Kapitel 2 Nur einmal deine Liebe spüren
„Dann
mach doch was du willst", schrie Ginny Harry an, packte ihre Bücher
ein und rannte wütend die Stufen in den Mädchenschlafsaal nach
oben
„Hey, was ich hab ich denn jetzt schon wieder falsch
gemacht?", schrie Harry hinter ihr her und sah, wie sie ohne eine
Antwort zu geben verschwand.
„Lass sie, Harry. Ich glaube sie
hat einfach nur schlechte Laune, weil ihr der Trank heute Morgen
misslungen ist", versuchte Hermine ihn zu beruhigen. „Sie wird
sich bald wieder beruhigen und runter kommen."
„Ja toll. Ich
kann doch nichts dafür, dass sie die falschen Zutaten nimmt. Warum
ist sie jetzt sauer auf mich?", ruft er zerknirscht zurück und als
Hermine mit den Schultern zuckt, knallt er sein Buch „Magische
Verwandlung Band 7" auf den Tisch, dreht sich um und verlässt den
Gemeinschaftsraum, wo er in einen Zweitklässler rennt, der gerade
herein kommen wollte und ihn von den Beinen wirft.
„Tut mir
leid", murmelt Harry, zieht ihn wieder auf die Füße und
verschwindet dann nach unten. Er brauchte frische Luft, musste
einfach mal etwas raus. Ein Spaziergang zum See würde ihm gut tun.
Zumal es auch noch gutes Wetter war.
Nachdenklich ging er den
steinigen steilen Weg zum Schwarzen See hinunter. Warum mussten
Mädchen nur immer so kompliziert sein. Er hatte doch nichts weiter
getan, als sie zu fragen, ob sie mit ihm Zaubertränke üben würde.
Wieder schüttelte er den Kopf und sah nun das erste Mal auf, als
er auf das dunkle Wasser zuging, in dem sich die Nachmittagssonne
spiegelte.
Überrascht erblickte er die Person, die alleine unter
einem der Bäume in der Nähe des Sees saß und in ein Buch vertieft
zu sein schien. Es war seltsam Draco Malfoy lernen zu sehen. Er hatte
sich wirklich verändert in den letzten Monaten, dachte Harry so bei
sich, als er ohne weiter darüber nachzudenken auf diesen
zuging.
Draco ließ das Buch sinken und sah zu Harry auf. Als er
ihn erkannte lächelte er.
„Hi."
„Hi. Störe ich dich?",
fragt Harry, dem in diesem Moment nicht einfällt, was er sonst sagen
sollte.
„Nein, nicht wirklich. Ich hab nur nochmal Geschichte
angesehen. Aber eigentlich kann ich es schon. Setzt dich doch etwas
zu mir."
Harry setzte sich neben Draco in das Gras, der nun sein
Buch neben sich legte und sich langsam rückwärts sinken ließ, die
Hände hinter dem Kopf verschränkt.
„Du siehst aus, als hättest
du dich geärgert?", fragte Draco in die entstandene Stille
hinein.
Überrascht blickte Harry Draco an, der kurz seinen Blick
erwiderte und dann wieder in den Himmel starrte.
„Ginny ist
wegen irgendwas sauer auf mich und ich hab nicht mal ne Ahnung warum.
Aber lassen wir das. Sie wird sich schon wieder beruhigen. Mädchen
eben." Er stützte die Ellenbogen neben sich auf den Boden und ließ
sich ein Stück nach hinten sinken, sah aber immer wieder zu Draco,
dessen Gesicht er musterte und auch kurz seine Augen über den Körper
des jungen Mannes wandern ließ. Harry erschauderte über seine
eigenen Gedanken, dennoch musste er zugeben, dass der junge Malfoy
wirklich gut aussah und er meinte damit jetzt nicht seine teure
Sachen die er trug, sondern Dracos Figur. Schlank und doch sehr
Männlich.
„Schau mal. Die Wolke sieht aus, wie Sluggy, findest
du nicht. Sieht aus als hätte sie einen riesigen Schnurrbart",
sagt Draco auf einmal und deutet in den Himmel. Harry folgt seinem
Fingerzeig und musste grinsen, denn er hatte Recht, das sah wirklich
aus wie das Gesicht von dem guten Slughorn.
Auch Harry ließ sich
jetzt auf den Rücken sinken und betrachtete die Wolken, die immer
wieder langsam ihre Form veränderten.
