S h a m e ?
Kapitel 2: Not bad!
Später am Abend, als Elias wieder nach Hause gekommen war, setzten die drei sich gemeinsam, mit einer Tasse heißer Schokolade, aufs Sofa und Lorelai begann ihren Kindern die Wahrheit über ihre Vergangenheit zu erzählen. Sie schilderte, wie und mit welchen Begründungen Emily und Richard sie rausgeschmissen hatten, von ihrer und später ihrer und Rorys Zeit im Asylantenheim und von ihrer Vergewaltigung, von der beide zwar wussten, aber nie genau wo es passiert war und dass ihre Großeltern ihren Teil dazu beigetragen hatten, ohne es natürlich zu wollen. Während Lorelai ihre traurige Lebensgeschichte erzählte, rückten Elias und Rory immer näher an ihre Mutter heran und kuschelten sich zum Schluss regelrecht an sie. Dann begann Lorelai von ihren, (wohl) noch sehr lebendigen Eltern zu erzählen und von ihrem Leben im Gilmore Haus, vor ihrer ersten Schwangerschaft und ihrer Kindheit.
„Ich weiß, ich hätte euch all das nicht verschweigen dürfen, aber ich wollte es euch auch nicht zu früh erzählen, dass ihr davon nicht irgendwie eine Macke erleidet, immerhin habe ich nicht gewartet bis ihr über 25 seid, so wie Liv Taylor, die erst mega spät erfahren hat, dass ihr Vater gar nicht ihr Vater ist. Und sicherlich war es für mich auch einfacher über meine Eltern als tote Menschen zu sprechen, so konnte ich sie besser aus meinen Gedanken verbannen. Ich hoffe ihr seid mir jetzt nicht böse!"
„Oh Mum, nein wir sind dir nicht böse, wie könnten wir auch? Oder Rory?"
„Nein Mum, sind wir nicht! Ich hätte wahrscheinlich dasselbe getan! Ich verstehe sehr gut, das die beiden für dich gestorben waren, nachdem sie dich auf die Straße gesetzt haben! Du hättest uns natürlich die Wahrheit sagen können, ohne dass wir verrückt geworden wären oder so, aber…"
„… aber wir verstehen und lieben dich über alles. Es tut mir leid, wo du überall für uns durch musstest, das muss echt hart gewesen sein."
„Danke, ihr seid süß! Ich liebe euch auch über alles andere auf dieser Welt! Euch habe ich sogar im Zeichen meiner unbeschreiblichen Liebe meine Figur geopfert!"
„Glaub mir, mit deiner Figur ist alles wunderbar… das muss ich mir täglich von meinen Freunden anhören." Elias schneidet eine Grimasse, woraufhin Rory und Lorelai lachen müssen. Als sie sich wieder beruhigt haben sagt Lorelai:
„Wollt ihr sie trotzdem kennenlernen? Also ich möchte sie nie wiedersehen, aber wenn ihr wollt, kann ich euch gerne sagen wo sie wohnen und euch eine Telefonnummer geben oder so."
„Danke, aber solche Menschen muss ich nun wirklich nicht kennenlernen, es ist für mich schon schlimm genug, dass ich deren Namen tragen muss."
„Aber…"
„Nein Mum, Elias hat recht, ich möchte sie auch nicht treffen! Wir sind auf deiner Seite!"
Zu diesem Zeitpunkt liefen Lorelai bereits schon dicke Tränen über die Wange und sie drückte ihre zwei Kinder noch fester an sich.
„Ihr seid die besten Kinder die sich eine Mutter wünschen kann… aber solltet ihr doch irgendwann eure Meinung ändern, sagt mir einfach Bescheid."
„Ich glaube ich schreibe meinen Aufsatz über Miss Pattys zweiten Ehemann, der war doch auch am Broadway…"
„Ja oder über Elvis, dann kann ich dir zum vortragen seine Frisur machen! Ohja!"
„Ich glaube das würde nicht so gut kommen Mum!"
„War ja nur ein Vorschlag!" Lorelai machte einen dicken Schmollmund.
„Danke, aber meine Antwort bleibt nein, da kannst du schmollen wie du willst!"
„Ich krieg dich schon noch überredet."
„Im Traum nicht."
Drei Monate später…
„Sookie?"
„Ja?"
„Ist die Obstplatte für den Wellnessbereich schon fertig? Ich kann sie dann gleich mitnehmen, ich muss noch ein paar hochgestochene Herrschaften begrüßen. Die ätzen mich echt an."
„Oh, die Snobs wollen mit dem Chef reden, aber du schaffst das schon, du bist immerhin unter solchen Leuten aufgewachsen, du weißt wie man mit den umgehen muss, ich würde da total versagen."
