Liebe Leute,
vielen vielen Dank für Eure Reviews und den Zuspruch!
Ich bin hier aktuell noch ein wenig in der Findungsphase – die 2nd-Person-POV hat es teilweise ganz schön in sich und gestaltet sich teilweise ein wenig schleppend, da Harry sich manchmal einfach weigert so zu agieren, wie es gerade passend wäre.
Ich hoffe, ihr bleibt weiterhin dabei und lest fleißig mit!
Xoxo, Eure Delta
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Ungeachtet dessen, dass du das wirklich glaubst, siehst du ihn natürlich wieder. Es scheint ja aktuell auch dein Schicksal zu sein, dass immer genau das passiert, von dem du nicht erwartest, dass es passiert.
Du wurdest auf der Arbeit am Arm verletzt – nichts dramatisches, ein kleiner Streifschuss von einem abgelenkten Fluch – und meldest dich im Mungo's, wie es das Protokoll verlangt. Du unterdrückst mit zusammengebissenen Zähnen die Erinnerungen daran, wie du hier früher immer abgeholt worden bist, wie vor dem Behandlungsraum auf dich gewartet wurde, wie du nach jeder deiner zahlreichen Verletzungen dein Lieblingsessen serviert bekommen hast, damit der Schmerz etwas weniger wird.
Besagter Schmerz wird angesichts dessen, was jetzt nicht mehr ist, eher stärker und dein Gesicht verzieht sich allmählich zu einer wenig attraktiven Grimasse. So sitzt du in der Wartehalle, als Malfoy plötzlich um die Ecke spaziert.
Der Schmerz wird weniger, und mit gleichem Maße wächst eine absurde Panik in dir. Du willst ihn nicht sehen, er bringt dich durcheinander. Eure letzte Begegnung hat dich auf eine schwer zu beschreibende Art aufgewühlt, und du warst anschließend für einen geschlagenen Tag grundlos nervös und unkonzentriert. Du sinkst in der idiotischen Hoffnung, dass er dich nicht sieht, in dich zusammen und siehst auf den Boden.
Dort siehst du auch hin, als sich elegante dunkle Schuhe in dein Blickfeld schieben und ein leises, amüsiertes Räuspern zu hören ist. „Potter?"
Du hebst geschlagen den Blick und begegnest seinem Blick. Du musst zu ihm hochsehen, und irgendwie ist sein Anblick schwer zu ertragen. Er trägt eine hellblaue Heilerrobe, die seine Augen betont, und die am Hals so geschnitten ist, dass man den Ansatz seiner Schlüsselbeine erkennen kann. Sein Zauberstab ist mit einem kompliziert gewickelten Band an seinen linken Unterarm gewickelt, was seltsam verwegen aussieht. Sein Haar scheint kürzer als im Leaky.
All das registrierst du innerhalb von wenigen Augenblicken, und irgendwo in dir zieht sich etwas zusammen. Du magst das Gefühl nicht. „Ja", sagst du dann, und er deutet mit dem Kopf hinter sich auf einen der Behandlungsräume.
„Komm mit."
Deine Augen weiten sich, und du bewegst dich keinen Millimeter. „Du behandelst mich?"
Er verzieht angesichts deiner augenscheinlich nicht vorhandenen Begeisterung leicht die Lippen, nickt dann aber. „Irgendwer muss schließlich, oder?"
Du seufzt schicksalsergeben und stehst auf. Der Jahresstart hat es wirklich in sich. Du fragst dich dumpf, was genau du eigentlich verbrochen hast, dass du diesen ganzen Wahnsinn mitmachen musst und wann es endlich aufhört und wieder Normalität in dein Leben einkehren kann.
„Du arbeitest doch nicht mal hier", murrst du leise, während ihr nebeneinanderher auf das Zimmer zu geht. Er grinst.
„Eigentlich nicht", gibt er zu, „aber angesichts der Tatsache, dass 4 der Heiler selber krank sind, bin ich eingesprungen." Er macht eine kurze Pause, sieht dich an und runzelt die Stirn. „Du kommst doch damit klar, oder, Potter?"
Du zögerst, nickst dann aber. Inzwischen ist es wohl tatsächlich ein wenig egal, und dieser komische Fluch wird schon nicht zu einer stundenlangen Behandlung führen. Außerdem will ein kleiner Teil von dir nicht, dass er jetzt schon geht.
