Die Zeit blieb stehen in der Intimität der kleinen Kammer, in der er Chase' erstaunlich herben Duft einsog, seine Gegenwart so durchdringend verspürte wie nie; sogar in seinen Träumen suchte er ihn heim. Geistreich, schön, verspielt und völlig ohne Angst und so experimentierfreudig, wie er ihn noch nie erlebt hatte. Als er aufwachte, wähnte er sich immer noch in einem Traum. In knackigen Shorts saß das Objekt seiner Begierde mit überkreuzten Beinen vor ihm und schenkte ihm ein fast scheues, schuldbewusstes Lächeln, als sei er aus der unkeuschen Illusion schnell wieder in die Realität entglitten, bevor House zu sich kam. Vielleicht kannte er den Geheimpfad, auf dem er in seine Scheinbilder gelangte. Er kannte viel mehr und war zu viel Größerem fähig, als er andere über sich wissen ließ.
In der rechten Hand hielt er den Gehstock wie einen Hirtenstab und ließ die Finger hin und wieder lässig aufschnappen. Einladend erglühten seine braune Haut und die blitzend weißen, großen Zähne im Dunkeln. Der Anblick raubte ihm den Atem. Der Zwischenfall von heute Morgen (Nachmittag?) schien vorerst bewältigt, zumindest wirkte Chase heiter und zu allen Schandtaten bereit.
Er streckte die Hand aus, um ihn zu berühren, spürte die Haut, die seine Sinne verwirrte, sobald er sie liebkoste und aufessen wollte. Als der Junge die Wange an seine Handfläche drückte und die Hand Besitz ergreifend auf seine legte, damit er sie nicht zu früh wegnahm, rieselte ein wohliger Schauer über seine Wirbelsäule. Leise ploppende Geräusche seiner Lippen waren zu hören, als er begann, behutsam an seiner Handwurzel zu saugen. Es war eine so demütige, sanfte Geste, dass House unvermittelt die Tränen in die Augen schossen und er das Jochbein mit dem Daumen streichelte.
Chase hatte ihn nicht aufgeweckt, ihn stattdessen im Schlaf beobachtet, genau wie er das umgekehrt gerne mit ihm tat. Beim Gedanken daran fühlte er sich etwas unbehaglich, er konnte nicht sagen, weshalb. Vielleicht – höchstwahrscheinlich - war Chase verantwortlich für seinen feuchten Traum. Wer wusste, zu welchen Verwegenheiten er sich hatte hinreißen lassen, während er ahnungslos geschlafen hatte. Dennoch war er ihm nicht böse; das konnte er nie sein. Das angenehm kribbelnde Ziehen in seinen Lenden, das jäh einsetzte, als er seinem jetzt wieder aufgeweckten Blick begegnete, ging auf Chase' Konto und noch einiges mehr, auf das er nicht verzichten wollte und worüber er nicht einmal Scham empfand.
Er wollte seine Sexualität ausleben, dafür hatte die Natur oder das Schicksal sie ihm als eine der wenigen Freuden gewährt, die ihm geblieben waren nach dem Muskelinfarkt. Umso schöner, wenn er sie mit Chase in Anspruch nehmen durfte. Er war ein Glückspilz.
„Lust auf einen Spaziergang?" schlug Chase vor. „Gefaulenzt haben wir lange genug."
„Ich brauche meinen Stock."
In einer eleganten Bewegung richtete sich Chase daran auf und tänzelte zur Tür. „Holen Sie ihn sich."
Vom unbequemen Liegen betäubt folgte er ihm zunächst schwerfällig mit kribbelnden Gliedmaßen, indem er sich an der Wand abstützte. Chase hopste entgegengesetzt vor ihm her, bis er die Tür erreicht hatte. Als er Tempo aufnahm und ihn kurz einfing, quietschte der Junge auf vor Vergnügen, doch er entwand sich ihm rasch und spießte übermütig lachend die Spitze des Stocks an seine Brust wie ein Florett. Abwimmeln ließ House sich nicht und griff mit einer Drehung des Oberkörpers seitlich nach ihm. Verblüfft von seiner Schnelligkeit ohne die Gehhilfe wirbelte Chase herum und flüchtete lachend, wobei House ihm dicht auf den Fersen blieb.