„Ich wäre da lieber nicht aufgewachsen… aber naja, die Arbeit ruft! Es wird nach dem Besitzer verlang? Ich bin schon unterwegs! Ahoi!"
„Vergiss nicht deine Flagge zu hissen Kapitän Ahab!"
„Jaja, wünsch mir Glück!"
Lorelai griff sich die Liste mit den Namen der Gäste von der Rezeption um nachzugucken, wer sie genau sprechen wollte, als sie erstarrte.
„Emily Gilmore" flüsterte sie.
Langsam ging sie zurück zu Sookie in die Küche, stellte die Obstplatte zurück und gab ihr stumm die Namensliste in die Hand.
„Was soll ich damit und was macht das Obst wieder hier? Lorelai? Lorelai?"
„Zettel… dritter Name von oben, dass sollte all deine Fragen beantworten."
Zum ersten Mal, seitdem Lorelai wieder hereingekommen war, betrachtete Sookie den Zettel in ihren Händen genauer.
„Emily…" sie riss ihre Augen auf. „Du meinst deine Mutter, mit der du seid 18,5 Jahren nicht gesprochen hast ist hier in deinem Hotel?"
„Ja… kannst du bitte unten im Spa anrufen, dass ich nicht kommen werde? Ich gehe nach Hause, ein Treffen mit Emily Gilmore muss ich mir nun wirklich nicht antun."
„Alles was du möchtest, aber denk drüber nach."
„Hey Mum! Warum bist du denn schon zurück?"
„Hey, na? Ich gehe einem ganz bestimmten Gast des Spas aus dem Weg…" antwortet sie ohne Späße oder einem Grinsen auf dem Gesicht.
„Hey raus mit der Sprache, du kannst mir nichts vormachen, dafür kenne ich dich viel zu gut."
„Deine Grandma."
„Okay… der würde ich aber auch aus dem Weg gehen. Emily ist also in deinem Hotel. Habt ihr miteinander gesprochen?"
„Nein um Himmelswillen, zum Glück nicht! Ich habe sie nur im Register gesehen und hab mich dann so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht."
„Gut für den Anfang." Er zog eine Augenbraue hoch.
„...aber…" fügte Lorelai hinzu, die genau wusste, dass Elias noch mehr zu sagen hatte.
„… aber meinst du nicht, dass dir ein bisschen Genugtuung gut tun würde? Und damit meine ich kein Geschreie. Nur damit sie sieht, was für ein toller und erfolgreicher Mensch du geworden bist, ohne das sie auch nur das Geringste damit zu tun hatte?"
„Wenn du das so sagst, hört sich das ausgesprochen gut an! Jetzt hast du dir einen kleinen Kuss verdient." Sie gab ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange.
„Woher hast du das nur? Warum bist du nur so verdammt optimistisch? Davon hätte ich auch gerne etwas."
„Du hast es. Ich habe es nämlich von der schillernden Frau die gerade vor mir steht gelernt, du warst nur gerade von deinen Gefühlen zu abgelenkt."
„Ach Kind du schmeichelst mir!"
Sie machte eine kleine Marilyn Monroe Pose und gab ihm einen Luftkuss.
„Dir braucht man gar nicht mehr zu schmeicheln, du weißt selber schon wie toll du bist!"
„Ha, kein Taschengeld diese Woche, Mister!"
„Nein nein, ich habe es nicht so gemeint!"
Am nächsten Tag ging sie wie an jedem anderen Tag auch zurück ins Inn und schaute sofort in Emilys Plan nach, wann deren Pause im Ruheraum eingeplant war. Fix verlegte sie sie in den privaten Ruheraum neben der Sparezeption. Diese Gelegenheit würde sie nutzen, um ihrer Mutter einen kleinen Besuch abzustatten.
Als sie dann vor der Tür stand verließ sie wieder ein bisschen des Muts, den sie sich erarbeitet hatte. Sie sammelte sich kurz wieder und betritt den Raum.
„Guten Tag Mrs. Gilmore, ich bin Hotelleiterin und Besitzerin des Stars Hollow Inns. Ich habe es gestern leider nicht mehr geschafft sie persönlich zu begrüßen, das wollte ich jetzt nachholen. Ist alles zu ihrer Zufriedenheit?"
Emily richtet sich von ihrer Liege ein wenig auf, gekleidet nur in einem Bademantel. Lorelai fand, dass sie sehr alt aussah, älter als sie sich all die Jahre vorgestellt hatte.
„Guten Tag ihnen auch. Ja, es ist alles außerordentlich schön, danke der Nachfrage!"
