Summary: Schottland 1511. Das sehnlichste, das Adelsmädchen Quinn Fabray wünscht, ist von ganzem Herzen geliebt zu werden. Als sie auf Brittany trifft, die gekommen ist um ihren Verlobten zu ehelichen, wird ihre Welt auf den Kopf gestellt. Was ist möglich und was bleibt ein Traum, im Großbritannien des 16. Jahrhunderts? AU Quitt (Fierce), Brittana
A/N: Das vorliegende Kapitel ist aus Quinns Perspektive erzählt. Angedacht ist, im Wechsel aus Q's und B's Sicht zu schreiben. Ich hab immernoch keine Ahnung ob das hier irgendjemand interessant findet. PS: Quinn und Britt treffen im dritten Kapitel aufeinander (sorry, dass ich mir da Zeit lasse x_X)
Es war still. Kein Zwitschern der Vögel, kein Knistern der Bäume, nicht einmal das Säuseln des Windes war zu hören. Es war einfach nur still. Als ob nichts und wirklich gar nichts auf dieser Welt existierte. Als ob die Welt nicht existierte. Auf dieses Nichts folgte meistens ein Knall. Ein Knall aus dem Nichts, und lauter als alles zuvor.
Ein Knall und dann noch einer. Ein nicht aufzuhaltendes Getöse, das dich in Angst und Schrecken versetzt. Es ist so laut, dass du deinen Herzschlag nicht hörst, wo doch vorher dein Herzschlag das einzige war, was du hören konntest.
Es würde Gewitter geben. Und es würde Regen darauf folgen. Regen der alles wegschwemmt, was lose ist. Allen Schmutz den die Welt und die Menschen trugen. Alle Sorgen und Ängste, allen Mut und alle Freude. Und wenn der Regen dies weggewaschen hatte, blieb nur eins: Leere.
Sie spürte diese Leere oft, falls es überhaupt etwas war das man spüren konnte. War es nicht eher als würde man von etwas verschluckt? Oder als würden einem die Eingeweide ausgesaugt, wie man es den Pharaonen im alten Ägypten nachsagte, sodass nur eine leere Hülle übrig blieb? Sie war schwach, wie eine Bohne ohne Inhalt. Aber wo war der Inhalt? Wo ging das hin, was man war, wenn man sich so nutzlos und sinnlos im Leben befand? Wer zehrte von dem Lebensmut, von der Leichtigkeit und der Kraft, die einen einst umgab? War es der Teufel? Konnte es sein, dass ihr Leben bereits verwirkt war? Wenn es nach der Kirche ging war doch alles irgendwie falsch. Doch wie konnte man wissen ob man etwas Falsches oder Richtiges tat, wenn Gott selbst nicht mal mit einem sprach und wenn der Priester das Wort „Sünde" mindestens zweimal in einem Satz fallen ließ? War nicht alles Sünde? Wenn sie manchmal aus ihrem Alltag ausbrach und sich frei fühlte- wenn sie sie selbst war- hieß das, dass sie sündigte?
Jemand rief ihren Namen. Zuerst klang es leise doch die Stimme wurde rasch lauter, bis sie sie in ihrem Ohr kitzelte. Sie schauderte unweigerlich. Die Leere füllte sich langsam wieder.
„Quinn!"
Die Stimme hatte einen fordernden Ton angenommen.
„Quinn, es wird gewittern! Komm ins Haus."
Quinn öffnete die Augen und sah in das Antlitz einen jungen, dunkelhaarigen Mädchens. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Nicht weil sie sauer war, doch weil sie fröstelte. Quinn hob den Kopf leicht um sie besser an zu sehen. Sie trug ein knielanges Kleid, das aus dunkelgrün und blau kariertem Kilt gemacht war. Es waren die Farben des Forbes Clans. Es war auf der Hüfte mit einem Gürtel umschlungen.
Bevor Quinn etwas sagen konnte erhob das Mädchen erneut die Stimme.
„Außerdem ist das Gras feucht und wenn du dich erkältest, dann behaupte nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte."
Quinn verzog die Miene zu einem Grinsen.
„Du machst dir Sorgen, dass ich mich erkälte?", rief sie in ironischem Ton.
Es sah aus als wollte sie etwas zurück feuern, doch dann wurden ihre Züge weicher. Sie ließ die Hände sinken und antwortete:
„Natürlich tu ich das."
