Ich hab versucht, so ziemlich aus jedermanns Sicht zumindest einmal zu schreiben (was sich je nach Situation am besten geeignet hat), aber ob ich Ruffy irgendwann hinkrieg... steht noch in den Sternen. Er ist mir einfach zu dumm o_O XD


Ärger mit Frage 14

Lysops Part:

»40. Spielen Sie mit Matchbox-Autos?«

Oh Mann, natürlich! Was für eine überflüssige Frage sollte das denn sein?

Ich machte mein letztes Häkchen in das letzte Kästchen, dann stand ich vom Boden auf.

»Endlich fertig«, verkündete ich begeistert, »Jetzt können wir vergleichen!«

»Neiin! Das ist doch geheim, Lysop! Das darf nur Chopper lesen.«

Ruffy drückte die Blätter mit beiden Armen an sich, so dass nichts mehr davon zu sehen war. Sie konnten einem fast Leid tun, da es sich vom Hören her mindestens um Zerknitterungs-Grad 8 handeln musste.

»Lass mich nur ganz kurz sehen...«, bettelte ich.

Aber da war nichts zu machen. Stattdessen erwiderte Ruffy mit einem breiten Grinsen: »Nee, du willst doch bloß wieder spicken; das kenn ich schon.«

»Hä, warum sollte ich?«

»Na, weil ich ganz sicher volle Punktzahl hab!«, rief er triumphierend, während Nami einen Meter hinter mir sich genervt die Hand gegen die Stirn schlug.

»Mir geht es doch auch gar nicht um irgendwelche Punkte«, entgegnete ich, »Ich will nur sehen, was wir alles gleich angekreuzt...«

»Boah!«, kam es da von Ruffy und sein Grinsen wurde etwas Fassungsloses, »Du hast ja immer noch meinen Kugelschreiber!«

Beide starrten wir auf den Stift, den ich mir vorhin so wacker erkämpft hatte. Ganz konzentriert, so als ob sich alleine dadurch entscheiden würde, wer ihn letztendlich behalten durfte.

Kein Wunder, dass wir den generell gaunerhaft herumschleichenden Sanji viel zu spät bemerkten.

»Da ist er ja«, murmelte er und zupfte sich den Kugelschreiber mal eben im Vorbeigehen aus meiner Hand, »Und ich dachte, ich hätte ihn versehentlich weggeworfen. Ulkig, was?«

Lässigen Schrittes ging er an Frankie vorbei und stopfte meine Errungenschaft von vor zwei Stunden in seine Hemdstasche. Ruffy und ich glotzten wie versteinert hinterher.

Aus der Traum... Hat wohl nicht sollen sein.

Niedergeschlagen ließ ich den Kopf hängen. Noch nicht einmal einen Stift durfte man hier sein Eigentum nennen.

»Wo ich gerade von ulkig rede...«, fügte Sanji da hinzu und blieb stehen, »Hat eigentlich irgendjemand von euch Frage 14 mit ja beantwortet?«

War ja klar, dass ausgerechnet unser alter Weiberheld das wahnsinnig witzig fand.

Aber bevor jemand sonst etwas sagen konnte, krakeelte Ruffy: »Wir sind uns alle sicher, dass es Ace war! Nicht wahr?!«

Feixend schielte er zu seinem Bruder hinüber, der gerade in einem sehr hässlichen Rotton anlief. Biss sich grandios mit seinem Hut.

»Wie oft soll ich es euch noch sagen?! Ich bin nicht schwul!«, brüllte er endlich und schritt zornig über das Deck auf Sanji zu, der mit einer hochgezogenen Augenbraue dastand.

»Da, bitte! Hier steht es schwarz auf weiß! Ich hab nein angekreuzt!«

Wie zur Bestätigung hielt er Sanji das entsprechende Blatt unter die Nase. Ruffy machte einen langen Hals und glotzte mit hinein.

»Also sowas, Ace«, sagte er laut, »Ich wusste noch gar nicht, dass du Pferde-Sticker sammelst.«

»Was?! Wo siehst du denn da...?!«

Das wäre mir aber auch neu...

