5.02 – Treason
Treason It
all starts here with my disgrace Tell me
a reason why this isn't treason With my two lips I will praise your
name Tell me a reason why
this isn't treason Your blood it covered all my sin Tell me a reason why this isn't treason
I give you my life then I run in
haste
In this false life something needs to give
Tell me, tell me I'm wrong
I
swear I'm back but then it turns out it's only a season
So tell
me, tell me I'm wrong
Then I turn around and only curse and blame
I give in,
strength is thin, adding to my shame
Tell me, tell me I'm wrong
I swear I'm
back but then it turns out it's only a season
So tell me, tell me
I'm wrong
You changed a
traitor into kin
In this false life something needs to give
Tell me, tell me
I'm wrong
I swear I'm back but then it turns out it's only a
season
So tell me, tell me I'm wrong
Die
Gewalt einer Lawine kann verheerend sein. Denn sie kommt nicht nur
mit großer Geschwindigkeit, sondern auch mit gewaltigen Massen
ins Tal. Bei uns sind es keine Schneemassen, die über uns
einbrechen, sondern eher Gefühle. Einige sind mehr als erwünscht
(Derek
bearbeitet den Hals von Meredith mit seinen Lippen, während
diese ihre Beine um seine Hüfte schwingt und mit ihren Händen
seinen Körper erkundet),
doch andere versuchen wir von uns fern zu halten (Izzie
liegt in ihrem Bett und weint).
Dazu bauen wir Barrieren um uns auf, die uns schützen sollen
(Alex
sitzt auf dem kleinen Bett in Joes Hinterzimmer).
Doch all diese Barrieren nutzen nichts, wenn man die Wucht der
Gefühle unterschätzt, die auf einen einbrechen können
(Cristina
beobachtet Mark, der an der Schwesternstation steht).
Im Krankenhaus – Umkleidekabine
Meredith stand vor ihrem Spind. Noch immer wie in einer riesigen Blase gefangen betrachtete sie sich den funkelnden Ring an ihrem Finger. Glücklich strich sie über ihn, fast so als ob sie testen musste, dass er auch wirklich da war und sie es sich nicht einfach nur einbildete. Aber er war da. Sie schloss die Augen und genoss das überschäumende Glücksgefühl, das sie schon den ganzen Morgen überkam, wenn sie sich an die Nacht erinnerte. Zwar war sie auch noch ein klein wenig müde, da sie nicht wirklich lange geschlafen hatte, doch Dereks Antrag war all die Müdigkeit wert gewesen. Auf der einen Seite konnte sie kaum erwarten endlich allen zu erzählen, aber auf der anderen Seite tat ihr auch Izzie leid, da Alex nicht nach Hause gekommen war. Seufzend betrachtete sie sich den Ring noch einmal, dann zog sie ihn aus und platzierte ihn in der Schachtel. Sie wollte ihn ohnehin nicht während ihrer Arbeit am Finger haben, da sie Angst hatte, dass etwas an ihn kommen könnte. Noch einmal strich sie über den Ring, schloss dann aber die Schachtel und ließ sie in eine Tasche ihres Arztkittels gleiten. Im Hintergrund hörte sie wie die Tür geöffnet wurde und Cristina rein kam.
„Du bist früh hier." Stellte Cristina fest und suchte sich frische OP Kleidung, in die sie schlüpfen könnte.
„Es muss eher lauten, dass ich überhaupt hier bin." Meredith schloss ihren Spind und stellte sich grinsend davor.
Cristina runzelte die Stirn. „Was soll das heißen?" Sie zog sich ihr Oberteil aus, was sie den gestrigen Tag getragen hatte und schlüpfte dann in ein frisches.
„Das soll heißen, dass ich mit Derek die ganze Fahrt über debattiert habe, dass ich arbeiten gehen will." Noch immer grinsend dachte sie an die Fahrt und umschloss dann die Schachtel in ihrem Kittel, da sie es nicht erwarten konnte, Cristina den Ring zu zeigen.
„Was gibt es da überhaupt zu diskutieren?" Cristina war inzwischen in eine frische Hose geschlüpft und warf die alte Wäsche in ihren Spind zurück.
