Mac und Stella schauen sich an. „Sieht mir nach einem Geständnis aus, Mac." Mac legt die Stirn in nachdenkliche Falten. „Bei dieser Art von Handys kann man zwar den Text, aber weder Datum und Uhrzeit im Notizbuch ändern. Und da sie" - er weißt mit seiner rechten Hand in Richtung der Leiche, wo Sheldon und der eben eingetroffenen Danny ihre Arbeit fortsetzen, „das Memo um diese Zeit wohl kaum mehr geschrieben hat, bleiben uns zwei Möglichkeiten übrig." „Dass der Täter zum Tatort zurückgekehrt ist und aus welchem Grund auch immer diese Nachricht hinterlassen hat, oder dass sich jemand einen ziemlich geschmacklosen Scherz erlaubt." Beide nicken einander zu und wollen gerade zurück an die Arbeit gehen, als Flack mit gezücktem Mobiltelefon auftaucht. „Die Tote ist Cora McNillon, 24 Jahre, Ex- Marine, vor zehn Minuten von ihrer Schwester als vermisst gemeldet." „Wenn sie ein Marine ist, werden wir den Fall an den NCIS abgeben müssen", gibt Stella zu bedenken. „Wenn du mir doch nur einmal zuhören würdest, Stella." gibt Flack in gespielter Verzweiflung zurück. „Sie ist mit zwei anderen Marines vor zwei Wochen ehrenhaft entlassen worden." „Also gehört sie weiterhin uns", resümiert Mac und nimmt die Kamera zur Hand.
Müde zuckt Danny bei jedem Aufleuchten des Kamerablitzes zusammen. Mac schreitet in seinem gewohnten Schema den Tatort ab und dokumentiert akribisch jedes noch so kleine Detail. Jedoch ist außer der Leiche der 24jährigen nicht viel zu sehen, dort dafür um so mehr. Die junge Frau liegt auf dem Rücken, die aufgerissenen braunen Augen starren in den Dämmerungshimmel, ohne zu sehen. Das braune Haar umrahmt den Kopf wie eine dunkle Gewitterwolke. Das schöne, ebenmäßige Gesicht ist bar jeglichen Gefühls, versteinert in Neutralstellung. Trotz der Schönheit ihres Gesichtes ist es schwer, den Blick von ihrem Körper abzuwenden, da dort der Grund für ihrem Tod selbst für das ungeschulte Auge klar zu erkennen ist. Ein glatter, vollkommen gerader Schnitt zieht sich von der rechten Schulter des Opfers über Brust und Bauch bis zur linken Hüfte. Kleidung und Haut sind gleichermaßen durchtrennt; in der Tiefe der Bauchwunde sind die inneren Organe auszumachen. Blut und weiter Flüssigkeiten haben das schwarze Top und die dunkle Hose durchtränkt, sodass beides wie eine zweite Haut am Körper der Toten klebt. Weitere Beweismittel lassen sich am Tatort nicht ausmachen; es wirkt, als wäre der Mord an anderer Stelle begannen worden. Mac und Stella, die sich in gebückter Haltung in einem Radius um die Leiche umgesehen hat, sind der selber Meinung. Auf ein Zeichen Macs hin treten Sheldon und Danny mit dem Leichensack an den Leichnam heran und machen ihn transportfertig, während Stella das Handy in eine Beweismitteltüte gleiten lässt und zu ihrem Auto geht.