Draußen flimmerte die Luft in der Nachmittagshitze. Allzu viel Zeit war demzufolge nicht verstrichen seit ihrem Wiedersehen, vielleicht ein oder zwei Stunden. Wie sonderbar, dass es ihm wie Tage vorkam. Es war so heiß, dass sie weit und breit die einzigen Verrückten waren, die sich am Strand tummelten. Chase hetzte vor ihm her, doch da er sich häufig rückwärts hüpfend nach ihm umwandte, offerierte er ihm die Chance, den Wettlauf spannend und gleichwertig zu gestalten.
Aber jedes Mal, wenn er meinte, ihn zu haben, duckte er sich unter ihm weg, um den Abstand zu vergrößern oder hielt ihn sich mit dem Gehstock vom Leib. Doch ein ungezähmtes Fohlen. Sein unbekümmertes, atemloses Lachen aus dem sinnlich großen Mund, das mehr versprach als nur eine wilde Verfolgungsjagd, peitschte ihn auf. Und das partiell ausgebleichte Haar, das so reizvoll die kalifornische Urlaubsbräune unterstrich, loderte tatsächlich wie eine Korona in der Sonne.
Nachdem sie eine Strecke parallel zum Meer zurückgelegt hatten, steuerte Chase zielstrebig auf selbiges zu. Er bemerkte es erst, als ans Ufer leckende Strömungen seine Knöchel bis zu den umgekrempelten Hosenbeinen umspülten. Mit einem Schlag ernüchterte er. Er mochte das Meer nicht, verabscheute es regelrecht.
„Chase", rief er dem sich weiter entfernenden Jungen zu und konnte nicht verhindern, dass sich Panik in seine Stimme schlich. „Kommen Sie zurück."
„Kommen Sie", antwortete er mit entsprechender Betonung und einer forschen Kopfbewegung hinaus zum Horizont.
Stur schüttelte er den Kopf, um gleich darauf von einem Frösteln geschüttelt zu werden. Ohne Stock fühlte er sich schutzlos dem gewaltigen Element ausgeliefert, geradezu unbewaffnet, wenngleich das natürlich rational begründet Einfältigkeit war und die Flut erst am Abend einsetzte.
Chase lief ein paar Schritte auf ihn zu; das Wasser spritzte hinauf bis zu seinen Shorts und durchnässte sie, woraufhin der weiße Stoff nahezu transparent an Oberschenkeln und Schritt klebte. Er konnte den Blick nicht davon wenden, von den anmutigen Gliedern, die ihn zu ihm trugen und den schräg zum Schambein führenden Schatten der Leistenbänder.
Ihm gegenüberstehend hob Chase den Stock quer über ihn, schloss ihn damit ein, indem er ihn an seinen Rücken legte. Die Geste erinnerte House an ihren ersten bedeutenden Körperkontakt in Montreal. Damals war er der Fänger gewesen, hatte ihn jedoch freigelassen, als er registriert hatte, dass der Junge in einer Weise reagiert hatte, die noch nicht selbstverständlich zwischen ihnen gewesen war. Chase hatte sich geschämt und war fortgelaufen.
Mittlerweile tat er das nicht mehr, trotz der schmerzlichen Erfahrung, die er zu jener Zeit noch vor sich gehabt hatte. Wenn er ihre gemeinsame Zeit Revue passieren ließ, dachte er befriedigt, dass er es im Großen und Ganzen ganz gut gemacht hatte mit Chase. Sie hatten sich gegenseitig geholfen und taten es noch. Hoffentlich würde es noch lange so sein. Die Beklemmung, die ihn während ihres letzten Gesprächs überfallen hatte, ließ sich nicht vollständig abschütteln. Vielleicht gab es etwas in seinem Verhalten, das Chase verunsicherte. Über ihre Beziehung – wenn man es denn so nennen konnte - sprachen sie selten.
Abschätzend und dennoch verschmitzt schaute Chase zu ihm auf, während seine nun heller wirkenden, von hellblonden und leicht rötlichen Strähnen umflatterten Augen in dem dezent sommersprossigen Gesicht Funken sprühten. Verletzlich nordisch sah er aus, unbeschreiblich jung und war immer noch sein Baby, er würde es immer sein, selbst mit Falten und grauen Haaren. Nichtsdestoweniger klang sein Lachen so erregend, so verlangend, dass er keine Skrupel hätte, ihn an Ort und Stelle zu vernaschen, Badegäste – sofern welche aufkreuzten - hin oder her.