Seine Gegenwart ist bizarr, sie reizt dich, macht dich unruhig und ist anstrengend. Es ist vermutlich reiner Masochismus, der dich zu dem Gedanken bringt, dass du es irgendwie trotzdem genießt, dass er da ist.
„Gut", sagt er kurz und lässt die Tür hinter sich ins Schloss fallen, ehe er sich in einer lässigen Bewegung auf einen Hocker setzt. „Was führt dich denn hierher?"
Du erklärst ihm ergeben, was passiert ist, und beobachtest während deiner Schilderung sein Gesicht. Eine kleine, steile Falte hat sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet. „Und du weißt nicht, was das für ein Fluch war?"
Du schüttelst den Kopf, und er fährt sich kurz durch die Haare, ehe er sich seufzend an deinem Ärmel zu schaffen macht. Seine Fingerspitzen streifen deine Haut, und du unterdrückst mit Mühe ein leises Aufkeuchen. Deine Lippen pressen sich fest aufeinander und du registrierst dumpf, dass es verdammt lange her ist, dass du so berührt worden bist. Deine Freunde umarmen dich fest, als wollten sie dich daran erinnern, dass du einen Körper hast, und die Kollegen klopfen dir immer mal wieder kumpelhaft auf die Schulter, etwas linkisch, als wüssten sie nicht, wie sie dich berühren sollten. Er aber ist vorsichtig, sanft, fast zärtlich, und dir wird erst jetzt klar, wie sehr du solch eine Berührung vermisst hast.
„Acidio", murmelt er leise und verengt kurz die Augen, „verfluchte Mistkerle." Du blinzelst und siehst endlich auch auf deinen Arm. Das Fluchmal ist größer geworden. Größer und tiefer, sodass die unter der Haut liegende Muskelschicht freiliegt, welche kleine Blasen zu werfen scheint. Der Anblick schockiert dich etwas und lenkt dich von der nahezu überwältigenden Präsenz deines Gegenübers ab, der in einer geübten Bewegung seinen Zauberstab aus dem Gewickel an seinem Arm zieht und in einer spiralförmigen Bewegung über der Wunde zu kreiseln beginnt.
„Was...", machst du leise, „was ist..."
„Shhh", erwidert er und wedelt mit der anderen Hand, um dich zum Schweigen zu bringen.
Du weißt nicht recht, wie du dich verhalten oder was du sagen sollst und beißt dir auf die Innenseite deiner Wange. Aus Gründen, die du selber nicht so richtig verstehst, fühlt sich die Situation angespannter an, als sie zwischen Patient und Heiler sein sollte, und du wünschst dir sehnlichst den dicken, bärtigen Heiler mit den Kaffeeflecken auf der Robe zurück, der dich die letzten Male behandelt hat.
Du starrst aus Mangel an Optionen auf die Wunde, die vor deinen Augen langsam kleiner wird. Die Stelle beginnt irrsinnig zu jucken, und du widerstehst dem Drang, unruhig hin und her zu zappeln. Dein Blick gleitet wieder zu ihm, der mit den Lippen Worte formuliert, die du nicht hören kannst. Er wirkt konzentriert und irgendwie sehr erwachsen. Etwas in dir zieht sich zusammen, und du musst die Augen schließen. Erneut hast du das Gefühl, dass er dich überfordert, auch wenn er gar nichts anderes macht als so da zu sitzen. Du schluckst.
„Säure", sagt er dann irgendwann, und du öffnest etwas überrascht wieder deine Augen und siehst geradewegs in seine. Sie sind grau und ein wenig spöttisch, und automatisch verschließt sich etwas in dir. Malfoy'scher Spott – das hat dir gerade noch gefehlt. „Wie konntest du es so weit kommen lassen, Potter?" fragt er dann in einem kleinen Singsang, und wieder schwingt ein Hauch Sarkasmus in seinen worten mit, „fast wäre der Knochen erreicht gewesen. Weißt du, wie lange du dann außer Gefecht gesetzt wärst? Du musst das doch gemerkt haben."
Du kräuselst leicht die Lippen. „Schmerz ist nichts ungewöhnliches für mich", antwortest du dann, und augenblicklich schwindet der Spott aus seinen Augen.