»Mann, Ruffy!«

Im nächsten Moment kugelte Ruffy auch schon lachend über den Boden, während Ace vor lauter Wut wie gelähmt dastand. Na, den hatte er ja mal gut reingelegt.

»Hi, hi, hi, Pferde-Sticker!«, gackerte ich mit, »Wie du überhaupt auf die Idee kommst!?«

Fast hätte ich nicht mehr zu lachen aufhören können, beim Anblick von Ace' Gesicht, welches alle Facetten von Verwirrtheit bis hin zu schwelendem Zorn widerspiegelte. Ihn musste der ganze heutige Nachmittag regelrecht aus der Fassung gebracht haben.

»Komm mal wieder ein bisschen runter und nimm's nicht so tragisch«, meinte Sanji da und schlug ihm aufmunternd auf den Rücken, »Du wirst dich doch nicht von ein paar albernen Kleinkinderwitzen auf die Palme bringen lassen?«

Mit seinem typisch schleimig-selbstgefälligen Lächeln warf er die Überreste seiner Zigarette ins Meer. Nur, um sich daraufhin eine neue anzustecken. Dann setzte er hinzu: »Übrigens: Was dagegen, wenn ich die Tests zu Chopper bringe?«

Ace schüttelte nur den Kopf, während es uns anderen eigentlich egal war. Solange nicht gerade ich derjenige war, der die blöden Dinger einsammeln musste, war mir alles Recht.

Immer noch leicht grinsend reichte ich Sanji meine Blätter, dann wandte ich mich wieder Ruffy zu, um gemeinsam mit ihm Ace weiter aufzuziehen. Dieses Vorhaben wurde allerdings von einer ganz anderen, sehr viel peinlicheren Aktion unterbrochen.

»Namilein! Robinchen!«

Eigentlich brauchte ich gar nicht hinzusehen, um mir auszumalen, was da gerade vor sich ging. Aber natürlich tat ich es trotzdem.

Uhh... als Kumpel mag er ja nett sein, aber so... Diese Augen! Ob das wohl weh tut?

Mir diese Frage nicht zum ersten Mal stellend sah ich nun also zu, wie Sanji um die beiden armen Frauen herumschwirrte. Es schien ihnen genauso lästig zu sein wie ich vermutete, selbst wenn ich mir bei Robins Gesichtsausdrücken nie vollkommen sicher war, was sie bedeuteten.

»Euer Lieblings-Koch ist da und bittet herzlichst um eure Tehests!«, Süßholz-raspelte Sanji weiter, wobei er einem brünstigen Nilpferd nicht ganz unähnlich sah. Wie einer so eine Grimasse schneiden und ernsthaft erwarten konnte, dass die Frauen das toll fanden?

In diesem Moment hörte ich Ruffy neben mir scharf Luft holen.

Au weia, das gibt gleich wieder Ärger. An Sanjis Stelle würde ich ja...

»Hör sofort auf, meine Freundin anzubaggern!«

RUMMS!

Er hatte es übertrieben. Klar, dass nur zwei Fäuste – eine aus Gummi, die andere aus Eisen – ihn zur Vernunft bringen konnten.

»Wie oft haben wir dir eigentlich schon gesagt, dass du sie in Ruhe lassen sollst!?«, schrie Frankie ihn an, wie er verdattert am Boden saß; ein kleines Häuflein Elend, das haargenauso aussah wie ich mich bisweilen fühlte.

»Aber nein!«, wetterte Frankie ungerührt weiter, »Der möchtegern-Playboy hat nichts Besseres im Kopf als...!«

»Schatz, jetzt reicht es dann aber wieder. Er hat doch gar nichts getan.«

Eine von Robins vielen Händen tauchte auf und strich Frankie beruhigend übers Gesicht. Was ausreichte, um ihn zahm wie ein Kaninchen werden zu lassen.

»Er soll bloß seine Finger von Nami und Robin lassen«, erklärte Ruffy, der die vollkommen verdutzte Nami an sich quetschte.

Aha. Eindeutig. Zerknitterungs-Grad 10.