Mit einer derben Impulsivität, die Chase erschreckte und kurz den Atem anhalten ließ, packte er die schmalen Hüften und presste sie an seinen Unterleib. Die Feuchtigkeit der Shorts drang auf seine Jeans, und der Junge umkrampfte den Stock, ließ ihn sinken und trieb ihn fester unter House' Po, während er ein erotisch gefärbtes, tiefes Stöhnen an der Brust eindämmte. Doch neben der Begierde auf ihn schwelte noch etwas darin, ein fast verzweifeltes Schluchzen, das er vergeblich zu unterdrücken suchte. „Ich bin immer da, das wissen Sie doch. Erst recht nach Ihrem rührenden Antrag", flüsterte House und wühlte in seinem Haar. „Was regt Sie denn so auf?"
Er weinte. Stumm und ohne Tränen. Nur sein Rücken bebte unter der Anstrengung, seine Gefühle zu verheimlichen. Obwohl ihm Sachlichkeit gerade schwer fiel, bog ihm House den Kopf in den Nacken und zwang Chase' unsteten Blick in seinen.
„Gibt es etwas, worüber wir reden sollten?"
„Ich will ein bisschen allein sein", bettelte er und grub die Stirn an seine Schulter.
Nicht dass er mit einem offenherzigen Ja gerechnet hätte, doch die harsche Abfuhr überraschte ihn nach der unleugbaren Erregung. Wie um ihn um Verständnis zu bitten, stellte Chase sich auf die Fußspitzen, sein phänomenaler Körper gespannt wie eine Feder, und er spielte mit seinen Lippen, küsste ihn auf eine Weise, auf die er ihn noch nie geküsst hatte, sich von Sanftheit zu einem Ungestüm steigernd, der ihn unter dem beginnenden Schwindel um sein Gleichgewicht fürchten ließ. Glücklicherweise hielt Chase ihn mit dem Stock eingekreist, der sich an seine Schenkel bohrte. Zwischen seinen Küssen gelang es ihm tatsächlich, mit ihm zu kommunizieren, den Mund dicht an seinem, der immer wieder nach ihm schnappte. Es ging nicht anders. Sobald er ihn schüchtern und doch fast erschreckend rasend umgarnte, schaltete sein Gehirn auf Sparflamme und sein Herz auf Turbo. Wie berauscht von ihm drückte er ihn fester an sich, wobei er ihm einen Augenblick den sandigen Boden unter den Füßen raubte.
„Danke. Dafür, dass ich bei Ihrer Mutter sein durfte und dass wir Freunde sind. Ich bin okay, ganz sicher. Es ist nur ... ich möchte die letzten drei Wochen ordnen und das, was heute war. Es war schön, aber es ist ... nie ganz einfach."
Ich weiß. Ich weiß, dass es dir schwer fällt. Und dabei bist du so großartig, dass ich es immer wieder vergesse.
„Hey." Er hob sein Kinn an, strich gespielt analysierend über seinen Bauch und betrachtete ihn durch schmale Augen. „Der Schwangerschaftstest ist nicht positiv ausgefallen, oder? Sie sind furchtbar launisch. So kenne ich Sie gar nicht. Wenn es ein Mädchen wird, nennen wir sie Robyn, einverstanden?"
Chase lachte ein bisschen verlegen und verabschiedete ihn, indem er ihm endlich seinen Stock aushändigte, wobei er es sich nicht nehmen ließ, zuvor mit einer wieder warmen Hand über seine Brust zu streifen und ihn neckend zu ziepen.
„Lassen Sie mir was von der Torte übrig."
„Ich liebe Sie. Heute Abend noch", sagte er und verlängerte den Abschiedskuss, bis Chase leise unter seiner Heftigkeit grunzte, um ihn dann widerwillig von sich wegzuschieben und sich lächelnd das Haar aus dem Gesicht strich, eine eher untypische Geste. Als er sich am Ufer noch einmal umsah, winkte er.
Er konnte es kaum erwarten, mit ihm nach Hause zu fliegen und freute sich wie ein kleines Kind darauf, wenngleich er sich eines flauen Gefühls nicht erwehren konnte, als er ihn sich in die Fluten stürzen sah. Lieber Himmel, er gluckte schlimmer als Mom. Den Strandgängern, die verdutzt stehen geblieben waren, nickte er freundlich zu.
oOo
Kinder. Die hatte er sich immer gewünscht. Mindestens zwei, weil er als Einzelkind mit einem spärlich gesäten Freundeskreis es sich wundervoll ausmalte, Geschwister zu haben, die Spielgefährten waren und in Krisen oder Bedrängnis zu einem hielten. Überdies gehörten Kinder zu seiner Auffassung von einer Familie.
