Hallo, da bin ich wieder, mit dem zweiten Kapitel.
Ich danke euch beiden für die Kommis.
araglas16: Deine Aufzählungen und Kommentare dazu fand ich echt lustig Schön, dass es dir gefallen hat. Mal sehen ob esdirweiterhin so gut gefällt und ob Kai rote, braune oder doch ganz andere Augen hat? Ich kann mich erinnern, dass er in der zweiten Staffel, glaub ich graue Augen hatte. Du wirst es hier erfahren
NicoRobin2005: Spring mir ja nicht aus dem Fenster, sonst kannst du doch nicht weiterlesen. Du möchtest doch wissen wie es weiter geht, oder nicht? Jetzt ist das zweite Kapitel jada, schön lesen
Kapitel 2: Namen und Katzen
Unruhig drehte er sich aus seiner Rückenlage auf die Seite. Irgendwas hatte ihn geweckt. Ein Geräusch? Hatte da eben was geraschelt oder nicht? Oder blendete vielleicht die Sonne? Egal, nachschauen wie das Wetter im Moment aussah wollte er nicht. Es war wahrscheinlich eh noch dunkel, zumindest fühlte er sich noch so müde, dass es anders gar nicht sein konnte.
Müde? Müde war ein gutes Stichwort um weiter zuschlafen.
Aber aus dem Versuch seine schlafenden Gedanken wieder ab zustellen und sie wieder ins Reich der Träume zuschicken, wurde nichts.
Denn aus irgendeinem Grund verbot das Traumland einen längeren Aufenthalt. Geschlagen streckte er sich erst mal um seine Gelenke wieder wach zubekommen. Doch kaum streckte er seine Arme aus, berührten seine Hände etwas.
Erschrocken zog er sie wieder zurück und drehte sich zur anderen Seite, den Kopf nun unter der Decke vollkommen verborgen. Angst.
Da war etwas hinter ihm, etwas was definitiv nicht in sein Bett gehörte. Und die Erinnerungen an die ganzen Horrorfilme, die er schon geguckt hatte, machten seine Angst auch noch berechtigt, so fand er.
Vielleicht hatte er es sich auch nur durch seine Müdigkeit eingebildet? Auf jeden Fall ist diese jetzt verflogen und mit etwas klarerem Kopf, kam ihm auch der Gedanke, dass Horrorfilme ja eigentlich gar nichts mit der Realität zutun haben.
Nein! Er hatte es sich doch nicht nur eingebildet!
Denn gerade hatte dieses Etwas seinen Arm berührt! Nach dem dieses vergangen war, traute er sich wieder zu bewegen und vorsichtig unter der Decke hervor zuschauen.
Hell! Aber noch nicht zuviel, nur ein bisschen schummrig. Als zweites fiel ihm auf, dass der Ausblick rein gar nicht zu seinem Zimmer passte. Nach dem seine Sehschärfe wieder zugenommen hatte, schaute er sich weiter um und dann wusste er wieder wo er war.
Er hatte im Wohnzimmer auf der Couch geschlafen und er wollte sich gerade fragen, warum Tyson und Kenny auf seinem Boden schliefen.
War ja klar, dass sie nicht aus den Federn kamen. Wer weiß, wann die gestern erst ins „Bett" gegangen waren.
Und wo war Max? Der saß grinsend vor Ray und versuchte nicht zulachen.
„Guten Morgen"
Er fand das Verhalten des Schwarzhaarigen und das des dahinterliegenden eben zu komisch.
„Morgen"
Jetzt erinnerte sich Rei auch wieder langsam an die vergangene Nacht.
„Was ist los?"
„Ich bin schon so lange wach und ich bin doch so neugierig, was deinen Freund hier angeht"
Max' Worte lassen einen leichten rosa Schimmer auf Reis Wangen erscheinen, als er dessen Blick folgte und seiner auch auf dem neben ihm landete.
Da lag sein gedächtnisloser Fund und schlief. Er musste wohl gegen dessen Rücken gestoßen als er sich strecken wollte.
„Er ist nicht mein Freund. Lass uns die anderen leise wecken, dann erklär ich alles"
Nur das „leise" Wecken war doch schwieriger als gedacht. Kenny war kein Problem. Er wachte schnell auf und verstand, dass er leise sein sollte und bei der Tyson-Weckaktion helfen musste.