In der Leichenhalle empfängt Sid Mac und Stella mit ausgebreiteten Armen. „Ich muss meine Meinung über das saubere und schnelle Töten unserer Streitkräfte wohl überdenken" tönt er statt einer Begrüßung. „Wobei, schnell ging der Schnitt sicher, nur über das sauber lässt sich streiten." „Ich hoffe für dich, dass der Mörder kein Marine ist, Sid", entgegnet Stella. „Denn wenn doch, wirst du deinen Platz hier für lange Zeit den Militärkollegen überlassen müssen. Die Mühlen der Militärjustiz mahlen langsam, aber gründlich." „Dennoch wäre ich erfreut, den berühmten Killergriff der Marines würde ich jedoch durchaus einmal gerne live erleben, natürlich aus rein forensischen Gründen." „Wenn ihr beide nicht aufhört zu labern und anfangt zu arbeiten, könnt ihr den Killergriff gleich live erleben", knurrt Mac, „und dann dürft ihr euch hier einen Tisch teilen!" Sid blickt den Chef des CSI unbeeindruckt an. „Es wäre wirklich schade um unsere Freundschaft, und du würdest es sicher bedauern, nicht zu wissen, was ich weiß. Unsere bedauernswerte junge Freundin birgt nämlich ein durchaus nicht alltägliches Geheimnis, will ich meinen." „Schieß endlich los, Sid." „Geduld ist als Tugend wohl aus der Mode, oder? Nun, ihr beide kennt sicher das Sprichwort: Die Feder ist mächtiger als das Schwert? Wenn das in unserem besonderen Fall hier auch zutrifft, wäre eine Szene wie in dem Film Forrest Gump undenkbar, denn die Feder würde fallen wie Ikarus aus dem Himmel, denn wir reden hier von schwerem Geschwert." Mac und Stella blicken sich verständnislos an. „Sagt nur, ihr kennt den Film nicht? Ein Meisterwerk der Filmgeschichte, ein Klassiker, noch immer einer meiner Lieblingsfilme, auch wenn die SAW- Reihe fast dabei ist, ihm den Rang abzulaufen..." Drohend hebt Mac die rechte Hand: „Noch ein Wort, Sid, und..." „Ach ja, ihr kommt immer nur, wenn ihr was wollt. Könntet ruhig mal einfach so zum Reden kommen, aber nein... also gut. Wie ich bereits gesagt habe, trat der Tod unmittelbar nach beigebrachter Verletzung ein. Ursache ist der Blutverlust aus der gekappten Bauchaorta, der innerhalb von Sekunden zum Tod geführt hat. Der Schnitt muss mit einem sehr scharfen Instrument durchgeführt worden sein, was mich auf ein Beil brachte – oder eben ein Schwert. Das Blut für die Tox habe ich gerade weggeschickt, mehr kann ich euch nicht sagen. Ich habe einen elektronischen Abdruck des Schnittes gemacht, Danny und Adam arbeiten bereits daran." „Danke, Sid, das reicht uns für den Moment völlig. Stella, geh und hilf Sheldon mit dem Handy, ich habe noch etwas zu erledigen." Mit diesen Worten lassen die beiden den Gerichtsmediziner stehen und verlassen die Leichenhalle.
Im Crime Lab ist Sheldon damit beschäftigt, Fingerabdrücke von den bei der Leiche gefundenen Mobiltelefon zu sichern. Er blickt kaum von seiner Arbeit auf, als Stella den Raum betritt. „Fingerabdrücke von mindestens 7 verschiedenen Personen, nur nicht vom Opfer. Das Telefon scheint weit herumgekommen zu sein." „Hast du den Adressenspeicher bereits überprüft?" fragt Stella und zieht Handschuhe an. „Nein, das wollte ich dir überlassen." „Wie nett von dir." Als Stella das Telefon ausklappt, erscheint die Meldung „Neue Nachricht" auf dem Display. „Fast schon unheimlich, oder?" meint Sheldon, der ihr über die Schulter geschaut hat. „Als wüsste es, was wir vorhaben." Stella schüttelt lächelnd den Kopf. „Ist doch alles bloß Zufall." „Sag das bloß nicht Mac", erwidert Sheldon ebenfalls lächelnd, als hinter beiden die Tür geöffnet wird. „Was soll sie mir nicht sagen?" Mac betritt den Raum. Sein Blick fällt auf das Telefon in Stellas Hand. „Etwa eine neue Nachricht von Mörder?" „Auf jedem Fall einen neue Nachricht." Stella drückt auf „Nachricht öffnen", und alle drei lesen gleichzeitig den Text:
„Hallo, wenn Sie diese Nachricht lesen, haben Sie mein Handy gefunden. Bitte geben Sie es mir zurück, ich werde Ihnen den Geldwert ersetzen. Ihnen bedeutet dieses Telefon nichts, mir aber mein Leben. Bitte melden Sie sich. Emily"
„Das mit dem Leben ist wohl relativ, meint ihr nicht?" murmelt Sheldon in die entstandenen Stille.
