Warning: Gewalt und leichte Erniedrigung, oder wie man das nennen würde…
2. 24 Stunden
Benommen taumelte sie vor der kleinen Truppe hinweg, immer vier wachsame Augenpaare und mindestens zwei Zauberstäbe in ihrem durchgedrückten Rücken.
Neben ihr schlug ein Crucio-Zauber ein und sie stolperte leicht in die gegenüberliegende Richtung. Hinter ihr begann Flint erneut schrill zu lachen, feuerte drei weitere ab. Wieder taumelte sie in die andere Richtung, versuchte dabei jedoch so ruhig wie möglich zu wirken.
Dennoch hatte sie zugegeben etwas Angst. Er hatte sie bereits zweimal getroffen. Sie war wimmernd zusammen gebrochen und Zabini und Flint hatten sie bespuckt, während sie am Boden lag. Doch das war nicht das schlimmste gewesen. Vielmehr hatte sie der Schmerz über ihren kurzen, stolzlosen Moment in die Knie gezwungen.
Mit Spuke im Haar und Blut im Mundwinkel war sie schließlich beide Male wieder aufgestanden und erhobenen Hauptes weitergegangen. Dabei genoss sie die kurz anbrechende Stille, die hereinbrach.
Doch nun war es anders. Sie war bereits seit 16 Stunden auf den Beinen, hatte heute 12 Stunden mit den Todessern hinter ihr zurückgelegt. Es war stockdunkel, sie hatte Durst und Hunger. Damit konnte sie durchaus leben, würde es sie vielleicht noch bevor sie ihr Ziel erreicht hatte in die ewigen Jagdgründe schicken. Viel schlimmer war der Druck ihrer Blase, der sich trotz des Wassermangels langsam bemerkbar machte.
Mit jedem Schritt spürte sie ihren Stolz schwinden, sie stolperte bereits zum zweiten Mal über eine Wurzel und sackte vor Malfoys Pferd auf die Knie. Keuchend hockte sie im Dreck, überlegte ihre Blase einfach hier auf dem Boden zu entleeren. Doch sie bezweifelte, dass es ihrem Stolz besonders gut tun würde.
Ihr Bein schmerzte höllisch, sie spürte bereits seit etwa einer Stunde das die Wirkung des Trankes nachließ. Nun wurde es langsam aber sicher offensichtlich. Sie versuchte sich aufzurichten bevor der Blonde sie dazu auffordern konnte, doch es gelang ihr nicht. Ein leises verzweifeltes Wimmern entwischte ihrer Kehle.
„Was ist Granger? Machen die schönen Beinchen schlapp?", amüsierte sich Flint.
Malfoy schien sie von seiner erhobenen Position aus anzusehen, doch er sagte nichts. Die Dunkelheit verschluckte ihn fast. „Wir schlagen ein Lager auf", sagte er schließlich.
Flint und der Jüngste atmeten erleichtert aus. Flint hatte schon vor Stunden angedeutet, dass ihm langsam aber sicher die Kraft ausging und sich darüber brüskiert, dass Malfoy und Zabini definitiv die bessere Langzeitposition hatten. Er war verstummt als Malfoy ihm angeboten hatte ihn an das Pferd zu binden und ihn zu ihrem Ziel zu ziehen.
Gemeinsam mit Zabini rutschte er von seinem Ross, befestigte die Zügel an einem Baum und stieg elegant und erhaben auf eine gut geschützte Lichtung. Zabini und Flint folgten ihm.
„Bring das Schlammblut hier rüber Andrews", sagte der Blonde.
Der Junge namens Andrews tat sofort wie ihm geheißen wurde. Er hockte Sekunden später neben ihr und legte ihr fast schon behutsam den Arm um die Hüfte. Als er ihr nah war sah sie erst wie schrecklich jung er sein musste.
„Konntest du die Schule beenden?", fragte sie lächelnd. Er versuchte sie aufzurichten, doch es gelang ihm nicht beim ersten Mal. Sie sackte keuchend wieder in sich zusammen.
Er antwortete nicht, sah nur mit panischem Blick zur Lichtung.
„Auf drei, okay? Gemeinsam schaffen wir es", flüsterte sie.
Er sah sie erleichtert an, nickte dann schwach. In seinen Augen schimmerten Tränen. Sie konnte das Mal an seinem Arm schimmern sehen, er hatte den Ärmel seines Umhanges schon den ganzen Tag verdächtig hochgekrempelt. Es war frisch und sichtlich entzündet.
„Wie heißt du?", flüsterte sie.
Er leckte sich nervös über die Lippen. „Steven", gab er dann mit zitternder Stimme zurück.
„Ich bin Hermione. Ist das dein erster Auftrag, Steven?"
