Isabella

Wie jeden Tag saß ich wieder auf den kleinen Kinderstühlen im Aufenthaltsraum des Kinderheimes und sah den anderen beim Spielen zu. Ab und zu sah ich auch aus dem Fenster, doch die anderen hatten Spaß – Spaß den ich nie hatte. Ich wusste nicht wieso, aber die anderen Kinder mochten mich nicht. Sie sagten, ich war mehrwürdig, sie hatten Angst vor mir. Ich fand das total blöd, sagen tat ich aber nichts. Was sollte ich auch als dreijä- vierjährige – ich vergesse doch glatt wieder, dass ich gestern Geburtstag hatte – schon tun? Ich war hilflos. Die anderen Kinder waren älter als ich, viele waren schon 7 Jahre alt, oder sogar noch älter.
Ich drückte Teddy näher an mich, blickte zu ihm runter und zupfte leicht an seinen Ohren rum. »Wieso mögen sie mich nicht…?«, fragte ich ihn, aber er antwortete mir nicht. Er war schüchtern, stellte ich wieder einmal fest und drückte ihm einen Kuss auf den Mund. Er war mein bester Freund und auch mein einziger Freund…

»Guck mal, da sitzt das merkwürdige Mädchen!«, riefen plötzlich einige und ich zuckte erschrocken zusammen. Ich drückte Teddy sofort wieder an mich und mit großen Augen guckte ich zu den Kindern. Es waren Chris, Juls und Ben. »Wir sollten uns lieber verstecken, sonst werden wir auch noch so verrückt wie sie!«, kreischte Juls und lief ängstlich davon. Sofort zogen sich meine Mundwinkel runter. Wieso war ich denn merkwürdig? Ich verstand das nicht…

»Juls, lauf doch nicht weg! Das ist doch nicht ansteckend!«, rief Ben, der Bruder von Juls und verdrehte seine dunklen Augen. »Waaah!«, schrie Chris und wir zuckten alle zusammen. Er kitzelte Ben und sprach mit gruseliger Stimme. »Oh Gott, sie hat dich angesteckt! Du bist jetzt auch merkwürdig! Ich verschwinde. Juls warte auf mich! Dein Bruder ist auch verrückt geworden!« Chris lief davon und ich biss auf meine Lippe. »Hey, das stimmt doch gar nicht! Juls, glaub ihm nicht. Ich bin noch normal!« Und mit diesen Worten verschwand auch Ben. Tränen stiegen mir in die Augen und ich sah wieder aus dem Fenster. Draußen war es schöner, besser und da wäre ich jetzt lieber als hier. Teddy strich mir mit seinem Arm die Tränen weg und ich drückte ihn lächelnd an mich. »Du wirst immer für mich da sein, oder?«, fragte ich ihn und er antwortete mir natürlich: »Ich bin immer für dich da…«

Ich schaute wieder aus dem Fenster, beobachtete die Vögel und guckte zum Himmel hoch um Figuren zu sehen. Doch ein Auto ließ mich wieder zu Boden schauen. Es stiegen zwei Männer und eine Frau aus. Sie sahen wunderschön aus. Sie hatten helle Haut, sogar hellere als ich und ich sah zwischen meiner Haut und ihrer hin und her. Sie waren wirklich noch heller…

Dann schaute ich sie mir genauer an. Ein Mann und eine Frau standen ziemlich nah nebeneinander und man könnte sie als Mama und Papa bezeichnen, der andere sah noch jünger aus… Eher wie ein Bruder… Er war so schön, er erinnerte mich an die Bilder im Kinderbuch. Mein Herz schlug schneller und ich beobachtete wie er mit seinen Eltern sprach. Wie gerne ich endlich hier rauskommen wollte… Ob sie mich mitnehmen würden? Würde mich der hübsche Junge als seine Schwester haben wollen? Sofort schüttelte ich meinen Kopf. »Mich werden sie eh nicht mitnehmen, oder Teddy?«, fragte ich ihn und als ich wieder zu ihnen sehen wollte, waren sie bereits verschwunden. Ich seufzte leise, strich Teddy über den Kopf und achtete nicht auf die anderen. Ich war alleine…