„Hilf mir auf.", schnaubte Quinn grinsend und streckte den linken Arm aus. Das Mädchen trat einen Schritt vor, griff mit beiden Händen nach Quinns Hand und zog sie hoch. Quinns Oberkörper war noch nicht ganz in aufrechter Position als sie mit der Rechten den Arm des Mädchens umfasste und kräftig daran ruckte, sodass sie das Gleichgewicht verlor und mit einem Quieken fiel. Reflexartig ließ sie dabei Quinns Hand los und versuchte sich abzustützen, doch Quinns Arme schlagen sich um ihre Hüften und so landete sie in den Armen der Blonden.
„Quinn!", mahnte ernst, klang dabei aber zwei Oktaven höher als sonst. Sie versuchte sich aus ihrem Griff zu befreien. Doch Quinn ließ nicht los, sondern verstärkte den Griff nur. Sie kicherte haltlos. Es war so einfach sie in Rage zu bringen. Und wenn sich Quinn eben noch schwer und leer gefühlt hatte, war sie jetzt innerlich so viel leichter.
Das Mädchen seufzte schließlich und gab die Gegenwehr auf. Sie blickte zu Quinn, die sie nur noch verschwommen sah, da das Lachen ihr die Tränen in die Augen getrieben hatte. Sie kniff sie zusammen, doch das Lachen erstarb nicht. Und dann spürte sie, wie der Körper auf ihr selbst erst leicht zu zucken begann und Sekunden später ein Lachen an ihre Ohren drang, das so herzhaft war wie ihr eigenes. Es war, als streute es Wärme auf Quinns Haut. Ein warmes Prickeln an einem kühlen Tag.
Als ihr beider Gelächter erstarb, schlug Quinn die Augen auf und starrte in haselnussbraune nur wenige Zoll über ihr. Sie grinsten sich an. Der Mundwinkel des Mädchens zuckte etwas und dann seufzte sie leise und beugte sich über Quinn. Quinn kniff die Augen wieder zusammen und machte einen hastigen Atemzug. Ihre Arme hingen nur noch locker am Rücken der Brünetten. Sanfte Lippen berührten Quinns Stirn, bevor sie ihren Körper erhob und sich neben ihr ins Gras rollte. Eine Weile lagen sie in Stille. Es war keine leere Stille, fand Quinn. Sie konnte hören wie ihr eigener Puls ein wenig schneller schlug als zuvor und sie konnte den Atem des Mädchens hören, wie er mit ihrem einherging. Wieder war es die kleine Brünette, die zuerst zum Sprechen ansetze:
„Quinn?"
Quinn drehte sich zu ihr um.
„Rachel?"
Rachel sah sie mit einem Blick an, der zugleich faszinierend und undefinierbar war. Als ob sie versuchte zu lesen, was in ihrem Kopf geschrieben stand. Quinn fand in diesem Moment allerdings, dass darin überhaupt nichts geschrieben stand.
„Quinn… warum bist du so niedergeschlagen?"
Verdammt. Warum musste sie ausgerechnet diese Frage stellen? Wären die Worte nicht so durchschlagend für Quinn gewesen, hätte sie niemals gehört, was sie überhaupt geflüstert hatte.
„Bin ich nicht.", antwortete sie rasch. „Jedenfalls nicht wenn ich hier bin. Ich liebe es bei euch zu sein, das weist du doch!"
Rachel nickte, aber sie sah nicht überzeugt aus. Sie runzelte die Stirn und dachte nach. Quinn setzte hastig nach:
„Ich denke natürlich darüber nach, dass ich wieder zurück nach Hause muss. Ich hasse es dort. Ich finde nicht, dass mein Herz dort zu Hause ist, doch wenn es irgendwo zuhause sein sollte, dann hier. Bei euch. Und bei Puck."
Das war nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich verabscheute sie ihr Elternhaus und aus irgendeinem Grund auch ihre Eltern. Besonders ihren Vater. Ihr Vater war ein großer Mann mit breiten Schultern und blondem Haar, so blond wie ihres. Er hatte das netteste Lächeln auf Erden, doch war es nur eine Fassade. Denn ihr Vater war ein Lügner.
