Kapitel 1
A/N: Damit es nicht zu Verwirrung kommt, Harry hat gerade das dritte Jahr in Hogwarts abgeschlossen und ist somit fast 14.
Disclaimer: Überraschung, Überraschung ich bin weder J.K Rowling noch Rick Riordan.
Also alles was ihr hier aus den Büchern wiedererkennt gehört offensichtlich nicht mir.
Kapitel 1
Harry James Potter seufzte betrübt, als es durch seine zerbrochenen Brillengläser auf den um diese Uhrzeit friedlichen Ligusterweg schaute. Erst zwei Wochen. Erst zwei Wochen war er wieder hier und schon wünschte sich Harry nichts sehnlicheres als wieder in Hogwarts zu sein.
Hogwarts, dachte er, dort gehörte er hin. Nicht hier in den Ligusterweg, wo man ihn schlimmer behandelte als einen Hauselfen.
Allein schon bei dem Gedanken an die 'Fürsorglichkeit' seiner Tante und seines Onkels stieg in ihm die Wut auf. Wie konnte er nur so dumm sein. Ja Harry Potter hatte tatsächlich geglaubt, dass ihm die Sache mit Tante Margda verziehen worden sein. Das sein Leben in Nummer 4 genau so weiter gehen würde wie bisher. Oh wie sehr hatte er sich nur getäuscht!
Sobald er auch nur einen Fuß auf die ordentlich gepflegte Türmatte gesetzt hatte, war ihm sein geliebte Eule und sein Zauberstab schon aus der Hand gerissen worden. Auf seine wilden Proteste hatte sein Onkel nur mit einem Faustschlag mitten ins Gesicht geantwortet.
Abwesend rieb sich Harry über die Stelle wo Onkel Vernons Faust ihn getroffen hatte.
Er erinnerte sich nur zu gut wie er zu Boden gegangen war nur um mit tränenden Augen seinem hämisch grinsenden Onkel ins Gesicht zu blicken.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir diese Sache von vorherigem Sommer vergessen hätten? Oder Bursche? Ab jetzt gibt es ein paar neue Regel für Abschaum wie dich in diesem Haushalt!" , hatte sein Onkel ihm ins Ohr gebrüllt.
Neue Regel. Ja es gab in der Tat neue Regel und zwar nicht nur ein paar.
Seine Aufgaben Liste war länger denn je und bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchten Dudley und Onkel Vernon ihn mit Kommentaren über seine Eltern in Rage zubringen.
In den ersten Tagen hatte er noch dagegen gehalten und Dudley sogar gedroht ihm wieder einen Schweineschwanz zu verpassen. Seinem Cousin in seinem eigen Haus, in der Anwesenheit seines vor Wut schnaubenden Vaters zu drohen hatte sich für Harry als immensen Fehler herausgestellt.
Seine Aufgaben Liste war von lang zu länger geworden. Und selbst seine Tante, die sich wie sonst immer neutral und kalt gegenüber ihm verhalten hatte, hatte nach der Bedrohung ihres kleinen 'Duddispatz' nicht mehr einen Finger gerührt um ihm auch nur ansatzweise zu helfen.
Harrys Blick schweifte wieder zum Fenster. Seine Augen flatterten.
Er war schon fast in das Reich der Träume abgedriftet bis ein dumpfes 'klonk' in wieder zurück in die Wirklichkeit holte.
Müde hob Harry den Kopf von dem kleine alten Tisch der vor seinem Fenster stand.
Was war passiert? Er erinnerte sich nicht auf dem Tisch gelegen zu haben. Er hatte doch nur kurz seine Augen ausruhen wollen.
„Nur ganz kurz...", murmelte er und hätte seine Augen beinahe wieder geschlossen, wenn er nicht die dickflüssige Flüssigkeit und das umgekippte Tintenfass nahe seiner linken Hand gemerkt hätte. Überall war blau. Oder war das nur ein Streich seiner umnebelten Wahrnehmung?
Langsam streckte er seine Hand aus und berührte, die nun immer schneller von seinem Tisch auf den ohnehin schon dreckigen Boden tropfende, blaue Flüssigkeit.
Blau. Seine Hand war blau. Blau! Erschrocken riss er die Augen auf.
Wenn Tante Petunia den Tinte besudelten Boden sehen würde, war Harry ein toter Mann.
Daran gab es keinen Zweifel.
Angst fing an sich in ihm aufzustauen. Niemand durfte mitkriegen, was er getan hatte.
