A/N: Okay, ich habe es versprochen, also halte ich es auch, hier kommt schon das nächste Stück. Viele Dank an Sturmwarnung (Keks nimmt, hmmm lecker) und Little Lion für die lieben Reviews. Ich hoffe, die Stückchen, die ich aus der Story gemacht habe, sind euch nicht zu klein. Falls doch, lasst es mich wissen. Ansonsten verspreche ich, jeden Tag ein handliches Stückle zu posten.

Disclaimer: Siehe 1. Kapitel

Edit: Gruselfaktor ist hoffentlich zur Genüge eliminiert.



2. Kapitel

Er war zu einem Instrument seines Meisters geworden, einem Vertrauten und Verbündeten, aber Dumbledore verlangte viel von ihm. Strikten Gehorsam zum Beispiel, egal worum es ging, und egal, ob er vielleicht eine andere Meinung dazu hatte. Dumbledore hatte ihm einiges abverlangt, mehr als die meisten anderen ertragen hätten. Und auch wenn er gütig und mitleidig veranlagt war, hatte er doch keine Ahnung davon, wie sehr Severus darunter litt.

Er erzählte Dumbledore nichts davon, dass er nicht mehr schlafen konnte. Dass der Trank, den er einnahm, um seinen Geist vor Voldemorts Legilimentik zu verschließen, ihn allmählich tötete. Dass ihn nachts die Geister derer heimsuchten, die er geopfert hatte. Die bohrenden, alles erkennenden Augen des Dunklen Lords verfolgten ihn. Er fühlte sich nackt und schutzlos nachts, wenn die Alpträume ihn plagten.

Dumbledore hatte dem Irrsinnigen den Kampf angesagt, und so wenig man es diesem verschrobenen, gutmütigen Kauz auch zutraute, er konnte beinhart und kalt wie Eis sein, wenn es um die Verfolgung dieses einen Zieles ging.

„Severus", hatte er einmal gesagt, „wenn ich eins im Kampf gegen Grindelwald gelernt habe, dann das: Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen. Hätte ich das früher erkannt, dann könnten viele gute Leute noch leben. Manchmal muss man kleine Opfer bringen, um großen Schaden abzuwenden. Manchmal muss man auch große Opfer bringen. Aber man darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, das Ganze, verstehst du? Wenn man zu sehr auf das Schicksal Einzelner Rücksicht nimmt, kann das verheerende Folgen für den Erfolg des Gesamtunternehmens haben."

Ja, Dumbledore war bereit, Opfer zu bringen. Wie viele mochten es diesmal sein? Wie viele von denen, die er heute ins Ministerium geschickt hatte, würden dort den Tod finden, wie viele würde Severus nicht wiedersehen? Die meisten würde er wahrscheinlich irgendwann vergessen, ihr Andenken in Feuerwhiskey ertränken. Es waren nette, anständige Menschen, aber kaum einer ging ihm wirklich nah.

Nur den einen durfte er nicht verlieren heute. Nicht diesen. Er war doch alles, was Severus in seinem freudlosen Leben hatte. Sein einstiger Erzfeind war im Verlauf dieses seltsamen Jahres sein Lebenselixier geworden. Sie hatten sich gegenseitig aufgerichtet, sich verzeihen gelernt, die Schuld gemeinsam getragen und dadurch um so vieles leichter gemacht. Sie waren sogar so verwegen gewesen, Pläne für die Zukunft zu schmieden, für eine Zeit des Friedens, wenn alles vorbei wäre.

Er würde es sich nie verzeihen, wenn Sirius etwas passierte in dieser Nacht. Und er würde es diesem dämlichen Potter-Sprössling nicht verzeihen, ganz bestimmt nicht. Diesem Wicht, der nur auf dem Besen zu etwas taugte und ansonsten genauso ein Idiot zu werden versprach wie sein verstorbener Vater.

Sicher, James Potter war in seinem letzten Schuljahr ein wenig erträglicher geworden, aber solange Severus zurückdenken konnte, hatte er immer zwischen ihm und jenen gestanden, für die er sich interessierte. Und sein Sohn schien diese Eigenschaft geerbt zu haben.

Dass Sirius und er nach 24 Jahren gut gepflegter Abneigung doch noch zueinander gefunden hatten, grenzte an ein Wunder. Sie schienen vom Schicksal füreinander bestimmt zu sein und hatten endlich den Mut gehabt, das einzusehen. Aus dem ursprünglichen Wunsch, einfach nur das Kriegsbeil zu begraben, war Zuneigung geworden, die sich zu inniger, leidenschaftlicher Liebe weiterentwickelt hatte.

Sie waren sich näher gekommen als je einem Menschen zuvor. Ihre Verbundenheit ging über das Maß der weltlichen Dinge hinaus. Severus hatte mit einem Male das Gefühl, eine eiskalte Hand greife nach seinem Herzen und presse es zusammen wie einen Schwamm, er war erfüllt von grauenhafter Vorahnung. Es fühlte sich auf einmal schrecklich leer in ihm an, als hätte man sein Herz entnommen und ihn zurückgelassen, verdammt dazu, ein trostloses Leben ohne Liebe weiterzuleben. Sein Verstand weigerte sich, das zu glauben. Es durfte nicht sein. Die Minuten verrannen wie Stunden, es dauerte eine Ewigkeit, bis sich jemand an der Tür durch das vereinbarte Klopfzeichen bemerkbar machte.

Es war Lupin. Er hatte es überlebt und schien unverletzt, auf den ersten Blick zumindest. Doch als Severus seine Augen sah, bestätigten sich seine schlimmsten Befürchtungen.

„Was ist passiert?", fragte er, doch er kannte die Antwort bereits.

„Sirius", sagte Lupin nur leise, und Severus' Knie wurden weich.

Remus wirkte irritiert, er war selbst kurz davor, zusammenzubrechen. Doch einen anderen in diesem trostlosen Zustand zu sehen, mobilisierten in ihm noch ein paar Kraftreserven, die ihm halfen, nicht nur sein eigenes Gewicht, sondern auch noch den größten Teil von Severus' mit in die Küche zu tragen. Er setzte ihn auf einen Stuhl und tat etwas für Remus völlig untypisches. Er ging zum Schrank, holte eine Flasche von Sirius' stärkstem alkoholischen Getränk und goss zwei Wassergläser voll damit. Eines reichte er Severus, das andere leerte er in großen Schlucken. Danach atmete er tief durch, überstreckte den Hals und schloss die Augen.

„Er war der beste Freund, den ich je hatte. Ich … weiß nicht, wie es weitergehen soll ... ohne ihn", sagte er. Severus wusste genau, was er meinte. Er hatte selbst keinen Schimmer, wie er jetzt weiterleben sollte. Das Leben an sich schien keinen Sinn mehr zu machen. Fast hätte er Remus vorgeschlagen, sich gemeinschaftlich die Pulsadern zu öffnen, doch dann wurde ihm klar, dass das nicht angemessen war. Erstens konnte man Werwölfe auf diese Art nicht töten und zweitens, wie gesagt, Dumbledore verlangte von ihm, dass er weiterlebte. Dass er seine Gefühle außen vorließ, keine persönlichen Bindungen einging, die ihn zu irgendwelchen dummen Handlungen verleiten könnten, die den Gesamtplan gefährdeten. Er MUSSTE weiterleben, ob er wollte oder nicht. Auch wenn es absolut keinen Sinn mehr machte.


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