Wenn die Ferien nun schon bald vorbei sind, dann dachte ich mir, ich nutze den Rest wenigstens, um mich ein bisschen nützlich zu machen… in Form von Kapiteln, oder was denkt ihr? *Prägnante Stille* Kein Einwände? Das dachte ich mir… :)
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02. Vom Regen in die Traufe
„Guten Abend, Hoher Lord", sagte Sonea und betrat das Esszimmer. „Guten Abend, Sonea.", antwortete Akkarin. „Wie war dein Tag?" „Wir haben uns mit den drei Dekanen bezüglich unserer bevorstehenden Wahl der Disziplin unterhalten." „Hast du dich schon entschieden?", fragte Akkarin und hielt sein Weinglas ein Stück in die Höhe, damit es es von Takan neu befüllt werden konnte. Sonea musterte ihn unauffällig. Es war ihr ein Rätsel, warum er überhaupt versuchte, Konversation zu betreiben. Sie hasse ihn zwar nicht mehr, aber das hieß noch lange nicht, dass sie freiwillig eine ernsthafte Unterhaltung mit ihm führen wollte. Du willst, dass ich Kriegskunst wähle!,dachte sie.
„Ich habe beschlossen, Heilerin zu werden", antwortete sie genüsslich; hoffend, dass ihre Antwort ihn ungeheuer ärgern würde. „Hast du die anderen Disziplinen denn überhaupt in Erwägung gezogen?" „Nein." „Ah", machte Akkarin und widmete sich wieder seinem Abendessen. So ähnlich endeten die meisten ihrer allabendlichen Versuche, sich vernünftig zu unterhalten. Einige Augenblicke später brach er jedoch das Schweigen. „Hast du schon einen Begleiter für den Abschlussball?" Sonea starrte ihn an. Was kümmert es dich? „Nein." „Hast du daran gedacht, selbst jemanden zu fragen?" „Ich wollte eigentlich mit Dorrien hingehen, aber er kann aus dem Dorf nicht weg." „Richte ihm bitte mein Bedauern aus. Das ist sehr betrüblich. Ich habe gehört, Dorfheiler zu sein sei keine leichte Aufgabe." Sie nickte, ohne von ihrem Teller aufzusehen. „Was gedenkst du am Ball zu tragen?", fragte Akkarin weiter. Sonea hob überrascht und verwirrt gleichzeitig den Kopf. "Meine Roben, schätze ich. Muss man denn etwas Bestimmtes tragen?"
„Ich dachte, du wüsstest es. Dieser Ball ist die einzige Gelegenheit in deinem Leben als Magierin, bei der du in der Öffentlichkeit keine Robe zu tragen brauchst. Es wird eigentlich als selbstverständlich angesehen." „Das hat mir niemand gesagt. Was soll ich tun?" „Ich schlage vor, dass du Vancly's im Inneren Ring einen Besuch abstattest. Dort kann man auch importierte Ware aus den verschiedensten Regionen der Verbündeten Länder finden. Nimm dir eine Freundin mit. Es schadet nie, eine zweite Meinung einzuholen." Sonea widerstand dem Drang, laut aufzulachen. Sie hatte keine Freunde, wegen ihm, und nun schlug er vor, sie solle mit einer Freundin einkaufen gehen? Nicht, dass sie sich jemals besonders für Kleidung interessiert hätte… „Vielen Dank", antwortete sie höflich. „aber ich denke, ich werde lieber meine Roben anziehen." Akkarin warf ihr einen Blick zu. „Das würde ich an deiner Stelle nicht tun. Warum möchtest du kein Kleid tragen?"
Sonea fragte sich stumm, was um Himmels Willen er sich von diesem Gespräch versprach. „Ich wüsste niemanden, mit dem ich einkaufen gehen könnte." Er hob eine Augenbraue und sah plötzlich nachdenklich drein. „Hast du nächsten Freitag schon irgendetwas vor?" „Nein." „Gut. Dann werden wir gemeinsam hingehen." Sonea würgte beinahe. Ihr war plötzlich gar nicht gut. Mit ihrem Mentor einkaufen zu gehen, war das Letzte, was sie wollte. Er musterte sie schon wieder mit diesem Blick, also nickte sie bloß stumm. „In Ordnung.", murmelte sie dann. Den Rest des Abends schwiegen sie sich über das Essen hin an.
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Sonea eilte gerade durch die stillen Gänge der Universität – seit dem Abendessen mit Akkarin waren einige Tage vergangen – als plötzlich ein fahrig wirkender Regin nach ihr rief. „Hallo", sagte er. „Was willst du, Regin?", meinte Sonea kühl. „Ähh… eig-eigentlich, nicht viel. Ich habe mich nur gefragt, ob du vielleicht mit mir zum Abschlussball gehen möchtest? Na ja, also, es ist so eine Art Herausforderung von meinen Freunden. Ich will eigentlich nicht, aber sie haben einfach nicht aufgehört, mich damit aufzuziehen, ich hätte Angst vor dir und…", seine Stimme erstarb allmählich. Sonea starrte ihn kurz mit steinerner Miene an, dann brach sie in haltloses Gelächter aus. „Soll das ein Scherz sein, Regin?" „Das ist nicht lustig!", rief er beschämt und wütend. „Hast du wirklich gedacht, ich würde mit dir zum Ball gehen?", brachte Sonea mühsam zwischen zwei Lachsalven hervor.
„Ist das ein Nein? Oh, gut, ich hatte ohnehin nichts anderes erwartet", murmelte er und drehte sich weg. Als er das jedoch tat, schlug über Sonea plötzlich eine Welle des Mitleids zusammen. Sie wusste, wie es war, von anderen verspottet zu werden und das war gar kein angenehmes Erlebnis, besonders, wenn es nicht aufhörte. „Warte!", sagte sie. Regin drehte sich wieder um, plötzlich hoffnungsvoll. „Ich werde nicht mit dir zum Ball gehen", sagte Sonea, "aber ich werde einmal mit dir tanzen, wenn du mir versprichst, mich dann für den Rest des Abends in Ruhe zu lassen. Abgemacht?" Regin strahlte. „Sicher! Danke, Sonea. Es tut mir ehrlich leid, was in den letzten Jahren passiert ist. Ich werde es wieder gut machen, irgendwie." Sie nickte nur. „Schön, dass ich dir helfen konnte." Dann drehte sie sich um und ging in Richtung der Residenz davon.
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