Dieser war nämlich schon schwieriger wach zukriegen, da er sich nicht sanft wecken ließ und er partout nicht aufwachen wollte.
Irgendwann reichte es Rei und er hielt ihm einfach zuerst die Nase, dann den Mund zu. So würde ihm nichts anderes übrig bleiben als wegen dem Luftmangel aufzuwachen –es sei denn er wolle im Schlaf ersticken- und er könnte nicht einmal lautstark protestieren, da ihm ja auch der Mund zugehalten wurde, sondern Rei nur böse anfunkeln und mit den Händen wehren.
Rei und Max sandten ihm noch ein kurzes „Leise" zu, worauf sie in Richtung Sofa deuteten, um seinen fragenden Blicke zu beantworten. Halbwegsverstehend wurden die beiden auch schon aus dem Zimmer gezogen.
Kaum waren sie in der Küche angekommen, bombardierten die beiden Rei und Max mit Fragen. Wobei letzterer die selben Fragen an Rei stellte.
„Nun seit doch mal still. Ich würde sagen, wir machen uns fertig und klären das dann beim Frühstück. In Ordnung?"
Nach einigen Murren wurde der Vorschlag angenommen. Da es erstens so bequemer war und zweitens Tyson klar wurde, dass er nebenbei essen durfte.
„Also, wer ist das Rei? Kennen wir ihn? Wieso ist er hier? Oder ist das dieser eine Kollege von dir, von dem du mal erzähltest?", fragte Tyson neugierig, während er sich über die Brötchen hermachte. Doch nicht Rei unterbrach ihn, sondern Max.
„Nein, das ist der nicht"
„Woher willst du das wissen?"
„Na, er sieht anders aus und hat hellere Haare und außerdem glaube ich, dass Rei ihn gar nicht herbringen würde, besonders, wenn wir keinen Platz haben, oder Rei?"
„Ach, und woher weißt du das schon wieder?"
„Hörst du uns denn eigentlich nie zu? Rei hat uns doch von ihm erzählt. Und ich habe dir auch schon gesagt, dass ich mich mit ihm unterhalten hatte, als ich Rei von der Arbeit abgeholt hatte, als du Nachsitzen musstest"
„Aber, dass-„
„Rei? Wer ist das nun?", fragte Kenny schließlich, da die beiden wohl noch eine Weile brauchen würden.
Tja, und das war eine wirklich gute Frage fand Rei, während er die Kirschmarmelade vor sich betrachtete.
„Ganz ehrlich Kenny? Das würde ich auch gerne wissen"
Jetzt war er sprachlos und der Stille zu urteilen, hörten die anderen beiden auch wieder zu und schienen zu überlegen, wie der letzte Satz zudeuten war.
„Damit meinst du jetzt aber nicht, dass du einfach einen völlig Fremden mitten in der Nacht voller Vertrauen mitgebracht hast?"
Ein vorsichtiges Nicken seitens Rei zeigte Kenny, dass es doch so war.
Manchmal, so wie jetzt, hatte der Schwarzhaarige das Gefühl, dass nicht er der Vernünftigste und Älteste von ihnen war, sondern neben dem kleinsten und jüngsten, einfach nur immer kleiner wurde. Doch die erwartete Predigt, die sonst immer bei Tyson oder Max fallen würde, blieb aus.
„Aber, doch bestimmt nicht nur einfach so? Das muss doch einen Grund gehabt haben. Ich meine, sowas machst du doch sonst auch nicht", sagte er noch, mit der Hoffnung, er würde eine Antwort bekommen, die Rei würdig war.
Denn er verstand das ganze überhaupt nicht. Das passte rein gar nicht zu dem Chinesen und da musste es doch einen wirklich guten Grund geben.
„Na ja, ich bin durch den Park zurück nach Hause. Bei den Bänken hab ich ihn dann gefunden und ihm angeboten, dass er mit mir kommen könnte", erzählte er, als ihm etwas anderes auffiel und dabei vergaß, dass sie die andere Hälfte der Geschichte gar nicht kannten.