„Immer der Held", sagt er leise, und die Worte berühren dich. Du hast dich schon lange nicht mehr als Held gefühlt, genau genommen bist du seit einigen Monaten genau das Gegenteil: Schwach. Verletzlich. Verwundet. Ein ungewollter Hauch von Röte überzieht dein Gesicht, und du senkst den Kopf.
„Du solltest trotzdem mehr aufpassen", meint er dann tadelnd, „du wirst noch gebraucht."
Ein bitteres Lächeln erscheint auf deinen Zügen und du hebst wieder den Kopf. Sein Blick ist klar und unbarmherzig, wie man es von ihm kennt, und es ist erstaunlich, wie wenig er trotzdem dem Bild ähnelt, dass du von früher von ihm hast. „Danke, Malfoy", sagst du trocken, „ich werde es schon schaffen."
Damit stehst du von der Liege auf und stößt die Tür auf. Er folgt dir und läuft so recht unelegant – wie untypisch für ihn – gegen deinen Rücken, als du wie erstarrt stehen bleibst.
Er sitzt in der Eingangshalle und springt auf, als er dich sieht. „Harry!"
Dein Blick versteinert und dein Herz scheint auszusetzen. Alles scheint eingefroren, die Zeit verstreicht mit einem knirschenden Geräusch, und dein Mund wird plötzlich trocken. Wie in Zeitlupe siehst du, wie er auf dich zugeht, und mit jedem Schritt wird das Blut in dir mehr zu Eis. Und dann, kurz, bevor er dich erreicht, schiebt sich ein ungewöhnlich warmer Körper an dir vorbei und in deinen Weg. „Smith", hörst du Malfoy sagen, und die Verachtung, die in dieser einen Silbe mitschwingt, ist so allumfassend, dass du fast lächeln musst.
Zac bleibt stehen und runzelt die Stirn. Ihm gefällt die Situation nicht, das kannst du ihm ansehen. Es stört dich, wie sehr du ihn immer noch deuten kannst und wieder einmal wünschst du dir, du könntest die Zeit mit ihm zurückdrehen und die Jahre zurück erhalten, die du mit ihm verbracht hast. Verschwendet hast.
„Malfoy", sagt er knapp und will ihn umrunden. Draco verstellt ihm wiederum den Weg.
„Ich glaube, du bist hier nicht erwünscht." Seine Stimme ist unbeeindruckt und gelassen. Du wünschst dir, deine Stimme würde irgendwo in der Nähe davon sein, aber du weißt ganz genau, dass, sobald du den Mund aufmachst, du weit entfernt von Gelassenheit wärst. Je länger du Zacs Gesicht sehen kannst, desto tauber fühlt sich alles in dir an. Alle Gefühle verblassen, und wie schon so oft zuvor, bleibt nur eine dumpfe Wut übrig. Du würdest ihm gerne weh tun, ihn irgendwie verletzen so wie er dich verletzt hat, und ganz allmählich wird die Welt wieder normal um dich herum. Die Luft kehrt zurück in deine Lungen, und für ein paar Augenblicke hörst du nichts als das Rauschen des Blutes in deinen Ohren.
„Ich bin sein Notfallkontakt", stellt Zac klar, und Malfoy hebt in typischer Malfoy-Manier eine Augenbraue. Sein Profil sieht aus wie gezeichnet, klar gegen die grelle Krankenhausbeleuchtung. Zac wirkt dagegen matt. Fast unscharf. Deine Hände verkrampfen sich unwillkürlich und du kannst deinen Puls in deinen Fingerspitzen fühlen.
„Du warst es mal", antwortet Draco. Er sieht kurz zu dir und lächelt unmerklich, und diese klitzekleine Geste lässt dich etwas ruhiger werden. Trotzdem schweigst du weiterhin.
„Ich wollte nur sicher sein, dass es ihm gut geht", fügt Zac hinzu, und die Worte lassen dich kurz und humorlos auflachen. Zac wird in dem Augenblick wohl auch die Ironie seiner Worte klar, und Röte überzieht seine Wangen. Er sieht weg.
„Sehr ehrenhaft", lobt Malfoy sarkastisch und holt dann tief Luft. „ Es geht ihm gut. Du kannst also gehen."
Zac zögert und beißt sich auf die Lippe. Sein Blick gleitet kurz über dich, und in Auferbringung aller Coolness, die dein Vater jemals gehabt haben mag, starrst du einfach zurück und zwingst dich zu einer ironischen Grimasse, die diffus einem Lächeln ähnelt.
