Kapitel 2
-Begegnungen-
Anscheinend leider eine Menge Leute. Die Party war unfassbar langweilig. Praktisch in der Sekunde, in der wir über die Schwelle getreten waren, hatte sich Walburga Black auf uns gestützt und die Zügel in die Hand genommen. Ich konnte diese Frau nicht ausstehen, keine Ahnung, warum. Sie war einfach völlig unsympathisch. Ihr Gatte Orion war in seiner Jugend mal ein ziemlicher Schürzenjäger gewesen, ich wusste wirklich nicht, warum er bei ihr gelandet war. Auf den Bildern, die überall von ihm herumhingen, konnte man sehen, dass er einmal ein sehr schöner Mann gewesen sein musste. Meine Mutter plauderte natürlich ununterbrochen mit Walburga und nach dem zu urteilen, was ich so mitbekam, planten die beiden, wie sie eine meiner Schwestern mit dem kostbaren kleinen Regulus verheiraten könnten. Er sah schon ziemlich gut aus, aber er war gerade mal sechzehn Jahre alt und ging noch zur Schule.
Mein Vater hielt wie üblich eine Ansprache. Er war schon ziemlich betrunken, aber die Zuhörerschaft, die überwiegend aus alten (und mit alten meine ich sehr alte) Zauberern bestand, lauschte ihm gebannt. Aus meiner Altersgruppe waren nur Lucius Malfoy, Narcissa Black, ihre Schwester Bellatrix und Winston Crabbe da. Bella nervte mich schon geraume Zeit mit einer nicht enden wollenden Lobeshymne auf ihre Hochzeit mit Rudolphus Lestrange, die im September stattfinden sollte und erging sich im Detail, welch großes Glück es doch für sie sei, einen so wichtigen und mächtigen Mann zu heiraten. Gähn. Um diese Gesellschaft aushalten zu können, trank ich ziemlich viel von dem Wein und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, als hätte ich angefangen zu schielen.
Zum Glück schlug meine Schwester Serena kurz darauf einen Abstecher in den Löchrigen Kessel vor. Sasha zog eine Schnute, aber sie war zum Glück noch zu jung für Barbesuche. Vielleicht würde sie ja den Abend nutzen können, sich Regulus anzunähren?
„Die werden uns hier wohl kaum vermissen." , meinte Serena als einem entsetzlichen alten Grammphon plötzlich unmoderne Musik entlockt wurde und die älteren Herrschaften sich zum Tanzen anschickten.
So gingen wir also in den Kessel, begleitet von Narcissa und Crabbe. Bella zog es vor, nach Hause zu gehen, wo sie laut ihrer Ankündigung Zeit mit ihrem Verlobten verbringen wollte und Lucius entschuldigte sich mit wichtigen Geschäften, die angeblich keinen Aufschub duldeten.
Die Bar war vollkommen überfüllt und Crabbe ging mir jetzt schon auf die Nerven. In der hintersten Ecke wurde zum Glück gerade ein Tisch frei. Während wir uns den Weg dorthin bahnten, grüßte Serena nach links und nach rechts, sie kannte anscheinend jeden hier.
„Wozu grüßt du die Evans-Kuh?" , ätzte Narcissa plötzlich. Ich unterbrach das Studium der Getränkekarte und sah mir die „Evans-Kuh" an. Sie war eine schlanke und recht hübsche junge Hexe mit dickem roten Haar und einer Augenfarbe, die mich sehr stark an meine eigene erinnerte. Sie wand sich gerade geschickt durch die Menge in Richtung Ausgang. Hinter ihr- unglaublich, aber wahr, ich schwöre, dass mein Herz kurz aussetzte- ging der schönste Mann der Welt. Er war sehr groß und breitschultrig und hatte dickes, tiefschwarzes Haar. Seine Augen schienen mir stahlgrau zu sein und sein Gesicht sah aus wie gemalt. Der Anblick meiner Tischgesellschaft schien bei ihm Verärgerung auszulösen und sein harter Blick streifte mich nur kurz. Auch heute, nach all diesen Jahren, erinnere ich mich genau an das Gefühl, dass sein Anblick in dieser Sekunde in mir ausgelöst hat. Ich guckte rasch in eine andere Richtung.
