Life is what you make it

Rubys Leben nimmt einen dramatischen Wendepunkt als ihre Familie bei einem Autounfall ums Leben kommt. Ihr einziger, noch lebender Verwandter ist ihr Pate Brian Simmons. Ruby muss zu dem Indianer nach La Push ziehen und dort einen Neuanfang wagen.

Disclaimer: Mir gehört nichts außer der Handlung und meiner eigenen Charaktere. Der Rest gehört Stephenie Meyer.


Kapitel 2:

Die Autofahrt verlief schweigend. Kein Wort wurde gesprochen. Ruby verspürte nicht das geringste Bedürfnis sich unterhalten zu wollen. Sie wollte nur nach hause, das war alles. Brian stellte das Radio an, um die drückende Stille wenigstens ein wenig zu übertünchen. Das gelang ihm auch einigermaßen. Bei den sanften Klängen von Eric Claptons Gitarre schloss Ruby ihre Augen und entspannte sich kaum merklich. Als dann noch seine raue Stimme anfing, Tears in heaven zu säuseln, kam Ruby eine Idee. Geld hatte sie im Moment zu Genüge, das wäre also kein Hindernis. Und sie könnte sich dem vollends hingeben, ohne unnötige Gedanken zu verschwenden. Ja, das war eine tolle Idee und Ruby würde noch in dieser Woche ich Vorhaben in die Tat umsetzen, das stand fest.

Bei diesem Gedankengang hatte sie gar nicht gemerkt, was Eric Clapton da gerade sang. Als sie dem Lied lauschte, konnte sie ihre Gefühle und ihren Schmerz nicht länger verbergen. Die Tränen, die sie wochenlang eingesperrt hatte, überfluteten sie geradezu. Brian, der erschrocken ihr geräuschloses Leiden realisierte, wollte schnell das Radio abschalten, doch Ruby hielt seine Hand in der Bewegung auf, als sie sah was er vorhatte. „Nein", bat sie ihn mit tränenerstickter Stimme, „bitte!"

Einen Augenblick lang sah er ihr in die geröteten Augen, seufzte dann, und nickte. „Gut.", sagte er leise.

Yuma, der sich zuvor auf dem Rücksitz zusammengerollt hatte, winselte leise und stupste Rubys Ohr mit seiner kalten Schnauze an. Sie strich ihm über seinen Kopf und kraulte ihn hinter den Ohren, bevor sie sich wieder nach vorn drehte und die Augen schloss. Sekunden später schlief sie mit nassen Wangen ein und Brian deckte sie mit seiner Jacke zu, so gut es beim Autofahren ging. „Armes Ding", murmelte er, bevor er sich wieder ganz der Straße zuwand.

Als Ruby aufwachte, fand sie sich in einem kuscheligen Bett wieder, in einem kleinen, gemütlichen Zimmer, das in einem warmen Licht erleuchtet war. Yuma hatte sich an ihre Seite gekuschelt und war neben ihr eingeschlafen. Sie stand leise auf, um ihn nicht zu wecken und sah sich weiter im Zimmer um. Draußen war es dunkel, es musste also schon Abend, wenn nicht sogar Nacht sein. Hier in La Push konnte man das ja nie so genau wissen.

Das Bett stand an der Wand, links neben der Tür in einer Ecke des Zimmers. In einer anderen ein großer, massiver Schrank aus dunklem Eichenholz. Ein knuddeliger, abgewetzter, orangefarbener Sessel stand neben dem Fenster. Die großen Vorhänge waren zu Seite gezogen worden und gaben den Blick frei auf eine breite, gepolsterte Fensterbank. Am Fenster entlang war eine Lichterkette aufgehängt worden, die die Quelle des sanften Lichtes darstellte. Eine dunkelbraune Fliesdecke war zusammengefaltet in die Sitzecke gelegt worden, zusammen mit ein paar weichen Kissen. Auch ein Bücherregal stand in dem kleinen Zimmer. Es gefiel Ruby. Es war schöner als irgendein großes, kaltes Zimmer, in dem sie verloren gehen konnte. Nein, ein kleines, gemütliches Zimmer war genau richtig. Sie stellte sich vor den großen Standspiegel, der neben dem Schreibtisch stand und sah hinein, einfach um sich zu vergewissern, ob sie noch da war.