Er schließt die Augen und sieht dann wieder zu Malfoy. Der Zug um Zacs Mund wird hart, als er Malfoys Blick begegnet, der ihn kühl mustert.
„Ich wollte für dich da sein", sagt er dann leise, fast zu sich selbst, „du bist mir immer noch... wichtig. Du..."
„Spar es dir", zischt du leise, und er zuckt zusammen als hättest du ihn geschlagen. Du fühlst die Worte auf deiner Zunge brodeln, sie zucken wie Fische auf dem Land und warten darauf, ins Freie gelassen zu werden. So unendlich viel, was du noch los werden möchtest. Aber da es nur Gift ist, literarisches Gift, welches deinen Mund füllt, hälst du dich zurück. Er ist es nicht wert.
Das Blau seiner Augen verdunkelt sich leicht, und mit einer gewissen Befriedigung siehst du den Schmerz darin aufflackern. Du kennst jede winzige Nuance, jede Wimper, jeden kleinen Sprenkel seiner Iris, und kurz erinnern sich deine Fingerspitzen daran, wie es war, seine Augenbrauen nachzufahen oder wie seine Augen leuchteten, als er dir sagte, dass er dich liebt.
Du fühlst dich kalt an, fremd und irgendwie unsauber in seiner Gegenwart und, ohne es selbst richtig zu registrieren, drehst dich leicht in Richtung Malfoy.
Der Zug um dessen Mund entspannt sich etwas und er hebt den rechten Arm, um Zac damit sacht an der Schulter zu berühren. „Ich denkee, du solltest dann gehen", sagt er dann, und Zac presst die Lippen zusammen, ehe er dich wieder ansieht. Seine Fäuste ballen sich kurz, und dann dreht er sich um. Du siehst auf seinen Rücken, siehst, wie angespannt die Muskulatur zwischen seinen Schulterblättern ist, und musst kurz die Augen schließen. Du hast ihn schon häufiger aus deinem Leben verschwinden sehen, und der Schmerz, der bei dem inzwischen gewohnten Anblick durch deine Eingeweide schießt, trifft dich etwas unerwartet. Etwas, von dem du angenommen hast, dass es längst zerstört sei, zerreißt erneut in dir. Du fragst dich kurz, wann das wohl endlich aufhören wird und du ihn sehen kannst, ohne dass ein weiterer Teil in dir zerbricht.
„Es tut mir leid, Potter", dringt dann leise Dracos Stimme an dein Ohr, und deine Lippen kräuseln sich zu einem trockenen Lächeln, bevor du den Blick hebst und ihn ansiehst. Er mustert dich eindringlich, viel zu genau für deinen Geschmack, und scheint in deinen Augen etwas zu suchen. Du blickst fast trotzig zurück, und seine Augen werden eine Spur weicher. Du blinzelst und siehst schnell zur Seite.
„Ich komm schon klar, Malfoy", sagst du dann und ärgerst dich über dich selbst, weil deine Stimme so anders klingt, alsu du es gewohnt bist. Sie klingt erschöpft und müde. Deine Zähne pressen sich fest aufeinander und du sammelst dich etwas, bevor du hinzufügst: „Trotzdem, danke."
Sein Lächeln wird breiter und verkommt zu dem Malfoy-Grinsen, welches du schon aus deiner Schulzeit kennst. Weit geschwungene Lippen, ein Hauch von weiß blitzenden Zähnen, ein Grübchen auf der linken Wange, das genüßliche Funkeln in seinen Augen.
Deine Welt, die in den letzten Sekunden irgendwie schief stand, richtet sich wieder auf, und du holst tief Luft.
„Bis bald", sagst du dann, und das Funkeln verstärkt sich, bis es dich fast blendet.
„Bis bald", echot er, und in seiner Stimme schwingt Belustigung mit.
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Ron und Hermine werden für ein halbes Jahr in die Staaten versetzt.
Du wusstest das, es ist lange bekannt. Und als ihnen dieser Schritt im November letzten Jahres angeboten wurde, hast du dich ehrlich für sie gefreut.
Damals sah dein Leben noch ein wenig anders aus.
Jetzt hast du das Gefühl, dass sie dich verlassen. Dein Lächeln wird von Mal zu Mal dünner, wenn sie ihre neuesten Reisepläne vorlegen, und du fragst dich, wie du das Ganze ohne sie schaffen sollst. Wie du weitermachen sollst ohne diese beständige Unterstützung, die Freundschaft und Nähe, die sie dir entgegen bringen.
