Keine Review's? Schade. Es geht hier trotzdem weiter mit Kapitel zwei ;D
Take Your Time To Make Things Last - Love For The Future, Not The Past
Robbie Williams - Cheap Love Song
Irgendwie fühle ich mich ziemlich unsicher. Mein Mund ist trocken und ich habe das Gefühl, dass alle mich anstarren, als ob sie wüssten, was ich vorhabe. Sirius macht es auch nicht besser, während er neben Moony immer wieder in ein bellendes Lachen ausbricht. Da stößt Remus mir mehr als unsanft in die Seite und sagt in einem mitleidigen Ton: »Du weißt schon, dass du noch deine Pyjamahose trägst, oder?«
Beim Barte des Merlin. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass ich etwas vergessen habe. Aber, nun gut. Man muss das Beste aus einer Situation machen. Ich will kehrt machen, und noch einmal in mein Zimmer zurückgehen, als McGonagall auf uns zu gerauscht kommt. Ihr Gesichtsausdruck verheißt nichts Gutes.
»Mr Potter! Was veranlasst sie dazu, in einer fadenscheinigen Pyjamahose die Schulsprecherräumlichkeiten zu verlassen?«, fragt sie mich in dem ihr eigenen, spitzen Ton, der keinen Widerspruch und erst recht keine Witzeleien duldet.
»Nun Professor, wenn ich ehrlich sein soll, eine Wette.« Gesegnet sei die Kreativität, denke ich.
Ihre Habichtaugen mustern mich. »Und mit wem haben sie eine derart abstruse Wette geschlossen, wenn ich fragen darf?«
»Mit Sirius, Professor.«, antworte ich in einem möglichst unschuldigen Ton.
Sirius, der bisher neben Moony gestanden hat, wirft mir einen mehr als vorwurfsvollen Blick zu. Pech gehabt, denke ich. Meine Rache für dein Lachen, sagt mein Blick. Er seufzt genervt auf.
»Ich hätte es wissen müssen. Wer würde auf eine solche Idee kommen, wenn nicht Mr Black.« Sie mustert ihn halb ärgerlich, halb belustigt. »Mr Black, folgen sie mir.«
Tatze wirft mir noch diesen Du – weißt – schon – was – das – bedeutet – Blick zu, bevor er ergeben hinter McGonagall her trottet.
Ich habe mir letztendlich eine normale Hose angezogen – den Ausschlag dazu gab Remus, er wies mich freundlich aber bestimmt darauf hin, dass Lily mit Sicherheit noch nicht meine Nachtwäsche sehen möchte, und da ich die Wette gewonnen hätte, wäre die Pyjamahose ohnehin hinfällig.
Remus ist so intelligent. Er hätte es vielmehr verdient, Schulsprecher zu werden, als ich. Das meine ich ernst. Nun gut, als Dumbledore Remus zum Vertrauensschüler ernannte, erhoffte er sich davon bestimmt, dass er uns ein wenig würde ausbremsen können. Als ob Sirius und ich zu stoppen wären, wenn wir in Fahrt sind. Dumbledore hat das auch relativ schnell begriffen, denn wir mussten mindestens genauso oft in seinem Büro sitzen, wie zu der Zeit, in der Moony noch kein Vertrauensschüler war.
Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch, weil ich schon wieder einen unsanften Stoß in die Rippen bekomme, von Peter diesmal. Er deutet verstohlen auf eine Stelle links von uns. Auf Lily. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Sie lacht, anscheinend über eine Bemerkung von Alice, Franks Freundin. Ich mustere sie verstohlen. Sie sieht schön aus, wenn sie lacht.
Die Tür zur großen Halle ist geschlossen. Ich beschleunige meine Schritte, um vor ihr da zu sein. Ich öffne einen Türflügel, lächle sie an – ganz wie Remus es empfohlen hat – und warte darauf, dass sie durch den Türbogen geht. Allerdings bleibt sie neben mir stehen und mustert mich mit einem genervten Blick. »Du solltest die Antwort langsam kennen. Sie lautet immer noch ›Nein‹, falls du dich nicht mehr entsinnen solltest.«
Ich sehe sie an, als ob ich nicht wüsste, was sie meint. »Also wirklich, Lily. Wenn ich ein Date wollte, würde ich fragen. Es ist ja nicht so, dass ich noch nie gefragt hätte. Ich versuche einfach nur nett zu sein.«
Man kann förmlich sehen, dass sie einen Haken bei der Sache sucht. Und das sie fast verzweifelt ist, weil es keinen zu geben scheint, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Das es keinen gibt, ist hoffentlich sowieso klar!