Er nickte, umfasste erneut ihre Hüfte. Eine einzelne Träne lief seine Wange hinab.
„Auf drei", wiederholte sie und er nickte erneut erleichtert.
Langsam zählte sie von drei hinab. Als sie die eins erreicht hatte stemmte sie beide gleichzeitig. Sekunden später stand sie aufrecht neben ihm. Sein Griff um ihre Hüfte war fest, doch er zitterte.
„Bei Merlin, Andrews. Ich wollte gerade helfen kommen", warf Malfoy zu ihm herüber.
Steven Andrews zuckte augenblicklich zusammen.
„Malfoy, wir alle wissen wie klein und schwach du doch eigentlich bist", spottete sie ihm entgegen, „du weißt doch was man sagt? Die mit den größten Pferden, haben den kleinsten Stolz!"
Flint lachte, verschluckte sich aber daran, als Malfoy ihn aus tiefschwarzen Augen anfunkelte.
Im Schneckentempo schleifte Andrews sie hinüber zur Lichtung. Er schien sich etwas neben ihr zu beruhigen. Sie lächelte.
„Sonst noch etwas, was du loswerden willst, du dreckiges Schlammblut? Bevor ich dir beispielsweise die Zunge rausreiße?", zischte der Blonde herausfordernd.
Sie lachte. „Nicht doch, wie soll ich denn ohne meine Zunge vor deinem Meister um mein Leben betteln?"
Fast schon sanft hievte der Kleine sie über eine Wurzel, als sie auf der anderen Seite war packte sie Malfoy grob am Arm und schleifte sie den letzten Meter hinter sich her. Keuchend kam sie an einem Baum zum Stehen, wo er sie losließ. Sie sackte zu Boden; nur wenige Meter von Zabini und Flint entfernt.
Beide hatten einige Äste in ihrer Mitte verteilt und diese entzündet. Erleichtert versuchte Hermione eine halbwegs bequeme Position zu finden und genoss für einen Augenblick mit geschlossenen Augen die Wärme des Feuers.
„Ich muss mal", flüsterte sie plötzlich, öffnete die Augen und sah den Blonden direkt an, der ihr gegenüber am Feuer stand.
Einen Moment sah er sie einfach nur an, ein undeutbares und beunruhigendes Grinsen zierte sein Gesicht. Sie ahnte bereits seine Antwort, kämpfte gegen die Schamesröte an, die ihr ins Gesicht stieg.
„Andrews, geh mit Granger darüber und helfe ihr bei was auch immer sie zu erledigen hat", sagte er plötzlich zu ihrer Erleichterung und Überraschung.
Vorsichtig und zitternd half ihr der Junge auf, führte sie etwas abseits um sie dann mit großen Augen anzusehen.
„Wurdest du gezwungen ihm beizutreten? Wir können dir helfen Steven", flüsterte sie und seine Augen weiteten sich mit Entsetzten. Dennoch lag etwas Fernes wie Hoffnung in ihnen.
„Es ist niemals zu spät", murmelte sie ihm entgegen.
„Was treibt ihr da?", brüllte Flint aus dem Hintergrund und Andrews zuckte vor ihr zusammen, deutete ihr an was auch immer sie gedachte zu tun, endlich zu tun.
Sie verlagerte ihr Gewicht komplett auf ihr gesundes Bein, versuchte ihre Hose und den Gürtel zu öffnen. Doch es gelang ihr aufgrund der Armklammer nicht.
„Kannst du das für mich öffnen?", fragte sie ihn und deutete auf ihre Hose und ihren Gürtel.
Das Gesicht des Jungen wurde purpurrot und er sah sie aus glasigen Augen an.
„Verdammt Andrews. Mach dass du zurück zum Feuer kommst bevor ich mich vergesse", unterbrach Malfoys schneidende Stimme sie.
Der Blonde drängte den Jungen grob beiseite und packte sie grob am Arm, zog sie etwas weiter abseits. „Bist du selbst zu blöd zum Pinkeln, Granger?", zischte er und gab ihr einen so kräftigen Schubst, dass sie zu Boden fiel.
Langsam und schwerfällig versuchte sie sich aufzurichten. Doch natürlich gelang es ihr nicht. „Die Armklammer, du Mustermörder", fauchte sie.
Einen Moment sah er sie schweigend an, sie sah es regelrecht hinter seinen Schläfen rattern. Dann zückte er seinen Zauberstab und sah sie mahnend an. „Wenn du auch nur daran denkst zu verschwinden, werde ich den Jungen töten."
Sie öffnete etwas überrascht den Mund. Nicht dass sie an eine Flucht gedacht hätte; wie sollte sie diese in ihrem Zustand auch bewerkstelligen. Doch dass er sie im Bezug auf den Jungen durchschaut hatte überraschte sie.