»Meinetwegen«, murmelte Sanji verächtlich und erhob sich, in der einen Hand die Tests, »Von mir aus. Wie ihr wollt. Ich geh Chopper die hier bringen.«

Und er ging. Wie ein (heute schon zum zweiten Mal) geschlagener Hund, der sich seinen gebrochenen Stolz allerdings kaum anmerken ließ.


Zorros Part:

Gerade als ich die Hand nach der Türklinke ausstreckte, bewegte sich diese wie von selbst und die Tür schwang auf. Dass da draußen, direkt vor mir, ein gelangweilter Koch stand, besserte nach Choppers peinlicher Fragerei meine Laune allerdings nicht besonders. Im Gegenteil.

»Na, auch schon fertig, Analphabet?«

»Hör endlich damit auf, du schmieriger Schaumschläger!«

Ich hatte doch gerade gar keine Zeit zum Streiten. Nicht, nachdem mich da ein ganz bestimmter Gedanke nicht mehr losließ. Und an allem war Chopper Schuld!

Aber auch der Koch schien nicht allzu erpicht darauf zu sein, sich erneut mit mir anzulegen.

»Schaumschläger?«, er sah mich geringschätzig an, »Etwas Besseres hast du nicht zu bieten, nein?«

»Ach, halt du einfach dein Maul! Ich geh trainieren!«

Damit schob ich mich wutschnaubend an ihm vorbei. Sollte er doch in seiner Küche versauern!

Die anderen schenkten mir nicht viel Beachtung, als ich an ihnen vorbeistiefelte, auf der Suche nach meinen Gewichten. Sie waren viel zu beschäftigt mit Ace, der angeblich irgendetwas Komisches angekreuzt hatte.

Kinderkram. Wenn das ihre größten Sorgen sind, haben sie's ja eh noch gut getroffen.

Ich hingegen hatte ein viel größeres Problem: Choppers Frage 14. Er hatte mich nur gehen lassen, nachdem ich ihm hoch und heilig versprochen hatte, darüber nachzudenken und sie später zu beantworten.

Also, Zorro, überlegte ich, während ich langsam dahinschritt, bist du schwul oder nicht?

Eine Frage, über die ich mir in meinem ganzen Leben noch nie den Kopf zerbrochen hatte. Liebe war für mich kein allzu großes Thema; und würde es auch nie werden. Das fiel ungefähr unter dieselbe Kategorie wie Lesen können oder Straßenkarten. Alles vollkommen unnützer Plunder, den niemand brauchte. Man schlug sich ja auch so durch.

Trotzdem will Chopper das wissen. Wie kann er gerade bei unwichtigen Dingen so hartnäckig sein?

Ich seufzte auf. Es hatte keinen Zweck, es lange hinauszuschieben; umso früher ich ernsthaft nachdachte, desto schneller würde ich alles hinter mir haben. Aber womit fing man da am Besten an?

Liebe ist doch, wenn man jemanden hübsch findet. So wie Frankie Robin. Oder Ruffy Nami.

Während das erste jedoch noch halbwegs verständlich war, führte kein Weg daran vorbei, dass Ruffy unter argen Geschmacksverirrungen litt. Was war an Nami schon hübsch? Die dünnen Stelzen etwa? Der Kopf, der aussah als hätte Ace ihn angezündet? Ihr mieser Blick, wenn sie Schulden eintrieb?

Nein, allein gutes Aussehen schien wohl noch lange nicht die große Liebe auszumachen.

Ist aber schon mal ein guter Anfang, kam es mir da, ich soll schließlich nur herausfinden, ob ich generell eher auf Frauen oder auf Männer stehe. Von Liebe war gar nicht die Rede.

Jedoch war es nicht einfach, bei mir in dieser Hinsicht eine Verallgemeinerung zu finden. Zwar war ich mir sicher, dass weder Nami noch Robin für mich in Frage kämen, aber selbst wenn ich an die anderen dachte, fiel es mir schwer, zu sagen, ob sie attraktiv waren oder nicht.