„Sag mal Kenny, warst du gerade versucht meine Gründe anzuzweifeln? Du weißt doch, dass ich so etwas nicht ohne einen guten Grund machen würde, wobei ich auch an euch denken muss, da ihr auch hier wohnt. Außerdem, hätte ich ihn doch nicht alleine lassen können"
„Nein, Rei, dass wollte ich nicht. Wir sind nur etwas verwirrt und wissen übrigens immer noch nicht mehr. Wieso kann er nicht alleine sein?"
„Oh, also das war so. Er saß da ganz alleine, aber wie, dass sah aus als hätte er Hilfe gebraucht. Da bin ich zu ihm gegangen. Endergebnis war und ist, dass er vollkommen alleine ist. Er weiß nicht wo er hin soll, wo er wohnt, wo und wer seine Familie oder Freunde sind, geschweige denn seinen eigenen Namen. Kurz, sein Gedächtnis ist weg. Er hat rein gar nichts mehr, das einzige, wo er sich sicher sein kann, dass er es besitzt, sind seine Klamotten die er trägt und selbst da musste er sich schon von eins trennen. Ich mein, hätte ich ihn erfrieren, sich selbst überlassen sollen, mit leerem Kopf, ohne Jacke oder Pullover, nur im T-Shirt? Er wäre bei dieser Kälte draußen ganz alleine und einsam umgekommen. Zu guter Letzt, kann er noch nicht mal sprechen", beendete er seine Erzählung und hörte sich beinah, wie ein Kind an, dass sein gefundenes Haustier behalten will.
Und jetzt sollte einer seine Gründe noch mal in Frage stellen.
Die mussten aber erst Reis Worte verarbeiten.
„Wow, du machst Sachen. Ist das echt wahr?"
„Tyson! Würde er sonst so etwas behaupten?"
Max funkelte ihn wieder mahnend an.
„Und was machst du jetzt? Er sollte doch eigentlich zu einem Arzt, oder?"
„Ich dachte, ich lass ihn erstmal ausschlafen und dann sehen wir weiter. Wenn er immer noch im gleichen Zustand, wie gestern ist, dann bring ich ihn zu meinen Arzt und wenn doch alles wieder in Ordnung ist, kann er ja wieder gehen"
„Hast du keine Angst? Du denkst er schläft, dabei könnte er im Schlaf schon gestorben sein"
„Tyson! Er leidet an Gedächtnisschwund und nicht an Altersschwäche"
Wurde Tyson wieder von Max zurecht gewiesen.
Genau wegen solchen unüberlegten Kommentaren, war er in dieser WG in letzter Zeit manchmal etwas überreizt, denn diese kamen bei Tyson öfter mal vor.
„Außerdem, unter meiner Pflege stirbt mir niemand so schnell weg. Ich will gar nicht wissen, wie er unter deiner Obhut aussehen würde. Bei mir wird er es wenigstens gut haben"
Darauf wusste Tyson nicht mehr so viel zusagen und Max konnte nur vor sich hin kichern.
„Was ist?" Fauchte Rei halb verwirrt. Was sollte an dem sterbenden Jungen denn so lustig sein?
„Ist ja gut, Mama" winkte der Blonde nur ab.
Sein Ärger über Tyson war verflogen, jetzt schaute er ihn nur noch verwirrter an. Mama?
„Du kamst mir eben vor, wie ein Muttertier, das versucht sein Junges zuschützen", grinste er.
„Das war wahrscheinlich dein letzter Satz, Max"
Kenny schaute wieder von seinem Laptop auf und zu Rei.
Dieser war aber ganz ruhig und sah nur kurz auf die Uhr, bevor ganz scheinheilig fragte:
„Sag mal, Max. Müsst ihr nicht irgendwann mal zur Schule?"
Das fiel jetzt auch den anderen mit einem Schrecken wieder ein.
„Oh, Shit. Das gibt Ärger"
Rei hatte sie noch nie schneller vom Frühstück aufspringen sehen, besonders Tyson nicht.
Schneller wie ein Blitz waren sie aus dem Haus und rannten die Straße runter.
Der Schwarzhaarige blieb sitzen und sah ihnen grinsend nach.
Panik ließ einen aber auch leicht vergessen...
Gut vier Stunden später war die Küche wieder aufgeräumt und die Malergerätschaften aus dem Flur in den Keller umgelagert worden, der Flur war somit wieder unfallfrei betretbar.
