Kapitel 1 - Ankunft in Bruchtal

Als ich erwachte spürte ich ein Ziehen in der Magengegend, was unweigerlich schlimmes mit sich bringen würde.
Ich stand auf, doch sofort erfasste mich Schwindel, hilfesuchend stütze ich mich an der Wand ab.

Das Ziehen wurde schlimmer und ich krümmte mich zusammen.
Kann das nicht schneller gehen, dachte ich und stellte erleichtert fest, dass das Bild vor meinen Augen verschwamm.
Ein plötzlich hell aufleuchtendes Licht ließ mich die Augen fest zu kneifen und als ich sie wieder öffnete fand ich mich in einer großen Halle, der Tham Admir, wieder.
„Elveayáre, wir müssen euch leider verkünden, das erneut Schatten aufziehen werden", hörte ich eine herrenlos Stimme.
„Reist nach Bruchtal und verlangt Herrn Elladan zu sprechen. Nehmt dies an euch, es wird euch helfen."
Das gibt es doch nicht, dachte ich, gerade war Sauron bezwungen und jetzt sollte es schonwieder eine neue Bedrohung geben.
Auf dem Boden vor mir nahmen einige Sachen Gestalt an, darunter ein Langbogen mit einem Köcher voller Pfeile, ein Schwert, sowie ein Sattel und ein Zaumzeug für meine Stute Faire und ein schwarzes Bündel.
Und schon spürte ich wieder das Ziehen, doch zurück ging es immer schneller als hin und so stand ich kurz darauf wieder in der Höhle, in der ich die Nacht verbracht hatte, vor mir die neuen Sachen.
Ich ging aus der Höhle und pfiff nach Faire, die grasend einige Meter entfernt stand.
Sofort hob sie ihren Kopf und kam dann auf mich zugetrabt.
„Guten Morgen meine Schöne, hattest du eine erholsame Nacht? Komm wir haben eine Aufgabe", begrüßte ich sie.
Gefolgt von Faire ging ich zurück in die Höhle.
Faires Hufschlag hallte an den Wänden wieder.
„Hier, das ist für dich", sagte ich und deutet auf Sattel und Zaumzeug.
Zuerst legte ich den Sattel über ihren Rücken und zog den Gurt fest.

Anschließend streifte ich ihr das Zaumzeug über den Kopf und verschloss die Riemchen.
Dann nahm ich das Schwert und schnallte es mir um die Hüfte.
Danach kniete ich mich nieder, um das schwarze Bündel genauer zu betrachten.
Ich fand ein Band, dass um das Bündel geknotet war und löste die Verschnürung.
Vorsichtig wickelte ich das Bündel auf, um mögliche darin vorhandene Dinge nicht zu zerstören.

Eingewickelt in dem Bündel fand ich zwei kleine Stoffbeutel und einen Dolch, das schwarze Bündel selbst stellte sich als Umhang heraus.
Den Dolch verstaute ich in einem meiner braunen Stiefel, dann widmete ich mich den beiden Stoffbeuteln.
In dem ersten befanden sich alle möglichen Heilkräuter und in dem zweiten ein silberner leicht blau durchwirkter Ring.
Ich band die Beutel wieder zu und schnürte sie am Gurt meines Schwertes fest.
Nachdem ich mich wieder aufgerichtet hatte, legte ich mir den Umhang um die Schultern.
Dann hob ich den Köcher mit Pfeilen vom Boden und schnallte ihn mir um.
Zum Schluss folgte noch der Bogen, den ich mir über den Rücken hing.
Bevor ich aufsaß führte ich Faire aus der Höhle.
Draußen schwang ich mich dann auf ihren Rücken.
„Los Faire, auf nach Bruchtal, ich muss mit Herrn Elladan sprechen."
Meine Stute hatte mich verstanden und eilte los.
Schon bald hatten wir unsere Schlafstätte weit hinter uns gelassen und hatten es nicht mehr weit bis Bruchtal.
Gerade nährten wir uns einer Lichtung, als zwei Reiter darauf erschienen.
Ich ließ Faire in Schritt fallen. Verwundert bemerkte ich, dass einer der Reiter ein Zwerg war, der andere war ein Elb.
„Guten Tag die Herren, wo hin des Weges?", fragte ich.
Der Zwerg schien vor Schreck beinah vom Pferd gefallen zu sein.
„Wir sind auf dem Weg nach Bruchtal. Aber sagt, was ist euer Ziel?", meinte der Elb, der mein Kommen wahrscheinlich schon gehört hatte.
„Ich bin ebenfalls auf dem Weg nach Bruchtal", erwiderte ich.
„Dann könnt ihr uns ja begleiten, schöne Frau", sagte der Zwerg.
Ich strich Faire über ihre Hals und sie senkte ihn zustimmend.
„Nun, bei einem so netten Angebot, kann ich nicht ablehnen", sagte ich und ließ Faire wieder los laufen.