„Und jetzt hat sie
Ähnlichkeit mit einem Knarrl", grinste Harry breit.
„Hm …
stimmt."
Kurz zuckte er zusammen, als Draco eine Hand auf die
seine legte. Doch zog er sie nicht zurück, zu seiner eigenen
Überraschung, war es ihm überhaupt nicht unangenehm. Im
Gegenteil.
Er fühlte ein leichtes Kribbeln, sanft und doch
aufregend, als Draco seine Finger mit denen von Harry verschränkte
und er weiter über eine Wolke philosophierte. Dieses Kribbeln setzte
sich langsam über Harrys Arm, seine Schulter, über die Brust, bis
hin zu seinem Bauch fort.
Was passierte hier?
Harry war nicht
wirklich fähig zu denken und mit einem Mal wurde Draco auch ruhiger,
was ihm aber nicht wirklich auffiel.
„Harry... ich ... muss dir
was sagen", begann er nach einiger Zeit leise, drückte
unwillkürlich seine Hand etwas fester. „Seit dem Abend ... als du
den Dunklen Lord besiegt hast und mir das Leben gerettet hast
..."
„Ja, nicht nur einmal", sagte Harry leise. Draco
schluckte und nickte.
„Ich ... denke, ich habe mich bei dir noch
nicht dafür bedankt."
„Schon gut, hätte wohl jeder gemacht",
gab Harry leise zurück.
„Nein, hätte nicht jeder getan. Harry
ich ... weiß, dass ich das nicht verdient hätte, dennoch hast du
einfach mein Leben gerettet", seine Stimme klang leise, unsicher
und erst als er sich auf die Seite drehte, wendete auch Harry den
Kopf.
„Vergiss es einfach, ja", gab er zurück.
„Das ...
kann ich nicht. Harry ... Danke", sagte er leise. Dann neigte er
den Kopf nach vorn und gab Harry einfach einen Kuss. Dieser war so
perplex, dass er zuerst überhaupt nicht reagierte, und als er
schließlich reagieren wollte, sprang Draco auf und rannte wie von
einer Hornisse gestochen zum Schloss zurück.
Harry kniete nun
unter dem Baum und blickte der kleiner werdenden Gestallt mit
verwirrten Gefühlen hinterher. Er erschauderte, als er an den Kuss
dachte und spürte überdeutlich, wie die kleinen Schmetterlinge in
seinem Bauch wieder wie wild hin und her zu
flatterten.
Schmetterlinge? Was in aller Welt dachte er nur da.
Die einzigen Schmetterlinge, die zu fliegen hatten, waren die für
Ginny.
Total verwirrt, wollte er gerade aufstehen und auch zum
Schloss zurückkehren, als er Dracos Buch bemerkte, dass dieser in
der Eile vergessen hatte. Er hob es auf und drückte es an seine
Brust. Ohne sich darüber im Klaren zu sein, strich er mit den
Fingern über den Buchrücken und ging langsam den Weg zurück.
Im
Schloss angekommen suchte er nach Draco und sah diesen auch mit einem
andern Slytherin Jungen vor der Große Halle stehen.
„Draco!",
rief er, doch zu seiner Verblüffung, drehte sich dieser um und lief
die Stufen nach unten, in Richtung seines Gemeinschaftsraumes davon.
Zwar folgte Harry ihm, doch dann sah er nur noch aus der Ferne, wie
die Türe zum Gemeinschaftsraum sich schloss.
Was sollte er jetzt
tun? Gedankenverloren blätterte er zwischen den Seiten herum, wobei
ihm ein kleines Stück Pergament in die Finger fiel. Er wollte es
schon wieder zurück stecken, als er seinen Namen
las.
Harry, Neugierig
geworden las er weiter, auch wenn ihm eigentlich klar war, dass sich
das nicht gehörte. Wie oft hab ich nachgedacht, Wie oft sehe ich dich? Nur einmal möchte ich sagen, ich
habe einen alten Weg beschritten, um ein neues Ziel zu finden. Ich
will fallen, um zu fliegen. Nur ein
einziges Mal möchte ich dich zum Lachen bringen Wünsche sind wohl das Einzige
was mir bleibt im Leben, Ich kann und werd dich niemals vergessen. Wie
gern möchte ich deinen Atem auf meiner Haut fühlen, die du tief in deinem Herzen
trägst… Denn, ich liebe dich…
über
jene Nacht,
als du mein Leben gerettet hast.
