal an. Zu meiner Schulzeit war es nicht anders, aber sagen sie warum gehen sie überhaupt noch zur Schule?" „Sagen wir mal so, mir kam letztes Schuljahr etwas dazwischen, jetzt hole ich es nach und dann bin ich durch. Und sie?" „Vor fünf Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen." „Das heißt sie sind 25?", fragte Hermine erstaunt. „Genau, das stimmt. Wieso?" „Ich hätte sie auf gerade mal 20 geschätzt." „Danke, das schmeichelt mich." Hermine lächelte Heaven an und sie lächelte zurück. „Wie war ihre Zeit in Hogwarts denn?" „Ich war nicht in Hogwarts, ich war in Beauxbatons." Auf ihr verwirrtes Gesicht, fuhr Heaven fort. „Gebürtig komme ich hier aus England und als ich dann 11 Jahre war bekam ich einen Brief von Hogwarts und zu meinem Erstaunen auch einen von Beauxbatons und ich habe mich für letzteres Entschieden, dass hatte seine Gründe. Um auf ihre Frage zurück zu kommen, es war die schönste Zeit für mich, doch leider wurde sie von einem schrecklichen Ereignis überschattet, das meiner Schulzeit aber schon voraus ging." Ein Schatten zog über ihr Gesicht, Hermine schien das bemerkt zu haben und schwieg. „Als ich dann mit der Schule fertig war habe ich studiert." „Was denn?" „Zaubertränke." „Uh", erwiderte Hermine und verzog das Gesicht. „Was ist denn so schlimm daran?" wollte Heaven irritiert wissen. „Mein Lehrer in Zaubertränke vom ersten bis zum fünften Schuljahr war, sagen wir mal anders." „Wie anders?" „Nun ja zynisch, leicht reizbar, kaltherzig, unfair… Um mich kurz zu fassen er hat uns Schüler missachtet und das immer wieder unterbeweis gestellt." „Na dann kannst du ja froh sein, dass er jetzt nicht mehr unterrichtet." „Er unterrichtet durchaus noch. In meinem sechsten Schuljahr hat er Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet und letztes Jahr war er sogar Schulleiter. Kommendes Schuljahr wird er auch wieder unterrichten und ich nehme stark an das er immer noch Verteidigung haben will, aber das wird unsere Schulleiterin nicht zu lassen. Es ist doch so schwer jemanden qualifiziertes für Zaubertränke zu finden." „Wie ist sein Name?" „Severus Snape, wieso wollen sie das wissen?" „Ich werde die sein, die ihm den Posten in Verteidigung streitig machen wird." „Das heißt sie unterrichten nächstes Schuljahr in Hogwarts Verteidigung?" „Allerdings und nicht nur Verteidigung. Bis Ende des Jahres werde ich auch Zaubertränke übernehmen." „Das ist aber eine Überraschung. Da hilft man in der Winkelgasse einer Hexe, trifft sie im Bus wieder und dann erfährt man auch noch, dass sie einen demnächst in zwei Fächern unterrichten wird. Wenn ich das Harry und Ron schreibe, die erklären mich für durchgeknallt." „Meinen sie Harry Potter?" „Ja, genau den." „Sie sind mit ihm befreundet?" „Ja, dass bin ich seit dem ersten Schuljahr." „Es freut mich zu hören, dass er so nette Freunde gefunden hat. Sie müssen wissen ich kannte ihn schon als er noch ein Baby war. Nach dem Tod seiner Eltern habe ich ihn jedoch aus den Augen verloren. Vorhin habe ich ihn kurz in der Winkelgasse gesehen." „Es würden ihn sicher freuen, wenn sie ihn mal besuchen würden. Ich kann ihnen sagen wo er wohnt." „Ich finde, wo wir bei so privaten Angelegenheiten ankommen, sollten wir uns duzen." „In Ordnung." „Es würde mich freuen Harry mal wieder zu sehen, doch ich finde du solltest ihn erst Fragen, bevor ich einfach an seiner Tür klingele." „Du hast Recht, wenn ich zu Hause bin, schreibe ich ihm gleich einen Brief. Da fällt mir auf, ich muss hier raus." Heaven sah aus dem Fenster und erwiderte. „Was für ein Zufall, das ist auch meine Haltestelle." „Unglaublich", schmunzelte Hermine und auch über Heavens Gesicht zog sich ein Lächeln. Das Lächeln der Brünetten erstarrte für einen Augenblick. „Alles okay?", fragte Heaven vorsichtig. „Es ist nur, als sie, ich meine du, mich ebenso angelächelt hast. Da ist mir aufgefallen das du dasselbe Lächeln wie Harry hast und dein Augen sehen auch wie seine aus." Innerlich erstarrte Heaven, aber äußerlich bemühte sie sich nichts anmerken zu lassen. „Als Harrys Eltern noch lebten, sagte James immer zu Lily und mir wie ähnlich wir uns doch wären." Hermine schien nichts von Heavens Unbehagen bemerkt zu haben. Als der Bus hielt stiegen die beiden Frauen aus und Hermine wandte sich noch einmal kurz zu Heaven um. „Du kanntest Harrys Eltern gut, oder Heaven?" „Allerdings", erwiderte diese und nickte. Ihre Augen nahmen einen glasigen Ausdruck an. „Es tut mir Leid, dass sie nicht mehr leben." „Mir auch. Bis spätestens in Hogwarts." „Wiedersehen Professor McAdam." „Miss Granger", erwiderte Heaven, nickte Hermine zu und verschwand. Hermine machte sich ebenfalls auf den Heimweg.
