A/N: Tja, nun...Die Reaktionen auf diese Story waren hier im ff.net ja sehr...verhalten. Praktisch nicht vorhanden. Entweder ihr kennt die Story alle schon vom ff.de oder...
Nein, wir weigern uns zu glauben, daß diese Geschichte hier keinen interessiert! Deswegen: Ein neues Update! I.

2. Kapitel

Commodore James Julian Nathaniel Norrington stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Fenster und blickte hinaus in die Bucht von Port Royal. Das war mal sein Hafen gewesen. Offiziell der Gouverneur Swann's, aber der hatte sich nie wirklich darum geküm- mert. Er hatte James vertraut und dieser hatte ihn nie enttäuscht, weil sie letztendlich beide dasselbe Ziel gehabt hatten: Frieden und Wohlstand für Port Royal. Jetzt glich der Hafen einem Irrenhaus und es gab praktisch nichts, was James dagegen tun konnte. Es war einfach...unfair!

Ein leises Klopfen riß ihn aus seinen Gedanken. Ohne sich umzudrehen, fragte er: "Ja, Gillette?"

Ein paar gute Männer hatte James behalten können und Captain Robert Gillette war einer davon. Man konnte sich blind auf ihn verlassen. Er hatte schon als Matrose unter James gedient und sie hatten inzwischen eine so lange gemeinsame Dienstzeit hinter sich, daß es nie vieler Worte bedurfte.

"Mrs. Norrington, Sir."

James gestattete sich ein kurzes Lächeln. Es war keine Liebesheirat gewesen, aber bis jetzt hatte er keine Sekunde bereut. Juliet und er teilten weder Zimmer, noch – und schon gar nicht – Bett, aber im Lauf der letzten drei Jahre hatte sich so etwas wie eine...freundschaftliche Beziehung zwischen ihnen entwickelt. Er mochte und schätzte Juliet sehr und hoffte, daß sie ihm gegenüber ähnlich empfand.

"Ich lasse bitten!"

Er wandte sich um, als Juliet den Raum betrat.

"Guten Tag, James."

"Guten Tag, Juliet. Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?"

"Genaugenommen ist es nur eine Flucht vor Lieutenant Finch."

James verzog das Gesicht.

"Du lieber Himmel! Gillette!"

"Sir?"

"Erschießt ihn!"

"Ja, Sir."

"Gillette!"

"Sir?"

"Bleibt hier! Wir können den Lieutenant nicht erschießen."

"Natürlich nicht, Sir. Aber für einen Moment habe ich mich wirklich darauf gefreut."

James schmunzelte.

"Danke, Gillette. Ihr könnt gehen."

"Sir. Madame."

Gillette verbeugte sich andeutungsweise, verließ den Raum und schloß die Tür hinter sich.

"Was gibt es Neues, James?"

Er seufzte leise.

"Du meinst außer Steuererhöhungen, Massenhinrichtungen und politischen Mord? Nichts."

"Ich war bei Jack Sparrow. Pardon! Captain Jack Sparrow."

James rieb sich die Augen.

"Warum?"

"Ich wollte ihn mir mal ansehen. Interessanter Bursche."

"Nicht wahr?"

"Keine Sorge. Ich war nicht alleine. Ich habe Murtogg und Mullroy mitgenommen."

James hob eine Augenbraue.

"Zwei meiner fähigsten Männer also? Tja, dann war meine Sorge wirklich unbegründet. Du warst ja in den besten Händen."

Man konnte die Ironie in seinen Worten nur ahnen.

"Und dann kam ja noch Lieutenant Finch," fügte Juliet hinzu.

"Ah ja. Noch besser. Er ist nicht nur sehr fähig, sondern auch noch überaus gewissenhaft und anständig."

Juliet lächelte leicht.

"Vor einer knappen Minute wolltest du noch, daß Gillette ihn erschießt."

"Wollte ich das? Du mußt dich verhört haben, Liebes."

"Natürlich."

Er wurde ernst.

"Juliet, hat er dir etwas getan?"

"Finch?"

"Ja."

"Nein."