Chopper und Lysop stehen sowieso nicht zur Debatte, Frankie ist ein hässlicher Schrank, Ruffy erinnert mich an ein Kind und Ace... hat Sommersprossen. Sieht doof aus.

Blieb nur noch der Koch.

Na gut, ich musste zugeben: Bevor ich ihn näher kennen gelernt hatte, war mir der seltsame Gedanke durch den Kopf gegangen, dass ich einem besser aussehenden Mann noch nie zuvor begegnet war.

Ich werd doch nicht tatsächlich schwul sein?

Nachdenklich betrat ich die Küche, wobei ich gar nicht wirklich realisierte, dass ich einmal das ganze Schiffsdeck umrundet hatte und wieder am Ausgangspunkt angelangt war.

Chopper war verschwunden; höchstwahrscheinlich irgendwo hin, wo er ungestört die Tests auswerten konnte – der Frachtraum oder so. Am Herd hingegen stand der Koch und hackte auf etwas ein, das verdächtig nach Zwiebeln aussah. Zu schade, dass er mir den Rücken zugewandt hatte. Immerhin wusste man ja um die Tränen treibende Wirkung dieses Höllengemüses bescheid. Und ein heulender Koch... wäre beinahe eine Party wert.

Was es da wohl zum Abendessen gibt? Zwiebelsuppe?

Ich ging auf den Geschirrschrank zu, immer noch in Gedanken an den Koch versunken, der meiner Meinung nach viel zu gut aussah für seinen miesen Charakter. Aber nur weil der einzige Attraktive auf diesem Schiff ein Kerl war, konnte man mich doch nicht gleich als schwul abstempeln, oder?

Mal überlegen: Hab ich sonst schon mal irgendwo eine Frau getroffen, die ich als hübsch bezeichnen könnte?

Wohl eher nicht. Alles, was Frauen mit sich brachten, war Ärger. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir auch weder Nami noch Robin mitgenommen. So einfach war das.

Aber heißt das dann...?

Tief in meine Überlegungen versunken zog ich die Schranktür auf. Ohne mir über die Konsequenzen im Klaren zu sein.

RUMMS! KRACH! SCHEPPER! KLIRR!

Ein wahrer Geschirrhagel ergoss sich über mich und etliche Töpfe und Pfannen landeten rings um mich her auf dem Boden. Das Nudelholz sauste haarscharf an meinem rechten Ohr vorbei, nur um dann einige Tassen zu zerschlagen. Hinterher flog die große Salatschüssel und verschluckte mich beinahe.

»Oh.«

Das war mein einziger, dumpfer Kommentar dazu. Der Koch hingegen sah das völlig anders.

»Sag mal, Marimo, hast du noch alle Tassen im Schrank!?«

»Ich schon«, erwiderte ich und nahm die Schüssel ab, »Aber du wohl nicht mehr, wenn ich mir das hier so ansehe...«

Amüsiert blickte ich den fassungslos dreinglotzenden Koch an. Das war die gerechte Strafe für seine Überheblichkeit vorhin.

»Du, du...!«, zornig knallte er das Messer auf die Anrichte, »Was hattest du da drin überhaupt zu suchen, du Hohlkopf?!«

Ja, was eigentlich...?

»Meine Hanteln natürlich!«, brüllte ich zurück, »Was sonst?!«

»Deine Hanteln?«, er sah mich schräg an, »Im Geschirrschrank?«

»Ja, Mann! Weiß ich doch nicht, wo ich die wieder hingelegt hab! Außerdem kann ich gar nichts dafür, wenn dein doofer Schrank zu klein ist und einem gleich alles entgegenfällt, wenn man ihn kurz mal aufmacht!«

»Ach, und ich soll was dafür können?! Ich sag doch schon ewig, dass da ein neuer hin muss! Aber nein – es ist ja zu wenig Platz!«

»Dann zieh doch aus, Koch! Dich braucht hier eh keiner!«

»Ach, hau du doch ab!«, fauchte er zurück, »Bevor ich dir den Lageplan vom Schiff ans Hirn nageln muss!«

