Alexa- Wesker: Schön, dass du meine Fanfic entdeckt hast und gleich ein Review dagelassen hast. :) Ja, ich versteh dich, ich muss mich auch noch an die weibliche Alex Wesker gewöhnen, aber langsam wird es schon. Capcom kann ja Claire nicht töten, ich glaube, da würden die Fans aufs Dach steigen. Ich bemüh mich, mir nicht zu großen Druck zu machen. :D

Leon S. Kennedy: Es ist immer schön von dir ein Review zu lesen. Ich hab mir RE Revelations 2 gleich bei Veröffentlichung in Youtube angeschaut und fands eigentlich ganz gut. Es hat mir gefallen, dass sie endlich Alex Wesker ins Spiel gebracht haben, auch wenn ich mich mit ihrer Darstellung am Anfang sehr schwer getan hab. :D Ich glaube, gedanklich werde ich auch immer an meiner Idee aus The War Ends Now festhalten. :) Allerdings hat mich das neue Spiel dann gleich zu vielen neuen Ideen und einer neuen Fanfic angeregt. Alex aus dem Spiel ist mir mittlerweile sympathisch geworden, ich mag nämlich auch Kafka. :) Und ich fand das Ende, als rauskam, dass sie doch in Natalias Körper steckt, echt stark, das hätte ich Capcom gar nicht zugetraut. Ich bin mal selber gespannt, wie ich sie auf Jake reagieren lasse. *lol* Ich hoffe, es gefällt dir auch weiterhin.

Liebe Grüße, Snowi


Gedankenverloren sah Chris durch das kleine Fenster des Flugzeuges nach draußen in den wolkenverhangenen Himmel. Sie hatten den Atlantik hinter sich gelassen und überflogen gerade Sahara und Mauretanien. Chris seufzte. Es würde immer noch ein paar Stunden dauern, bis sie ihr Ziel erreicht hatten.

Jill regte sich neben ihm. Sie hatte mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt geschlafen.

„Sind wir schon da?", fragte sie verschlafen, ihre Stimme heiser.

Chris verneinte. „Es dauert noch ein wenig."

Sie nickte, richtete sich auf und streckte sich.

Es war eigenartig und wenn Chris ehrlich war, war ihm bei der Sache auch nicht wohl. Er hatte sich eigentlich vorgenommen, nach Weskers Tod und Jills Befreiung Afrika für immer hinter sich zu lassen. Mit diesem Teil seines Lebens abzuschließen, doch wie das Leben manchmal spielte, konnte man sich nicht aussuchen, in welche Richtung einen das Schicksal führte.

Das Ziel ihrer Reise war die Demokratische Republik Kongo, wo es nach Angaben ihrer Kontakte einen neuen Ausbruch mit einem Virus gegeben hatte. Sie wussten nichts Genaues, deshalb hatte O´Brian sie beauftragt, die Lage vor Ort zu untersuchen. Chris wollte anfangs allein fliegen und er war nicht einverstanden damit gewesen, dass Jill darauf bestand, ihn zu begleiten. Schließlich musste er jedoch klein beigeben. Er kannte seine Partnerin, seine Frau, einfach zu gut, um zu wissen, dass er sie nicht davon abhalten konnte. Wenn Jill sich etwas in den Kopf setzte, dann hatte er keine Chance. So begleitete sie ihn auf seiner Mission. Wenn er ehrlich war, hatte er dieser Charaktereigenschaft an Jill schon immer geschätzt, ein Grund, warum er sie schließlich geheiratet hatte.

„Was glaubst du, erwartet uns dort?", fragte Jill.

Chris zog ein paar Fotos heran, die ihnen O´Brian vor ihrer Abreise bei ihrem Meeting gegeben hatte. Es zeigte Satellitenaufnahmen des betroffenen Gebietes. Die kongolesische Regierung hatte weiträumig eine Sperrzone eingerichtet, damit eine mögliche Seuche nicht nach außen dringen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass die getroffene Stadt im Regenwald lag. Ein paar wage, verschwommene Schwarzweißfotos zeigten Menschenansammlungen, die sich um Gebäude gebildet hatten.