Nur die Sauberkeit der Küche nichts, da Rei wieder dabei war Mittag zumachen.
Er musste zwar nicht, wann die drei wieder kommen würden, aber sein Hunger hatte Vorrang. Notfalls könnten sie sich das Essen auch wieder aufwärmen.
Gerade hatte er die Töpfe auf den Herd gestellt, wurde auch schon die Tür aufgeschlossen und Max, Tyson und Kenny stürmten die Wohnung.
„Und Ärger bekommen?"
Rei sah Max fragend, aber wissend an.
„Du hast es gewusst, oder? Dass wir die erste Stunde Ausfall hatten und deswegen noch eine Menge Zeit hatten?"
„Das war gemein, Rei, weißt du wie wir gerannt sind?", beschwerte sich Tyson, der sich zu Max setzte.
„Kann ich mir vorstellen. Sie es als Training an. Für dich tut es mir leid, Kenny. Aber, manchmal müssen Opfer einfach sein" Er sah entschuldigend zu ihm. Der Kleine konnte ja wirklich nichts dafür.
„Also, habt ihr Hunger? Ich bin gleich fertig"
„Rei?", fragte Tyson und sah sich dabei um, als würde er etwas oder jemanden suchen.
„Wo ist eigentlich Fin?"
„Fin?", wiederholte der gefragte und war heute zum zweiten mal verwirrt.
„Das erklären wir dir nachher. Dein Parkjunge. Erzähl erst mal", antwortete Max.
„Ach ja, deswegen seit mal leiser. Er schläft"
„Immer noch?"
„Ja, und sei du nicht so laut. An deinen freien Tagen kommst du nie vor eins aus dem Bett. Wir haben es halbzwölf. Pack lieber deinen Rucksack wieder in dein Zimmer"
„Die anderthalb Stunde" Hörte man Tyson noch grummeln, als er aus der Küche verschwand.
„Verrätst du mir jetzt, warum ihr ihn Fin nennt?", fragte Rei neugierig, während er wieder zum Herd ging.
„Wir haben uns in der Schule über ihn unterhalten und uns fiel auf, dass wir gar nicht wussten wie wir ihn ansprechen sollen. Also, brauchte er einen Namen, denn Findelkind wäre auf Dauer wohl nicht besonders schön. So haben wir den Namen einfach abgekürzt. Fin, eben"
Als wäre es das normalste der Welt fremde Leute zu betiteln und ihnen darauf passende Namen zugeben.
Findelkind? Irgendwie passte es ja, nur war er kein Kind mehr.
„Meinst du es ist gut ihm einfach einen Namen zugeben? Nachher denkt er noch, es wäre sein richtiger und wird sich nie mehr an seinen wirklichen Namen erinnern können, sondern nur mit dem falschen Namen und wird denken es wären wirklich seine richtigen ungefälschten Erinnerungen"
Er bezweifelte das es gut war, auch wenn er wirklich einen Namen brauchte und einiges mehr.
„Ihr könnt ihn ja fragen und sehen was er dazu sagt. Hilfst du mir bei den Tellern?"
„Wo bleibt eigentlich Tyson"
Genau in dem Moment als Max aufstand und dies fragte, hörten sie einen kleinen erschreckten Aufschrei aus dem Flur.
Dort lag Tyson, der anscheinend über ein Paar Schuhe gestolpert war.
„Wer lässt auch seine Schuhe mitten im Weg liegen" Grummelnd setzte er sich auf.
„Das waren deine"
Doch auf diesen Einwurf achtete er gar nicht mehr, sondern blickte geradewegs ins Wohnzimmer, wo etwas seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Äh, Rei? Ich glaube, dein Findelkind ist wach"
Er rutschte schnell ein Stück zurück, als wäre ihm das nicht ganz geheuer.
Und tatsächlich, als der Schwarzhaarige ins Wohnzimmer schaute, sah er direkt in zwei dunkelrote Augen, die Tyson zuvor noch böse angefunkelt hatten.
‚So ein Rot wie Kirschen...' Da fiel ihm auch gleich ein, dass sie gar keine mehr hatten. Gut, dass er eh noch einkaufen musste. Er liebte Kirschen einfach.