„Ist es jetzt nicht eine Potter-Kuh?" , blökte Crabbe.
„Bitte?" Ich zog eine Augenbraue hoch. Wovon sprach der Gestörte?
„Ist sie nicht schon mit diesem Bastard verheiratet?"
„Doch, ich glaub schon. Aber ich muss sie halt grüßen. Sie arbeitet in derselben Abteilung wie ich und wenn das so weitergeht mit diesen Schlammblütern wird sie sicher noch mal meine Vorgesetzte." versetzte Serena ziemlich unterkühlt. Ja, eine unsere besten Familieneigenschaften ist sicher der Opportunismus, falls sich jemand wundert.
In der Zwischenzeit waren noch andere Leute zu uns an den Tisch herangetreten.
„Das sind Evan Rosier und Miraculus Flint." stellte Narcissa die Herren stolz vor. Besonders Rosier, der wohl einige Jahre älter war als ich, schien sich spontan in mich verknallt zu haben. Kaum, dass er mich ansah, überkam mich da Gefühl, als entkleidetet er mich vor seinem inneren Auge bereits. Bitte nicht so einer!
„Was macht denn Black hier?" fragte Crabbe die beiden.
Flint zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Sie kamen durch die Hintertür und sind durch die Vordertür wieder raus. Keine Ahnung, was die umtreibt. Vielleicht hat Evans ja kurz im Hof die Beine für Black breit gemacht? Sie ist doch so eine Schlammbluthure und sicher teilen Potty und Blacky sich auch die Huren." Er lachte grob.
„Das bezweifle ich." grinste Rosier. „Black hat schon genug mit seinen eigenen Weibern zu kämpfen. Er hat gerade Delilah Crackell sitzen gelassen, diesen Schlammblut-Abfall. Hat sich wochenlang die Augen aus dem Kopf geheult, die Tante. Er ist halt genauso ein Weiberheld wie sein lieber Vater."
Hört, hört- zugegeben, ich war schon ziemlich enttäuscht. Auf der anderen Seite- was hatte ich erwartet? Von einem Mann, der aussah wie ein junger Gott und gerüchteweise als unruhestiftender Blutsverräter gehandelt wurde?
Ich versuchte, einfach sein zauberhaftes Gesicht wieder zu vergessen und mich an der Diskussion zu beteiligen, aber alles, worüber gesprochen wurde, war wieder dumme Politik. Wie der Dunkle Lord alles über den Haufen werfen würde und alle Reinblütigen zu Macht, Ruhm und Wohlstand verhelfen werde. Ich musste mich arg zusammenreißen, um ein Gähnen zu unterdrücken und gestattete Rosier großzügig, mein Glas nachzufüllen. Es fühlte sich so an, als täte er das ungefähr zum achtundsechzigsten Mal.
Etwas später sagte Narcissa, dass sie und Lucius sich noch in einer anderen Bar in der Nockturngasse treffen wollten. Die anderen wollten sie begleiten, aber ich gab vor, zu müde zu sein, um weiter mitzukommen und erzählte ihnen, dass ich nach Hause gehen wollte. Natürlich drehte ich in der Sekunde auf dem Absatz um, in der ich den letzten Fetzen Umhang um die Ecke verschwinden sah und richtete mich am Bartresen häuslich ein. Ich war zwar schon gut betrunken, aber jetzt konnte ich mich genauso gut vollends abschießen. Die Leute hatten mich schließlich fast zu Tode gelangweilt, das hatte mir sogar den Spaß am Betrunkensein versaut. Und heißt es nicht: Halb betrunken ist rausgeschmissen Geld? In diesem Sinne bestellte ich gleich einen Feuerwhisky und mehr Wein.
Wie zu erwarten, blieb ich an der Bar nicht lange allein. Keine Frau, die allein an der Bar im Löchrigen Kessel saß, würde lange allein bleiben. Egal, wie alt oder hässlich sie war und ich war weder noch.
Ein stattlicher blonder Zauberer irgendwo um die dreißig erreicht mich zuerst. Er sah recht gut aus, also gestattete ich ihm gnädig, meinen Alkoholkonsum zu finanzieren.