Er hatte seine Töchter mit harter Hand erzogen, ihnen aber auch viel ermöglicht. Die Familie hatte Geld und konnte sich Les- und Schreibunterricht oder Reitunterricht leisten. Tag für Tag hatte er ihnen erzählt, wie gut sie ihm als Töchter waren und wie er sich ein glückliches Leben für sie ausmalte. Er zeigte ihnen, wenn immer sie über die Straße gingen, wie gute von schlechten Leuten zu unterscheiden waren. Sündiger von Ehrlichen, Süchtige von Enthaltsamen, Kluge von Dummen. Ihr Vater war ein Prediger. Er liebte es, Recht zu haben und Leute zurecht zu weisen. Das tat er oft am Hof der Familie Lennox, wo ihre Familie wohnte. Quinn glaubte ihm die Frömmigkeit, mit der er sie am heiligen Sonntag in die heilige Messe schickte, doch sie wusste auch, dass er ein Lügner war. Ein verdammter Lügner. Es war schon oft vorgekommen, dass Quinn, wenn sie sich, von nächtlichen Ausflügen zurückkehrend, durch das kleine Küchenfenster, dass die Läden nicht richtig schloss, zwängte und ihren Vater dabei sah, wie er die damalige Hausangestellte in der sich daneben befindlichen Speisekammer von hinten gegen eines der riesigen Käseräder rammte. Da er die Tür für gewöhnlich nicht schloss, verharrte Quinn im Schatten des Utensilienschranks und hielt sich die Ohren zu. Mondlicht schien durch die leicht geöffneten Fensterläden bis auf die Stelle im Raum, an dem die sich bewegenden Körper lange Schatten warfen. Quinn fand das Schauspiel abscheulich und faszinierend zugleich. Und sie fragte sich, während sie fand, dass die Bewegungen die sie machten vielleicht Sinn ergaben, warum Menschen Geräusche dabei machten, wie Schweine die gerade abgestochen würden. Mit der Zeit lernte Quinn, nicht mehr zu warten bis zuerst ihr Vater Russel, und wenige Minuten später die Angestellte die Küche verließen, sondern sie kletterte leise wieder aus dem Fenster und hinauf auf einen der Bäume hinter dem Haus, von dem aus sie das Zimmer der Angestellten erreichte. Diese war ja nicht dort, um sie zu erwischen.
Ja, Quinn liebte es nicht in ihrem Elternhaus. Deshalb hatte sie Gefallen daran gefunden, zu den Berrys und den Bannermans zu gehen, bei denen sie sich wohl und aufgehoben fühlte. Quinn und Rachel hatten sich vor Jahren bei den Highland-Spielen in Braemar kennengelernt und waren seitdem die besten Freunde. Doch in letzter Zeit war auch dieser Ort nicht mehr der, der er einmal war. Nicht seit „er" da war.
Ein Grollen erschütterte den Himmel. Rachel und Quinn erschraken und sprangen flink auf die Füße.
„Komm endlich!", rief sie, griff Quinn am Handgelenk und zog sie hinter sich her, immer Flussabwärts in Richtung des grünen Hügels.
Der Regen prasselte unablässig und laut vom Himmel auf das Dach des schmalen, aber sehr geräumigen Wohnhauses. Die beiden Mädchen hatten es noch rechtzeitig ins Trockene geschafft, bevor das Gewitter, das krachend über sie hinweg gefegt war, den mitgebrachten Regen auf sie einhergehen ließ. Jetzt saßen sie an einem ebenso länglichen, massiven Holztisch auf ebenso massiven Holzschemeln. An einer kleinen Feuerstelle auf der einen Seite des Wohnraumes befand sich ein Kessel mit heißem Eintopf von braungrüner Farbe. Ein Mann mit braunen Locken und gemütlicher Figur beugte sich darüber und füllte vier Schalen mit dem dickflüssigen, heißen Brei. Ein anderer Mann in weißem Hemd und dunkelgrünem Kilt kam geradewegs von den Schlafräumen auf sie zu.
„Leroy.", rief er fröhlich. Als er die beiden Mädchen sah änderte er seinen Kurs und nickte erleichtert.
„Rachel, Quinn. Ich bin froh, dass ihr nicht in das Gewitter gekommen seid."
„Naja.", antwortete Rachel. „Ich war eigentlich schon länger hier und habe auf Finn gewartet, aber dann konnte ich Quinn nirgends finden und bin nochmal raus."
Der Mann beäugte Quinn und diese zuckte die Schultern.
„Bist du gebracht worden?"
Er richtete die Frage direkt an Quinn.
„Sollte dich nicht besser jemand nach Hause bringen?"