Emily war noch damit beschäftigt ihren Bademantel richtig zu knoten und hatte deshalb noch nicht aufgeguckt. Aber warum erkannte sie ihre Stimme denn nicht?
„Heutzutage gibt es nur noch sehr selten Spas die man als perfekt bezeichnen könnte, geschweige denn Bedienungen, aber sie haben hier sehr angenehme Angestellte Miss…"
Emily blickte das erste Mal auf, betrachtete Lorelais Namensschild und stockte. Ihre Augen wurden immer größer und wanderten langsam an dem schicken Kostüm entlang, bis sie Lorelais Gesicht erreicht hatte und blieb an ihren Augen hängen.
„Lorelai…" brachte sie nur hervor.
„Guten Tag ‚Mutter', gefällt dir mein Inn?"
Der Ruheraum war durch große Glastüren vom Rest des Spas getrennt, so hatten beide einen guten Blick auf die Sportrezeption, wo Rory gerade einem älterem Mann den Fitnessplan für den Tag erläuterte. Emily brachte noch immer kein Wort heraus, nickte aber auf ihre Frage hin, ob es ihr gefalle. Lorelai blickte durch die Tür zu Rory und winkte ihr zu. Emily folgte ihrem Blick nach draußen, doch Rory hatte sich bereits wieder ihrem Kunden zugewendet.
„Ist das…" Emily deutete mit ihrem Finger in Richtung Rezeption.
„Ja, das ist deine Enkelin Lorelai Leigh Gilmore, genannt Rory. Geboren in New York am 1985."
Emily atmete einmal tief ein und aus und sagte dann: „Es tut mir so leid, ich muss gehen."
„Nur zu, mich freut es sehr, dass ihnen ihr Aufenthalt hier gefallen hat, vielleicht beglücken sie uns bald mal wieder."
Emily stand auf und verließ schnurstracks den Raum und ließ eine grinsende Lorelai zurück. Das hatte ihr tatsächlich gut getan, sie fühlte sich erleichtert und frisch. Sie hatte einen kühlen Kopf bewahrt und Emily dadurch zum einknicken gebracht. Ha!
Emily fuhr wie Trance nach Hause, sie hatte gerade ihre Tochter nach fast 19 Jahren wiedergesehen und ihre Enkelin das allererste Mal und… sie waren wunderschön. Sie konnte ihre Gesichter gar nicht mehr aus ihrem Kopf bekommen. Sie setzte sich Zuhause aufs Sofa und wartete.
„Emily was machst du denn hier? Du solltest doch erst in zwei Tagen wiederkommen… Emily? Was ist los? Emily, seid wann sitzt du hier so?"
„Weiß nicht."
„Nun sag schon was los ist." Richard setzte sich neben seine Frau aufs Sofa, half ihr vorsichtig aus der Jacke und versuchte auch ihre Tasche aus ihrem Klammergriff zu entfernen, was ihm aber nicht gelang.
„Ich habe meine Meinung geändert. Wir sollten doch versuchen etwas über Lorelai herauszufinden. Wir müssen über unseren eigenen Schatten springen. Ich möchte nicht sterben und meine eigene Tochter und Enkeltochter nicht kennen und…"
„Warte, EnkelTOCHTER??? Woher weißt du das es eine EnkelTOCHTER ist?"
„Richard, ich war doch die letzten Tage lang im Spa."
„Ja, aber warum…"
„Nun lass mich doch mal aussprechen." Sie sah ihn ernst an.
„Jaja, ich bin ja schon ruhig."
„Ich war im Spa des Stars Hollow Inns. Du kennst Stars Hollow?"
„Ja, man fährt ca. 30 Minuten die Hauptstraße hinunter und dann irgendwann rechts ab."
„Genau. Nun, und jetzt bleib ruhig, die Besitzerin und Leiterin dieses Inns kam mich heute in meiner Ruhepause besuchen um mich zu begrüßen… Richard, es war Lorelai."
„Was?" schrie er und musste sich an die Brust fassen.
„Ja, und sie hat mir ihre Tochter gezeigt, Lorelai Gilmore die Dritte, genannt Rory."
„Du hast heute unsere Tochter UND Enkeltochter gesehen?" eine kurze Stille legte sich über das alte Haus. „… wie geht es ihnen? Wie sehen sie aus?"
„Oh Richard du hättest sie auch sehen sollen, Lorelai ist zu einer sehr, sehr hübschen Frau herangewachsen und Rory steht ihr in nichts nach, auch wenn ich sie nur von Weitem gesehen habe… aber Lorelai war kalt zu mir, sie hat mich durchgehend gesiezt und mich ständig gefragt wie mir mein Aufenthalt denn gefalle und…"
„Warte, ihr gehört das Inn? Mit 34 Jahren besitzt sie ein Hotel in der Größenordnung?"