„Mein…Name..is…ist...Mallo..Mallolm, Malcolm Bns..Bos…"
Klasse, offensichtlich war mein Gegenüber bereits so besoffen, wie ich es gerne werden wollte. Ein Gespräch mit ihm hätte wohl keinen tieferen Sinn gehabt, also ließ ich ihn in meinen Ausschnitt starren und amüsierte mich. Erwartungsgemäß war dieses Vergnügen auch nur von kurzer Dauer- er starrte wirklich nur und sicher würde er bald kommentarlos sabbern. Wie konnte ich den jetzt nur wieder los werden?
Es war fast ein Uhr morgens und ich hatte den falschen Mann am Platze erwischt. In dieser Sekunde berührte mich der kalte Lufthauch von der geöffneten Tür. Ich drehte meinen Kopf in Richtung Tür und zu meiner allergrößten Erleichterung sah ich dort niemand geringeren als James Potter stehen! Ich hatte ihn ewig nicht mehr gesehen, aber sein wuscheliges Haar und die haselnussbraunen Augen waren nicht zu verwechseln. Und ja- er war ein Mann geworden. Mochte er auch als Kind ein Schwein gewesen sein- jetzt würde er mich aus meiner Misere retten.
"JAMES!" kreischte ich ein wenig überenthusiastisch. Meine Begleiter drehte sich langsam in Richtung Tür und wäre dabei schon fast vom Stuhl gefallen. Hinter James erschien ein zweiter, noch größerer Schatten in der Tür.
„Mallo, das ist mein lieber alter Freund James!" verkündete ich strahlend während James und sein Kumpel sich uns näherten. Malcolm rutschte recht unelegant vom Stuhl und lallte:
„Was willsn du, Schlampe? Dachte, wir häddn jes was Spaß. Paar Spielschn und so…"
James starrte ihn verächtlich an. „Ich habe den Eindruck, als hättest du schon genug Spaß gehabt, Freundchen. Geh ins Bett oder wir kriegen hier ein Problem."
Oh ja! Ich liebe Männlichkeit. Auch wenn es in diesem Fall ganz klar meine Schuld war, dass die beiden Männer sich wie Steinzeitüberbleibsel benahmen, machte mich die Dominanz von James in dieser Situation an. Demonstrativ spielte er mit seinem Zauberstab, während Mallo Wörter vor sich hinmurmelte, die schwer nach Verwünschungen klangen. Aber offensichtlich war er zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht in der Verfassung war, ein Duell zu gewinnen, geschweige denn, ein Wort unfallfrei hervorzubringen, also versuchte er kurzentschlossen, James gegen den Tresen zu schubsen. James zog nur kurz eine Augenbrau hoch, trat einen Schritt zur Seite und Mallo krachte selbst gegen die Theke. Tom, der Barkeeper, der diese Szene mitbekommen hatte, warf Mallo kurzerhand vor die Tür.
„Danke!" strahlte ich James an. „Der Typ ging gar nicht. In jeder Beziehung."
James grinste frech und ließ sich auf den Hocker neben mit fallen.
„Und was in Merlins Name machst du hier, Sadra? Um diese Zeit?" In diesem Moment trat sein Begleiter zu uns herüber. Besoffen, wie ich war, hatte ich ihn schon wieder komplett vergessen. Während der Mallo-Episode hatte er sich mit dem Rücken zu uns mit Leuten an einem anderen Tisch unterhalten, offensichtlich wohlwissend, dass er nicht gebraucht werden würde. Die Ähnlichkeit zu seinem Bruder und seinem Vater war wirklich frappierend. Aber er sah von allen mit Abstand am besten aus. Groß und breitschultrig, sein rabenschwarzes Haar umrahmte in selbstverständlicher Eleganz in leichten Wellen sein majestätisch kühnes Gesicht. Man hätte ihn sehen müssen. Keine Frau mit Blut in den Adern wäre ihm nicht augenblicklich verfallen gewesen.
„Ah- darf ich dir meinen besten Freund vorstellen, Sirius Black? Tatze, das ist Sadra Burke."
Er verengte die Augen leicht und meine Knie fühlten sich augenblicklich an wie Pudding. Wie konnte ein Mann so unbegreiflich schön sein? Sehr langsam griff er meine Hand und hauchte den sanftesten Kuss darauf, während er mir dabei die ganze Zeit fest in die Augen sah.