"Sollte das jemals der Fall sein, bitte sag' es mir. Um alles weitere werde ich mich dann kümmern."

"Danke, James. Das werde ich," antwortete Juliet, wohl wissend, daß sie es nie wirklich tun würde. Natürlich wußte sie nicht genau, was James im Sinn hatte, wenn er sagte, er würde sich um alles weitere kümmern, aber sie konnte es sich vorstellen. Und was immer er dann auch zu tun gedachte, es war zu gefährlich.

"Wenn du..."

Vor dem Zimmer wurden Stimmen laut und am lautesten war die Gillettes: "Es tut mir leid, Gouverneur, aber Commodore Norrington ist in einer Besprechung. Ihr könnt jetzt nicht zu ihm."

"Mein guter Mann, mir scheint, Euch liegt nicht allzuviel an Eurem Rang."

James und Juliet erstarrten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Da er wußte, daß Gillette Winter aus dem tiefsten Grund seines Herzens verachtete und der junge Captain zu unerfahren war, seine Gefühle vollständig zu verbergen, war James mehr als besorgt wegen seinem ersten Offizier.

Und Juliet war überaus bewußt, daß Gouverneur Winter... Nun, sie fühlte sich einfach sehr unbehaglich, wenn er anwesend war. Seit sie ein Kind war, fühlte sie sich unbehaglich, wenn sie mit anderen Menschen zu tun hatte. Sie war schon immer mehr eine Einzelgängerin gewesen, aber sie hatte sich in die gehobenere Gesellschaft eingefügt, nachdem Jack sie ihren Adoptiveltern übergeben hatte. Sie hatten ihr Privatlehrer besorgt und ihr beigebracht, wie man sich als Dame angemessen verhielt, auch gegenüber Leuten, die man eigentlich überhaupt nicht mochte, aber dennoch ließen Menschen wie Winter sie immer noch erschauern vor Furcht und Abscheu.

Sie blickte einen Moment gedankenverloren ins Leere. Das war etwas, das sie an James so faszinierte. Sie hatte sich noch nie unbehaglich gefühlt, wenn er in ihrer Nähe war. Nicht ein einziges Mal. Noch nichtmal als sie sich das erstemal begegnet waren.

Bevor Gillette etwas sagen konnte, das er den Rest seines Lebens bereut hätte, ging James rasch zur Tür und öffnete sie.

"Gouverneur! Was kann ich für Euch tun?"

"Commodore! Man sagte mir, Ihr wärt in einer Besprechung."

James zwang sich zu einem kleinen Lächeln.

"Meine Frau wollte gerade gehen."

"Ah! Die reizende Mrs. Norrington."

"Gouverneur Winter," grüßte Juliet mit gezwungener Höflichkeit und schaffte es irgendwie, ihre Stimme ruhig zu halten.

Winter nahm ihre Hand und küßte diese überschwenglich. Juliet rettete sich durch ihren Fächer, den sie rasch vor ihr Gesicht hielt als wäre sie beschämt, dabei verzog sie nur angewidert den Mund. Sie konnte Winter's Berührung einfach nicht ertragen.

"Worum geht es, Sir?" fragte James.

"Habe ich Euch eigentlich schonmal gefragt, warum Ihr einen Captain als "Vorzimmerdame" habt?" wollte Winter wissen.

"Nun, Sir, weil es etwas schwierig ist, einen Captain auf's Wasser zu kriegen, ohne ein Schiff. Wenn ich mich recht erinnere, hattet Ihr das von Captain Gillette beschlagnahmt, weil Ihr es für außerplanmäßige Warenlieferungen brauchtet. Aber Ihr seid doch nicht deswegen gekommen."

"Nein, in der Tat. Ich habe gehört, daß Jack Sparrow verhaftet wurde."

James ertappte sich dabei, daß er fast korrigiert hätte: "Captain Jack Sparrow", aber er beherrschte sich rechtzeitig und antwortete schlicht: "Ja, Sir."

"Ich sehe keinen Galgen, Commodore."

"Nun, wir haben ihn vor knappen drei Stunden erst verhaftet."

"Es wird auch noch kein Galgen aufgebaut."