„Nein.", antwortete sie einfach. Die Kutsche dauerte immer so lange. Sie war viel schneller wenn sie selbst ritt. Aber natürlich sah niemand eine junge Adlige gern allein auf einem Pferd ohne männlichen Aufpasser. Deshalb schlich sich Quinn oft einfach hinaus und sagte nicht wo sie war. Ihre Eltern hatten es sowieso lange aufgegeben zu versuchen Quinn dies auszutreiben. Quinn war schon immer klein und flink gewesen. Wenn sie ihre Verstecke entdeckten war sie immernoch schnell genug zu fliehen. Sie schlug Haken wie ein Hase. Es war ihr egal ob die Menschen um sie herum ihr Verhalten als nicht besondern damenhaft verurteilten.
Leroy servierte den Eintopf. Er warf einen Seitenblick auf Quinn und fügte hinzu:
„Weißt du, vielleicht hat Hiram Recht. Es ist nicht weil du reiten kannst, sondern weil niemand so spät abends noch reiten sollte."
Quinn dachte einen Moment nach, verwarf Leroys Idee allerdings. Natürlich war es nachts gefährlich. Es gab Wölfe, Banditen und vor allem gab es kein Licht, sodass man leicht eine falsche Richtung einschlagen konnte. Doch Quinn kannte den Weg besser als alles andere, so oft war sie schon hierher geritten. Abgesehen davon war es ihr auch egal. Was oder wen kümmerte es schon, wenn sie heute Nacht sterben würde? Nicht mal Gott würde ihr nachweinen. Na vielleicht Puck. Ja, Puck würde traurig sein. Und Rachel. Aber Rachel brauchte nicht traurig sein, da sie jetzt etwas hatte, das sie viel glücklicher machte, als Quinn jemals möglich gewesen wäre.
Sie nahm den Löffel und begann den Brei zu essen. Es schmeckte hauptsächlich nach Hirse und Kohl, doch wahrscheinlich befanden sich sämtliche Essensüberbleibsel der letzten Woche darin. Normalerweise konnte sie diese dickflüssigen Eintöpfe nicht ausstehen, doch der von den Berrys war ganz in Ordnung.
Hiram und Leroy waren Rachels Ziehväter. Sie arbeiteten zusammen als Holzverarbeiter, einem wohl angesehenen Beruf in Schottland. Würden sie Rohholz nicht zu günstigeren Preisen erwerben können, hätten sie sich den großen Holztisch vielleicht nie leisten können.
Quinn wusste nicht mehr als die Tatsache, dass Rachels Mutter wohl bei der Geburt gestorben war. Es war eine rare Sache, dass zwei Männer zusammen wohnten und dazu noch mit einem Kind. Man sah es häufig, dass Kinder in Klöstern aufgezogen wurden. Rachel hätte dies auch zufallen können, doch Hiram und Leroy genossen einen guten Ruf und hatten die die Mutter angeblich gekannt, sodass man ihnen das Kind auf ihren Wunsch anvertraute. Die Berrys waren nicht religiös, jedenfalls nicht dem christlichen Glauben angehörig. Es war keine große Seltenheit, dass die Menschen in den Highlands nicht zu Gläubigsten gehörten. In den Städten im Süden würden sie mit dieser Lebensweise wohl eher Schwierigkeiten bekommen, ganz zu schweigen davon, dass sie ein Kind außerhalb des klösterlichen Umfelds erziehen. Doch hier achtete niemand darauf. Und solange die Berrys keine Feinde hatten, beschuldigte sie auch niemand einer unfrommen oder hexerischen Lebensweise.
Wenige Minuten später, nachdem die vier am Tisch Platz genommen hatten und zu essen begonnen hatten, öffnete sich die Haustür plötzlich. In der Schwelle erschienen zwei junge Männer. Sie waren nass bis auf die Knochen. Ihre Kilts klebten an ihrem Oberkörper. Von ihren Händen baumelte etwas das toten Vögeln ziemlich ähnlich sah. Sie waren genauso nass wie die Jungs. Der Kleinere der beiden hatte eine lange Mähne, die er im Nacken zu einem Zopf zusammen gebunden hatte. Die Seiten des Kopfes waren rasiert. Es sah ziemlich wild aus. Sein Name war Noah Bannerman, aber er nannte sich aus Spaß Puckerman, da er sich selbst als Störenfried ansah und ihm der Spitzname besser gefiel. Davon übrig blieb nur noch Puck, und das war, wie die meisten ihn heute nannten. Der andere Junge hieß Finnlay. Er hatte dunkle Haare und dunkle Brauen und die meiste Zeit einen eher dümmlichen Gesichtsausdruck. Er stammte aus dem Haus Hudson. Genauso dümmlich wie seine Grimassen war auch das meiste, das er tat. Jedenfalls empfand Quinn dies so. Finn war Rachels Verlobter. Und sie hatte absolut keine Ahnung, was diese an ihm toll fand.