Krach an der Tür riss mich aus meinen Gedanken und ich sah wieder zur Tür. Ich sah wieder den Jungen von eben. Mein Herz schlug schneller und obwohl ich wusste, sie würden mich nicht wollen – wie alle hier; hoffte ich sie würden es doch tun. »Sind Sie hier um einen von uns zu adoptieren?«, fragte Chris und der Junge antwortete freundlich. »Ja, das bin ich.« Er hatte eine schöne Stimme. Er würde mich bestimmt nicht nehmen. Ich war nichts besonderes, ich war einfach nur die verrückte hier. Wieso sollten sie mich auch wollen? Ich sah wieder aus dem Fenster. Ich würde hier lange bleiben…

Schritte ließen mich wieder aufschauen und ich sah wie der hübsche Junge zu mir kam. Meine Augen wurden groß. »Hey, darf ich mich zu dir setzen?«, fragte er und ich nickte langsam. Will er mich auch ärgern?, fragte ich mich und drückte Teddy stärker an mich. »Wie heißt du denn?«, fragte er und ich flüsterte leise: »…Bella« Er sah mich überrascht an. »Bella?«, wiederholte er und ich wurde leicht rot. Wieso war er nett? »Also…eigentlich Isabella…aber ich mag Bella mehr.«, erklärte ich ihm und sein Blick wurde netter. »Aha. Und wie alt bist du, Bella?« - »Drei…ähm…vier…« Komisch sah er mich an. »Ich hatte gestern Geburtstag.«, sagte ich und sofort wünschte er mir alles Gute. Verwirrt sah ich ihn an. Niemand hatte mir bisher gratuliert…

»Wer ist das denn?«, fragte er plötzlich und deutete auf Teddy. »Das ist Teddy. Er tröstet mich immer, wenn mich wieder jemand geärgert hat.«, sagte ich und lächelte. Teddy war mein bester Freund und ich wünschte mir, der hübsche Junge würde es auch werden. »Wie heißt du eigentlich?«, fragte ich daher und er lächelte breiter. »Stimmt. Wie unhöflich von mir. Ich bin Edward.«, stellte er sich vor und nickte begrüßend. »Edwad? Das ist ja ein lustiger Name. Ich mag ihn.«, sagte ich ehrlich und lächelte noch breiter. Er war so nett. Er sollte unbedingt mein Freund werden. Ob er mich auch komisch fand, wie die anderen?

»Wie alt bist du, Edwad?« - »Ich bin 17.« Ich versteckte mein Gesicht leicht hinter Teddy, bevor ich leise flüsterte. »Edwad? Weißt du was?« - »Nein, was denn?«, fragte er genauso leise und ich wurde leicht rot. »Ich mag dich!« Er lachte leise. »Ich dich auch.«, sagte er und mein Lächeln wurde breiter. Er mochte mich! Er würde mein zweiter bester Freund werden.

»Edward!«, sagten plötzlich seine Eltern und wir schauten sofort zu ihnen. Sofort verschwand mein Lächeln und ich versteckte mich hinter meinem Teddy. Er würde mich beschützen, wie immer. »Willst du uns vielleicht jemanden vorstellen?«, sprach der Papa von Edwad und meine Unterlippe zitterte leicht. Sie finden mich bestimmt komisch, so wie die anderen. Sie sollen mich nicht komisch finden! Sie sollen mich mögen – so wie Edwad!
Edwad stand auf und ich hatte schon Angst er würde wieder gehen, darum krallte ich mich an seiner Hose fest. Er lächelte. »Carlisle, Esme, darf ich vorstellen, das ist Bella.«, stellte er mich vor und sobald er zur Seite ging, suchte ich wieder hinter ihm Schutz. Er würde mein großer Teddy sein. Er sollte mich vor den bösen Kindern beschützen!

Der hübsche Junge lachte leicht und hockte sich wieder zu mir runter. »Bella? Das sind meine Eltern Carlisle und Esme. Es würde mich sehr freuen, wenn du ihnen „hallo" sagen würdest.«, bat er und ich nickte unsicher. Sie würden auch nett zu mir sein?, fragte ich mich und plötzlich hob mich Edwad hoch. Ich quietschte überrascht, bevor ich mich an ihm festhielt, seinen Eltern zuwinkte und ein leises »Hallo« sagte. »Hallo, Bella. Es freut uns sehr dich kennenzulernen.«, sagte die Mama und ich wurde rot. Ich drückte mich näher an Edwad. Er war mein Freund.