„Derek wollte nicht, dass ich gehe, da er meinte ich hätte gestern Abend erhöhte Temperatur gehabt. Er hat mich nur mitgenommen, weil ich ihm versprochen habe, es ruhig angehen zu lassen." Meredith biss sich vergnügt auf die Unterlippe, während ihre Augen vor Glück strahlten. Irgendwie mochte sie es, dass er sich so um sie sorgte und zudem hatte er gestern um ihre Hand angehalten.
„Seit wann lässt du dich von einem Mann herumkommandieren?" Fragte Cristina etwas schnippisch. „Du bist eher der Typ, der sie rauswirft."
Meredith rollte mit den Augen. „Das zählt zu meiner Vergangenheit. Außerdem habe ich nichts dagegen, dass Derek sich um mich sorgt." Sie verstärkte den Griff um die Schachtel, um sie aus der Kitteltasche herausziehen zu können.
„Wenn du meinst." Cristina hängte sich wieder ihr Stethoskop um und schloss dann ebenfalls ihren Spind. „Ich habe dir was zu sagen."
„Ich dir auch." Meredith holte tief Luft.
„Ich hab gestern mit Mark geschlafen." Platzte es Cristina heraus. Sie sah zu Meredith, die langsam ausatmete. „Es ist das erste Mal seit Burke weg ist. Und dann ist es Mark. Was soll ich jetzt machen?"
„Was meinst du damit, was du machen sollst." Meredith lockerte den Griff um die kleine Schachtel etwas, behielt aber ihre Hand noch ihrer Tasche.
„Wie soll ich mit ihm umgehen? Immerhin reden wir hier von Mark Sloan." Cristina lehnte sich gegen den Schrank und sah zu Boden.
„Ich dachte, dass du ihn magst." Meredith zog nun ihre Hand aus der Tasche und fühlte sich etwas leer als sie auf ihre Hand blickte. Seufzend stellte sie sich Cristina gegenüber.
„Ja, aber er schläft mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist." Cristina rieb sich den Nasenrücken. „Egal, ich werde einfach abwarten, wie es weiter geht. Wir sind spät dran." Damit ging sie zur Tür, während Meredith noch vor ihren Spinden stehen blieb. „Kommst du?"
„Ja, natürlich." Meredith fuhr sich an ihrem Arztkittel entlang und spürte die harte Schachtel. Seufzend folgte sie Cristina aus der Umkleide. Es blieben ihr ja noch ein paar Stunden, um es Cristina sagen zu können.
Umkleidekabine
Izzie schob die Tür zur Umkleidekabine auf und sah sich suchend um. Eine Handvoll Assistenzärzte im ersten Jahr war noch gerade dabei sich umzuziehen. Sie hoben den Kopf und grüßten freundlich, als sie Izzie eintreten sahen. Sie erwiderte den Gruß mit einem gezwungenen Lächeln und versuchte das flaue Gefühl in ihrem Magen zu ignorieren, als sie hinüber zu ihrem Spind ging. Es war wohl ein Phänomen für sich, dass die körperlichen Symptome der Schwangerschaft erst so richtig zum Vorschein kamen, wenn man von seinem Zustand wusste. Aber vielleicht lag es auch daran, dass sie die Nacht nur 3 Stunden Schlaf bekommen hatte und sich deshalb müde und wackelig auf den Beinen fühlte. Zwanzig Minuten hatte sie vor dem Klo gekniet und dann frustriert festgestellt, dass ihr nicht schlecht genug gewesen war, um sich zu übergeben. Meredith hatte damit weniger Probleme gehabt. Vorsorglich hatte Izzie deshalb ganz aufs Frühstück verzichtet. Sie war sowieso zu spät dran gewesen, denn Meredith und Derek hatten das Haus bereits verlassen, als sie aufstand.
Seufzend öffnete Izzie ihren Spind und nahm ihre Krankenhauskleidung heraus und begann sich umzuziehen. Sie hob den Kopf und erwartete Schelte, als sie Dr. Bailey im Türrahmen stehen sah.
„Sie sind zu spät!" sagte sie mit strengem Blick und wies auf die Uhr.