Cameron und Foreman überließen ihm oft das Feld, wenn kleine Patienten eingewiesen und behandelt werden mussten, weil er am besten mit ihnen umgehen konnte. Es war eigentlich ganz einfach. Er brauchte nur daran zu denken, wie er sich an Stelle der Kleinen gefühlt hätte, und schon schmolz das Eis, gewann er Zugang zu den Patienten, ohne anbiedernd zu sein. Man musste sie ernst nehmen, ihre Sorgen und Nöte, die einem als Erwachsener oft albern erschienen, das war der ganze Zauber. Und schließlich flößten die lauten, großen Maschinen, mit denen ein Krankenhaus arbeitete, noch manchem Erwachsenen gehörig Respekt ein.
Im Inneren war er selbst noch nicht richtig erwachsen, und er hatte dank House gelernt, sich nicht dagegen zu sträuben. Er hoffte, er würde diese Seite an sich nie verlieren, solange sie nicht ins Lächerliche abdriftete. Kind sein durfte er schließlich auch bei House. Aber mit ihm – der Gedanke war so abwegig, dass ihm jetzt doch die Röte ins Gesicht stieg und Wasser in seine Nase – würde er nie Familienzuwachs im herkömmlichen Sinn haben können.
Natürlich gab es die Möglichkeit, Kinder zu adoptieren, aber doch nicht als gleichgeschlechtliches, unverheiratetes Paar. House' Bemerkung, so flapsig sie gemeint war, hatte ihn verwirrt. Ihm waren Kinder nicht wichtig; im Allgemeinen hielt er sie für Nervensägen und Landplagen. Aber auch er hatte sich den kleinen Jungen unter seiner zur Schau gestellten Ruppigkeit bewahrt und wurde weich, wenn ein Kind vor Angst zu weinen anfing oder ihn mit furchtsamem Blick musterte. Meist vertuschte er seine Anteilnahme unter derben Scherzen, die nichtsdestotrotz den Zweck erfüllten, den Patienten Zutrauen fassen zu lassen zu dem hünenhaften, unrasierten Mann, der so gar nicht wie ein Mediziner an einem Spazierstock ins Krankenzimmer humpelte und manchmal sogar Lollies verteilte, wenn man während der Untersuchung besonders brav gewesen war.
Er hatte sich wohl gefühlt hier mit Mrs. House, hatte selbst eintauchen dürfen in eine Kinderwelt, doch die Eröffnungen und Ereignisse der letzten beiden Tage hatten ihn erneut aufgewühlt und beunruhigt. Am meisten betroffen machte ihn die Tatsache, dass er House vielleicht nie kennen gelernt – schlimmer – er theoretisch nicht existiert hätte, wenn der Vater, Mr. House, Blythe nicht überredet hätte, das Kind zu behalten und gegen dessen unerwartete Großzügigkeit der Sohn zum Dank zeitlebens aufbegehrt hatte. Sie hätte es ihm sagen müssen. Dann hätte sich das Verhältnis eventuell normalisiert. Andererseits hatte John House sich offenbar keine große Mühe gegeben, seine Abneigung ihm gegenüber zu verhehlen, nachdem Gregs rebellische Haltung eindeutig wurde. Zudem konnte er Blythes Scham, es zu verschweigen, nachempfinden. Vielleicht hätte er es House auch nie gesagt. Er hätte ihm sein eigenes Erlebnis verheimlicht, wenn er nicht derjenige gewesen wäre, der ihn aufgelesen hatte nach dem Missbrauch.
Plötzlich machte er sich Vorwürfe, dass er House dessen Herkunft verraten hatte. Es wäre ihre Aufgabe gewesen, auch wenn er noch so sehr darauf gedrängt hatte, dass er einfach nicht anders gekonnt und es ihn irgendwie erleichtert hatte. Irgendwie war er in den letzten Tagen nicht mehr sich selbst.
Die Unterströmung wallte intensiver als in den Wochen zuvor. Hin und wieder musste er höllisch aufpassen, nicht hinunter gezogen zu werden und kräftig paddeln, um überrascht japsend die Nase über Wasser zu halten.