„Sag mal, wolltest abhauen?", grinste Rei, denn so wie er da stand, könnte man es glatt annehmen, dass er das wirklich vor hatte. Seine eigene Hose in der Hand, die er sich gerade von dem Sessel genommen hatte, stand er da mitten im Raum, als wollte er sich gerade wegschleichen.
„Du hast lange geschlafen. Du hattest wohl dringenden Schlafnachhohlbedarf. Wie fühlst du dich?", fragte er und fühlte gleich die Stirn seines Gegenübers, wobei dieser ein Stück zurück ging.
„Sag ich doch, ein Bad, eine Suppe und Schlaf, dann wirst du nicht krank. Aber, ansonsten hat sich auch nichts geändert, oder? Hmm... Dann hättest du aber auch verdammtes Glück gehabt. Wie sieht's aus? Du musst doch sicher Hunger haben. Ich hab das Mittag gerade auf den Tisch gestellt"
Als er sich wieder Richtung Tür drehte, bemerkte er erst, dass die anderen drei Jungs neugierig im Türrahmen standen.
„Ach ja. Das sind Max, Kenny und Tyson, meine WG-Kollegen, Teammitglieder und Freunde. Und ich bin Rei. Aber jetzt los, das Essen wird kalt"
„Du?", fragte Max vorsichtig den Graublauhaarigen. „Wir haben uns da was überlegt.
Das heißt, Tyson, Kenny und ich", fügte er, nach einem Blick zu Rei noch, hinzu.
„Weil wir deinen Namen nicht kennen, haben wir uns gedacht, wir könnten dir einfach einen geben", beendete Tyson ihre Frage.
Und wäre der Graublauhaarige nicht schon sprachlos, dann sah er so aus als wäre er es spätestens jetzt gewesen. Doch im nächsten Moment sah er sie schon mit einem Blick an, der ihnen verriet was er von dieser Idee hielt.
Zumindest Rei hatte sich schon gedacht, dass es ihm nicht gefallen würde, wie ein Haustier einfach einen Namen aufgedrückt zukriegen.
„Hast du keinen Hunger?", fragte Rei nach einer Weile, als der Teller immer noch fast unberührt vor dem Graublauhaarigen stand, der zuerst nur darauf rumgestochert hatte und jetzt auch nicht mehr viel tat.
„Oder magst du das nicht? Ich kann dir auch was anderes machen", bot er an.
Doch es kam nur ein halbes Kopfschütteln.
„Ich ruf nachher den Arzt an, im Moment ist dort Mittagspause.
Und dann weiß ich noch was anderes. Da du eh nichts mehr isst, schau doch mal in deinen Taschen nach, vielleicht ist da irgendwas drin, was uns weiterbringt"
Bei der Entleerung seiner Taschen, kam aber auch nicht viel Aufschlussreiches zum Vorschein, wie erhofft. Ein paar Schlüssel, ein Stück zerknülltes Papier-
„Schau mal, ob was auf dem Zettel steht"
Ein kurzes knistern, das Papier war entfaltet und dann blieb es einfach still.
„Und?"
Der Graublauhaarige sah nur nachdenklich auf das Papier, bevor er es Rei zuschob, der es entgegen nahm und neugierig drauf sah. Doch stand auf dem Zettel nicht viel. Wenn man es genau nahm stand dort nicht mal ein richtiges Wort.
„Ob das sein Name ist?"
Max sah abwechselnd über Reis Schulter auf den Namen und zum Namenlosen.
„Schwer zuglauben. Ich kenne nicht viele, die mit ihrem Namen auf einem Zettel durch die Gegend laufen und ich glaube auch nicht, dass er schon ahnte was mit ihm passiert"
„Ein Versuch ist es wert und was besseres haben wir nicht"
„Du mochtest den Namen ‚Fin' nicht besonders gerne. Hast du auch was dagegen, wenn wir dich jetzt so nennen, Kai?"
Wandte sich Rei wieder zum Sprachlosen, der schien es stark abzuwägen und legte seinen Kopf leicht schräg, als würde etwas lauschen.
„Und, klingelt da was oder hört es sich richtig oder zumindest gut an, Kai?"
Er sah ihn erst nur an und zögerte, bevor er leicht nickte.
„Ich bin bei dieser Sache auch skeptisch, aber wie gesagt, was anderes haben wir nicht und irgendwie müssen wir dich nun mal nennen können"
„Hast du noch mehr in den Taschen?"