Sie mustert mich noch einmal misstrauisch und geht dann mit der grinsenden Alice durch die Tür zum Gryffindortisch.
Ha! Ich habe es geschafft! Und ich konnte sogar meine Finger aus meinen Haaren lassen. Und ihr erstaunter Blick war wirklich Gold wert. Ich werde von Minute zu Minute zuversichtlicher, was das Projekt ›Lily für James‹ angeht. Ehrlich. Ich bin sogar beinahe überzeugt, dass sie mich irgendwann mögen wird.
Vollkommen in diese und andere schöne Gedanken versunken, kriege ich kaum mit, dass Wurmschwanz und Moony mich je an einem Arm packen und zu Verwandlung ziehen. Sirius, der mittlerweile aus McGonagalls Krallen entkommen konnte, folgt uns schweigend, er ist immer noch eingeschnappt, weil ich ihn als Alibi benutzt habe und er den Schaden hat. Aber mal was ganz anderes, ich wüsste auch ehrlich gesagt gerne mal, was ich zum Frühstück hatte...
»Einen Toast mit Erdbeermarmelade, Krone.«, grinst Remus süffisant.
Verdammt, hab ich schon wieder laut gedacht? Ich wollte es mir doch abgewöhnen.
»Das solltest du tun, wenn du nicht immer deine Umwelt unterhalten willst.«
Missmutig verziehe ich mein Gesicht. »Ich mag doch gar keine Erdbeermarmelade. Wieso hast du mich nicht davon abgehalten, Moony?«, frage ich in einem anklagenden Ton.
Der zuckt nur mit den Schultern. »Du wolltest partout nichts anderes auf den Toast. Außerdem bin ich nicht dein Kindermädchen.«
»Dafür sind deine Beine auch zu stark behaart.«
»Sehr gut, dann besteht wenigstens da keine Verwechslungsgefahr.«
In dem Moment kommt Lily um die Ecke – Ich segne den Tag, an dem sie Verwandlung als Prüfungsfach belegt hat – und hinter ihr – McGonagall. Na toll. Hier bleibt einem auch nichts erspart. Ich sehe, dass Lily mich aufmerksam mustert, als versuche sie heraus zu finden, ob ich ihr wieder die Tür aufhalten würde. Was ich natürlich machen werde. Ich setze mein bestes Lächeln auf und öffne die Tür zum Klassenzimmer. Wie eine Königin geht sie an mir vorbei und hätte ich nicht in ihre Augen gesehen, ich wüsste nicht, ob sie sich über mich lustig macht. Aber in ihren Augen war etwas anderes. Freude und noch ein klitzekleiner Rest Argwohn. Aber man kann nicht sagen, dass sie sich nicht geschmeichelt fühlte.
Sehr gut, sehr gut. Ich gehe hinter ihr in den Raum und bemerke die erstaunten, belustigten und neidischen Blicke nicht, die Lily und mir folgten. Auch McGonagall mustert mich interessiert, während ich meine Bücher auspacke.
So, als ob ich noch nie eine nette Geste an den Tag gelegt hätte – Okay, die letzte ist länger her. Ziemlich lange. Um nicht zu sagen unendlich lang. Muss wohl vor meiner Einschulung gewesen sein, als ich Großtante Emma einen Handkuss geben musste.
Mehr als anderthalb Wochen sind mittlerweile vergangen. Und ich habe sichtbaren Erfolg erzielt, finde ich. Lily hatte mir sogar schon ein kleines Lächeln geschenkt, oder mir ein leises ›Danke‹ zugeflüstert. Und ich schwöre es bei meiner Ehre als Rumtreiber – Wenn ich meine Haare nicht hätte, würde ich irgendetwas dummes machen. Ganz sicher. Allerdings scheinen sie mir irgendwie ein bisschen dünner als sonst. Hoffentlich bleiben sie so, wie sie sind. Ich mag meine Haare nämlich sehr.
