Teil 2
Als Gwen die Türe öffnete, traute sie ihren Augen nicht.
Vor ihr stand Jack Harkness ... als sei er nie fort gewesen. Groß, stattlich, gekleidet in seinen Militärmantel unter dem Hemd und Hosenträger hervorblitzten, die Haare gerade so strubbelig, dass es verwegen und elegant zugleich aussah und auf dem Gesicht ein Grinsen, das jedes Honigkuchenpferd vor Neid hätte erblassen lassen.
„JACK!" Gwens Schrei war Erstaunen, Schreck und Lachen zugleich und keine Sekunde später lag sie dem Captain in den Armen und drückte ihn, als könne sie damit verhindern, dass er noch einmal verschwand. „JACK!" rief sie erneut und konnte nicht mehr aufhören zu lachen, während Jack sie umarmte und hochhob und deutlich leiser, aber nicht weniger innig sagte „Gwen Williams..."
Hinter Gwen tauchte Rhys im Türrahmen auf und grinste ebenfalls.
„Wenn man vom Teufel spricht.", war sein Kommentar und als Jack Gwen endlich wieder absetzte und los ließ, streckte er dem Captain die Hand zum Gruß hin, die dieser herzlich nahm und schüttelte.
Gwen hörte nicht auf, Jack wieder und wieder mit ihren Fingerspitzen in kleinen Gesten zu berühren.
„Komm doch rein. Du hast sicher viel zu erzählen!"
Jack nickte und betrat das Haus, um mit Gwen zusammen ins Wohnzimmer zu gehen.
Rhys schloß hinter den Beiden die Tür und sagte mit hochgezogenen Augenbrauen leise zu sich selbst „Na, ich denke wir haben da auch was..."
Als er Jack und Gwen ins Wohnzimmer gefolgt war, hatte seine Frau bereits etliche Fragen des Captains beantwortet.
- Ja, den dreien ging es gut.
- Es war ein Junge.
- Er hieß Edward und schlief.
- Torchwood war nicht aufgelöst, aber auf Eis gelegt.
- Sie hatten keine finanziellen Sorgen, da das Gehalt weiter gezahlt wurde um sie still zu halten – was speziell Rhys begrüßte, der „übertrieben" vorsichtig mit der jungen Mutter war.
„Aber jetzt möchte ich auch mal fragen, Jack!", lachte Gwen, die brav jede der Fragen beantwortet hatte, die Jack wie ein Dauerfeuer von sich gegeben hatte. „Wie geht es dir?" Sie stand vor ihm und hatte sein Gesicht in ihre Hände genommen, während sie ihn mit liebevollem Blick ansah und mit sanfter Stimme weitersprach. „Hast du gefunden, was du gesucht hast? Hat es dir geholfen?" Jack lächelte zwar immer noch, aber etwas ernster, während er Gwen an den Schultern hielt und zärtlich mit den Daumen darüberstrich. „Ein wenig. Es hat gut getan, sich etwas abzulenken, aber es war letztendlich nur genau das – Ablenkung ... es änderte nichts. Aber ich bin etwas zur Ruhe gekommen und deshalb war es an der Zeit, euch einen Besuch abzustatten. Ich wollte ..."
Eine Stimme von der Tür zum Garten unterbrach ihn.
„Primzahlen halten alles zusammen. Der Garten ist fehlerhaft und wenn gestern die Konsole Eingaben erhalten hat, bringt das keineswegs die Lösung für das Problem der fixen Punkte."
Er stand in der Tür und starrte Jack an, als sei er das verwirrendste, das er jemals gesehen hatte. Seine Erscheinung war seltsam anders, dadurch, dass er anstelle des Anzuges die lange Jacke trug mit dem weichen Kaputzenshirt darunter. Aber er war es ... der Doctor ...
Jack brachte nicht einmal mehr ein Stottern zustande. Er starrte den Timelord mit offenem Mund an und noch bevor Gwen oder Rhys irgendetwas sagen konnten, war er auf den Doctor zugelaufen und umarmte ihn heftig.
„Doctor! Das gibt es doch gar nicht! Sag mal, was redest du da für ein Zeug – übersetzt die TARDIS nicht vernünftig!" er lachte über seinen Scherz.
„Jack...", Gwen versuchte, ihn von dem Timelord wegzuziehen, der mit der Umarmung sichtlich überfordert war. Aber im ersten Moment bekam Jack es nicht mit.
„Jack...", versuchte Gwen es ein zweites Mal und zog nun am Arm des Captains. „Lass ihn bitte los. Das ist zuviel."
Der besorgte Ton ihrer Stimme, ließ ihn endlich aufhorchen und er ließ tatsächlich los – jetzt erst realisierend, dass der Doctor die Umarmung zwar zaghaft erwidert hatte, ihn nun aber mit überrascht hochgezogenen Augenbrauen anstarrte.
Kaum war die Berührung zwischen ihnen beendet, trat der Timelord ein Stück zurück und betrachtete Jack höchst misstrauisch.
„Ein Punkt.. ein Punkt ... die Gesetzmäßigkeit verweigert den Partikeln eine konstante Kurve. Ich werde das einstellen müssen." Er sah zu Gwen „Erinnere mich daran, wenn es so weit ist."
„Was...?" Jack starrte den Doctor an und versuchte zu verstehen, was dieser von sich gab und in welcher Weise das alles Sinn ergab.
