Kapitel 2- Ein Tod kommt selten allein

Während sie sich immer weiter dem Schloss näherten, begann Dumbledore seltsame Worte vor sich hin zu murmeln.

Harry vermutete, dass er die Schutzbänne, die über dem Schloss lagen aufhob.

Da das dunkle Mal genau über den Zinnen des Astronomieturms schwebte, steuerten Dumbledore und Harry zielstrebig darauf zu.

Harry konnte nur vermuten wie komisch es für einen dritten aussehen musste, wie Dumbledore auf einem Besen flog und seinen Kopf immer wieder zu einem Zweiten, anscheinend herrenlosen Besen zu seiner Linken wandte.

Als sie gelandet waren zog Harry den Tarnumhang aus und schaute sich suchend um. Da er weder einen Toten, einen Verletzten oder sonstige Anzeichen eines Kampfes sah, blickte er mit fragendem Gesichtsausdruck in das Gesicht seines Professors.

„Was hat das zu bedeuten, Sir?", wollte Harry wissen.

Dumbledore überhörte diese Frage und erwiderte nur: „Harry, hole bitte Professor Snape."

„Ich lasse Sie hier nicht alleine, Professor!", begann Harry zornig, wurde jedoch unterbrochen „du hast mir dein Ehrenwort gegeben, auf das zu hören was ich dir sagen", entgegnete Dumbledore .

Seufzend wandte Harry sich in Richtung der Tür, die nach unten führte; als er sich nähernde Schritte die Treppe rauf kommen hörte. Unwillkürlich zog er sich den Tarnumhang wieder über den Kopf. Keine Sekunde zu früh, denn sofort wurde die Tür aufgerissen und eine große, dünne Gestalt stand im Rahmen. Schnell sprang Harry beiseite.

„EXPELLIARMUS"

Zu seiner großen Verwunderung schossen zwei Flüche an ihm vorbei. Malfoys Expelliarmus und ein Zauber der aus Dumbledores Richtung kam und genau dort einschlug wo er, Harry, noch vor wenigen Sekunden gestanden hatte. Zufrieden schaute Dumbledore an ihm vorbei, auf eben diese Stelle und Harry begriff. Dumbledore hatte ihm einen Erstarrungszauber auf den Hals gejagt und ging davon aus, dass er getroffen hatte.

Währenddessen schaute Malfoy mit einem überlegenen Blick zu, wie Dumbledores Zauberstab über die Brüstung des Turmes und in die Tiefe fiel.

„Guten Abend Draco, es ist schön Sie zu sehen, wobei ich Sie darauf aufmerksam machen muss, dass Sie Ihren Gemeinschaftsraum um diese Uhrzeit nicht mehr verlassen dürfen!", sagte Dumbledore ruhig.

Harry schaute ihn verwundert an, er war gerade von einem seiner Schüler angegriffen worden, und doch zeigt er nicht die leiseste Regung irgendwelcher Gefühle auf seinem Gesicht.

Malfoys Blick war in der Zeit zu den beiden am Boden liegenden Besen geglitten.

„Wer ist noch hier?", fragte er dreist.

„Dasselbe könnte ich Sie fragen", entgegnete Dumbledore, „oder sind sie auf eigene Faust unterwegs um ihren Direktor zu überrumpeln?"

Nicht ein winziges bisschen Wut oder Verwunderung schwang in Dumbledores Stimme mit. Nur die Enttäuschung war deutlich heraus zu hören.

„Ich habe Hilfe, Todesser …. Ich habe sie heute Nacht in die Schule geholt. Sie werden gleich hier sein, müssen nur noch an Ihren Wachen vorbei."

Und tatsächlich hörte Harry in diesem Augenblick Kampfgeräusche.

„Ich- ich … habe eine Aufgabe zu erledigen. Deswegen bin ich vorausgegangen.", sagte Malfoy mit einem seltsamen Unterton in der Stimme, den Harry nicht deuten konnte.

War es Angst, Verzweiflung?

Oder täuschte sich er sich?

Als er von unten einen erstickten Schrei hörte in dem gleichzeitig Trauer, Verzweiflung als auch der Ausdruck körperlichen Schmerzes lag, zog sich sein Magen zusammen.

Harry dachte daran, wie es seinen Freunden wohl ergehen mochte.

Kämpften sie?

Waren sie in Sicherheit?

Er dachte an Neville und sogar Luna. Und natürlich Ron und meisten Sorgen machte er sich jedoch zu seinem Erstaunen um Hermine.

Bei dem Gedanken an sie alle wurde sein Herz schwer.

Denk jetzt nicht daran, sagte er sich, sei wachsam (bei diesen Worten erschien unwillkürlich das Gesicht von Moody vor seinem inneren Auge).

Also versuchte er sich auf das Gespräch zwischen Dumbledore und Malfoy zu konzentrieren.

„Verzeihen Sie wenn ich frage, aber wie haben sie es geschafft Ihre Verbündeten in die Schule zu bekommen. Erklären sie nicht zu ausführlich, ich fürchte, dass Ihnen sonst nicht die Zeit bleibt Ihre AUFGABE, wie Sie es nennen zu erfüllen.", fragte Professor Dumbledore gerade.

„Sie trauen es mir nicht zu!", stellte Malfoy fest.

„Ich komme nicht umhin, Ihnen zu sagen, dass sie die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse dazu haben, aber Sie sind kein Mörder, Draco.", sagte Dumbledore gelassen.

„Woher wollen Sie das wissen?", erwiderte Malfoy sofort, „Sie wissen nicht wozu ich fähig bin!"