„Fräulein Burke also. Es ist mir eine Ehre, sie kennenzulernen. Wo haben sie denn ihre bezaubernden Freunde gelassen?"
Mir fiel keine Antwort ein. Was hätte ich auch sagen sollen? Ich konnte einfach nicht denken und war von seiner feindseeligen Frage ziemlich unangenehm überrascht. Immerhin war ja auch meine Schwester gemeint.
Das bleierne Schweigen schien ewig zwischen uns zu hängen bis James sich räusperte.
„Ähm, okay. Also Sirius wird ab jetzt einfach mal nett sein, okay? Sadra ist eine gute alte Freundin von mir und wir wollen doch nicht unhöflich sein. Vor allem nicht, weil sie mir gerade erzählen wollte, was sie mutterseelenallein zu nachtschlafender Zeit in einer düsteren Kaschemme mitten in London treibt."
Ich starrte noch auf Sirius Hand mit ihren langen, gepflegten Fingern und bewunderte im Stillen, die Venen auf seinen Unterarmen, die von körperlicher Kraft zeugten.
„Was? Ich meine: wie bitte? Hast du mich gerade eine Freundin genannt? Ich hatte immer mehr den Eindruck als wäre ich dein Fußabtreter gewesen und du ein besonders dreckiges Paar Stiefel, die sich gern und oft an mir abgetreten haben. Du hast ja wohl keine Gelegenheit ausgelassen, um mich zu foltern."
„Damals hatte ich ja auch keine Ahnung davon, dass du einmal so schön werde würdest oder ich hätte die Gelegenheit genutzt, dich vom Fleck weg zu heiraten." James zwinkerte mir zu. „Also, erzähl- was machst du hier? Genug von Durmstrang und Berwick?"
„Ja, Schule vorletztes Jahr beendet und neuerdings hier zwecks Arbeit." Ich langweilte mich selbst mit meinen Ausführungen.
„Hier?" fragte James neckisch und sah sich suchend um.
„Nein, du Idiot. Eigentlich arbeite ich draußen als Nutte, aber ich dachte mir, hey, geh doch erstmal einen heben auf deinen neuen Job."
James guckte so dämlich, dass Sirius anfing, zu lachen. Sein Lachen war tief und klang fast wie ein Bellen. Heiß.
„Na dann, werde ich wohl mal ein paar Drinks bestellen, damit wir auf deinen neuen Job anstoßen können, was? Lass uns aber an einen Tisch setzen, ein Dreier an der Bar macht nicht so viel Spaß." Damit lehnte Sirius sich zu Tom über die Theke und bestellte.
Ein paar Minuten später saßen wir an einem Tisch und hatten pro Nase schon zwei Feuerwhisky getrunken. Ein dritter für jeden stand bereit und James füllte die Gläser mit Rotwein.
„Also Spaß beiseite- warum bist du hier?" forschte James weiter.
„Durst?" Einen Versuch war es schließlich wert.
„Und deswegen kommst du nach London? Allein und mitten in der Nacht?"
„Was hast du nur immer mit deiner Nacht? Was macht ihr denn hier- mutterseelenallein mitten in der Nacht?" stichelte ich.
„Wir arbeiten hier und haben Überstunden machen müssen und wollten dann tatsächlich etwas trinken. Im Übrigen sind WIR auch nicht allein."
„Das war sie bis eben auch nicht." unterbrach Sirius. James sah ihn an.
„Wie ich schon sagte, sie befand sich hier in netter Gesellschaft."
„Wie etwa wer?"
„Wie etwa Flint, Crabbe, Rosier und meine liebste Cousine Cissy."
James sah alarmiert aus, blieb aber freundlich. „Warum das?" fragte er an mich gewandt.
„Seid ihr zwei vom Inquisitionskommando?" blaffte ich. Was sollte diese unverschämte Fragerei?
„Nein, ich frage mich nur, was du in einer solchen Gesellschaft machst." James blieb ruhig.
Sirius spielte ungeduldig mit seinen Fingern. Ihn schien das zu langweilen, er wollte weg. Ich entschied, dass die Wahrheit wohl geeignet sein könnte, ihn zum Bleiben zu bewegen.