„Ja ..." Izzie kämpfte gegen das stetig zunehmende Gefühl der Übelkeit an und schloss für einen Moment die Augen."
„Sie werden mir doch jetzt hoffentlich nicht auch noch krank", bemerkte Dr. Bailey während sie Izzie besorgt ansah.
„Auch noch krank?" Izzie hob den Kopf und sah Dr. Bailey mit rätselhaftem Blick an.
„Ihr Mann hat sich doch vorhin krank gemeldet", erwiderte Dr. Bailey und runzelte die Stirn. „Er rief vorhin an und teilte mir mit, dass er sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen hätte."
Izzie spürte, wie sich ihr Pulsschlag bei der Erwähnung seines Namens beschleunigte. Sie hätte Dr. Bailey gerne gefragt, von wo aus er angerufen hatte. Aber diese Blöße, nicht zu wissen, wo ihr eigener Ehemann die Nacht verbracht hatte, wollte sie sich nicht vor ihr geben. Deshalb schwieg sie und starrte auf den Boden.
„Ich hoffe, es geht ihm bald besser", meinte Dr. Bailey.
Izzie lächelte verkrampft. „Bestimmt. Meredith hatte es auch, und ich ..." Weiter kam sie nicht, denn Schwindel überfiel sie und die Übelkeit in ihrem Magen weitete sich zu einem heftigen Brechreiz aus. Sie presste die Hand vor den Mund und rannte so schnell sie konnte zum Waschbecken hinüber. Zitternd lehnte sie sich an die Wand, nachdem sie sich übergeben hatte.
„Gehen sie nach Hause, Izzie", sagte Dr. Bailey und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Sieht so aus, als ob sie sich auch angesteckt hätten."
Izzie schüttelte langsam den Kopf, während sie eine Hand auf den Magen gepresst hielt. „Ich bin nicht krank. Ich bin ..." Sie senkte schnell den Kopf, um Dr. Bailey nicht in die Augen sehen zu müssen. „ ...schwanger", beendete sie dann den Satz.
Dr. Bailey hob vielsagend die Augenbrauen. „Nun ich hatte das schon etwas länger vermutet", sagte sie dann lächelnd. „Herzlichen Glückwunsch! Wie weit sind sie denn?"
„Ich weiß es erst seit gestern", sagte Izzie leicht verwundert. „Ich habe zwei Tests gemacht, die positiv waren. Woher wissen sie es denn?"
Dr. Bailey lächelte verschmitzt. „Wenn man selber Mutter ist, dann erkennt man die Symptome sehr schnell. Und bei ihnen war es einfach offensichtlich." Sie sah Izzie mit besorgtem Blick an. „Sie sollten so schnell wie möglich eine Ultraschalluntersuchung machen lassen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist", sagte sie. „Eine Virusinfektion im ersten Trimester kann für das Ungeborene gefährlich sein", erklärte sie.
Izzie nickte. „Ich werde mir für nächste Woche einen Termin bei Dr. Evans holen", sagte sie.
Dr. Bailey schüttelte den Kopf. „Ich habe mir mal von ihrem Mann zum Vorwurf machen lassen müssen, dass ich mich nicht um das Wohl meiner Angestellten sorge. Nun, ich will mir dasselbe nicht noch einmal vorwerfen lassen. Sie gehen jetzt sofort zu Dr. Evans und lassen sich untersuchen!" sagte sie bestimmt.
Izzie runzelte die Stirn. „Aber es geht mir wirklich gut", wandte sie ein.
„Gut ist etwas anderes", erwiderte Dr. Bailey und sah Izzie mit kritischem Blick an. „Sie haben sich gerade übergeben, zittern am ganzen Körper und sehen aus, als ob sie jeden Moment ohnmächtig werden würden." Sie schüttelte den Kopf. „Sie gehen jetzt sofort zu Dr. Evans oder ich schicke sie wieder nach Hause!"
Seufzend schloss Izzie ihren Spind. „In Ordnung", gab sie seufzend nach. „Ich gehe zu Dr. Evans."