„Schwer zu sagen", antwortete Chris mit einem Seufzen. „Ich versuche mir eigentlich noch nichts vorzustellen, aber… Ich habe genug Erfahrung in den letzten 17 Jahren gemacht, um zu wissen, wo das wieder hinführen wird."

„Du hast Recht, ja. Nach all der langen Zeit hat man die Hoffnung aufgegeben, dass es vielleicht… Ich werde die Menschen, die das Zeug loslassen, nie verstehen. Das ist… einfach krank."

Chris atmete tief durch und lehnte sich in seinem Sitz zurück.

„Hast du wieder mal etwas von Jake und Sherry gehört?", fragte Jill. „Letztes Jahr habt ihr doch miteinander gesprochen?"

„Ja, das ist ungefähr ein Dreivierteljahr her. Seitdem hab ich nichts mehr von den beiden gehört. Aber die werden auch bestimmt genug zu tun haben." Chris grinste.

„Ja. Wie alt ist die Kleine jetzt?"

„Ein Jahr."

Jill lächelte. „Wer hätte das gedacht? Aber ich finde das toll. Ich freu mich für die beiden, besonders für Jake. Nach allem, was er durchgemacht hat, kann er endlich ein normales Leben führen."

Jill legte ihren Kopf wieder an Chris´ Schulter.

„Ich wünschte, ich… hätte mehr für ihn tun können", sagte Chris etwas betrübt.

„Das verstehe ich", meinte Jill. „Aber… ich glaube, du hast schon viel für Jake getan. Du hast dich für ihn eingesetzt und du hast dich ihm gestellt, all seinen Fragen und…"

„Ja, ja, schon, aber… Auch wenn wir alle wissen, dass es keinen anderen Weg gab, als Wesker letzten Endes zu vernichten… Es war hart, Jake zu sehen… und vor allem, einen jungen Menschen zu sehen… der… vom Leben schon so gezeichnet war. Er hat viel durchgemacht und… es ist mit Sicherheit nicht leicht für ihn, seinen Vater niemals kennenlernen zu können… und noch dazu akzeptieren zu müssen, dass sein Vater ein Irrer war, der die Welt zerstören wollte. Und deswegen muss er ja noch allerhand Scherereien in Kauf nehmen."

„Ja, ich weiß", sagte Jill. „Obwohl ich finde, dass er sehr souverän damit umgeht. Er ist jung, aber… sehr reif und erwachsen. Er tut mir Leid wegen dieser schweren Bürde, die er immer tragen wird müssen, aber… Es ist beeindruckend, wie er das meistert. Er sieht nach vorne, Chris. In die Zukunft."

„Ja. Das ist wahr."


Gegen Mittag wurden Chris und Jill unsanft aus dem Schlaf gerissen, als das Flugzeug allmählich in den Sinkflug ging. Ein Soldat aus ihrem Team hatte gerade mit dem Piloten gesprochen und wies sie darauf hin, dass sie in einer halben Stunde landen würde. Chris nickte und er und Jill suchten ihre Ausrüstung zusammen.

Tropische Hitze schlug ihnen entgegen, als sie aus dem Flugzeug ausstiegen und die Sonne blendete sie. Auf dem Rollfeld wurden sie bereits von einer Gruppe Soldaten und B.S.A.A.- Agenten erwartet.

„Chris! Jill!" Eine Frau löste sich von der Gruppe.

„Sheva."

Sheva Alomar hatte sich kaum verändert, seit Chris und Jill sie zuletzt bei ihrer Mission in Kijuju gesehen hatten. Nur ihre Haare trug sie jetzt kurz. Sie war in eine Uniform gekleidet, an ihrem Gürtel waren ein Funkgerät, sowie eine Pistole und ein Kampfmesser befestigt.

„Es freut mich so, euch mal wiederzusehen!", sagte sie fröhlich, schüttelte Chris die Hand und umarmte Jill. „Ihr seht gut aus. Nachträglich alles Gute zu eurer Hochzeit!"

„Danke", sagte Chris etwas verlegen. „Wie geht's dir, Sheva? Wir haben uns lange nicht gesprochen."

„Ja, tut mir Leid, es war viel Arbeit, die ganzen Schäden durch die Plagas und Uroborus zu beseitigen. Mittlerweile aber ist alles wieder beim Alten."