"Ich dachte, das hätte Zeit bis morgen. Wir haben auch so schon genug zu tun. Was macht ein Pirat mehr oder weniger schon aus?"

"Er wird gehängt, Commodore, und zwar noch heute! Wenn Ihr das nicht fertig bringt, so bin ich sicher, Lieutenant Finch wird sich gerne darum kümmern."

Selbst auf die Entfernung konnte Juliet erkennen, wie sich James' grau – grüne Augen vor Zorn verdunkelten, aber er war schon zu lange ein Offizier der Royal Navy, um sich so leicht provozieren zu lassen. Sie umklammerte ihren Fächer so fest, daß ihre Fingerknöchel weiß hervor traten. Ja, Jack war ein Pirat und ja, das Britische Gesetz ließ keinen Zweifel daran, wie mit Piraten zu verfahren war, wenn man es schaffte, einen von ihnen zu verhaften, aber... Jack? Gehängt? Sie holte scharf Luft und war gerade dabei, etwas komplett nutzloses und lächerliches zu sagen, als sie gerade noch sah, wie James ihr leicht bedeutete, still zu sein. Winter, der sie natürlich gehört hatte, wandte sich zu ihr um.

"Ist etwas, Mrs. Norrington?"

Sie zwang sich zu einem Lächeln.

"Nein, ich...Nein. Es ist alles in Ordnung. Ich...nun...Es ist nur der...das...das Korsett, wißt Ihr?"

Sie lächelte erneut und wedelte geschäftig mit ihrem Fächer. Winter erwiederte das Lächeln.

"Natürlich. Ich verstehe. Nun, Commodore?"

"Wie Ihr wünscht, Sir. Wenn Ihr mich entschuldigen wollt, dann veranlasse ich sofort alles weitere. Gillette!"

Der junge Captain betrat den Raum.

"Laßt einen Galgen errichten!"

"Ja, Sir."

James wandte sich an Juliet: "Und was deine Tante angeht, so wäre es vielleicht besser, du würdest ihr ein paar Sachen vorbei bringen, bevor es ihr schlechter geht. Ich komme heute Abend etwas später."

Der Ton in seiner Stimme ließ Juliet aufhorchen. Sie sah ihn einen Moment irritiert an, fing sich aber rasch wieder. Was immer er vorhatte, er wollte, daß sie mitspielte.

"Aber natürlich. Ich werde dir etwas zu Essen warmhalten lassen."

"Eure Tante, Madame?" fragte Winter. "Ist sie denn krank?"

Juliet lächelte.

"Das weiß ich nicht, Gouverneur, aber sie fühlt sich nicht wohl, deshalb wollte ich nach ihr sehen. Aber James hat recht. So ohne alles kann ich nicht bei ihr auftauchen. Ich werde zu Hause noch etwas einpacken und ein paar Sachen auf dem Markt für sie...besorgen...Ja."

"Könntest du mir einen Gefallen tun, Juliet?"

"Aber ja."

"Bitte geh' bei Will Turner vorbei und bring' ihm Dasher's Trense. Sie muß dringend repariert werden. Sag' Mr. Turner, ich lasse sie in einer Stunde abholen."

"Natürlich, James. Dann...mache ich mich jetzt wohl besser auf den Weg."

Sie knickste leicht.

"Gouverneur Winter. James."

Sie war schon fast an der Tür als James' Stimme sie aufhielt.

"Juliet?"

"Ja?"

Sie wandte sich zu ihm um. Er trat auf sie zu und umarmte sie leicht. Normalerweise umarmte er sie nie, aber natürlich wußte Winter das nicht.

"Vielleicht ahnt er etwas," flüsterte er nahezu lautlos, seine Lippen berührten kaum ihre Wange. "Sei vorsichtig."

"Du auch," wisperte sie.

Damit lief sie davon. Wenn sie James richtig verstanden hatte, sollte sie sich schnappen, was sie tragen konnte, und damit in einer Stunde bei Will Turner sein, wo sie sich wiedertreffen wollten.

Was zum Teufel hatte James bloß vor?

A/N: Ist das wirklich so unspannend??? I.