Meine Hausaufgaben, die vor mir liegen und die ich natürlich nicht mag, habe ich mittlerweile vergessen. Ich will mir gerade etwas zu trinken holen gehen, als Lily unser gemeinsames Zimmer betritt.
Irritiert mustert sie mich. »Was machst du denn hier, Ja... - Potter?«, fragt sie und bemüht sich, desinteressiert und gelangweilt zu wirken.
Ich kann es nicht glauben, sie redet mit mir! Und sie hätte mich beinahe James genannt. Ich muss mir eine Antwort einfallen lassen, sie schaut schon ein wenig ungeduldig – Nicht das meine Arbeit umsonst war.
»Oh, ich... Ähm, Wahrsagen ist ausgefallen. Ich sitze über meinen Hausaufgaben für Zaubertränke. Aber ich komm damit einfach nicht voran. Es zwar eine Wiederholung, aber ich versteh es nicht.«
»Ach, das meiste ist gar nicht so schwer. Was ist denn dein Problem?«
Sie kommt näher und mustert meinen Ansatz zur Erklärung von Golpalott's drittem Gesetz.
Sie tippt mit ihrem Finger auf ein paar Wörter. »Das hier. Die Gegengiftmischung ist erst dann wirksam, wenn du noch das Gegenmittel hinzufügst, dass gegen die Kombination aller einzelnen Bestandteile wirkt. Das Gegengift zu einer Giftmischung ist mehr als die Summe der Gegengifte ihrer Bestandteile.«, murmelt sie versonnen vor sich hin.
Eilig ergänze ich meine Angaben. »Super, danke. Du hast mir in zehn Sekunden erklärt, was ich mir schon seit Anfang letzten Jahres in meinen Kopf zu prügeln versuche.«
Ich sehe sie dankbar an.
»Warum bist du so nett zu mir, in letzter Zeit?« Es ist ihr raus gerutscht. Sie wollte es nicht sagen, und ich kann sehen, wie sie sich auf die Unterlippe beißt.
»Das ist eine interessante Frage. Ich denke, dass ich langsam erwachsen werde. Und ich weiß mittlerweile, dass es dich stört, wenn ich dich so ordinär um ein Date bitte. Und da ich anscheinend keine Chancen bei dir habe, möchte ich wenigstens, dass du weißt, dass ich auch anders sein kann, als du mich kennst, beziehungsweise wahrnimmst.«
Sie sieht mich erstaunt an. »Damit habe ich nicht gerechnet. Ehrlich nicht. Aber ich finde es... Schön. Bisher hat sich noch kein Junge die Mühe gemacht, und mir Tagelang die Tür aufgehalten- Vielleicht bist du doch anders, als ich dachte. Aber mal was anderes: Du bist doch ziemlich gut in Verwandlung, oder? Das ist nämlich mein Problemfach, irgendwie. Ich hatte schon immer ein paar Probleme, aber ich dachte, dass die sich geben würden, wenn ich über die Ferien lernen würde. Haben sie aber nicht und ich habe Angst, dass ich die Prüfungen nicht gut genug bestehe.«
»Na klar, das ist kein Problem. Es geht bei den komplexeren Tieren los, Vögeln, Säugetieren und so?«
Sie nickt. Ich stelle einen Krug mit Wasser vor ihr hin.
»Zeig mir doch einfach mal, wie du deinen Zauberstab bewegst.«
Ich glaube nämlich nicht, dass es an der Zauberformel liegt, wäre die fehlerhaft, hätte es schon wesentlich früher auffallen müssen.
Ich beobachte sie genau, während sie mit angestrengtem Gesichtsausdruck den Stab schwingt. Der Krug hat sich in einen kleinen Hund verwandelt. Allerdings sieht er mehr als räudig aus und er winselt mich erbarmungswürdig an. Schnell verwandele ich ihn zurück.
»Siehst du, dass meine ich. Ich kann es einfach nicht.« Sie kann ein frustriertes Schluchzen nur schwer unterdrücken. Hilflos stehe ich neben ihr. Vorsichtig lege ich meine Hand auf ihre Schulter und streichle sie tröstend. Sie dreht sich von mir weg und wischt sich die Tränen aus den Augen – Und ich kann das verstehen. Ich würde auch nicht wollen, dass mich jemand so sieht, den ich nicht gut kenne. Ich räuspere mich vernehmlich.