Harry biss sich auf seine Lippe. Er wusste es war kindisch wegen einem umgekippten Tintenfass fast in Panik auszubrechen.
Hätte Ron davon gewusst wäre er wahrscheinlich in wildes Gekicher ausgebrochen.
Nicht zu vergessen Draco Malfoy.
Der Blonde hätte es die Welt nie vergessen lassen, dass der 'Ach so noble und mutige Potter' wegen einem so kleinem und unwichtigen Missgeschick wie ein bisschen Tinte auf dem Boden der Angstschweiß auf der Stirn stand.
Wenn er in Hogwarts wäre, wäre so etwas nie passiert. Er hätte gelacht und Hermine hätte mit einem lässigen winken ihres Zauberstabes die Tinte verschwinden lassen. Danach hätte er sich eine Predigt über seine fehlende Aufmerksamkeit angehört und alles wäre in Ordnung.
Aber er war nicht in Hogwarts. Er war im im Ligusterweg Nummer 4.
Hier herrschten andere Regel.
Wieder auf den blauen Boden sehend, sprang Harry auf und stolperte in Richtung Tür.
Einmal tief durchatmen. Jetzt bloß nicht in Panik ausbrechen Potter.
Nur einmal durch den Flur.
Harry hielt die Luft an und öffnete seine Tür. Ein Glück, dass Onkel Vernon diese nicht mehr verschloss, seitdem Harry meistens bis spät in die Nacht mit seinen Aufgaben beschäftige war.
Sein Herz pochte fast schmerzlich gegen seine Brust. Soviel Angst hatte er nicht einmal gehabt als er letztes Jahr dem angeblichen Verräter Sirius Black in die Augen geschaut hatte. Oder als er in seinem zweiten Hogwarts Jahr gegen einen dreißig Meter langen Basilisken gekämpft hatte.
Harry hasste es so verletzlich und ängstlich zu sein. Er hasste es. Schon seit er klein war hatte er dieses Gefühl der Hilflosigkeit verabscheut, welches jedes mal in ihm hochkam, wenn er wiedermal von Dudleys Gang vermöbelt wurde.
Damals hatte er noch um Hilfe geschrien. Später wurde er stiller und ließ alles schweigend über sich ergehen. Er konnte nicht weglaufen. Er konnte sich nicht wehren. Sie waren zu fünft. Er war allein.
Niemand hatte ihm je geholfen. Genau so fühlte er sich jetzt.
Würde er auffliegen konnte er sich nicht wehren. Genau wie damals.
Wütend schüttete Harry den Kopf. Er dachte nachdem er seine Hogwarts Brief erhalten hatte, müsste er sich nie wieder so verdammt allein und schwach fühlen.
Sein Herz pochte immer noch rasend schnell, aber seine neu gewonnen Wut auf seinen Onkel und seine Tante gab ihm neuen Ansporn. Mit zitternden Schritten schlich er durch den langen Flur, vorbei an den Schnarchern seinen Cousins und dem Schlafzimmer seiner Verwandten hinein in das kleine Badezimmer am Ende das Ganges.
Es klickte und die Badezimmertür hinter ihm war zu. Immer noch leicht zitternd lehnte sich der Schwarzhaarige gegen die Tür.
Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Er hatte es geschafft.
Und wenn er es einmal geschafft hatte konnte er es auch wieder zurück schaffen!
Langsam blickte Harry sich in den blitzblanken kleinem Raum um. Kein einziges Staubkorn war auf den Möbeln zu sehen und alles schimmerte in einem frischen Glanz.
Es war wirklich ein Wunder, dass Dudley das Bad nicht schon wieder in seinen üblichen Saustall verwandelt hatte, dachte er.
Harry hoffte mit ganzem Herzen das Dudleys über den letzten Tag gewonnene Sauberkeit bis zum Ende der Ferien anhalten würde.
Oder zumindest bis zu dem Zeitpunkt wo er aus diesem verfluchten Haus flüchten konnte und er für niemanden mehr den Putzelf spielen musste.
Müde wandte er den Kopf um nach dem grauen Putzlappen zu suchen der seit Beginn der Sommerferien sein ein einziger Freund gewesen war.
Weder von Ron noch von Hermine hatte Harry auch nur ein Wort in den letzten 2 Wochen und drei Tagen gehört. Verdammt er zählte sogar schon die Tage so einsam war er!