„Oh doch, das weiß ich.", sagte Dumbledore, „Sie hätten um ein Haar Mrs. Bell und Mr. Weasley getötet. Sie haben das ganze Jahr über versucht mich zu töten. Verzeihen Sie, Draco, aber das waren schwache Versuche… ich fürchte Sie waren nicht ganz bei der Sache…"

„Das war ich, ich habe das ganze Jahr daran gearbeitet, und heute Nacht…"

Ein lauter Schrei durchbrach die Stille.

„Ein Kampf.", stellte Dumbledore nüchtern fest, „aber zurück zum Thema, wie haben Sie es geschafft Todesser in meine Schule zu bringen?"

Als Malfoy antwortete, richtete er seinen Zauberstab auf Dumbledore: „Ich musste das kaputter Verschwindekabinett reparieren, das in dem Montague letztes Jahr verschwunden ist. Sein Gegenstück steht sicher verwahrt bei Borgin und Burkes."

„Sehr gut.", murmelte Dumbledore, „ein schlauer Plan, und das direkt vor meiner Nase. Harry überlegte schon die ganze Zeit, wann der richtige Augenblick war, um einzugreifen.

Er entschied sich dafür abzuwarten, was Malfoy geplant hatte.

„Nun.", sagte Dumbledore, „da das Dunkle Mal über Hogwarts schwebt, würde ich gerne wissen, wen von meinen Leuten sie getötet haben."

„Eigentlich ist das Mal nur da, damit Sie direkt hier hochkommen, aber es wurde wirklich jemand getötet. Ich bin vorhin über eine Leiche gestiegen. Jemand von Ihren Leuten… es war dunkel… ich konnte nicht erkennen…"

In Harry kam das Gefühl auf, sich übergeben zu müssen. Jemand war tot… jemand den er kannte?

„Wie auch immer, es bleibt wenig Zeit also lassen Sie uns über Ihre Möglichkeiten sprechen, Draco", sagte Dumbledore gelassen.

„MEINE Möglichkeiten.", entgegnete Malfoy laut, „Ich stehe hier mit einem Zauberstab- ich werde Sie gleich töten-."

„Wir sollten uns nichts vormachen, mein Lieber, wenn sich mich hätten töten wollten, hätten Sie es schon längst getan, statt sich durch diese nette Plauderei aufhalten zu lassen."

„Ich habe keine Wahl, auch wenn ich es nicht wollte.", sagte Malfoy der inzwischen leichenblass war, „Er will mich und meine Familie umbringen."

„Das ist mir durchaus bewusst, was meinen Sie warum ich nicht mit Ihnen geredet habe? Mir war klar, dass Lord Voldemort Sie umbringen würde, wenn ich Sie verdächtigen würde. Aber ich kann Ihnen helfen, Draco. Kommen Sie auf die richtige Seite, der Orden kann Sie, ja auch Ihre Mutter und zu gegebener Zeit auch Ihren Vater schützen…. Draco, Sie sind kein Mörder."

Malfoy schien ernsthaft zu überlegen.

Doch plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Malfoy unsanft beiseite geschoben.

Herein kamen zwei Todesser, die Harry als Greyback und Bellatrix Lestrange erkannte. Hass stieg in Harry auf. Augenblicklich fing Bellatrix schrill an zu lachen, als sie den wehrlosen Dumbledore an der Brüstung sehen sah.

„Ist der arme Dumby in er misslichen Situation?", gackerte sie, „Naja was soll' s... so gerne ich bei Ihrem Tod anwesend wäre… Ich gehe wieder nach unten, ich habe noch eine Rechnung mit dieser alten schrulligen Lehrerin offen. Ach und Draco, Schätzchen, viel Spaß!", mit diesen Worten und einem weiteren markerschütternden Kichern verschwand sie wieder.

„Na los!", blaffte Greyback Malfoy an. Dieser hob seine zitternde Zauberstabhand und verweilte in dieser Position, ohne das man den Eindruck bekam, dass sich das in den nächsten paar Stunden ändern würde.

„Alles muss man selber machen!", knurrte der Werwolf wütend und setzte zu einem Fluch an, als Snape den Raum betrat. „NEIN", schrie dieser.

„Der Junge ist unfähig, er hat nicht den Mumm dazu…", versuchte Greyback sich zu erklären.

STUPOR", schrie Snape und ließ Greyback damit erstarren. „Es ist die Aufgabe des Jungen".

„Severus… bitte."

Harry erschrak, Dumbledore hatte Snape gerade angebettelt. Konnte das sein? Da Malfoy immer noch keine Anstalten machte anzugreifen, trat Snape mit einem hasserfüllten Gesicht nach vorne und schaute Dumbledore mit Ekel im Blick an.

„Severus… bitte..", wiederholte Dumbledore.

Snape hob seinen Zauberstab und richtete ihn direkt auf Dumbledore.

Avada"…

Harry reagierte schnell. Er lief so leise und schnell wie möglich durch den Raum und stellte sich gerade rechtzeitig vor Dumbledore als Snape das „Kedavra" zu Ende gesprochen hatte.

Harry fühlte wie sich eine unangenehme Kälte in seiner Brust breit machte und sank zu Boden. Während Snape und Dumbledore beide verblüfft auf den Fluch starrten, der sich mitten im Raum aufgelöst hatte, macht sich eine Druckwelle aus dessen Mitte breit. Eine weiße wabernde Kraft, die sich im Raum ausbreitete, ließ die beiden Professoren sowie den Schüler, der mittlerweile schluchzend zusammen gesunken war, ebenfalls das Bewusstsein verlieren.