»Also, du musst darauf achten, dass du im letzten Drittel der Bewegung einen Schlenker nach rechts machst, statt nach links. Du hast ihn nach links gemacht, deswegen sah der Hund eben ein bisschen räudig aus, denn es heißt, dass alles Schlechte von der linken Seite kommt.«
Mit gekonntem Schwung bewege ich meinen Zauberstab und vor ihr sitzt wieder ein Hund. Allerdings ist dieser viel hübscher und gepflegter, als ihrer.
Beeindruckt schaut sie mich an. Ich werde ein wenig rot und drehe mich geschäftig um, damit ich noch ein wenig Holz in den Kamin werfen kann. Nachdem ich das Feuer einer gründlichen Musterung unterzogen habe, sehe ich sie wieder an.
»Du solltest es noch einmal probieren.« Erneut steht der Krug vor ihr. Ich bin gespannt, ob sie den Ratschlag sofort umsetzen kann. Sie kann. Begeistert mustert sie das Ergebnis ihrer Verwandlung, einen kleinen, flauschigen Hund, der freudig mit dem Schwanz auf den Tisch klopft, während sie ihn streichelt.
Zufrieden drehe ich mich um und gehe zu Moony in den Gemeinschaftsraum. Ich glaube beinahe, Phase eins ist abgeschlossen. Vergnügt pfeife ich vor mich hin. Ich habe gerade mal die Hälfte der von Remus veranschlagten Zeit gebraucht!
»Und sie hat dir wirklich geholfen, ohne das du sie gefragt hast?« Erstaunt blickt Moony mich an. Ich nicke nur, denn ich kann es ja selbst immer noch kaum glauben.
Er nickt nachdenklich. »Dann ist wohl der nächste Punkt auf meiner Liste dran. Du solltest das Fluchen und Verhexen sein lassen. Frauen finden es schrecklich, die nicht betroffenen Männer interessiert es nicht und von den Lehrern gibt es Ärger. Und mal ganz ehrlich: Du musst als Vorbild fungieren. Oder möchtest du, dass ein Elfjähriger die Leute in seiner Umgebung verflucht, weil sein Idol es tut?«
»Nein. Nein, ganz sicher möchte ich das nicht. Aber was ist mit Schniefelus?« Mein Ton hört sich selbst in meinen Ohren flehend an. Als ob ich nicht ohne die Streitereien mit Schniefelus leben kann! Das kann ich sehr wohl! Remus sieht mich warnend an.
Ich recke mein Kinn stolz vor. »Na gut, du wirst schon sehen, dass ich es kann!«
Schließlich muss ich den Turm wieder verlassen. Ich schlafe nur noch im Schlafsaal, wenn eine Vollmondnacht ansteht. Ansonsten bleibe ich in meinem eigenen Zimmer, dort habe ich mehr Ruhe. Sirius' Schnarcherei ist wirklich ziemlich nervig.
Als ich mein Zimmer betrete, fällt mein Blick wie von selbst auf das Bett. Ein kleiner weißer Zettel ist auf das Kopfkissen gelegt worden. ›Danke...‹steht da in Lily's akkurater Handschrift drauf. Ein breites Grinsen schleicht sich in mein Gesicht. Es war ihr wichtig, mir zu danken. So wichtig, dass sie sogar in mein Zimmer gekommen ist, um den Zettel hier zu deponieren.
Während ich im angrenzenden Bad stehe und meine Zähne putze, denke ich darüber nach, wie ich Schniefelus am Besten aus dem Weg gehen kann, ohne als Feigling und Verlierer dazustehen. Während ich mir meine Pyjamahose anziehe, kommt mir der rettende Gedanke. Ich habe Lily erzählt, dass ich erwachsen werde – Also, warum sollte ich mich nur in derlei Hinsicht erwachsen benehmen? Ich werde Snape und die anderen Nervensägen so gekonnt ignorieren, dass ich gar nicht als Verlierer dastehen werde. Sie werden mit Sicherheit versuchen, mich in der ersten Zeit aus der Reserve zu locken, aber das stehe ich schon durch. Zufrieden kuschel ich mich in mein warmes Bett. Lily's Zettelchen hat einen Ehrenplatz an meiner Pinnwand bekommen. Ich schau es mir noch eine ganze Weile an, bevor ich einschlafe.
