2. KAPITEL
In dem Heini shoppen geht und einem Eichhörnchen begegnet

Hauruck und Heini betraten das Kaufhaus Harrods in London in einem Pulk von Leuten, die zum Teil bereits viele Tüten mit sich herum trugen.

"Hauruck, bist Du sicher, dass ich meine Schulsachen hier kaufen kann?", wollte Heini unsicher wissen, während er dem Riesen, der (wie er nach dem Blick in die Enzyklopädie wusste) nur ein Halbriese war, in das Kaufhaus folgte.

"Ja, ich weiss, Harrods ist normaler Weise nicht grad die billigste Adresse", stimmte Hauruck brummelnd zu. "Aber sie haben große Aufzüge und bei meinem Körperbau. Hm, naja..." Der Rest ging in einem undefinierbaren Gebrummel unter.

"Nun, ich dachte auch eher, dass es vielleicht eine Art magische Einkaufsstraße geben würde", unternahm Heini einen erneuten Versuch. "Ich meine...Harrods? Hier hat auch Duffy immer seine Sachen gekauft bekommen." Irgendwie hatte er sich mehr versprochen.

"Keine Sorge." Hauruck klopfte ihm auf den Rücken. "Wir kommen schon noch in die Wickelgasse, wenn wir zu Gering Gotts müssen. Aber Roben kauft man vor Halloween immer am günstigsten bei Harolds. Ah, hier wären wir. Kauf Du mal Deine Robe und ich gehe so lange in die Spielzeugabteilung."

Heini sah auf und fand sich in einer Abeilung mit Halloween-Kostümen wieder. "Na toll", murmelte er und begann zwischen Monsterkostümen und Pullovern mit aufgedruckten Skeletten nach etwas zu suchen, das aussah wie eine Robe. Dabei bemerkte er, dass er beobachtet wurde, denn ein schlanker, blonder Junge in einem Umhang, der bereits sehr nach einer Robe aussah, lehnte an einem Regal mit Grimassen-Kürbissen.

"Auch Hochwärts?", wollte er von Heini wissen und als dieser nickte, deutete er zu einer Stange, an welcher mehrere Umhänge hingen. "Dann suchst Du die." Er zog die Nase kraus. "Ich finde es schrecklich, dass wir in einem Muffelkaufhaus einkaufen müssen, aber mein Vater sagt, es wäre günstiger. Also nicht, dass wir es uns nicht leisten könnten, aber man muss sein Geld auch nicht aus dem Fenster werfen, nicht wahr?"

"Ehm", sagte Heini. "Ja, sicher." Er griff nach dem erstbesten Umhang. "Was sind Muffel?", wollte er dann wissen, während er nach dem Preisschild suchte. Hoffentlich kam Hauruck bald wieder, denn Geld hatte er keins dabei.

"Lass mich raten, Du musst Heini Tupper sein", sagte der Junge und maß ihn prüfend, was Heini nicht sonderlich angenehm fand.

"Ja, bin ich", sagte er. "Steht mir das auf die Stirn geschrieben?"

Der blonde Junge grinste. "Mein Vater meint, Du wärst ziemlich beschränkt, weil das typisch für Helden in Jugendbüchern ist. Und wenn man nicht weiß was Muffel sind, heißt das, dass man entweder zu blöd ist oder zu blöd ist, es nachzuschlagen. Außerdem kann ich Dich nicht leiden und..."

Weiter kam er nicht, denn ein Mann mit langen blonden Haaren und in einem teuer aussehenden Tweedanzug kam mit einer großen Tüte von der Kasse herüber. "Grisu, hör auf, Dich mit einem Tupper zu unterhalten. Wir haben einen Friseurtermin." Und schon waren die beiden verschwunden.

Heini blätterte eilig in seiner Enzyklopädie und schlug erst Muffel (1) nach und versuchte danach sein Glück bei Grisu (2). Dabei fiel sein Blick auf den Artikel über Gering Gotts (3), welcher auf der Seite vor Grisu zu finden war. Er hatte unvermittelt das Gefühl, dass er dieses Buch am besten immer dabei haben sollte.

Erst Haurucks Auftauchen brachte Heini wieder auf andere Gedanken. Er trug eine Einkaufstüte und löste Harry erst einmal aus, indem er seine Robe bezahlte. Dann besorgten die beiden noch ein paar Schreibsachen und machten sich auf den Weg zur Wickelgasse (4), die Heini unterwegs eilig nachschlug, um vor weiteren Überraschungen a la Grisu Malfreu gefeit zu sein.

Allerdings erwies sich die Wickelgasse als eine eher harmlose aber sehr interessante Zauberereinkaufsstraße, in welcher Heini einige interessante Leute traf, allen voran seinen zukünftigen Lehrer Professor Eichhörnchen, welcher in Reimen sprach - etwas, was Heini recht seltsam fand, bis er das Fach nachschlug, das Professor Eichhörnchen unterrichtete, nämlich Dada (5).

Davon abgesehen erledigten Heini und Hauruck noch verschiedene weitere Einkäufe, wozu die Anschaffung eines Zauberstabs gehörte, eine unglücklicher Weise recht kostspielige Angelegenheit und da Hauruck vergessen hatte, dass sie erst zu Gering Gotts gehen sollten, musste Heini erst einmal mit einem günstigen Zauberstab in Massenfertigung vorlieb nehmen. Das Leben als Romanheld war wahrlich nicht gerecht.



(1) Muffel – Nichtzauberer, die meistens wegen dieser Tatsache recht mufflig sind, was ihnen sicherlich niemand verdenkt, der weiß wie praktisch es sein kann, nicht vom Sofa aufstehen zu müssen, um an die Tüte Chips auf dem Tisch zu kommen.

(2) Grisu Malfreu – Mitschüler von Heini Tupper, der äußerst arrogant ist und Heini nicht ausstehen kann, was aber auf Gegenseitigkeit beruht. Sein Vater ist Lucifer Malfreu, der im ersten Band allerdings noch genauso unwichtig ist wie Osterglocke Malfreu, Grisus Mutter.

(3) Gering Gotts – Kreditinstitut für Zauberer, das dem Finanzmogul und ehemaligem Vergnügungsparkbesitzer Gerhard Ringo Gotts gehört. Gering sind bei Gering Gotts im übrigen nur die Zinsen, die man bekommt.

(4) Wickelgasse – Einkaufsstraße in der Zaubererwelt, in welcher sich die Magier so wohl fühlen, dass sie hier sogar ihre Kinder wickeln. Jedenfalls behauptet das die 'Etymologica Magica', welche allerdings auch behauptet, dass 'Zauberer' eine Abwandlung des Wortes 'sauberer' wäre. Dadurch bekommt das Wort 'reinblütig' eine ganz neue Sichtweise.

(5) Dada – Verteidigung gegen Dunkle Reime, ein Schulfach in Hochwärts und nur marginal verwandt mit der literarischen Bewegung der Neuzeit, welche mit sinnlosen Worten und Silben spielt. Andererseits könnte die Verwandtschaft auch kaum näher sein.