„Was macht Josh?", wollte Jill wissen.

„Er ist auf einer Mission, deshalb ist er nicht hier. Ich bin jetzt Captain und habe mein eigenes Team."

„Das ist toll, aber sag… Wer sind die anderen Leute? Die gehören nicht zu uns…", fragte Chris etwas beunruhigt, als sein Blick über die versammelte Menge schweifte. Neben den B.S.A.A.- Agenten waren noch Soldaten, unschwer zu erkennen, aus dem kongolesischen Militär anwesend. Sie waren alle mit Maschinenpistolen ausgerüstet und ihre Gesichter verrieten, dass sie über die Ankunft der Amerikaner nicht erfreut waren.

„Das erklär ich euch auf dem Weg. Gehen wir zu den Fahrzeugen."


Die Straße war holprig, ein bloßer Schotterweg, der sie durch den Regenwald führte. Chris und Jill saßen im hinteren Teil des Jeeps, während Sheva und ein Mann der Regierung vorne waren. Der General saß am Steuer.

„Warum begleitet uns die Regierung?", fragte Chris. „Wenn ich offen sprechen darf… Trauen Sie der B.S.A.A. nicht?"

„Wir sind hier im Ostkongo, Chris. In diesem Gebiet bekämpfen sich Rebellen und Terrormilizen seit Jahren. Deswegen ist das Gebiet sehr gefährlich vor allem für Ausländer. Präsident Kabila hat das gesamte Gebiet um den Ausbruch des neuen Virus zu einer Sperrzone erklärt, bis wir Näheres wissen und die Gefahr einschätzen können. Die Regierung hat eine Untersuchungskommission eingerichtet und das Militär beauftragt, die Lage zu sichern und unter Kontrolle zu bringen. Nachdem sich die Rebellen seit Jahren der Regierung widersetzen, lag der Fall für die Kongolesen klar: Der Virusangriff war ein Terroranschlag von denen. Das Parlament hat angeordnet, dass das Militär die Lage… regeln soll. Ja und zugegeben, natürlich sehen es hier viele nicht so gern, wenn sich die Amerikaner irgendwo einmischen."

„Hm… Gibt es dafür irgendwelche Beweise? Ich meine, dass diese Rebellen dahinterstecken. Was ist mit NeoUmbrella oder der Familie?", fragte Chris.

Sheva zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass man das in Betracht gezogen hat." Sie warf dem Soldat neben sich einen Blick von der Seite zu. „Wir werden sehen. Ah, da vorne ist es."

Ihr Konvoi verlangsamte sich, als sie eine Straßensperre erreichten. Ein Mann in Uniform mit einer AK- 47 trat an die Fahrerseite ihres Fahrzeuges. Ihr Fahrer ließ das Fenster herunter und zeigte ihm seinen Ausweis. Sie wechselten ein paar Worte auf Französisch, die Chris und Jill nicht verstehen konnten, dann nickten sie und sie durften ihre Fahrt fortsetzen.

„OK, wir sind jetzt im gesperrten Gebiet. Haltet die Augen offen."

Sie folgten der Straße weiter. Kleine einfache Hütten zogen an ihren vorbei und der Wind wehte Staub und Sand über die Straße. Chris und Jill sahen durch die Fenster nach draußen, aber konnten nichts erkennen. Sie sahen keinen Menschen. Die Hütten am Straßenrand waren verlassen, manche waren beschädigt und hatten keine Dächer mehr. Verendete Rinder, halb verwest, säumten ihren Weg.

Nach vielleicht 30 Kilometern führte sie die Straße durch eine größere Siedlung, einer kleinen Stadt nicht unähnlich. Die Häuser bestanden aus Stein, manche hatten Dächer aus Wellblechen. Sie sahen zahlreiche Geschäfte. In der Mitte des Ortes befand sich ein Marktplatz, wo Stände aufgebaut waren. Alles ähnelte einer Geisterstadt, wenn nicht…

„Was zum Teufel?!", murmelte Sheva. Der Mann am Steuer neben ihr sprach in schnellem Französisch etwas, dann holte er sein Funkgerät heraus und sprach hinein.