Aber, auch einer weiteren Prüfung, kam nicht viel raus. Eine kleine Dose und ein Beyblade.
„Ein Beyblade? Ist das deines?"
Tyson und Max wollten sich neugierig das Blade nehmen, aber Kai war schneller. Rei nahm sich neugierig die kleine Dose vor.
„Blaue Farbe? Für deine Dreiecke?"
Kai betrachtete das Blade mit gerunzelter Stirn und machte nur eine Geste, die zeigen sollte, dass es wohl so sein musste, wenn es keine andere Verwendungsmöglichkeit dafür gab.
„Ob du gut bist? Wir können ja mal gegeneinander antreten", schlug Tyson begeistert vor.
„Aber nicht jetzt. Denn du gehst jetzt ins Bad, Kai, und ich versuch den Arzt zu erreichen. Da solltest du jetzt nämlich eigentlich hin"
„Siehst du, ich sagte doch, dass ich noch irgendwo Sachen hätte, die dir passen müssten"
Rei betrachtete den Graublauhaarigen, der gerade aus dem Badezimmer kam.
Zum Glück hatte er noch ein paar Sachen, die er nicht anzog, da sie ihm selber zu groß waren.
Was Kai davon hielt, war aus dessen Gesichtsausdruck nicht ganz zudeuten. Irgendwie konnte Rei ihn auch verstehen. Wie sollte man sich in den Kleidungen eines Fremden fühlen?
Wie musste er sich überhaupt fühlen, sich einfach so ganz fremden Leuten anvertrauen zumüssen?
Es ging nun mal nicht anders.
„Ich hab eben den Arzt angerufen. Wir werden erst morgen hinkönnen. Heute ist dort dicht. Auch, wenn du zu einem solltest. Aber eigentlich, siehst du ganz gut aus.
Also, nicht so als hättest du was schwerwiegendes, was nicht bis morgen warten könnte, vielleicht ein bisschen blass.
Und zu irgendeinem Arzt, der nur rumpfuscht will ich dich nicht bringen"
Rei betrachtete, während er sprach, den Graublauhaarigen kritisch.
Dieser schien sich unter der Musterung nicht unbedingt wohl zufühlen und wusste nicht was er machen sollte.
Eine ganze Weile ging es noch so, bis Rei doch noch den Mund aufmachte um etwas zusagen. Beließ es jedoch dabei, schloss ihn wieder und überlegte noch mal, bis er wieder etwas sagen wollte. Aber, diesmal unterbrach er sich nicht selber, sondern Max kam dazwischen und sprach Kai an.
„Du hast doch heute sicherlich nichts mehr vor, richtig? Da könntest du Tysons Herausforderung annehmen. Wenn du wirklich bladest, kann es doch sein, dass dabei irgendwelche Erinnerungen wach werden"
„Und ein bisschen frische Luft tut dir bestimmt auch gut. Wir gehen auch nur auf den Hof. Ich weiß nicht, ob zuviel wiederum gut für dich wäre.
Nach ein paar abschätzenden und skeptischen Blicken seitens Kai, deutete er schließlich an, dass es ihm egal wäre.
„Wo ist eigentlich Kenny, Max?"
„ Du kennst ihn doch, er hat wieder was an seinem Laptop zum rumbasteln gefunden. Aber ich kann ihn holen, wenn du willst. Tyson ist schon draußen"
So verbrachten sie den Nachmittag draußen auf dem Hof hinter dem Haus. Wobei sie Glück hatten, dass an diesem Tag das Wetter relativ gut war, spielte es doch in diesem Jahr ziemlich verrückt. Mal regnete es, mal war zuviel Wind und wenn die Sonne sich blicken ließ, war sie auch schon wieder genauso schnell hinter den dicken Schneewolken verschunden, wie sie gekommen war.
Kai in Reis Jacke gehüllt, sah den vieren nur bei ihrem Training zu und blieb ansonsten ganz still abseits stehen.
Was Rei hingegen zum Grübeln brachte.
War das normal oder sah er wirklich nur so aus, als ob er alles einfach hinnahm und sich damit abfand?
Jeder normale Mensch hätte doch schon bestimmt längst irgendwelche Anzeichen der Traurigkeit oder Verzweiflung von sich geben. Oder sollte das diese gleichgültige Zurückhaltung ausdrücken?