Und dieses mal hatte er weder Hedwig noch seine Schulsachen um sich von seiner Einsamkeit abzulenken. Seine Arme Eule. Harry hoffte, dass sie aus dem Raubtierartigen Griff seines Onkels entkommen war und nicht wie seinen übrigen Schulsachen irgendwo abgeladen worden war.
Immer noch tief in Gedanken an seine angeblich besten Freunde und seine geliebte Eule versunken, lies Harry seinen Blick weiter durch den Raum schweifen nur um einem völlig fremden und doch irgendwie bekannten Gesicht entgegen zu starren.
Harry blinzelte. Bunte Punkte fingen vor seinen Augen zu tanzen und er spürte wie seine Knie anfingen nachzugeben. Mühsam schüttelte er den Kopf und versuchte seinen Blick auf den ungekannten Jungen ihm gegenüber zu fokussieren.
Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen und sein Gesicht wies etliche bläuliche Schwellungen auf. Seine Haare hingen in wilden Knoten an seinem hageren Gesicht herunter und der Junge machte nicht den Eindruck, als hätte er in den letzten Tagen viel zu essen gehabt.
Harry kannte dieses Gefühl,in den letzten Wochen hatte er kaum gegessen, geschweige den geschlafen.
Sein Sicht Feld verschwamm wieder und er musste hart kämpfen um seine Augen offen zuhalten. Auch sein Gegenüber aus sah so aus als hätte er Schwierigkeiten gerade stehen zu bleiben.
„Er sieht so aus als würde er jede Sekunde umkippen", flüsterte Harry zu sich selbst.
Langsam streckte der einen Arm aus um dem Fremden Mut zu machen und ihm auf die Schulter zu klopfen. Bis zu seiner Schulter schaffte es der Schwarzhaarige jedoch nicht.
Vorher war seine Hand gegen eine kalte Glaswand geknallt.
Wieso war der Fremde Junge hinter einer Glaswand in dem Badezimmer der Dursleys gefangen?
Träge streckte er eine zweite Hand aus um an der Wand entlang zu tasten. Auf der Anderen Seite sah er wie sein Gegenüber seine exakten Gesten wiederholte.
Er schob seine Hand nach oben. Der Junge schob seine Hand nach oben. Nun deutlich verwirrt berührte er mit der anderen Hand seine Nasenspitze, nur um den Fremden ebenfalls mit einer Hand an der Nase vorzufinden.
Fast als würde der Junge genau das selbe denken wie er...Fast als wäre der Jungen sein...
Erschrocken sprang Harry zurück. Der Junge im Gegenüber war kein Fremder!
Der hagere Jugendliche mit den leeren Augen, nur Zentimeter von ihm entfernt war er selbst.
Sein Spiegelbild.
Immer noch geschockt und sprachlos nach den Grauen Putzlappen auf der Theke greifend verpasste Harry wie die Augen des Jungen im Spiegels kurz blau aufleuchteten und kleine Funken auf seinem Körper zu tanzen schienen.
Harry schüttelte sich. Sein ganzer Körper stand irgendwie unter Strom und er konnte das prickelnde Gefühle auf seiner Haut einfach nicht abschütteln.
Ganz ruhig Potter, das ist nur der Schlafmangel. Du hast doch gerade gehen wie scheiße du aussiehst. Kein wunder, dass du langsam durchdrehst, dachte er als das komische Gefühl auch nach einigen Minute nicht weggehen wollte.
'Klick'. Die Tür war wieder offen. Den Lappen fest umklammernd schlich Harry los.
Wieder lies ihn das Schnarchen und Wälzen seines fetten Cousins fast erstarren, aber er schaffte es lautlos die Tür von Dudleys zweitem Schlafzimmer hinter sich zu zuziehen. Geschafft.
Erleichtert schnappte er nach Luft. Mühsam gaben seine Knie nach und er versucht mit letzter Kraft den blauen Film Tinte vom Boden zu schrubben. Vergeblich mühte er sich noch ein paar weitere Minuten. Das musste reichen. Mehr konnte er nicht tun. Seine Tante würde ihn umbringen sobald sie den großen Fleck entdecken würde. Doch gerade in diesem Moment konnte Harry sich mit solchen Gedankten nicht beschäftigen. Er war, schon bevor der Putzlappen aus seiner erschlafften Hand fiel, auf dem noch immer blauen Boden eingeschlafen.
So wie fandet ihrs?
Anregung und Kritik sind wie immer stets willkommen!
Kekse für alle die ein Review da lassen :)