»Das tu ich auch! Aber bloß, weil man sich eine Vergiftung einfängt, wenn man sich zu lange mit dir in einem Raum aufhält!«

Wütend stapfte ich auf die Tür zu. Der blöde Koch hatte es mal wieder geschafft, mir meine Laune endgültig zu ruinieren. Während ich jedoch die Tür aufmachte, hörte ich ihn hinter mir noch schimpfen: »Und wer darf das jetzt wieder alles aufräumen, verdammt?!«

»Na, ist doch klar«, stichelte ich gekonnt weiter, »Immer der, der fragt.«

Ein wutschnaubendes Aufheulen sagte mir, dass ich die Lage überstrapaziert hatte.

Weshalb ich mich auch kaum wunderte, dass ich auf einmal draußen vor der Küchentür saß und diese mit lautem Krachen ins Schloss fiel.

»Na gut, Koch«, murmelte ich wütend in mich hinein, »Für heute steht es eins zu eins, aber morgen...! Morgen kriegst du dein Fett weg, das schwör ich dir!«

Rasch stand ich vom Boden auf, damit mir die Peinlichkeit erspart blieb, so von jemandem gefunden zu werden. Immerhin war aus der Küche gestiefelt zu werden kein gerade ruhmreicher Abgang.

Ich hatte doch über irgendetwas nachgedacht, fiel es mir plötzlich wieder ein, als ich die Suche nach meinen Gewichten fortsetzte, Hatte mit Frauen zu tun, oder...?

»Da! Direkt vor uns! Eine Insel!«

Lysops aufgeregter Schrei ließ mich das Thema sofort wieder vergessen. Vielleicht würde ich Choppers Frage erst heute Abend beantworten. Zumindest gab es gerade Wichtigeres für mich zu tun, als mir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob ich schwul war.


Choppers Part:

Ich hörte noch, wie Ruffy zeternd und zerrend von Nami davon abgehalten wurde, die Insel sofort auf eigene Faust zu erkunden. Dann eifriges Getrappel und schließlich nahm ich an, dass sie alle an Land gegangen waren.

Und mich lassen sie wieder mit den Schiff alleine. Das sieht ihnen ähnlich.

Obwohl... Sanji musste auch hiergeblieben sein. Um diese Zeit kochte er meistens Abendessen.

Also fuhr ich in aller Seelenruhe damit fort, die Untersuchungstest auszuwerten. Die Insel konnte ich mir ja auch noch Morgen ansehen.

Ja, ja... Sanji, dieses Schlitzohr. Meint noch zu mir, ich soll mir seinen Test für den Schluss aufheben, weil der angeblich der lustigste ist.

Nun, er konnte ja nicht wissen, dass ich für gewöhnlich Frage nach Frage beantwortete, und nicht jeden Test einzeln. Außerdem war ich mir sicher, dass nichts und niemand Ruffys Antwort auf Nummer 5 toppen konnte; er hatte einfach einen dicken, fetten Smiley auf das Papier gemalt. Als ich das gesehen hatte, wäre ich vor Lachen beinahe von der Obstkiste gefallen, die mir als Hocker diente.

»13. Sind Sie abergläubisch?«

Ich hatte die Zahl einfach passend für die Frage befunden. Außerdem wusste ich dann, welchem meiner Patienten ich mit Mondphasen, Horoskopen und Glücksbringern ihre ach-so-schweren Gebrechen austreiben konnte. Ich machte mir der Reihe nach Häkchen in meine Liste, so wie ich die Fragebögen vor mir liegen hatte: Ace – nein; Ruffy – nein; Lysop – ja (irgendwie war das zu erwarten gewesen); Frankie – nein; Nami – nein; Robin – ja (irgendwie passend, wenn auch eher eine Überraschung für mich); Zorro – nein; Sanji – ja (der auch? Meine Güte...).

Schon wieder um ein Eckchen schlauer machte ich mir einige Randnotizen, dann ging es weiter mit der nächsten Frage.

Ha, ha, endlich! Auf die Scherzfrage hab ich mich schon die ganze Zeit gefreut!

