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burning inside ~ Teil 2

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Die ersten Momente des Würgens waren schlichtweg eine Qual. Nur kurz schoss es Sam durch den Kopf, dass es sowieso nie angenehm war, seinen Mageninhalt auf dem falschen Weg wieder von sich zu geben - aber so schmerzvoll hatte er es nicht in Erinnerung.

Mit zitternden Händen krallte er sich am Boden fest. Gras, Steine, Glasscherben.

Dreck.

Wie er selbst.

Wie das, was er erbrach.

Sein Magen zog sich in unregelmäßigen Abständen schmerzhaft zusammen, krampfte und übertrug die Spannung auf seinen restlichen Körper, der lang auf dem Boden kauerte. Er hatte nicht die Kraft, die Beine an den Körper zu ziehen, geschweige denn unter sich zu bringen.

Die bittere Magensäure mischte sich mit dem, was in ihm gewesen war - sein Wesen so sehr verändert hatte.

Blut.

Im ersten Moment schreckte ihn der Anblick, der sich wie ein Tintenkleks über dem Boden verteilte und noch dunkler färbte als der Untergrund ohnehin schon gewesen war.

Gott, er spie gerade das Blut eines Menschen aus! Es war so widerlich. ER war so widerlich!

Das Brennen in seinem Brustkorb dehnte sich aus, die Kontraktionen der Muskeln wurden stärker. Er musste diesen Dreck los werden, all das Blut ... das ganze Gift. Es musste aus ihm hinaus - und wollte er zuerst das Übergeben verhindern, so wollte er es jetzt mit jeder verbliebenen intakten Faser von sich selbst. Es musst raus!

Durch seine Finger rannen die Sandkörner und die Erde, als er die Fäuste fester ballte, die Steine hinterließen tiefe Abdrücke und die Glasscherben taten ihr Übriges, um einen Cocktail aus Blut in seinen Handflächen zu mixen, die er fein säuberlich von den Überresten aus seinem Inneren fern hielt.

Es war nur gerecht, wenn er jetzt auch Blut verlor.

Der äußere Schmerz lenkte nur kurzzeitig von dem Kampf ab, der in ihm tobte.

Keuchend ließ er die Wange in den Dreck sinken, schloss die tränenden Augen und spürte die heiße Flüssigkeit über sein Gesicht rinnen, sich in dem kleinen Winkel zwischen Nase und Auge sammeln und schlussendlich überquellen wie er selber.

Zu viel Inhalt für begrenzten Platz.

Das Brennen seines Brustkorbes hatte seine Lungen ergriffen und der Druck rund herum drückte sie zusammen, bis er nur noch nach Luft schnappen konnte in der mageren Hoffnung, etwas von dem Lebenselixier in sich zu bekommen. Sein Hals war zugeschnürt, verklebt vom Blut, in seinem Mund sammelte sich ein bitterer Geschmack, der dem Würgereiz neuen Nährstoff gab.

Verzweifelt presste Sam seinen Unterarm gegen seinen Bauch, rollte sich herum, bis er sein Gesicht verbergen konnte vor den Blicken, die auf ihn gerichtet waren. Er zitterte jetzt schon wie Espenlaub und Schweiß lief ihm den Rücken und die Stirn hinunter. Seine Finger waren eiskalt.

Sie durften ihn nicht so sehen.

Sie durften kein Mitleid haben! Zum Teufel - wortwörtlich - es war seine Schuld!

Gepeinigt stöhnte er auf, als eine neue Welle Übelkeit über ihn hinweg schwappte und das Blut sich den Weg aus ihm hinaus suchte. Es war heiß und schmeckte noch immer metallisch ... bittersüß.

Irgendwo aus seiner Kehle drang ein Schluchzen mit der letzten Luft, die ihm geblieben war - aber als es verebbt war, schlossen sich auch endgültig seine Atemwege. Panisch starrte er in die Dunkelheit unter seinem Ellenbogen, die Augen weit aufgerissen vor Angst. Er öffnete den Mund, aber kein Laut drang heraus und der kühle Sauerstoff schaffte es nicht bis dorthin, wo er ihn gebraucht hätte.

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