„Okay, ich gestehe. Meine Eltern haben mich gezwungen, sie zu dem langweiligsten Sommer-Event aller Zeiten zu begleiten. Der Gartenparty von seiner"- ich wies mit einem Kopfnicken auf Sirius- „Mutter. Die Jugend, zu der ich mich erfreulicherweise dort zählen durfte, hat aus lauter Langeweile beschlossen, dieses Event zu verlassen und hierherzukommen, um dem Elend ein Ende zu setzen. Überraschenderweise entpuppte sich der Rest der Jugend als ähnlich langweilig wie ihre Eltern. Als sie in die Nockturngasse gegangen sind, habe ich Prinzessin-die-dringend-schlafen-muss gespielt und bin hier geblieben, um mich noch etwas zu amüsieren. Ich habe Mello-wieauchimmer getroffen, du kamst und der Tag war gerettet. Zufrieden?"
James und Sirius tauschten einen Blick.
„Triffst du dich oft mit den Leuten?" fragte Sirius leise.
„Nein! Willst du mich verarschen? Die sind langweilig wie..wie keine Ahnung was."
Die beiden schienen fürs Erste zufrieden zu sein und der Abend konnte beginnen. Wir tranken gemeinsam und lachten uns halb tot, bis James gegen drei Uhr versuchte aufzustehen. Der erste Versuch scheiterte kläglich, aber dann schaffte er es und verkündete lallend, dass er nach Hause zu Lily gehen müsse.
„Wersn das?" lallte ich zurück. Ich hatte zwischenzeitlich dermaßen viel Feuerwhisky und Wein getrunken, dass ich Lily schon wieder völlig vergessen hatte.
„Mein Frau! Hinreißend!" proklamierte James. „Aber Tatze wird schon auf dich aufpassen! Oh ja, das wird er ganz sicher. Das kann er von allen am Besten." James lachte ungefähr so dreckig wie Crabbe Stunden zuvor und zwinkerte Sirius zu, als er sich zum Gehen wandte.
Als ich es nach dieser Ansage endlich geschafft hatte, meinen Blick auf Sirius zu fokusieren, lächelte er mich unverschämt verführerisch an.
„Ich kenne ein Muggel-Spiel das viel Spaß macht. Ich glaube, du wirst es lieben."
Ich versuchte zu überlegen, ob „Muggel-Spiel" irgendwie anzüglich zu verstehen sein könnte, gelangte aber zu keinem Ergebnis, während er fortfuhr:
„Es heißt Pool-Billard. Du hast so eine Art Stock und es sind sechs Löcher in dem Tisch, in die man Bälle schießen muss. Ich kenne einen Pub gleich hier um die Ecke, wo man das spielen kann. Magst du das mal ausprobieren?" er sah mich unternehmungslustig an.
„Klar!" lachte ich und nickte, obwohl das Spiel bei der Beschreibung auf jeden Fall anzüglich klang!
Man sollte vielleicht erklären, dass es zu dieser Zeit für junge Hexen und Zauberer sehr in war, Muggel-Spiele zu spielen. Es war einfach cool, weil man sich sicher sein konnte, dass die Eltern es verabscheuenswürdig fanden. Voraussetzung war natürlich, dass keine Seite Magie einsetzte, da die meisten Muggel-Spiele so natürlich jeden Reiz verloren.
Ich erinnere mich jedenfalls, wie ich Arm in Arm mit Sirius zu diesem Pub schlingerte, während ich an nichts anderes denken konnte als wie gut und stark sich sein Arm anfühlte, wie bestimmend und fest sein Gang war und wie unglaublich gut er roch. Und daran, dass ich mich selbst mehrfach gefragt habe, ob ich nur betrunken oder schon verliebt war.
Im Pub tranken wir ein dunkles und leckeres Bier, das Guiness hieß und er erklärte mir die Regeln zu diesem eigenartigen Spiel. Es machte einen Riesenspaß und ich war komplett talentfrei. Sirius lachte sich kaputt über meine erbärmlichen Versuche, einen guten Stoß zu machen. Plötzlich trat er hinter mich, griff mit einem Arm um meine Hüfte und führte mit seinem anderen Arm meinen Arm zum Stoß.