Meistens kamen dort die lustigsten Antworten zu Tage. Und da ich die diesjährige für brillant hielt, war doch der eine oder andere Lacher vorprogrammiert.

Ace – nein (ziemlich energisch, als ob er sauer gewesen wäre); Ruffy – nein (auch, wenn man dieses kaum mehr lesen konnte); Lysop – nein; Frankie – durchgestrichen; Nami – nein; Robin – nein (mit einem geheimnisvollen »Du traust dich...« dahinter); Zorro – immer noch ungeklärt; Sanji – ja.

Okay, das war's dann. Ich hatte mir das lustiger vorge... HALT!

Hektisch kramte ich noch einmal Sanjis Test hervor. Ich war sicherlich in der Zeile verrutscht. Doch als ich Frage 14 erneut inspizierte, fühlte ich einen dicken, kalten Kloß meinen Hals hinunterrutschen. Dort war tatsächlich ein Häkchen neben dem »Ja«.

Schweiß perlte meine Stirn hinab. War das ein Scherz? Unaufmerksamkeit? Wollte er mich verarschen?

Schließlich hielt ich es nicht mehr länger aus.

»SANJIII!«

Ich brüllte so laut, dass man es bis in die Küche hinaufhören musste. Dann wartete ich; mit zitternden Hufen und der stummen Bitte, Sanji möge doch bloß einen dummen Witz gemacht haben. Er musste! Immerhin handelte es sich hier um unseren Weiberhelden!

»Ist was, Chopper? Hast du mich gerufen?«

Voll sorgloser Neugierde lugte er in den Frachtraum herein. Wenn er tatsächlich ernst meinte, was er angekreuzt hatte, dann verhielt er sich ziemlich dreist. Schließlich konnte er sich doch denken, wie mir gerade zu Mute war, oder?

»Komm sofort hierher!«, befahl ich mit wackeliger Stimme.

»Warum? Stimmt was nicht mit meinem Test oder...?«

»Komm einfach hierher!«

Er tat wie verlangt und blieb schließlich vor meinem provisorischen Obstkisten-Tisch stehen. In der einen Hand hielt er immer noch den Kochlöffel, der fürchterlich nach Zwiebeln stank, und die andere hatte er in seiner Hosentasche vergraben. Die Hosentasche, die hinter der rosa Schürze kaum zu sehen war.

Rosa Schürze? Au weh! Jetzt, wo ich ihn so direkt vor mir hatte, kam mir der Gedanke, er könne schwul sein, gar nicht mehr so abwegig vor. Nichtsdestotrotz holte ich tief Luft, um mich der ganzen Sache zu vergewissern.

»Was soll das?«, fragte ich vorwurfsvoll und hielt ihm seinen Test entgegen. Er besah ihn eine Weile mit hochgezogener Augenbraue und beinahe hätte er wohl einen seiner lässigen Kommentare dazu abgegeben. Doch gerade als ich schon hatte erleichtert aufatmen wollen, verfinsterte sich seine Miene.

»Das fragst du mich?«, erwiderte er herausfordernd, »Hätte ich nicht viel eher einen Grund dazu?«

»Wie?!«

»Warst ja nicht du derjenige, der zuerst den Schock seines Lebens kriegt und sich dann auch noch bei so 'nem blöden Test outen muss.«

Nicht echt jetzt, oder?!

»Du... du... meinst das wirklich ernst? Das war gar kein Scherz?«

Fassungslos starrte ich Sanji an, wobei ich immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben hatte, er könne im nächsten Moment lachend seinen kleinen Spaß aufdecken.

Tat er aber nicht. Zwar lachte er tatsächlich, aber besonders fröhlich hörte es sich nicht an.

»Ein Scherz?«, fragte er, »Ein Scherz?! Chopper! Wer hat denn gesagt, wir sollen alle Fragen ehrlich beantworten!?«

»Ich, aber...!«

Mir standen schon die Tränen in den Augen. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass es hier jemanden gab, für den die Scherzfrage alles andere als ein Scherz war?