Auch Chris und Jil sahen es. Auf dem Marktplatz zwischen den Ständen lagen dutzende von Leichen. Menschen- und Tierkörper. Die Fahrzeuge kamen sogleich zum Stehen und alle stiegen mit erhobenen Waffen aus. Ein unermesslicher Gestank nach Verwesung lag in der Luft.

„Durchsucht das Gelände! Aber seit vorsichtig, wir wissen nicht, was hier sonst noch ist!", wies Chris sein Team an und die Soldaten schwärmten aus. Das Militär tat dasselbe. Sie nahmen sich ringsum die Häuser vor, während Chris, Jill, Sheva und der Befehlshaber des Militärs sich langsam mit erhobenen Pistolen den Kadavern näherten.

Abertausende Fliegen hatten sich um die Körper gescharrt und ein konstantes Summen lag in der Luft. Auch Vögel labten sich an den Fleischresten. Die Tiere stiegen in einem Schwarm auf, als sich die Menschen näherten. Der Gestank war unerträglich und raubte ihnen die Luft zum Atmen.

„Was ist denn hier passiert?", fragte Jill entsetzt und deutete auf die Körper.

Die toten Männer und Frauen, die zwischen den Marktständen verteilt über den Platz verstreut lagen, waren alle wie ausgedörrt, sodass man ihre Knochen sehen konnte. Hitze, Verwesung und Tiere hatten ihren Teil dazu beigetragen. Zwischen dem verrottendem Fleisch tummelten sich dicke, fette Maden und Käfer. Ihre Gesichter waren entstellt, weil sich ihre Unterkiefer mittig geteilt hatten. Sie alle hatten mutierte Gebisse mit scharfen Zähnen. Die Rinder und Ziegen hatten alle Bisswunden am Hals.

Chris fühlte sich mit Schrecken an Kijuju erinnert.

„Gütiger Gott", murmelte der Kongolese in gebrochenem Englisch mit starkem Akzent. „Was ist hier nur passiert? Hat ein neuer Virus das getan?"

„Chris…", flüsterte Jill.

„Auf jeden Fall sind sie mit irgendwas infiziert. Wir sollten…"

Er wurde unterbrochen, als hinter ihnen ein Schrei und Schüsse ertönten. Sie wirbelten herum und blickten mit Entsetzen auf die Szene die sich ihnen bot. Infizierte waren aus den Häusern auf die Straße gestürmt und versuchten, sich auf die Soldaten und die B.S.A.A- Agenten zu stürzen.

Ein Mann wurde zu Boden geworfen. Der Infizierte versuchte ihn zu beißen. Der Mann schrie verzweifelt. Er hatte nur sein Gewehr, das er als Abwehr benutzen konnte. Das Monster öffnete seine gewaltigen Kiefer und zeigte mit Gebrüll seine scharfen Zähne. Chris zielte und feuerte eine Kugel ab, die das Monster genau in den rechten Rippenbogen traf, sodass es von dem Mann heruntergeschleudert wurde. Dieser rappelte sich hastig auf.

Die anderen Infizierten gingen sofort aggressiv auf die anwesenden Teams los. Sie sahen ähnlich aus wie die Toten. Ihre Haut spannte sich über ihre Knochen, als seien sie völlig ausgetrocknet.

„Macht euch bereit! Feuer!", rief Chris.

Sie schossen und die Kugeln durchdrangen das Fleisch der Infizierten. Sie wurden dadurch verlangsamt oder zurückgeworfen, doch konnte sie Waffengewalt augenscheinlich wenig beeindrucken. Sie feuerten unermüdlich, schafften es aber nur, einige wenige Monster niederzustrecken.

Zwei kamen direkt auf Chris und Jill zu.

„Chris!" Jills Magazin war leer und sie musste nachladen. Sie hatte keine Zeit mehr zu reagieren, so schnell warf sich das Monster auf sie. Sie hatte Glück. Der Schwung war so kraftvoll, dass sie den Infizierten mit den Beinen über sich hinwegheben konnte, doch sie verlor dabei ihre Pistole. Das Monster war schnell zurück auf seinen Füßen und startete einen erneuten Angriff. Diesmal war Jill vorbereitet, wirbelte auf der Stelle herum und versetzte dem Angreifer einen wohlplatzierten Fußtritt gegen die Schläfe. Als das Monster am Boden lag, zog sie ihr Kampfmesser und durchstach seinen Kopf. Es knackte, als sie die kräftigen Kiefer durchbrach. Der Infizierte zuckte einen Moment, dann erschlaffte sein Körper.