Er murmelte etwas und die Klammer war verschwunden. Etwas unbeholfen richtete sie sich auf, während er sich an einen Baum lehnte und versuchte sie nicht aus den Augen zu lassen und sie trotzdem nicht direkt anzusehen.
„Du siehst gut aus", sagte sie, während sie sich die Hose öffnete.
Sie war etwas überrascht über ihre Wortwahl. Offenbar hatte ihr Inneres entschieden es war Zeit für eine Plan- und Verhaltensänderung.
Er lachte heiser. „Spar dir das, Granger. Diese Nummer mag bei einem 15-Jährigen funktionieren, nicht jedoch bei mir."
Sie zuckte beinahe unmerklich zusammen. Er sah älter aus als 15…
„Wird's bald oder hast du es dir doch anders überlegt?", zischte der Blonde.
Sie nickte bloß, zog sich die Hose und den Slip herunter und ging leicht in die Hocke, während sie sich an dem Baum neben sich abstützte. Ein schmerzhafter Schauer durchfuhr ihr Bein, doch ihre Blase schien merklich aufzuatmen.
„Das muss eine Genugtuung sein, oder nicht? Mich so zu sehen?", sagte sie herausfordernd, vermied es aber ihn anzusehen. Das war entwürdigend genug.
Er lachte, hatte die Arme vor seiner Brust verschränkt. „Ich habe weitaus besserem Beiwohnen dürfen."
Sie lachte ebenfalls, spürte die Hitze in ihren Wangen und war nicht in der Lage irgendetwas Nutzvolles zu erwidern. Als sie endlich fertig war zog sie sich wieder an und richtete sich ihre Kleidung. Ihr Stolz lag am Boden, doch sie würde ihn wieder aufrecht bringen.
Einige Schritte taumelte sie unbeholfen vor, sie spürte regelrecht wie ihre Beine bereits beim ersten Schritt nachließen. Er sah sie stöhnend an und kam auf sie zu. Sie hatte Angst vor dem Moment, in dem er sie so direkt berühren würde.
„Ich hab's bereut, weißt du", flüsterte sie schließlich.
„Halt die Klappe, Granger oder ich stopfe sie dir", zischte er und stützte sie.
Anders als bei Andrews war sein Griff jedoch grob und fest. Sie keuchte leise auf, erst jetzt wurde ihr bewusst, dass auch ihre Seite entsetzlich schmerzte.
„Andrews, besorg uns irgendwas Essbares. Vögel, Hasen… Meinetwegen auch Schlangen", herrschte der Blonde als sie wieder am Lager waren. Er ließ sie an ihrem vorher verlassenen Platz sinken, legte einen Armklammerfluch auf sie und ließ sich schließlich rechts von ihr nieder. Nun war sie zwischen Malfoy und den anderen beiden Todessern eingekeilt.
Sie ignorierte es, legte den Kopf wieder in den Nacken und schloss erneut die Augen. Einen wunderbar endlos langen Moment lauschte sie nur dem Knistern der Flammen, dachte an ihre verstorbenen Eltern und an Ron. An die besseren, vergangenen Zeiten…
„An was denkst du?", raunte Flint ganz dicht neben ihr.
Zu ihrer Schande zuckte sie im ersten Moment etwas zusammen, als sie ihn registrierte. Er stank furchtbar; nach billigem Rasierwasser, starken Gewürzen, Schweiß und Tod. Mit angewiderter Miene wich sie etwas zurück.
Belustigung lag in seinem Blick.
„An Malfoy", wisperte sie grinsend und für einen Moment erstarb Flints Grinsen.
Der Blonde, der gerade gemeinsam mit Andrews dessen gefangene Kaninchen erlegte und ausnahm, blickte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
„In meinen Gedanken sauge und knabbere ich spielerisch an seiner Haut. Stundenlang, bevor ich an den entscheidenden Stellen viel mehr ins Detail gehe…", fuhr sie fort und sah ihm dabei fest in die grauen Augen.
Sie wusste es war gewagt auf diese Karte zu spielen. Die Schulzeit, in der er ihr verstohlene Blicke zugeworfen hatte – wenn er sie nicht beleidigt hatte – war vorbei. Aber, irgendwie wollte sie diese Karte ausspielen. Sie wusste nicht genau warum…
„Das ist ein Traum den viele Träumen, Granger", lachte er schließlich heiser und überließ Andrews die restliche Arbeit. Schleichend kam er auf sie zu, beugte sich zu ihr runter. Flint wich langsam aber bestimmt zurück, als wollte er ihnen so etwas wie Privatsphäre geben.