Größeren Wellen wich er aus statt wagemutig in sie hinein zu schwimmen und sich der Dünung anzugleichen, wie er das gelegentlich zu tun pflegte. Es war ein wenig bedauerlich, dass House wasserscheu war; schwimmen konnte er trotz des lahmen Beins, er hatte sich davon überzeugt. Allerdings gebärdete sich das Meer selbst für geübte Schwimmer gerade ein wenig zu wild. Schnaufend ließ er sich mit der nächsten Woge treiben und zitterte unter der Anstrengung, das Ufer anzuvisieren.
Er würde heute früher hinausgehen und vielleicht noch ein bisschen klettern, wenn die Zeit es erlaubte. Seine Sachen befanden sich noch unter Deck des Fischkutters, sein Unterhemd lag auf dem Boden der Bootsmannkammer im Lagerraum. Wenn er daran dachte, wie House es ihm ausgezogen hatte, durchzuckte ein Adrenalinstoß seine Adern.
Er hatte sich zum Prinzip werden lassen, ehrlich zu ihm zu sein, weil er ihn früher oder später doch durchschaute. Und alles, seine Küsse, seine forschenden Hände auf ihm und auch der Akt an sich, den er traumhaft auszudehnen verstand, war schön gewesen, erregend und durch die erhöhte Endorphinausschüttung nicht wirklich schmerzhaft. Der anfängliche Schmerz gehörte dazu, weil Chase anschließend entlohnt wurde mit etwas, das jenseits all seiner Vorstellungskraft lag, jedes Mal neu und aufregend. Meist kannte er sich dann selbst nicht mehr und entdeckte schwebende, wohlige, tief verborgene Sinnesreize in seinem Körper, zu denen er sich vorher niemals fähig geglaubt hatte. House kitzelte sie in ihm wach, gleichermaßen behutsam und rücksichtslos.
Wenn sie miteinander spielten, besaß der Ausdruck nicht nur eine metaphorische Bedeutung. House beherrschte ihn mit einer Virtuosität wie sein Klavier oder die Gitarre, brachte alle Saiten in ihm zum Schwingen. Tatsächlich hätte er ihn gerne noch einmal gespürt, vorhin in der sacht an die Küste schlagenden Brandung, nach ihrer Verfolgungsjagd, die er erstaunlich flink bestritten und offensichtlich Spaß daran gehabt hatte.
Und er hatte bemerkt, dass House kurz davor gewesen war, die unausgesprochene Sehnsucht Wirklichkeit werden zu lassen, es genauso gewollt hatte wie er, obwohl sie viel zu erschöpft sein müssten. Mit House war es anders; er setzte sämtliche Regeln und Naturgesetze außer Kraft.
Aber dann hatte ihm auf einmal die Angst die Kehle zugedrückt. Nicht aufgrund der Ausgelassenheit, dem unübertrefflichen Zusammensein mit House und dessen wilde Sinnlichkeit, sondern dem Gedanken, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, nicht zu wissen, wer und wie er war.
Es sich schön zu reden half nichts: Er beanspruchte House nicht nur als Vaterfigur, mit seinem Humor, seiner Schlagfertigkeit, und auch den sehnigen, irgendwie wilden und doch innige Zärtlichkeit ausstrahlenden und gebenden Körper. Niemand sonst würde ihn so anfassen, auf so unnachahmliche Weise aufstacheln wie sein Mentor, der fast nebenbei sein Liebhaber geworden war.
Seine barsche Natürlichkeit im Umgang mit ihm gefiel ihm; mehr noch, sie regte ihn auf und ließ ihn im Moment ihres intimen Beisammenseins alles vergessen bis auf die Lust und das Verlangen, ihn und damit auch sich selbst zu befriedigen. Als sei es nicht verkehrt. Für House war es das nicht, und er wünschte, er könnte ihre Beziehung mit seinen Augen betrachten, losgelöst von den Werten, die ihm eingeimpft worden waren.
Er fühlte sich gleichermaßen elend und bevorzugt und wusste nicht, welcher Richtung er nachgeben sollte. Vielleicht sollte er mal wieder beichten gehen; hier in den Staaten hatte er nie mehr getan. Aber wie konnte, warum musste etwas Sünde sein, das ihn nach langer Durststrecke so unsagbar glücklich machte?