„Schau, wenn du willst, dass die Kugel dort rüber läuft, musst du sie hier anspielen." Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern direkt neben meinem Ohr. Mit einer kraftvollen Bewegung führte er den Stoß aus und die Kugel verschwand. Seine Berührung brannte wie Feuer auf meiner Haut und in meinem Kopf drehte sich alles wegen seiner rauen, sexy Stimme. Hastig nahm ich noch einen Schluck Bier, um ruhig zu bleiben.
„Noch Spiel?" fragte er und ich nickte rasch. Wenn ich nur nicht so betrunken wäre, einen kurzen Moment drehte sich alles und ich taumelte.
Sofort stand er neben mir und griff meinen Arm. „Alles in Ordnung?"
„Ja, sorry. Nur müde." Er sah mir direkt in die Augen, ich musste weggucken.
Ich fühlte mich er mein Kinn griff und meinen Blick wieder zurück in seine Augen zwang.
„Du bist wunderschön." flüsterte sanft.
Die Worte von Rosier fielen mir wieder ein. Ich konnte es nicht ertragen. Nicht noch ein Mann, der mir weh tun würde. Ich würde das nicht noch einmal überstehen.
„Ich muss ins Bett" wimmerte ich.
„Sicher." Er bezahlte und brachte mich hinaus.
„Wo wohnst du? Ich bring dich nach Hause."
Besoffen wie ich war, begann ich vor Selbstmitleid zu weinen. Ich hasste ihn dafür, dass er ein Frauenheld war und ich ihn so toll finden musste, ich hasste ihn dafür, dass ich ihn jetzt nicht mitnehmen konnte, weil ich nur eine Eroberung für die Nacht sein würde, ich hasste ihn dafür, dass er nicht der Mann meines Lebens war und ich mich aufführte wie eine Idiotin.
„Hey. Komm her." Er öffnete seinen Umhang und zog mich gegen seine muskulöse Brust, während er den Stoff über uns wieder schloss.
Ich weinte ein bisschen, er streichelte einfach still meine Haare und wog mich in seinen Armen. Das machte mich noch wütender- offensichtlich wusste er ganz genau, wie man am besten mit betrunkenen und verrückten Frauen umgeht, um sie doch noch ins Bett zu kriegen! Es erschien mir durchaus sinnvoll, klare Verhältnisse zu schaffen.
„Bist du ein Frauenheld?" platzte ich raus.
„Ein was?" Er lachte.
„Was ist mit Dalilah?" schluchzte ich.
„Delilah? Was weißt du denn von der? Ach so, sicher- Rosier. Naja, sie wollte was von mir, ich bin ein paar Mal mit ihr aus gewesen, aber auf meiner Seite haben sich keine Gefühle entwickelt und das war's."
Ich hätte mich treten mögen, sogar betrunken wie ich war, aber es war zu spät.
„Ja. Das war's. Und alles ist gut. Ich brauche keinen Mann."
„Du brauchst wirklich keinen Mann, sondern ein Bett." flüsterte er und seine Stimme allein war für mich pure Erotik.
Gleichwohl schlief ich fast ein. „Hey, ich muss wissen, wo ich dich hinbringen soll."
Ich murmelte meine neue Adresse und apparierte uns dorthin.
„Wir sind da." Ich wollte den geborgenen, warmen Platz an seiner Brust auf gar keinen Fall aufgeben.
„Komm, ich bring dich rauf."
„Nein. Ich kann alleine gehen." verkündete ich mit aller Würde, die ich noch zusammenkratzen konnte. Hatte er mir schließlich nicht gerade gesagt, dass ich ein Bett brauche und nicht ihn, was so viel bedeutete, wie dass ich nicht sexy war und er mich nicht will (ja- ein Hoch auf die Logik einer betrunkenen Person).
„Okay, wie du magst."
„Ich mag dich nicht."
Als nächstes fühlte ich seine Lippen für den Hauch einer Sekunde über meine streifen.
„Ich weiß. Gute Nacht und träum süß." flüsterte er und war verschwunden.
„Bleib." wisperte ich bittend, aber es war keiner mehr da, um mich zu hören.