Gwen trat an den Doctor heran, nahm seine Hand in ihre und lächelte ihn an, woraufhin er promt zurücklächelte und plötzlich wieder ganz normal aussah.
„Doctor, es dauert noch ein bisschen. Ich werde jetzt ein wenig mit unserem Besuch reden und vielleicht habt ihr später die Gelegenheit euch zu unterhalten. Aber jetzt solltest du wieder in den Garten gehen. Komm, ich bringe dich hin."
Der Doctor sah Gwen mit warmem Blick an und nickte. „Eine Spirale, auf und ab.", sagte er ruhig, als sei das eine vernünftige Antwort auf das, was sie gesagt hatte. Gwen nickte und zog den Timelord mit sich zurück in den Garten.
Rhys hielt Jack am Arm fest und davon ab, hinter ihnen her zu gehen.
„Er ist nicht ok, Jack. Es ist schon besser geworden, aber ich fürchte, es wird noch verdammt lange dauern, bis er wieder der ist, der er mal war – falls das überhaupt klappt."
Man sah Jack an, dass ihm übel war. Er war blass und starrte abwechselnd zu Gwen und dem Doctor in den Garten und zu Rhys.
„Was ist passiert? Verdammt, Rhys, was ist passiert? Warum ist er hier und ..." er brach ab, weil ihm einfach die Worte fehlten.
„Gwen wird dir alles erklären – und vielleicht kann er es dir nachher sogar selber erklären. Er hat jetzt regelmäßig helle Momente in denen er anders ist als gerade."
„Helle Momente?", in Jacks Stimme mischte sich ein unterschwelliger Hauch von Hysterie und sein Gesicht war verzogen, als habe er Schmerzen. Er ging zu der großen Scheibe, durch die man in den Garten sehen konnte und legte seine Hand gegen den Rahmen, während er den Doctor betrachtete, der mit Gwen auf der Rasenfläche unmittelbar vor einem Beet stand. Sie sahen gemeinsam nach oben in die Wipfel einer Kastanie. Der Doctor deutete mit ausgestrecktem Arm auf verschiedene Bereiche der Krone, als erkläre er Gwen etwas, die bei ihm eingehakt war, nickte und etwas erwiderte.
Jack legte in purem Entsetzen eine Hand vor den Mund und konnte die Augen auch dann nicht von der schmalen Gestalt im Garten nehmen, als Gwen wieder hereingekommen war und Jack nun von der Seite umfasste, als müsse er gehalten werden.
„Was ist passiert, Gwen? Was ist mit ihm passiert?" er hauchte die Fragen nur und sah dann zu Gwen herunter. Seine Augen waren ein wenig rot, als habe er sie zu fest gerieben.
„Er war da, Jack. Als die 456 hier waren, war er es auch. Er hat versucht, dich zu erreichen, wieder und wieder, während er ihre gesamte Flotte ausgeschaltet hat. Er hat uns nicht allein gelassen. Wir haben nur nicht gewusst, dass er da ist, weil er keinen Kontakt zu uns aufnehmen konnte. Und als es nur noch das eine letzte Schiff gab, dass wir dann besiegt haben, war er so nah dran ..." sie schluckte „Jack – was wir mit den 456 gemacht haben, hat auch auf ihn gewirkt. Er lebt, aber ... es hat ihn verflucht durcheinander gebracht ..."
„Was...?" Jacks Stimme war kaum zu hören, als er dieses eine Wort aussprach. „Wie ist er zu dir ..." sein Blick ging wieder in den Garten, wo der Doctor seine Hände wieder tief in die Taschen der Jacke gesteckt hatte und mit sehr zufriedenem Gesichtsausdruck langsam vor sich hinschlenderte. Als er einmal kurz zum Haus sah, lächelte und winkte er wieder.
Gwen winkte zurück. Jack konnte sich nicht bewegen.
„Er hat unmittelbar nach der Zerstörung der 456 eine Notlandung eingeleitet, die ihn zu seinem üblichen Landeplatz gebracht hat. Er konnte ja nicht wissen, dass es den Hub nicht mehr gibt. Dort hat er dann Monate in seinem Schiff verbracht, bevor ich ihn gefunden habe. Die TARDIS hat seinen Zustand wohl erkannt und ihn schlicht und ergreifend nicht rausgelassen." Sie sah zu Jack hoch. „Sein letztes Wort, als er noch bei Verstand war, war dein Name, Jack. Er wollte zu dir. Und seit er hier bei uns im Haus ist, ist jeden Morgen wenn er aufwacht die erste Frage die er stellt, wo du bist und wann du kommst."
Jetzt legte Jack beide Hände vor den Mund und schluckte hart.
„Er war da? Und ich habe es nicht gewusst? Er war wirklich da?"
Gwen nickte und umfasste Jack erneut von der Seite.
„Ja, er war da. Aber komm und sieh es dir am besten selber an, er hat Aufzeichnungen gemacht."
Als das Licht in der Garage an ging und die TARDIS darin zum Vorschein kam, gab Jack ein lautes Keuchen von sich.
Die Tür war nicht verschlossen und Gwen hatte inzwischen gelernt, mit den gröbsten Funktionen der Konsole klar zu kommen, zumindest wenn es darum ging, die Aufzeichnungen abzuspielen ...