Natürlich sind da noch Neville, Ginny, Luna und die restlichen Weasleys. Aber es ist nicht das Gleiche, sie kennen dich nicht so intim, kennen nicht die Welt vor Zac. Das stolze, mutige Ich, dass du damals warst, kurz nach dem Sieg über Voldemort, als du geglaubt hast, du könntest alles schaffen. Dieser sorglose, glückliche, befreite Mensch.
Sie allein kennen dich so, haben dir den Glauben daran gegeben, dass du dieses Ich wiederfinden wirst. Ohne die beiden siehst du diese Person irgendwo im Nirgends verschwinden, während dir nur dieses verbitterte Abziehbildchen deiner Selbst übrig geblieben ist.
Du machst gute Miene zum bösen Spiel und hälst die tapfere Fassade aufrecht, die alle von dir erwarten. An deinen freien Tagen hilfst du den beiden beim Packen, und abends kehrst du in deine leere Wohnung zurück. Die Kartons, die noch nicht weniger werden weil du immer noch die letzten Regale aufbauen musst und dich selber nicht richtig dazu motivieren kannst, scheinen dich auszulachen, als du neben ihnen alleine ein Glas Feuerwhiskey trinkst und die glimmenden Kohlen im Kamin trübsinnig betrachtest.
Als es dann wirklich soweit ist und Ron und Hermine einen alten Koffer in Form ihres Portkeys in der Hand halten, der sie quer über den Erdball und in eine andere Zeitzone tragen wird, bist du kurz davor, dich auch mit an dem alten Teil fest zu halten. Aber es wäre eine Flucht, und diesen Triumph willst du deinem Ex nicht geben. Der mächtigste Zauberer deiner Zeit hat dich nicht fliehen lassen, also wird es der Mann, der das Leben wie du es kanntest in kleine übelriechende Stücke zerhackt hat, auch nicht tun.
Du steht also nur da und siehst sie an, und als dein Blick den von Hermine kreuzt weißt du, dass sie es weiß. Dass sie genau ahnt, was in dir vorgeht, und dass sie kurz davor ist, den Koffer deineetwegen loszulassen. „Alles wird gut", sagst du dann zu ihr, und ihre dir so bekannten Augen weiten sich leicht. Ihr Griff um den Koffer wird fester, und ihr Zeigefinger berührt sacht den von Ron.
„Ja", sagt sie noch, bevor der Portkey sie davon trägt. Du bleibst noch ein Weilchen da und starrst den Fleck an, an dem sie Sekunden zuvor noch standen.
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Du beginnst, dich von da an häufiger mit Neville zu treffen. Ihr habt viel zusammen erlebt und euch immer recht gut verstanden, auch wenn er eigentlich immer eher ein Freund von Ron als von dir gewesen war. Trotzdem: Es tut dir gut und du genießt die Abwechselung von deinen eintönigen Tagen.
Es ist nett, und es lenkt dich ab. Sich mit Neville zu treffen ist einfach: Er kennt dich, respektiert dich, schätzt dich.
Vielleicht ein wenig zu sehr.
Ihr seid bei eurem vermutlich siebten bis achten Bier im Leaky, als sich Neville plötzlich zu dir beugt und er seinen Arm über deine Schulter nach unten in Richtung deiner Taille wandern lässt. Du versteifst dich und siehst ihn verwirrt an, während er sachte lächelt. Ein Rotschimmer liegt auf seinen Wangen, von dem du hoffst, dass er vom Alkohol herrührt. „Weißt du, Harry, ich hatte schon immer was für Dunkelhaarige übrig", murmelt er dann leise, und seine Lippen berühren dabei fast dein Ohr.
Du lachst gezwungen und machst dich mit einer mehr oder minder eleganten Bewegung aus seiner Umarmung frei. „Ich stand ja schon immer mehr auf blond", erwiderst du leicht konfus, und hinter dir ertönt ein trockenes Schnauben. Du fährst herum, irgendwo zwischen Hoffnung und Panik, dass Zac hinter dir steht.
Er ist es nicht.
Dafür fällt dein alkoholgeschwängerter Blick auf einen mit Jeans und T-Shirt bekleideten Draco Malfoy, der in dieser Aufmachung fast lächerlich an ein Replay-Plakat erinnert.