Sie lächelte ihm beinahe willkommen entgegen.
„Granger, die Show kannst du dir sparen. Ich bin schon verdammt lange aus dieser elenden Phase raus", wisperte er ihr schließlich kaum hörbar entgegen. Im Grunde las sie es ihm schon fast von den Lippen ab; sie war sicher nur sie hatte seine Worte gehört.
Ein erhabenes Grinsen umspielte ihre blutigen Lippen. „Verrate mir aber trotzdem, ob du es dir jemals ebenfalls vorgestellt hast." Auch sie hatte gewispert.
Er lachte bitter und wich von ihr zurück.
„Andrews, mach das gründlich sonst zwinge ich dich dazu den Dreck zu fressen, den du gerade produzierst", fauchte der Blonde an das halbe Kind gewandt, welches augenblicklich zu zittern begann.
„Ich habe Durst", rief sie dazwischen.
Der Blonde wandte sich zu ihr um, doch Zabini kam ihm zuvor. Er reichte ihr einen Wasserbeutel, den sie aufgrund der Armklammer nur sehr schwer an ihre Lippen heben konnte. Etwas grob half der Schwarzhaarige ihr dabei.
Als ihr Durst gestillt war, war der dünne Pullover den sie trug nass. Ihr schwarzer Spitzen-BH schimmerte durch den hellen Stoff hindurch und die Kälte der Nacht richtete ihre Brustwarzen auf. Sie konnte Flints hungrigen Blick spüren.
„Darf ich sie mir einen Moment ausleihen?", lachte er schließlich heiser.
Sie erstarrte einen Augenblick, zwang sich aber dazu kontrolliert zu atmen und ihm spöttisch entgegen zu sehen. „Hast du es so nötig?"
„Kannst du damit wenigstens warten, bis wir alle etwas im Magen haben?", fauchte Malfoy und Flint wich erneut zurück.
„Du musst es drehen Andrews", herrschte Zabini gerade den Jungen an, der mit zitternden Händen den provisorischen Grillspieß über das Feuer hielt.
Malfoy sah zu den beiden Todessern auf, stöhnte leise. Er saß dicht neben ihr, hatte es jedoch vermieden sie anzusehen. Er roch gut… Er schien sein Aftershave gewechselt zu haben, doch er roch immer noch gut…
Sie lächelte schwach…
„Zabini, du übernimmst den Spieß denn ich hasse verkohltes Fleisch. Andrews, du setzt dich hier zu Granger und ich…", ruckartig richtete der Blonde sich auf und verließ die Lichtung, „…gehe Pinkeln. Wenn sie weg ist wenn ich wiederkomme, seid ihr alle tot."
Ein hysterisches Lachen entkam ihrer Kehle, sie wusste nicht so wirklich warum. Es war einfach der Wahnsinn des Momentes. Ihr Magen knurrte verräterisch laut, als sie den Geruch des Fleisches wahrnahm.
Und zum ersten Mal wurde ihr wirklich bewusst, dass sie sterben würde, wenn sie nichts dagegen unternahm…
So, da sind wir wieder… Da die Geschichte bereits mit insgesamt 4 Kapiteln fertig auf meinem Rechner liegt (ich überarbeite gerade eigentlich nur noch das Letzte), geht's auch direkt weiter… Mal gucken, wenn die Sache genug Anspruch findet, geht's vielleicht morgen schon weiter… :)
Es freut mich übrigens, dass diese Geschichte bisher schon so viele positive Stimmen bekommen hat. Bisher konnte man ja noch nicht besonders viel sagen… Danke also an Ashe (Beta) und an meine Reviewer… :)
Nessi.C.: Hallo du… :) Es freu mich, dass du auch hier reinschaust… Ich liebe Pferde auch, meine Tante hatte mal mehrere.. Leider hatte sie vor einigen Jahren einen schweren Reitunfall, dass ist aber ne andere Geschichte… :( Wie heißen denn deine Beiden? Die Frage kann ich übrigens schlecht beantworten, da es nicht darum geht ob er *gut* wird, sondern eher darum, ob noch etwas Gutes in ihm existiert… ;)
HexenLady: Danke… Freut mich zu hören… :P
MissXXX: Das freut mich und danke für die Blumen… Ich hoffe du bleibst dabei… :)
Die-na: Das ist hier echt schlecht zu sagen… Ich würde sagen das Ende ist Bittersweet? Die Story wird aber auch keine seichte Geschichte werden… Taschentücher sind aber wahrscheinlich gar nicht mal so ne schlechte Idee… :(
One77: Freut mich zu hören… Und danke für die Blumen… :)
Unbekannt: Hui, da freue ich mich… :) Ich hoffe auch in den kommenden Chaps von dir zu hören… :)