„Und sie scheint auch nicht verheiratet zu sein, denn auf ihrem Namensschild stand noch ‚Lorelai Gilmore', oder sie hat ihren Namen bei der Hochzeit behalten, das würde auch irgendwie zu Lorelai passen. Wie hat sie das nur gemacht? Ohne Geld und als alleinerziehende Mutter?"
„Komm Emily, lass uns meinen tollen neuen Internetanschluss mal benutzen und herausfinden, was dahintersteckt."
„Okay, login, google und ‚Richard Gilmore' eingeben und GO."
Lorelai wurden viele unsinnige Seiten auf der Suche nach aktuellen Infos über ihre Eltern angezeigt, aber zwischen all den Adressen stand ‚Stiles Cooperation' und da das die Firma gewesen war in der ihr Vater gearbeitet hatte, als sie ihn noch kannte, öffnete sie die Seite.
„So, Kontaktinfo… okay, alte Wohnadresse, was für ein Wunder und alte Telefonnummer UND alter Job… dann gucken wir mal nach der lieben Emily."
Sie tippte ihren Namen ein und erhielt eine Menge Seiten, ihr Name erschien in Seiten des DAR's, der Hartford Charity Foundation und des Bridgeclubs. Auch sie war ganz die Alte, wie vor fast 20 Jahren, als hätten sie zwischendurch keine Tochter verloren.
„Aber was habe ich auch anderes erwartet?"
„Was hast du nicht anderes erwartet?" Rory war unbemerkt ins Zimmer gekommen.
„Ach nichts, die Juicy Couture Anzüge sind nur schon wieder teurer geworden."
„Achso ja, ist mir auch schon aufgefallen, was für eine Abzocke!"
„Ja, unmöglich!"
„Gut, Lorelai Gilmore und LOS."
„Oh mein Gott sind da viele Ergebnisse. ‚Stars Hollow Inn', ‚Stars Hollow Besitzervereinigung', ‚RGEG Obdachlosenstiftung'? Was ist das? Oh hier ist ein Online Artikel aus der Stars Hollow Gazette Online, ist aber schon ein bisschen älter. Lorelai Gilmore (32), Besitzerin und Leiterin des örtlichen Inns, alleinerziehende Mutter und Gründerin der Obdachlosenstiftung RGEG, welche die Initialen ihrer Kinder Rory und Elias Gilmore trägt, hat heute den vierten Stern für ihr Inn verliehen bekommen. Da wünschen wir ihr viel Glück für ihr zweites Inn in Litchfield, welches nächstes Jahr in Bau gehen soll."
„Wir haben einen Enkelsohn! Wow… und sie ist alleinerziehend."
„Und ist da auch ein Foto Emily? Ich will sie auch sehen!"
„Jaja, ich guck ja schon, ich bin nicht so gut mit Computern… hier ein Farbfoto von den Dreien vor dem Inn, es ist aber schon zwei Jahre alt."
„Oh mein Gott Emily!"
„Was denn Richard?"
„Ich kenne Elias, er spielt Golf bei mir im Club, ich habe ihn gesehen! Ich habe ihm aber leider nur sehr wenig Beachtung geschenkt, weil er farbig ist und ich dachte er sei der Caddie des anderen Jungen, der mit ihm da war, aber wenn Lorelai ein eigenes Inn hat, wird er jawohl nicht so einen Job machen müssen, oder? Und oh mein Gott, ich war auch noch unfreundlich zu ihm!"
„Lorelai hat ein Kind das Sport macht? Das hat er dann aber sicherlich nicht von ihr, das muss väterlicherseits sein. Wer der Vater wohl sein mag? Meinst du sie leben zusammen?"
„Wer weiß, aber Emily, wenn sie ein Inn eröffnet hat, dann muss sie die Schule nachgemacht haben und einen Collegeabschluss haben. Aber woher zum Teufel hatte sie all das Geld? Wovon konnte sie zwei Inns bauen, eine Stiftung ins Leben rufen und die Elias Aufnahmegebühr für den Club zahlen? Die ist enorm!"
„All diese Fragen kann nur sie selber uns beantworten oder Chris."
„Chris lassen wir daraus. Punkt und Ende."
„Na gut. Hörzu, ich habe einen Plan…"
Fortsetzung folgt
PLEASE REVIEW!!! Ich moechte so gerne eure Meinung hoeren, gerade weil es meine erste veroeffentlichte Story ist und ihr sicherlich noch ein paar Verbesserungsvorschlaege habt!