Finn trat vor und hielt die geschossene Taube in die Höhe.
„Ich hab das Abendessen mit gebracht.", rief er stolz aus und wandte sich dann zu Rachel, um sie zur Begrüßung zu küssen. Rachel wehrte sich nicht, tat jedoch ihr bestes um von dem toten Tier entfernt zu bleiben, das er immernoch in der Hand hielt.
„Die Taube hab ich nur für dich geschossen.", erklärte Finn und merkte nicht wie sehr Rachel die Taube missfiel.
„Du weißt doch, dass ich kein Fleisch esse?", antwortete sie behutsam.
Finn schien eine Minute zu brauchen um ihre Information zu durchdenken.
„Aber Tauben sind doch Vögel…", sagte er schließlich, verwirrt darüber, welche Tiere zu Fleisch gehörten und welche nicht.
„Aber du hast es für mich getan.", fügte Rachel strahlend hinzu, nahm Finns Hand und küsste ihn auf die Wange. „Danke."
Er erwiderte ihren Kuss mit einem stolzen Lächeln und beugte sich zu ihr hinunter, um sie erneut auf die Lippen zu küssen.
Es war höchste Zeit zu gehen, dachte Quinn. Es war sowieso schon spät, und Finns dämliches Liebesgesäusel musste sie sich jetzt nicht auch noch antun. Sie nahm den letzten Löffel Suppe, schob sich ihn in den Mund und erhob sich.
„Mir fällt gerade ein, dass ich mich beeilen muss. Mein Vater erwartet von mir, dass ich ihm morgen früh helfe … ehm..." Ihr fiel nichts Passendes für den Rest des Satzes ein. Aber hatte Matthew nicht erwähnt, dass jemand zu Besuch kam? „Mein Vater erwartet von mir, dass ich Matthew morgen helfe seine Gäste willkommen zu heißen."
Ihr war es egal, ob sie log. Sie wollte einfach nur noch nach Hause. Erneut kam dieses Gefühl in ihr hoch. Sie war so nutzlos und fehl am Platze, wenn Finn bei ihr und Rachel war. Es war schön mit Puck und es war schön mit Rachel. Aber alles war anders wenn Finn mit bei ihnen war und es fühlte sich schrecklich an. Hiram klopfte ihr auf die Schulter.
„Du solltest so rasch wie möglich zu Hause sein.", sagte er. Leroy nickte zustimmend. Rachel befreite sich aus Finns Umarmung, stand auf und schlang die Arme um Quinn. „Bis zum nächsten Mal, okay? Komm gut heim."
Quinn wandte sich um, griff nach ihrem langen Mantel, der neben der Tür hing und warf ihn sich über. Sie winkte und wollte gerade durch die Tür, als eine Hand sie aufhielt. Puck hatte sie am Handgelenk genommen und zog sie ein Stück zurück.
„Ich begleite dich ein Stück, wenn du erlaubst?"
Quinn nickte einverstanden und lächelte ein wenig.
Ein paar Minuten später saßen die beiden im Sattel ihrer Pferde und ritten den grünen Hügel hinab. Quinn hatte Thistle, ihren Berber-Schimmel für diesen Ausflug gesattelt. Das Pferd war 5 Jahre alt und ihr ein und alles. Neben Puck und Rachel würde sie sagen, das Thistle ihr drittbester Freund war. Sie hatte ihn vor gut zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen und seither hatten die beiden sich sehr gut angefreundet. Er ließ sich prima reiten und gehorchte auf die kleinsten Hilfen. Sie wusste, dass er die Familie wahrscheinlich einiges gekostet hatte.
Pucks Pony trabte neben ihr und versuchte das Tempo zu halten. Er war kein besonders guter Reiter und bevorzugte es normalerweise zu Fuß zu gehen, doch für Quinn nahm er selbst das Reiten auf sich und es machte sie glücklich, dass er ihr das wert war. Puck begleitete sie oft auf dem Weg zurück. Für gewöhnlich ritt er die Hälfte der Strecke mit ihr, bis sie die befestigte Straße erreichte, die das Perthshire mit dem Stirlingshire verband.
„Hey", sagte Puck nach einer Weile des Schweigens. Seine Stimme klang sanft und nachdenklich. Ganz anders als gewöhnlich. Oh bitte, lass ihn nicht auch noch erwähnen, sie sei irgendwie merkwürdig in letzter Zeit.