Ruby sah schlimm aus. Sie war leichenblass und hatte dunkle Ränder unter den verschlafenen Augen. Ihre feuerroten Haare, die sonst so wild um ihren Kopf wucherten, hingen strähnig und kraftlos herunter und ihre blauen Augen hatten jeglichen Glanz verloren. Das Leben war praktisch aus ihr gewichen. Jede Bewegung wirkte lustlos.

Sie betrachtete sich und schweifte krampfhaft in Erinnerungen. Ihre blauen Augen, es waren die gleichen wie die ihrer Schwester, ihrer besseren Hälfte, wie Ruby sie immer genannt hatte. Sie erinnerte sich daran, dass niemand Ruby und Emmy hatte auseinander halten können, als Ruby noch genauso blonde Haare hatte, wie ihr Zwilling. Sie hatte sie sich rot gefärbt, weil sie fand, dass es zu ihr passte. Das fließende honigblond hatte zu Emmys glatten Haaren und ihrem anmutigen Gebaren gepasst. Ruby jedoch, war immer die wilde, rebellische der beiden Schwestern gewesen.

Erneut erfüllte sie die Taubheit. In Gedanken an ihre tote Familie kam immer kurz Schmerz auf, der jedoch gleich einer unendlichen Leere wich. Ruby war keine Person, die ihren Gefühlen immer freien Lauf ließ. Sie war in dieser Hinsicht eher zurückhaltend, in ihren eigenen Worten „verkrüppelt". Sie hasste es, wenn man sie weinen sah. So hatte sich die Kälte, der der Schmerz stets wich entwickelt und gesteigert.
Im Moment war Ruby eher mit einer wandelnden Hülle zu vergleichen, als der stürmischen, leidenschaftlichen Ruby von früher.
Ruby schloss ihre Augen, atmete einmal tief durch, um auch noch das letzte Körnchen Trübsal aus ihrem Körper zu pusten und legte sich wieder in ihr Bett. Morgen war Montag, ihr erster Schultag an der La Push High. Wie wohl die Leute hier waren. Ruby hoffte, sie mochten alle so herzlich und liebenswert sein wie Brian. Doch wenn sie genauer darüber nachdachte, war sie gar nicht so erpicht darauf mit irgendjemandem Kontakte zu knüpfen.
Sie sollten sie bloß alle in Ruhe lassen. Dann wäre sie zufrieden.

Ruby sprang aufgeschreckt aus dem Bett, als ihr Radiowecker schrill anfing zu singen. Sie hatte jedoch so viel Schwung, dass sie nicht auf den Füßen stehen blieb sondern gleich weiter flog und auf ihrem Hintern landete. Mit zusammengepressten Zähnen rieb sie sich ihr schmerzendes Steißbein und zog sich am Bettgestell hoch, um sich für die Schule fertig zu machen. Sie tapste mit zerzausten Haaren auf nackten Füßen aus ihrem Zimmer, durch den Flur in das Bad, duschte, kämmte sich, putzte sich die Zähne und ging danach, um einiges munterer wieder in ihr Zimmer zurück. Sie nahm ohne groß darauf zu achten, was es war ein Paar Sachen aus ihrem, noch unausgepackten Koffer heraus und zog sich rasch vor dem Spiegel an, schminkte sich rasch und ging dann die Treppe hinunter in die Küche. Brian war scheinbar schon weg, er hatte Ruby jedoch ein paar Käsebrote gemacht bevor er gegangen war. Ruby lächelte stumm in sich hinein und dankte Brian im Stillen für seine Güte. Hastig schlang sie die Brote hinunter, denn sie war schon ein wenig spät dran, dafür, dass sie vor Beginn der ersten Stunde in das Sekretariat musste, um sich anzumelden. Sie schnappte sich ihre Tasche und fragte sich gerade, wie sie eigentlich zur Schule kommen sollte, da sah sie auf der Kommode im Flur einen Zettel, auf dem ein Schlüssel lag.

Liebe Ruby
Das hier ist der Schlüssel zu deinem neuen Auto
Ich habe es kürzlich aus zweiter Hand für dich gekauft

Ich hoffe du magst es
Brian


Und wie ist es?
Langweilig?
Toll?
Doof?
Bitte lasst mir was da ...