Kapitel 2 - Strafen

Das hatte ich wieder einmal super hin bekommen. Meine Erzeuger saßen im Gefängnis und ich war seit einer halben Stunde damit beschäftigt die Hinterlassenschaften bettlägriger Schüler aus metallenen Behältern zu schrubben … zusammen mit Potter.

Konnte die Welt noch grausamer sein?

Ja, sie konnte. Verdammt seien Murphy und seine Gesetze!

Unser hoch geschätzter Schulleiter, der Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen, Dumbledore kam geradewegs auf uns zu.

„Mister Potter, Mister Malfoy, wie schön das ich Sie hier antreffe. Möchten Sie auch ein Zitronendrops?" Er hielt uns eine Tüte mit klebrig gelben und bonbonartigen Plombenziehern hin. „Nein danke, Sir." antwortete Potter in Musterschülermanier. Typisch.

„Sie sind doch bestimmt nicht gekommen um uns … Bonbons anzubieten?"

Obwohl es diesem senilen Alten durchaus zuzutrauen wäre.

„Nein, da haben Sie recht, Mister Malfoy. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich Sie beide morgen Nachmittag in meinem Büro erwarte. Ich hätte ein paar Aufgaben für Sie. Miss Granger und Mister Weasley sollen bitte auch dazukommen."

Noch einen Nachmittag mit den Superhelden, welcher Fürst der Hölle hat mich denn nun schon wieder auf seiner Abschussliste?

„Und wozu?"

„Das werden Sie dann erfahren, Mister Malfoy. Ich wünsche Ihnen beiden noch einen angenehmen Tag."

„Das war unerwartet." meinte Potter, nachdem der bonbonlutschende Alte den Saal verlassen hatte. „Potter, das hier soll harmonisch ablaufen, dazu ist es unbedingt notwendig, dass du für den Rest der Zeit deine Klappe hältst!"

„Das muss doch schwer sein immer nur der Bösewicht sein zu wollen." Meine Güte! Hatte das Narbengesicht heute Quasselwasser getrunken?

„Damit du es auch verstehst: Ich – Malfoy – nicht reden wollen – mit Potter! Und hör auf mich so anzustarren!"

„Mir ist nur gerade aufgefallen, dass wir seit gestern eine Gemeinsamkeit haben."

Malfoy, atmen nicht vergessen! Ganz ruhig! Mit diesem Wicht hast du nicht die kleinste Kleinigkeit gemein.

„Ich habe schon immer gewusst, dass du gerne so sein wolltest wie ich, aber glaube mir, du bist weit davon entfernt. Als ob ich so ein hässliches Narbengesicht hätte."

„Wenn du´s nicht hören willst, dann bitte..."

So ein Mist, woher kennt Potter bloß meine Schwachstelle? Natürlich wollte ich´s wissen, die Neugier in mir wollte es wissen... „Wovon redest du? Verdammt nochmal!"

„Mir ging nur gerade durch den Kopf, dass wir jetzt beide Waisen sind."

„Was redest du für einen Müll? Meine Eltern sind nicht abgekratzt, so wie deine."

„Aber sie können sich jetzt nicht mehr um dich kümmern."

„Ein Malfoy braucht keine Aufpasser. Ich komme ganz gut alleine klar."

„Potter! Malfoy! Soll ich Ihnen Kekse für Ihr Kaffeekränzchen bringen? Marsch an die Arbeit!" schrie die dicke Krankenschwester. Wie hieß sie noch? Pommfritte, oder so.

Potter hat echt Nerven, als ob sich Narcissa und Lucius je um mich gekümmert hätten. Ich kann mich nur an alte strenge Erzieherinnen und buckelige Hauselfen erinnern. Bloß weil wir beide ohne elterliche Fürsorge aufgewachsen waren, machte uns das noch lange nicht zu Gleichgestellten, Gleichgesinnten, Freunden …

Ein Malfoy, beziehungsweise ein Draco Malfoy, brauchte kein Mitleid. Wofür denn? Weil meine Eltern verhaftet worden waren, weil ich keine Freunde hatte, weil ich dem Gruselkabinett eines alternden, von Weltherrschaft besessenen Zauberers angehörte?

„Du siehst traurig aus, Malfoy? Kann es sein, dass du tatsächlich zu menschliche Gefühle besitzt?" Reiß dich zusammen! Der dunkle Lord und auch Lucius haben dir beigebracht Schwachstellen, also auch Gefühle, nicht zu zeigen.

„Potter, tut mir leid, dass ich beim Schrubben von Bettpfannen nicht wie ein Honigkuchenpferd strahle. Ich werde mir in Zukunft mehr Mühe geben."

„Weißt du, wenn du nicht so ein Widerling wärst, dann könnte ich dich sogar leiden. Ich mag Leute, die mit Zynismus umgehen können."

Danach arbeiteten wir in Stille weiter. Ich hätte mir sein Gequatsche auch nicht länger anhören können. Wir beide und Freunde? Niemals.

Vorschau:

Kapitel 3 – verpasste Gelegenheiten

Nach ungefähr einer Stunde im Bad, man will ja schließlich gut aussehen für seine Geliebte namens Kaffee, stieg ich die versifften Treppen hinunter zum Gemeinschaftsraum.

So wie der Gemeinschaftsraum aussah, hatte ich wohl eine der legendären Slytherinpartys verpasst.

Ich verkroch mich in meinen Lieblingssessel am Kamin und starrte ins Feuer. Früher war ich der Star solcher Partys gewesen.