Rei beschloss für sich, dass es zu eigen war, um normal zu sein.
Oder kam da seine Art durch? Vielleicht war er ja sonst auch so? Aber, das wäre genauso unnormal. Auch, wenn es Menschen gab, die sehr verschlossen und nicht gerade Aufschlussreich sind.
Bisher konnte er noch nie solche Menschen zu seinem Freundeskreis zählen. Man siehe sich seine WG-Mitglieder an, die allesamt das Gegenteil waren. Doch bei dem Graublauhaarigen konnte er sich vorstellen, dass das gut zu ihm passen würde. Und wenn er Kai so richtig einschätzte, dann würde er ihn wirklich gerne zu seinen Freunden zählen können und seinen richtigen Charakter hinter dem Schloss entdecken.
Als er sich zu Kai drehte, weil er dachte, dass dieser sich inzwischen bestimmt langweilen würde, sah er, dass er gar nicht mehr alleine stand.
Besser gesagt, hatte er sich inzwischen hingehockt und ließ sich von zwei Katzen umschleichen.
Rei fand, dass es ein schönes Bild abgab. Trotzdem unterbrach er sein Training und setzte sich dazu.
Die eine der weißen Katzen kam zu ihm, um sich streicheln zulassen, die andere blieb nach ein paar Überlegungen doch lieber bei Kai, stieß ihr Köpfchen gegen ihn und versuchte zuschmusen, was er nur halbherzig und vorsichtig erwiederte. Fast sah es so aus, als würde er sich nicht richtig trauen.
„Magst du Katzen? Jedenfalls, mögen sie dich. Die sind immer so zutraulich, egal ob bei Bekannten oder Fremden, die gehören einer alten Dame in unserem Haus"
Doch Kais Aufmerksamkeit lag wieder wo anders, Kais Blick folgend, fand Rei auch die Ursache.
Ein kleineres, schwarzes Kätzchen saß zwischen den Zweigen zweier Büsche und schaute sie neugierig und achtsam an.
Kurz stand es auf, um sich gleich darauf wieder zusetzen und blickte sie weiterhin schaulustig an.
„Die wirst du wohl nicht hierher bekommen. Sie ist zwar immer sehr interessiert und manchmal auch richtig vorwitzig, will sich alles ansehen, aber sie tut es nicht, viel zu scheu und kann nicht über ihren Schatten springen. Bei Fremden ist es sehr schlimm, bei uns geht das schon einiger Maßen, aber jetzt bist du hier"
Kai betrachtete das Kleine weiter und erwiederte ihren erwartungsvollen Blick mit einem funkelnden Blick.
Rei hätte jetzt zu gerne gewusst, was er jetzt dachte. Er wurde aus dessen Verhalten einfach nicht schlau.
Er dachte eigentlich, wenn jemand schon nicht auf den üblichen Weg kommunizieren kann, dann würde er wenigstens auf andere Mittel zurückgreifen, sich mit Gesten verständlich machen, aber bei ihm war es schon schwer aus dessen Mimik etwas zulesen.
Ob es etwas brachte eine Katze nur mit Blicken versuchen anzulocken?
Anscheinend reichten die Augen allein nicht aus, die Katze blieb wo sie war.
Es sah recht merkwürdig aus, wie die beiden unterschiedlichen Wesen scheinbar versuchten, gegenseitig die Gedanken des anderen zulesen.
Ob er es auch könnte, in diesen tiefroten Augen lesen?
Es wäre zumindest in Kais Situation hilfreich. Von Kai selber kam ja nichts.
Da hieß es wohl nur abwarten und sehen was der nächste Morgen sagen würde. Denn an diesem Tag bekamen sie nicht mehr viel raus. Nur dass Kai offenbar ziemlich Tierlieb war und beeindruckend gut im Bladen war. Er hat sich äußerst gut gegen Tyson geschlagen, war dabei überaus erfolgreich und sicher froh, in dieser Nacht das Gästezimmer beziehen zudürfen.
So, das wars auch wieder. Bin gespannt, ob es wieder ein paar Kommis geben wird.
Es wäre zumindest sehr nett und ich freu mich dann doch immer so.
Also, man sieht sich,
die Luci