„Ich weiß, dass du von Rachel und Finns Verlobung nicht so ganz angetan bist.", sagte er. „Ganz ehrlich, ich finde es auch ein bisschen gemein, die Sache mit dir zu beenden und dann kurze Zeit später um Rachels Hand anzuhalten. Schließlich seid du und Rachel beste Freunde, und ich kann verstehen, wenn das kein kluger Zug von Finn war."
Er gab dem Pony die Hacken, und schloss auf. Thistle war, im Gegensatz zu ihm, ein ausdauerndes Rassepferd.
„Ich denke einfach, er hat sich wirklich sehr verliebt."
„Er kann mir gestohlen bleiben.", zischte Quinn und trieb Thistle an, was Puck aufstöhnen und ebenfalls sein Pony antreiben ließ.
„Warte, also bist du nicht sauer, dass Finn dich hat sitzen lassen?"
Quinn grölte auf: „Nein, ich bin nicht darüber sauer. Ich bin darüber sauer, dass er ein totaler Idiot ist, und Rachel nicht verdient hat, da er so unglaublich dumm ist."
„Aber…warum?"
Quinn schnaubte verächtlich und Thistle tat es ihr gleich. Sie ritten eine Weile schweigend. Puck sah nachdenklich und irritiert drein, während Quinn versuchte den Schwall an Gedanken loszuwerden, der ihr in den Kopf flatterte. Warum dachte er, sie sei wütend darüber, dass Finn sie für Rachel verlassen hatte? Sah sie wirklich so unglücklich aus, wie sie sich fühlte? Finn war ein Dummkopf. Rachel hatte ihn nicht verdient. Sie sollte besseres haben… Sie sollte jemanden haben der klug war, und der sie wirklich liebte. Sie konnte sich jemanden vorstellen, der diese Bedingungen erfüllte, aber es war ein hoffnungsloser Kampf, den sie aufgegeben hatte. Trotzdem konnte sie sich nicht helfen. Mit ihren besten Freunden zusammen zu sein erfüllte sie gleichzeitig mit Freude und Schmerz.
„Es spielt keine Rolle mehr…", antwortete Quinn schließlich leise.
Puck gab ihr ein warmes Lächeln zurück. Wahrscheinlich verstand er nicht, was in ihr vorging, aber selbst wenn, war es egal. Puck war verständnisvoll, selbst wenn Quinn ihm seine Fragen nicht beantwortete. Das war eines der Dinge, die sie an ihm mochte.
Puck nickte. „Okay."
Als Quinn ihr Haus in der Broad Street erreichte, war es bereits am Dämmern. Ein sanfter, heller Schleier zeigte sich am Horizont. Es würde noch ein paar Stunden dauern, bis es tatsächlich hell war. Quinn führte Thistle in den Stall und sattelte ihn ab. Er schnaubte geduldig. Sie tätschelte seinen Rücken und atmete den Stallgeruch ein. Dieser Geruch beruhigte sie immer. Gegenüber von ihr stand ein Kutschwagen, der Quinn fremd war. Das Haus musste über Nacht tatsächlich Besuch bekommen haben. Sie erspähte zwei Braune Ziehpferde in einer der Doppelboxen. Sie schliefen.
„Hey Thistle.", sprach Quinn ins Ohr ihres Pferdes. „Zeit, schlafen zu gehen. Tut mir leid, dass wir die ganze Nacht durchreiten mussten. Morgen hast du frei."
Thistle schnaubte und knabberte sanft an ihrem Arm.
Quinn führte ihr Pferd in die Box und verließ die Ställe. Als sie die Haustür aufsperrte sprang ihr Alison, die Hausangestellte entgegen.
„Was bist du denn schon auf?", entfuhr es beiden fast gleichzeitig. Quinn grinste breit.
„Ich war bei einem Freund zu Besuch. Und was machst du hier um diese Zeit?"
Quinn lächelte sie schief an. Alison war neu und arbeitete erst seit letztem Monat hier.
„Ich bin schon aufgestanden, um das Frühstück vorzubereiten. Der Hahn kräht bald und Sir Matthew hat wichtige Gäste für morgen zu empfangen.", sagte sie. „Warum fragt Ihr?"
„Och…", sagte Quinn und winkte ab. Doch sie konnte ein hämisches Grinsen einfach nicht unterdrücken. Es würde spannend werden, Alison in der nächsten Zeit zu beobachten. Noch schien sie motiviert, ihre Arbeit gesunden Gewissens auszuführen. Aber sie hatte ja keine Ahnung…
„Nur so."