»Sanji!«, wimmerte ich, »Das kann doch nicht dein Ernst sein!«

»So, meinst du?«

»Warum du? Warum ausgerechnet du? Du hast doch sonst immer...«

»Schon mal auf den Gedanken gekommen«, unterbrach er mich unwirsch, »Dass ich es einfach geheim halten wollte? Ewig und drei Tage Theater spielen ist nämlich bei weitem einfacher, als sich ständig aufs Neue behaupten zu müssen. Was glaubst du außerdem, wie sich meine Lage verkomplizieren würde, wenn die anderen das plötzlich herausfänden und auch nur halb so schockiert reagieren würden wie du?«

Mit stechendem Blick sah er mich an. Natürlich war mir klar, dass ich ihn in große Schwierigkeiten bringen konnte, wenn ich nicht vorsichtig war. Aber er musste doch auch meine Lage verstehen.

»T-tut m-mir Leid«, schniefte ich, »I-ich konnte ja auch nicht ahnen...«

»Wehe, du sagst es weiter!«, fuhr er mich da plötzlich an. Ich zuckte zusammen und schüttelte rasch den Kopf.

»N-nein. Ganz bestimmt n-nicht.«

»Na dann...«

Er wandte sich zum Gehen. Doch, tatsächlich, er wollte mich hier mit meiner fürchterlichen Entdeckung alleine lassen! Obwohl er an allem Schuld war!

»Ich warne dich!«, zischte er noch, bevor er vollends verschwand, »Nur ein einziger Ausrutscher und du kannst dir meinen Herd von innen ansehen!«

Das war deutlich.

Noch eine ganze Weile starrte ich den vermaledeiten Test an. Wenn der nicht gewesen wäre, dann...

»...hätte ich auch niemals herausgefunden, dass Sanji gar nicht der ist, für den er sich ausgibt«, murmelte ich. Und als hätte ich noch nicht genug Ärger gehabt, fiel mir genau in diesem Augenblick Zorro wieder ein. Der andere Stoffel, der auf Frage 14 überhaupt keine Antwort hatte.

Hätte ich die blöde Frage doch von Anfang an gar nicht gestellt!

Verzweifelt schüttelte ich den Kopf, dann brach ich wieder in Tränen aus. Das war einfach zu viel für ein Rentier wie mich.


Robins Part:

Die Insel war nicht besonders groß, wie ich nach einer guten halben Stunde feststellte. Außerdem schien sie vollkommen unbewohnt zu sein, nur bedeckt von einem tiefen, im Abendlicht der Frühlingssonne getränkten Laubwald. Selbstverständlich hatte ich zuerst versucht, Frankie dazu zu überreden, mit mir einen Spaziergang zu machen. Aber der hatte sich wohl in den Kopf gesetzt, schneller auf dem höchsten Hügel zu sein als Lysop oder Ruffy. Weshalb ich ihn auch lächelnd seinem Spaß überlassen hatte. Männer mussten sich nun mal austoben, da führte kein Weg daran vorbei. Nami hingegen hatte diesmal Ace als Opfer auserkoren, ihr beim Landvermessen zu helfen. So blieben nur noch ich und Zorro übrig, der schon den ganzen Nachmittag tief in Gedanken versunken wirkte. Zunächst waren wir noch schweigend nebeneinander hergegangen, doch dann war er auf einmal weg gewesen. Na ja, auf so einer kleinen Insel würden wir ihn bestimmt wieder finden, egal wohin es ihn verschlug.

Sehr zufrieden mit mir und der Welt kletterte ich nun wieder auf das Schiff. Ziemlich sicher gab es bald Abendessen. Da konnte ich genausogut die vorherrschende Stille ausnutzen und noch eine Weile lesen.

Vielleicht ausnahmsweise eines von den richtig schweren Büchern...

Noch bevor ich mich für etwas Genaues entschieden hatte, drang dieses Geheul an meine Ohren. Hatte ich gerade eben noch von »vorherrschender Stille« gesprochen?

»Ich fress 'nen Besen, wenn das nicht Chopper ist«, murmelte ich und war auch schon auf dem Weg zum Frachtraum hinunter. Dorthin verzog sich unser Arzt mitunter gerne, wenn er ungestört bleiben wollte.