Nach kurzer Zeit vernahm ich den Hufschlag der andern beiden Pferde.
„Meine Herren, was bringt euch denn nach Bruchtal?", fragte ich neugierig.

„Herr Elladan lud uns ein, er scheint etwas mit uns besprechen zu wollen", erklärte der Elb.
„Und was führt euch nach Bruchtal, schöne Frau?", wollte der Zwerg wissen.

„Nennt mich doch bitte Sinye. Mein Weg führt mich nach Bruchtal, da ich Herrn Elladans Rat suche." „Interessant. Ich bin übrigens Gimli, Gloins Sohn und mein Gefährte ist Prinz Legolas aus dem Düsterwald, Sohn Thrandulis."

„Entschuldigt, mein Prinz", sagte ich ehrfürchtig und neigte demütig den Kopf.
„Bitte Sinye, seid doch nicht so förmlich, ich bin ein Elb wie jeder andere auch", erwiderte Legolas. Überrascht über diese Aussagen hätte ich mir beinah den Kopf an einem tief hängenden Ast gestoßen, wäre Faire nicht in letzter Sekunde stehen geblieben.
Ich duckte mich unter dem Ast durch und dachte weiter über Legolas Aussage nach.
Noch nie war mir ein Prinz begegnet, vor allem ein Elbenprinz, der nicht darauf bestand mit seinem Titel angesprochen zu werden.

„Sagt, warum reist ihr alleine, schöne Frau, entschuldigt Sinye. Ist es nicht viel zu gefährlich?", riss mich Gimlis Frage aus den Gedanken.
„Ich habe gelernt zu kämpfen, oder meint ihr ich trage Bogen und Schwert, damit es schön aussieht.
Nein, ich weiß mich zu verteidigen und da sehe ich keinen Grund warum ich nicht alleine reisen sollte", erklärte ich ihm.

Gimli sah mich anerkennend an und Legolas betrachtete meine Bogen.
„Entschuldigt, wenn ich euch zu nahe trete, aber wo habt ihr diesen Bogen her", wollte er schließlich wissen.
„Es war ein Geschenk", erwiderte ich, denn es war ja nicht gelogen. Ich hatte den Bogen geschenkt bekommen.
„Sind wir bald da? Ich fühle meinen Hintern nicht mehr", beschwerte sich Gimli.
„Es ist nicht mehr weit, Herr Gimli. Wenn wir unsere Pferde eilen lassen, sind wir bald da", verkündete ich.
„Legolas, hast du das gehört, sie hat mich Herr Gimli genannt", sagte der Zwerg stolz ich Richtung Elb gewandt.
„Natürlich mein Herr, wie sollte ich euch denn sonst nennen und nun kommt", meinte ich und ließ Faire in Trab fallen.
„Aber nicht zu schnell, die anderen beiden müssen mithalten können", flüsterte ich ihr ins Ohr. „Meint ihr wir sind so langsam", entrüstete sich Legolas, der mit seinen Elbenohren natürlich jedes Wort verstanden hatte. „Nein, Herr Legolas, ihr seid sicher nicht langsam, wenn mich nicht alles täuscht besitzt ihr Elbenpferde. Jedoch würde Faire sie um Längen schlagen", versuchte ich zu erklären.
„Es gibt keine schnelleren Pferde als Elbenpferde", sagte er daraufhin.
Der Zwerg nickt, trotz dessen er keine Ahnung von Pferden hatte, denn er vertraute auf das Wissen seines Freundes.
„Und doch sage ich euch, mein Herr, meine Stute würde euer Pferd um Längen schlagen", meinte ich.