Dennoch bleibt es
mir nach wie vor ein Rätsel
wieso du deines fast für mich
geopfert hast.
Doch für dich
scheint es mich nicht zu geben?
So ist jeder Tag eine neue
Schlacht in meinem Leben.
Nur
einmal einen neuen Tag erleben, ohne den alten Krieg in mir.
Ich möchte verlieren, um zu
siegen.
Nur einmal, möchte ich deine Liebe spüren.
Dich
einmal Lächeln sehen und wissen,
das galt nur mir.
und der letzte
Gedanke sein, denn du vor dem einschlafen hast,
genau so wie der
erste, wenn du wieder erwachst.
denn du hast dein Herz schon so längst
vergeben…
nur einmal
deine Liebe spüren,
Die
Hände von Harry zitterten auf einmal und seine Augen flackerten
leicht. Er musste sich verlesen haben, das konnte nicht sein, das war
vollkommen unmöglich. Einfach nicht wahr! Schnell schob er den Brief
ins Buch zurück und drückte dieses fest an sich. Er hätte nicht
mehr sagen können, wie lange er so dagestanden hatte, als sich die
Türe vor ihm plötzlich öffnete und ein Slytherin Mädchen, wohl
eine Zweit- oder Drittklässlerin, die er nicht kannte vor ihm stand,
und ihn misstrauisch betrachtete. Erst als sie ihn im schwachen Licht
der Fackeln erkannte, klappte ihr Mund auf und sie wollte schnell an
ihm vorbeilaufen.
„Warte … du … musst mir einen Gefallen
tun. Bring das Buch bitte Draco Malfoy. Er hat es liegen lassen.
Würdest du das tun, ja?", bat er und hielt es dem verschüchterten
Mädchen hin. Aber genau in dem Augenblick ging die Türe erneut auf,
und Draco selber erschien. Ganz genau konnte Harry sehen, wie dieser
kurz zusammenzuckte, so als wollte er gleich wieder weglaufen, doch
er tat es schließlich doch nicht.
„Hallo Harry." Er sprach
leise, fast klang seine Stimme unsicher in dem Moment und auch Harry
merkte wie er sich zusammenreißen musste. Die Worte die er gelesen
hatte, klangen immer noch in seinem Kopf nach.
‚Nur einmal deine Liebe spüren'
Der Gryffindor musste sich erst
räuspern, bevor er ein Wort über die Lippen bekam und Draco das
Buch hinstreckte, wobei seine Hände immer noch kaum merklich
zitterten.
„Vergessen", war das einzige Wort, das er über
seine Lippen bekam.
Draco streckte die Hand aus, ohne den Blick
von Harry zu nehmen und griff nach dem Buch, wobei seine Finger wie
ausversehen über die von Harry glitten. Harry schluckte, fühlte
sich wie ein Idiot, wobei er nicht den Blick von Dracos
gewittergrauen Augen nehmen konnte.
Ihre Finger berührten sich
für wenige Sekunden, was sich anfühlte wie kleine elektrisierende
Stromstöße, die durch seinen ganzen Körper zu schießen schienen
und sich in seinem Leib sammelten, wo sie Gefühle auslösten, für
die er sich heftig schämte.
Schnell zog er die Hand zurück,
murmelte etwas von Hausaufgaben und rannte dann, ohne sich noch mal
umzusehen, die Stufen nach oben. Er rannte bis nach oben in den 6.
Stock, wo er erst mal nach Luft schnappend vor dem Portraitloch
stehen blieb. Doch ihm blieb keine Zeit sich zu erholen, denn fast im
gleichen Augenblick traten Ginny und Ron durch die Türe und sahen
Harry verblüfft an.
„Hey, ist ein Troll hinter dir her oder
warum rennst du so?", fragte Ron seinen Freund.
„Ich … nein
… nur so … Training", sagt Harry und blickte in das Gesicht von
Ginny.
„Ginny … wegen vorhin … es tut mir leid. Bitte sei
nicht mehr sauer, ja?", bat er sie und ehe er es sich versah, hatte
sich Ginny schon um seinen Hals geworfen und küsste ihn.
„Schon
vergessen. Ich war ja auch irgendwie dämlich drauf", flüsterte
sie und lächelte ihn an. Er spürte sofort wieder diese vertraute
Wärme in sich, als sie das tat und schlang seine Arme um ihren
Körper. Für diesen Moment vergaß er sogar was gerade eben
geschehen war.