»Chopper, bist du das?«

Ich stieg die Treppe hinunter. Ob ihm wohl Ruffys Durcheinander auf dem Fragebogen zu viel geworden war? Oder hatte er das Tintenfass umgekippt? Nicht, dass dergleichen nicht schon einmal passiert wäre.

»Ach, Robin...!«

Weiter kam Chopper nicht, ohne vor Lauter Tränen und Schluckauf unverständlich zu werden. Er saß da, auf seiner Bananenkiste, das Gesicht zur Unerkenntlichkeit aufgequollen und ein einzelnes Blatt zwischen seinen Hufen. Es hatte wohl doch eher mit dem Inhalt des Fragebogens zu tun.

»Der Test?«, fragte ich überflüssigerweise und kam näher. Chopper nickte nur, dann schluchzte er: »F-f-frage v-vierz-z-zehn...«

Ich machte die Augen zu und lächelte. Also ob ich es nicht geahnt hätte, dass dieser Spaß keiner werden würde.

»Was ist damit?«, fragte ich weiter und sah Chopper nur ruhig an. Er antwortete nicht gleich. Zuerst begrub er noch sein Gesicht in den Armen, damit ich ihn bloß nicht mehr verstand.

»W-was k-kann ich denn dafü-hür?!«, heulte er seine Kiste voll, »W-wenn d-dieser Idiot j-ja ankreuzen m-m-muss!«

»Jemand hat Frage 14 mit ja angekreuzt? Tatsächlich?«, schlussfolgerte ich, wobei ich nicht vergaß, ein wenig überrascht zu klingen.

»JAHAAAA!«

Und wenn jemand aus irgendeinem befindlichen Grund gesagt hätte, Choppers Heulen wäre bis dahin gar kein richtiges Heulen gewesen, dann hätte er es jetzt mit Sicherheit zurückgenommen. Es hörte sich beinahe an wie ein ganzer Chor plärrender Kleinkinder, denen man ihren Lieblings-Fußball weggenommen hatte.

Ich wartete seelenruhig, bis er sich ein wenig beruhigt hatte, dann meinte ich: »Ist das denn so schlimm? Wenn es nicht gerade Frankie, Ruffy oder Nami waren, ist doch weiter nichts dabei.«

»I-ich d-darf es ni-nicht s-sagen...«, antwortete Chopper, doch mit meinem Hintergrundwissen kombiniert, glich das in diesem Fall sowieso einer Antwort. Zumindest konnte ich davon ausgehen, dass ich mit meiner ursprünglichen Annahme den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

»Nun gut«, lächelte ich und wandte mich zum Gehen, »Dann darfst du es mir eben nicht sagen. Falls ich dir trotzdem irgendwie helfen kann, lass es mich nur wissen.«

Ich schlich von dannen, einen immer noch schniefenden und hicksenden Chopper zurücklassend.

Wie lange die wohl brauchen werden, um herauszufinden, wer es war?, überlegte ich leicht amüsiert und schlug den Weg in die Küche ein.

Als ich dort ankam, entdeckte ich, dass der Hunger die anderen wohl an den Tisch getrieben hatte. Sogar Zorro, der mehr schlief als saß, war anwesend.

»Wo kommst du denn her, Robin?«, fragte Lysop sofort, als ich die Tür hinter mir schloss.

»Chopper«, antwortete ich bloß.

»Was ist mit ihm?«, wollte Nami wissen, während sie gekonnt den (jetzt ganz klar überflüssigerweise) um sie her scharwänzelnden Sanji ausblendete.

»Ach, nichts Besonderes«, sagte ich schulterzuckend und ließ mich zwischen ihr und Frankie nieder, »Angeblich hat jemand Frage 14 mit ja angekreuzt.«

Ärger mit Frage 14 - Ende


Diese Robin! Ach, ich kann sie einfach leiden mit ihrer etwas geheimnisvollen, etwas (scheinbar) sorglosen Art. Nur, was sie den anderen jetzt wieder eingebrockt hat... XD

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