Geschrieben nach einem „Lohengrin" an der Scala di Milano.

Scusi, ma il costume...!

Tapfer trottete Lohengrin zurück in sein Zimmer, den Mantel hinter sich herschleppend. Das war sooo fies von seinem Vater, ihm nicht zu erlauben, in diesen Klamotten nach Brabant zu reisen, um das Mädchen zu retten! Was sollte er denn sonst anziehen? Vielleicht diese blöde schimmernde Rüstung und den Helm mit dem Visier, durch das man so schlecht sah? Nein, das kam nicht in Frage.

Er öffnete seinen Kleiderschrank und starrte seine Sachen verstockt an. Sein Vater wollte ein Helden-Outfit? Na, gut, dann würde er ihm den Helden geben, aber den Helden seiner eigenen Vorliebe.

Ganz hinten im Schrank fand er, wonach er gesucht hatte. Lohengrin hatte seit Jahren nicht mehr daran gedacht, daß er dieses Teil besaß, geschweige denn, es getragen. Vorsichtig strich er über den silbrigen Polyester-Stoff, aus dem der Anzug bestand. In den langen, langweiligen Stunden in Montsalvat, in denen er nichts zu tun gehabt hatte, als den Gral anzubeten, hatte er die Freizeit vor dem Fernseher verbracht und viele Kenntnisse dessen erworben, was in manchen Menschenkreisen als „Fandom" bekannt war. Schließlich hatte er begonnen, im Internet zu surfen und in einer schwachen Stunde sogar bei Ebay an einer Versteigerung eines Anzuges aus der Serie „Buck Rogers" teilgenommen. Dieser kleine Akt der Rebellion hatte ihn mit großer Befriedigung erfüllt, als er das Paket mit dem Anzug unter den Augen seines Vaters erhielt – ein Gralsritter konnte nun einmal nicht verlieren, nicht einmal eine Versteigerung.

Ja, der „Buck Rogers"-Anzug war genau das Richtige! Lohengrin zog ihn aus dem Schrank und dann an. Nun konnte er sich auf den Weg nach Brabant machen, um die Dame in Gefahr zu retten. Vielleicht vorher noch einen kurzen Abstecher in die Küche, um etwas Reiseproviant einzustecken?

Keine schlechte Idee, wer konnte schon wissen, ob er nicht möglicherweise mit diesem neuen Schwan eine Panne haben würde? Während sich Lohengrin in der Küche mit – reichlich – Proviant eindeckte, fiel sein Blick auf ein silbernes Küchenutensil. Für einen Moment überlegte er, dann entschied er, daß seine Kleidung ohne dies nicht vollständig wäre, und nahm es mit.

Parsifal wartete im Hof auf ihn. Der Vater musterte den Sohn. Immerhin trug Lohengrin jetzt einen Anzug und nicht mehr ein T-Shirt aus dem Souvenirshop, allerdings die Farbe... Da war der vorherige Aufzug schon besser gewesen, aber dies zu bemerken, hätte bedeutet, daß Parsifal einen Fehler hätte zugeben müssen, was natürlich nicht ging, wenn man der Gralskönig war. Außerdem irritierte Parsifal irgend etwas, ohne daß er sagen konnte, was...

„Kann ich so gehen?" fragte Lohengrin.

Parsifal nickte wortlos, da er noch immer versuchte herauszufinden, was ihn irritierte.

Lohengrin spurtete zu dem Schwan, und mit einem hochtourigen Kavaliersstart sausten Schwan und Ritter vom Hof.

Parsifal fiel indessen ein, was er irritierend fand. „Komm unverzüglich zurück," brüllte er seinem Sohn vergeblich hinterher. „Und gibt dieses Küchensieb auf deinem Kopf sofort deiner Mutter zurück!"