„Das werden wir ja sehen", sagte er und trieb sein Pferd in Galopp.
Auch Gimlis Pferd machte einen Satz nach vorne, sodass der Zwerg beinah herunter gefallen wäre.
Er konnte sich jedoch im letzten Moment noch festhalten und sein Pferd jagte dem von Legolas hinterher.
Ich merkte, wie Faire ungeduldig wurde.
Sie hatte die Aufforderung zum Wettstreit verstanden und so ließ ich sie laufen.
Schon kurz darauf hatten wie den Zwerg eingeholt und ich hörte ihn auf die ‚verdammten Gäule' schimpfen.
Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.
Dann hörte ich Legolas, der tief über den Hals seines Pferdes hing und den Fliegenschimmle zu großer Eile antrieb.
Als er Faire und mich dicht hinter sich wahrnahm, beigte er sich noch tiefer und Trieb den Schimmel mit den Worten ‚noro lim, noro lim Niphredil' an.
Der Schimmel streckte sich noch länger und brachte wieder mehr Abstand zwischen sich und Faire. Ich beugte mich auch über Faires Hals und flüsterte.
„Eile Faire, eile." Legolas der die Worte gehört hatte, trieb sein Pferd weiterhin auf elbisch zur Eile an.
Doch der Abstand zwischen Niphredil und Faire schwand, bis sie sich auf selber Höhe befanden.
Kurz sah ich zu dem blonden Elb herüber, der sein Pferd weiterhin verbissen zur Eile antrieb. Nun flüsterte ich dicht über Faires Hals gebeugt.
„Noro lim Faire, noro lim." Als hätte sie nur auf die Worte gewartet, jagte sie los und ließ Legolas auf Niphredil schnell hinter sich.
Kurz Zeit später hatten wir Bruchtal erreicht und ich ließ Faire, damit wir niemanden über den Haufen reiten würden, in Trab fallen.
Vor den Ställen ließ ich mich von Faires Rücke gleiten.
Sogleich stand ein Elb neben mir, der mir Faires Zügel aus der Hand nahm und sie in die Ställe führte.

„Kann ich euch weiterhelfen, Herrin?", fragte ein brünetter Elb.
„Ich würde gerne Herrn Elladan sprechen, doch zuerst warte ich auf meine Begleiter", erklärte ich dem Elb.
„Ich werde Herrn Elladan beschied geben, dass ihr ihn zu sprechen wünscht. Solange könnt ihr hier auf eure Begleiter warten", verkündete er.
„Vielen Dank, mein Herr", bedankte ich mich bei dem Elb. Gerade als er verschwunden war, hörte man Legolas und Gimli kommen, denn der Zwerg beschwerte sich lautstark über den wilden Ritt.

Kurz nachdem ich ihre Stimmen vernahm bogen sie auf ihren Pferden um die Ecke.

„Was habe ich euch gesagt", sprach ich den Elben an.
„Beim nächsten Mal schlage ich euch, Sinye", erwiderte er.
„Das glaub ich nicht", meinte ich, als die Beiden von ihren Pferden stiegen. Na ja, Gimli fiel eher, als das er ab stieg.
„Das werden wir ja noch sehen", sagte er, als man ihm die Zügel aus der Hand nahm und den Schimmel in die Ställe führte.
„Herrin, Herr Elladan erwartet euch", verkündete der brünette Elb, als er zurückkehrte.
„Danke, mein Herr. Wo werde ich ihn finden?" Bevor er mir jedoch antwortete, erblickte er Legolas und Gimli.
„An, die Herren Legolas und Gimli sind auch eingetroffen. Folgen sie mir
ich werde sie zu ihren Gemächern führen. Und sie Herrin, werde ich zu Herrn Elladan führen, kommen sie." Und so folgte ich der kleinen Gruppe.

Der Elb führt uns durch ein Labyrinth von Gängen und blieb schließlich vor einer schweren Holztür stehen.
Er hob die Hand und klopfte an das dunkle Holz.
„Herein", erklang eine freundlich Stimme von drinnen und der brünette Elb öffnete die Tür.
„Herr Elladan, ich bringe die Herrin die euch zu sprechen wünscht. Außerdem sind so eben die Herren Legolas und Gimli eingetroffen, ich bringe sie nun zu den für sie hergerichteten Gemächern", verkündete der Elb.
Elladan erschien im Türrahmen und blickte aufmerksam zu mir und dann zu Legolas und Gimli.
„Das wird nicht von Nöten sein, die Herrin Sinye, sowie Legolas und Gimli sind aus demselben Grund hier. Bitte, kommt doch herein", sagte Elladan und machte eine einladende Geste.
Ich betrat das Zimmer, gefolgt von Legolas und Gimli.
Der brünette Elb, der uns hierher gebracht hatte, warte bis Gimli durch die Tür getreten war und schloss sie dann wieder.

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Übersetzung:
Tham Admir = Halle der Hoffnung
noro lim = lauf schnell