Die B.S.A.A. und die Soldaten trafen sich in die Mitte des Marktplatzes, um einen Kreis gegen die Monster zu bilden. Sie feuerten unermüdlich, um die infizierten Bewohner in Schach zu halten.

Chris fiel auf, dass einige der Monster nur noch langsam liefen. Ihre Körper waren so ausgelaugt, dass sie sich kaum aufrecht halten konnten. Sie gingen mit ein paar Kugeln zu Boden und verendeten sofort. Die anderen waren dafür umso aggressiver. Erst der Einsatz mehrere Handgranaten konnte sie schlussendlich aufhalten. Ein paar wurden durch die Explosion auseinandergerissen.

Sie alle waren außer Atem. Sie warteten noch mehrere Minuten mit erhobenen Waffen, ob sich noch mehr Infizierte zeigten. Chris gefiel die gespenstische Stille nicht, die sich wieder über das Dorf gelegt hatte.

„Sieht aus, als wären alle weg", sagte Jill vorsichtig.

Es gab keine Verluste zu beklagen. Nur ein Soldat hatte eine Schnittwunde an der Seite, sonst schienen alle unverletzt.

„Geht's allen gut?", fragte Chris in die Runde.

„Ja, Captain, alles so weit in Ordnung."

„Ja, ich glaub auch", sagte Jill. Ihr Rücken schmerzte von dem abrupten Aufprall auf den harten, trockenen Sandboden.

„Durchsuchen wir nochmal die Häuser. Vielleicht finden wir doch irgendetwas. Aber seid vorsichtig, Männer."

Diesmal gingen Chris, Jill und Sheva voran. Alle Geschäfte und Wohnungen waren völlig verwüstet. Sie fanden noch mehr Leichen von Infizierten. Und jede Menge Blut, das überall in den Häusern verteilt war.

„Ich verstehe das alles nicht, Chris. Das sind keine Zombies wie wir sie kennen", bemerkte Jill. „Wieso sind sie alle tot? Was hat sie getötet?"

„Keine Ahnung, aber… Irgendwas stimmt hier nicht." Chris drehte vorsichtig eine Leiche mit dem Fuß um. Es war eine Frau, die eine Bisswunde am Hals hatte. Auch ihr Gesicht war durch die Infektion entstellt. Chris ging neben ihr in die Hocke und betrachtete ihren Körper.

„Jill? Ist dir etwas aufgefallen?"

„Was meinst du?"

„Alle Leute haben Bisswunden, sogar die Tiere draußen. Und die Monster da draußen, die uns angegriffen haben, haben versucht uns zu beißen. Vielleicht überträgt sich die Seuche so."

Als er sich aufrichtete, sah er durch das Fenster, dass der kongolesische Militär telefonierte. Wahrscheinlich informierte er gerade seine Vorgesetzten.

„Wir sollten O´Brian benachrichtigen", meinte er.

Als sie auf den Platz zurückkamen, kam ein B.S.A.A.- Agent auf sie zu.

„Captain, das sollten sie sich ansehen."

Er reichte Chris ein paar Dokumente. Dieser überflog sie kurz.

„Was steht da?", fragte Jill.

„Offenbar haben wir es mit einer neuen Terrororganisation zu tun."

Er zeigte ihr ein Symbol auf den Papieren. Es war ein runder Kreis, der aus einer Schlange bestand, die sich in den eigenen Schwanz biss. Ein gerader Strich ging horizontal durch die Mitte des Kreises. Von der oberen Hälfte gingen Sonnenstrahlen weg. Um die untere Hälfte der Schlange zog sich der Schriftzug „New Era."

„Wir müssen O´Brian umgehend berichten, was passiert ist. Fahren wir zurück", schlug Chris vor. „Nehmen wir einen der Infizierten mit, um ihn zu untersuchen. Hier gibt es nichts mehr."