„Dann hab ich ja Glück", sagt er ironisch, und deine Wangen werden schlagartig flammend rot. Dein Herzschlag verdoppelt sich und du fragst dich dumpf, wieso er bloß diese furchtbare Wirkung auf dich hat.
„Draco", sagt Neville dann, und du runzelst angesichts der Nutzung des Vornamens die Stirn und siehst zu deinem Begleiter. Dessen Augen liegen mit einem schwer zu deutenden Ausdruck auf dem Neuankömmling, welcher jetzt langsam und genüßlich zu lächeln beginnt. Der Anblick sorgt für Tumult in deinem Magen.
„Neville", erwidert er, und deine Verwirrung verstärkt sich.
„Du hier", macht Neville dann recht unfreundlich, und ein leichtes Funkeln legt sich in das Grau von Malfoys Augen. Er wirkt ziemlich vergnügt für die Spannung, die zum Greifen spürbar in der Luft liegt, und kurzzeitig wünscht du, er wäre nicht in euer Gespräch geplatzt.
„Date", antwortet Draco kurz, und etwas in dir zerplatzt mit einem hässlich klirrenden Geräusch. Dein Bier schwappt über deine Hand und läuft in deinen Ärmel, wo es unangenehm an deiner Haut pappt. Du merkst es kaum.
Draco deutet mit dem Kopf hinter sich, und du reckst den Hals um zu sehen, auf wen er zeigt.
Dann siehst du ihn, und einen kurzen Moment lang fragst du dich, wieso dich der Anblick so trifft und du nicht vollkommen erwartet hast, dass ein Mann wie Malfoy sich mit einem Mann wie dem, der dort elegant auf einem Barhocker sitzt und die Szene mit leichter Ungeduld beobachtet, umgibt.
„Ich wusste gar nicht, dass Blaise wieder in der Stadt ist", hörst du Neville hinter dir sagen, und erst jetzt wird dir klar, wer der Mann ist, der dich aus spöttischen dunkelblauen Augen recht unverhohlen mustert. Etwas an dieser Erkenntnis gefällt dir nicht, nicht mal ein bißchen, doch du kannst es nicht richtig deuten. Deine Zähne pressen sich unwillkürlich aufeinander.
Draco zuckt als Antwort kurz mit den Schultern. „Ich wollte auch gar nicht lange stören", sagt er stattdessen und klopft Neville kurz auf die Schulter, „ihr scheint ja gerade etwas besprechen zu wollen." Eine goldene Augenbraue schwingt sich sacht in die Höhe, und du beobachtest fast analytisch, wie das Rot auf Nevilles Wangen sich verstärkt. Kein gutes Zeichen, wie du dumpf feststellst.
„Schöne Grüße an Blaise", hörst du dich selber sagen, und irgendwie klingt deine Stimme seltsam, etwas belegt, etwas zu hoch, und die Worte klingen nicht mal ansatzweise ernst gemeint.
Dracos Augen schnellen zu dir herüber und du scheinst in dem eisigen Grau zu erfrieren. Mit Mühe hälst du seinem Blick stand und fragst dich, was dich bloß zu dieser Aussage getrieben hat. „Oh, vielen Dank, Potter", sagt er dann trocken und sieht kurz zu seinem Begleiter. Du atmest unwillkürlich erleichtert aus, als er seinen Blick von dir nimmt, und sammelst dich mühsam. „Ich werde es ihm ausrichten."
Er sieht wieder zu dir, das Lächeln immer noch auf seinen Lippen. Für einen kurzen Moment erlischt der Spott darin, verschwindet die Härte in seinen Augen, und du hast das Bedürfnis, ihn zu berühren, was du nur mühsam unterdrücken kannst. „Bis bald", sagt er, und du lächelst leicht bei den inzwischen bekannten Worten.
„Bis bald", murmelst du leise, während er sich schon umgedreht hat und zurück an seinen Tisch geht. Blaise scheint sich kein bißchen an dem kurzen Alleingang des Blonden zu stören sondern lächelt breit, als er zurückkommt, und legt ihm in einer seltsam vertrauten Geste die Hand auf den Unterarm. Die Berührung ist kurz und unschuldig, trotzdem hast du das Gefühl, dass sie mehr bedeutet, und du drehst gezwungen den Kopf weg.
Neville starrt dich an. „Blond also", sagt er, und du lachst humorlos auf.
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