Nachdem den Schülern die Strafmaßnahme mitgeteilt wurde, wurden sie von ihren Hauslehrern zu ihren Gemeinschaftsräumen begleitet und jeder musste eine Phiole mit süßlich-klebrigem, hellblauen Trank zu sich nehmen. Die Professoren erläuterten noch kurz das beide bis zum Ende der Woche Zeit hatten ihre Entschuldigungsbriefe zu schreiben und das die Wirkung des Trankes erst enden würde, wenn wirklich alles geschrieben worden wäre, was wichtig war. Sobald der Brief wie gewünscht verfasst worden wäre, sollte er einfach verschwinden und bei dem jeweils anderen versiegelt auftauchen.
24.10., Zu Nachtschlafender Zeit im Schlaftrakt der Slytherins, Einzelzimmer Draco Malfoy
…
Entschuldigung.
D. Malfoy
…
Weasley, entschuldige bitte.
D. Malfoy
…
Hallo Weasley, es tut mir leid.
D. Malfoy
…
Man Weasley, was soll ich denn noch schreiben? Es tut mir leid. So gut wie.
D. Malfoy
…
Hallo Ronald,
es tut mir leid. Ich werde Dir demnächst einfach aus dem Weg gehen. Diesen Brief zu schreiben ist so was von lächerlich. Ich muss schon wieder kotze…
Malf
…
Hallo Ron, äh, ich meine Ronald... Ich meine;
Hey Weasley,
wieso, in Merlins Namen, soll ich Dir diesen Brief schreiben? Ein Malfoy... Nicht zu fassen das Sev das zulässt. Kann sich wohl einfach nicht gegen die Gryffindor zur Wehr setzen. Und dann dieser Trank, ich muss jedes Mal kotzen, wenn ich den Brief beende ohne irgendwelche Gefühle geschrieben/beschrieben zu haben. Das kotzt mich an! Ich für meinen Teil werde diesen Brief so schnell wie möglich beenden. Und damit es ein Entschuldigungsschreiben ist: Sry. Hoffentlich klappt das jetzt…
D. Malfoy
Draco hatte die Feder gerade zur Seite gelegt, als ihm die Wirkung des Trankes nahezu wortwörtlich auf den Magen schlug. Mit großen Schritten war er im Waschraum seines Zimmers angekommen und übergab sich herzhaft in die Toilette. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte und zurück in sein Zimmer trat, wischte er sich ungehalten mit dem Handrücken über den Mund. Elender Giftmischer, sein Pate konnte was erleben, wenn er ihn das nächste Mal traf. Er trat auf sein Bett zu, seine Feder lag auf dem Blatt Pergament und er funkelte wütend in die Richtung des Schriebs. Dieser vermalledeite Zauberer und seine blöde Idee diesen Entschuldigungsbrief zu verfassen.
Es war nicht der erste Versuch Dracos gewesen den Brief so kurz und unpersönlich zu halten wie er sich das wünschte. Die ersten beiden Male war er für Minuten nicht aus dem Waschraum raus gekommen. Hoffentlich ging es dem Wiesel genauso, hatte er gedacht. Mittlerweile, mit jeder weiteren Zeile die er schrieb, wurde die Zeit im Waschraum kürzer das Gefühl der plötzlich aufkeimenden Übelkeit, sobald er die Feder ablegte, ebbte auch langsam ab. Er seufzte laut auf und wand sich wieder dem Pergament zu. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig als es noch wenigstens ein weiteres Mal zu versuchen. Er würde den Teufel tun und dem sommersprossigen Wiesel seine geheimsten Gefühle anvertrauen, dachte er. Moment, sommersprossig? Das war ihm noch gar nicht aufgefallen…
Hallo Weasley,
es tut mir natürlich nicht leid, das wir uns dauernd prügeln und das ich Dir mehr als ein Mal was auf die Nase gehauen habe. Leid tut mir allerdings, dass ich, resultierend aus einer unserer nonverbalen Diskussionen, schon eine Nacht im Krankenflügel verbracht habe. Ich hatte deinen Schlag einfach nicht kommen sehen, beneidenswert, wie Du Dich gemacht hast. Oh Merlin, dieser Trank... Wie dem auch sei, Du sommersprossiger Potter-Anhang, ich werde Dich jedes weitere Mal im Gang oder auf dem Schlossgelände herzlich gern gegen die Wand drängen und sonst was mit Dir anstellen. Moment... Verdammt, ich kann nichts in diesem Brief streichen... Sev ist so was von tot.
Das ich, ein Malfoy, der Spross Lucius', so etwas schreibe... Ungeheuerlich.
Ich weiß natürlich das dieser Trank mich schreiben lassen soll, was ich Dir nicht im Traum sagen würde, ständen wir uns gegenüber. Aber glaubst du wirklich, dass ich nicht durch meine Abstammung und mein Umfeld wenigstens ein bisschen weiß, wie ich solche banalen Emotionen ausblenden kann? Gut, abgesehen von einem Teil der Black'schen Verwandtschaft, die mich über tausend Ecken mit Potter verwandt macht. Gut dass das ‚nur' Patenschaft ist. Gewisse Parallele zu mir und Sev, aber mein Pate lebt wenigstens noch. Belassen wir es dabei.
Es tut mir nicht leid. Ganz im Gegenteil. Und wärst Du nicht mit diesem Schlammblut-Freund von Potter und der Besserwisserin Granger befreundet, würden wir uns vielleicht sogar unterhalten, anstelle das wir versuchen, uns gegenseitig das Hirn rauszuprügeln. Deine Einwürfe zwischen deinen Fausthieben sind nicht immer ganz niveaulos und regen zu Gesprächen an. Habe ich das wirklich geschrieben? Das liegt an der Uhrzeit, ganz bestimmt. Sev dieser ... Hrmhrm. Mein Magen meldet sich noch nicht, ich werde dieses Spielchen hier nun beenden. Bis demnächst auf dem Gang, Wiesel.
D. Malfoy
Draco legte gespannt den Stift bei Seite und wartete, ob etwas geschehen würde. Nein, alles blieb in Ordnung und er verspürte nicht den Drang, wiederholt in dieser Nacht Minutenlang über dem Klo zu verweilen. Mit einem heftigen Seufzer ließ er sich erschöpft nach hinten fallen und noch ehe er sich ganz auf die Seite gedreht hatte, war er auch schon eingeschlafen. Unbemerkt faltete sich das Pergament zusammen, versiegelte sich und schwebte unter der Tür durch, um möglichst unbemerkt in den Schlafsaal eines gewissen Gryffindors zu gelangen...