Sie lächelte noch breiter und sie sah so schön aus. Ihre goldenen Augen sahen mich freundlich an und sie sah kurz zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn hin und her. Eine stille Unterhaltung. Anschließend nickte sie und sah wieder zu mir. »Möchtest du mit uns nach Hause kommen, Bella?«, fragte sie und meine Augen wurden groß. »I-Ich?«, stotterte ich überrascht und sie lachte wunderschön. »Wenn du möchtest, dann ja.« Ich nickte sofort stürmisch und ich guckte zu Edwad, der mich anlächelte. »Du willst mich als kleine Schwester?«, fragte ich leise und er legte seine Arme sicherer um mich. »Ja, ich mag dich, das habe ich dir doch gesagt, oder nicht?« Ich quietschte und umarmte ihn stürmisch zusammen mit Teddy. Ich hatte eine Familie gefunden! Sie wollten mich haben, sie fanden mich nicht merkwürdig! Tränen schlichen sich in meine Augen und sofort drückte mich Edwad leicht weg. Er sah mich erschrocken an, bevor er hilflos zu seiner Mama schaute. »Schätzchen, wieso weinst du denn?«, fragte sie und ich wischte mir mit dem Ärmel die Tränen weg. »Ich…Ich freue mich so, niemand mag mich und ich dachte ich muss hier für immer bleiben.«, schluchzte ich und sie legte sich eine Hand aufs Herz. »Aber wir mögen dich.« Ich schniefte und sah sie mit großen Augen an. »Wirklich?« Sie nickte strahlend. »Aber natürlich! Ich würde dich niemals anlügen.«

»Dann muss ich noch meine Sachen holen.« Meine neue Mama nickte. »Mach das und wir werden solange die Papiere für dich unterschreiben, damit wir dich mitnehmen können, ok?« Ich nickte und Edwad ließ mich zu Boden sinken. Strahlend sah ich ihn an. »Du bist mein neuer Bruder.« Er gluckste leise. »Ja, ich bin ab jetzt dein Bruder.« Ich quietschte erneut auf. Ich war so fröhlich, sooo unglaublich fröhlich. Das war das beste Geschenk nachträglich zum Geburtstag, stellte ich fest und umarmte Edwad nochmal. Ich drückte ihm einen Kuss auf die kalte Wange, bevor ich schnell weglief, kicherte und meine Sachen zusammensuchen ging.

Ich schnappte mir gerade meine Tasche, als mich jemand von hinten schubste und ich auf meine Knie fiel. Ich schrie leise. »Aua!«, jammerte ich und rieb mir das rechte Knie. Ich sah zu Chris auf, der mich böse ansah. »Du hast es nicht verdient adoptiert zu werden!«, brüllte er mich an und Tränen schossen mir in die Augen. »W-Wieso das denn?«, fragte ich nach, wobei Juls mit Ben neben ihm auftauchte. »Weil du komisch bist und immer komisch bleiben wirst! Du bist ein Freak!«, maulte der 8-jährige Chris und ich schniefte auf. »Niemand mag dich.«, fügte Juls an und ich wischte mir die Tränen weg. »Edwad mag mich aber…«, nuschelte ich und gerade als sie was sagen wollten, hörte ich eine andere Stimme. »Genau, ich mag Bella.«, wütete Edwad bedrohlich und ich sah zu ihm nach hinten. Sein Gesicht war nicht mehr freundlich, sondern böse und ich bekam ein bisschen Angst vor ihm. Er sah wirklich gruselig aus, wenn er so guckte. Die Jungs hatten wohl auch Angst bekommen, denn ich hörte ihre Schritte, als sie ganz schnell wegliefen. Edwad hockte sich zu mir zu Boden. Er stellte mich auf die Füße, schaute mich wieder ein bisschen freundlicher an und strich meine Kleidung glatt, bevor er mein Knie ansah. »Alles ok?« Ich nickte mit Tränen in den Augen. Sofort warf ich mich in Edwads Arme. Er fing mich sofort auf und ich begann zu weinen.

Er strich mir den Rücken auf und ab, während ich mich enger an seinen Hals klammerte. »Shh, es ist alles ok. Ich werde dich beschützen, ok? Ich bin ja jetzt bei dir. Ich werde dich vor allem bösen beschützen.«, versprach er und ich sah ihn mit feuchten Augen an. »Versprichst du es mir?« Er lächelte und küsste federleicht meine Stirn. »Ich verspreche es dir, Bella.«