Es war später Abend, als das Telefon im Hause Burton klingelte. Alex lag bereits im Bett, konnte aber nicht schlafen. Als sie das Telefon hörte, richtete sie sich auf und schlug die Decke zurück. Sie vernahm Barrys Stimme, also musste er abgehoben haben. Der Wecker, der neben ihrem Bett auf dem Nachttisch stand, zeigte 00:24 Uhr in grünleuchtenden Zahlen. Wenn so spät noch jemand anrief, konnte es nur mit Barrys Arbeit bei der B.S.A.A. zu tun haben. Angespannt lauschte Alex in die Dunkelheit.

„Kein Problem", sagte Barry und meinte damit wahrscheinlich die späte Störung. „Habt ihr was rausgefunden?"

Stille trat ein, als die Person am anderen Ende des Apparats sprach.

„Was?!", fragte Barry. „Ein neuer Virus? Seid ihr sicher? Verdammt!"

Alex konnte nicht verhindern, dass bei der Erwähnung des Virus Natalias Herz anfing zu pochen. Offenbar hatte es irgendwo auf der Welt einen neuen Virusausbruch gegeben. Sie nahm sich vor, in den nächsten Tagen, die Nachrichten zu verfolgen. Ihre Finger krallten sich unfreiwillig vor Wut in ihre Bettdecke. Sie hasste es, keine Kontrolle und keinen Einblick in die Geschehnisse zu haben. Es war unerträglich, nur als kleines Mädchen gesehen zu werden, ohne Zugang zu ihren früheren Verbindungen und Kontakten. Sie lebte mit jemandem aus der B.S.A.A. unter einem Dach und kannte noch andere Agenten aus der Organisation, außerdem hatte sie über Claire Redfield und Moira Burton eine zumindest theoretische Verbindung zu TerraSave, aber all dies war völlig nutzlos, solange sie nichts aus diesen vorteilhaften Umständen machen konnte. Sie merkte, dass Barry es vor ihr vermied, über seine Arbeit zu sprechen und wenn die Freunde der Burtons zu Besuch waren, wurde das Thema Arbeit grundsätzlich nicht angeschnitten. So war sie gezwungen, die Zeitung zu durchforsten oder auf die Berichterstattung im Fernsehen zu hoffen, beides oberflächlich und ungenau, ganz zu schweigen von unzuverlässig, denn es war davon auszugehen, dass sowohl TerraSave als auch die B.S.A.A. etliche Informationen über etwaige Vorkommnisse nicht an die Öffentlichkeit weitergaben.

Früher oder später musste sie daran etwas ändern. Sie hatte schon überlegt, Barry unter einem Vorwand zu seiner Arbeit in der B.S.A.A.- Zentrale zu begleiten und von dort ins das Computernetzwerk einzudringen, allerdings hatte sie den Plan schnell verworfen. Es war deutlich zu riskant und sie konnte ihre Tarnung nicht gefährden, noch nicht. Dafür war es zu früh.

Sie lauschte weiter auf das Gespräch unten, aber viel mehr wurde nicht gesagt. Sie konnte entfernt, Kathys Stimme hören. Vermutlich war sie vom Klingeln des Telefons wach geworden.

„Was ist denn los?", fragte sie.

„Ich muss morgen ins Büro. Chris und Jill sind zurück aus Afrika und es gibt schlechte Nachrichten. O´Brian hat ein Meeting angesetzt."

„Ausgerechnet morgen. Du hast Natalia versprochen, mit ihr die Ausstellung zu besuchen."

„Ja, ich weiß", seufzte Barry. „Ich werde morgen mit ihr reden. Wir müssen unseren Ausflug offensichtlich verschieben."

Das Gespräch erstarb. Alex konnte Personen auf der Treppe hören. Die Burtons kamen nach oben und gingen zu Bett. Der schmale helle Lichtstreifen unter ihrer Tür wurde dunkel.

Alex überlegte. Ihr Drang, endlich wieder Herr der Lage zu werden, war stark, zu stark. In ihrem Inneren brodelte es. Sie dachte kurz nach und entwickelte einen Plan. Ihr Mund verzog sich zu einem Grinsen. Vielleicht gab es ja doch eine Möglichkeit, wie sie an Informationen herankommen konnte.

Dann holte sie ihr Laptop, steckte einen USB- Stick an und begann zu tippen.