„Gut." Dr. Bailey's Gesichtszüge entspannten sich. „Wenn sie die Bestätigung haben, dass alles in Ordnung ist und sie sich wohl genug fühlen zum Arbeiten, können sie sich wieder bei mir melden." Sie nickte Izzie noch einmal zu und verließ dann die Umkleidekabine.
Izzie setzte sich auf die Bank vor ihrem Spind und starrte gegen die Wand. Sie fragte sich, wieso Alex sich krank gemeldet hatte. Ganz sicher war er nicht krank. Er ging ihr aus dem Weg, ganz klar. Die Hoffnung, die sie gehabt hatte, dass sie sich aussprechen und dann versöhnen würden, war zerplatzt. Sie wusste ja nicht einmal, wo er sich jetzt befand. Sie erhob sich und ging mit zitternden Beinen Richtung Ausgang. Dr. Bailey hatte Recht. Es ging ihr nicht gut. Vielleicht hatte sie sich wirklich bei Meredith angesteckt. Sie schob die Tür auf und verließ die Umkleidekabine.
Im Krankenhaus
Mark stand tief in Gedanken versunken an der Schwesternstation. Gewissenhaft las er sich die neusten Ergebnisse von Samanthas Untersuchungen durch. Noch immer suchte er nach einem Anhaltspunkt, ob seine Behandlung einen Fehler aufwies und er Schuld an dem Gesundheitszustand sei oder ob es einfach nur eine Erkrankung ist, die nichts mit ihren Verletzungen zu tun hatte. Er hatte nicht bemerkt, dass Derek sich neben ihn gestellt hatte und ihn grinsend ansah. Erst als er sich aufrichtete, um seinem Rücken eine bequemere Haltung zu gönnen, fiel ihm sein alter Freund auf. Verwundert sah er ihn an und schüttelte den Kopf.
„Wenn du noch breiter grinst, dann bekomme ich dich doch noch auf meinen Tisch, um es wieder weg operieren zu können." Er deutete mit seinem Kugelschreiber auf die Breite des Grinsens, sah dann aber wieder auf seine Unterlagen. Da Derek sich nicht wirklich wegbewegte und seine Mundwinkel weiterhin steil nach oben zeigten, sah er wieder auf. „Jetzt machst du mir Angst."
Derek lachte jetzt auf und klopfte Mark auf die Schulter. „So schnell bekommst du mich nicht auf deinen Tisch." Er konnte einen Blick auf Marks Patienten werfen und runzelte dabei die Stirn. „Samantha? Ich dachte, dass du die schon längst wieder entlassen hast."
„Hab ich auch. Sie ist gestern Abend wieder eingeliefert worden." Mark streckte sich etwas, da er die ganze Nacht wach gewesen war, um sich um Samantha kümmern zu können.
„Komplikationen mit dem Transplantat?" Derek blickte neugierig auf die Ergebnisse, die vor Mark lagen.
„Die Wunde sieht gut aus. Zumindest auf dem einen Bein. Die andere ist nicht optimal, aber ich sehe auch keinen Grund, dass sie so hoch Fieber hat." Mark lehnte sich jetzt an den Tresen und schob Derek die Akte ganz rüber. „Es laufen noch ein paar Bluttests."
Derek las sich durch die bereits getätigten Notizen, während er weiterhin seine Stirn runzelte. „Vielleicht einfach nur eine Erkältung, die wegen der niedrigen Leukozyten so ausgeartet ist." Murmelte er etwas abwesend.
„Ich hoffe es, denn dann müsste ich mir keine Sorgen wegen den Transplantaten machen." Er nahm von Derek die Akte wieder entgegen. „Aber jetzt zu diesem dämlichen Grinsen von eben."
Dereks Besorgnis wich wieder aus seinem Gesicht und wurde ersetzt von zwei nach oben gehobenen Mundwinkeln. „Ich weiß nicht was du meinst."
„Klar. Wenn du jetzt in einen Spiegel sehen könntest, dann wüsstest du, was ich meine. Aber ich bin nett und setze dich nicht auch noch diesem Anblick aus." Mark musste jetzt selber lachen. „Lass mich raten."
„Gut, denn ich würde es dir ohnehin nicht sagen." Derek verschränkte die Arme vor der Brust.
Mark legte seine Stirn in Falten und musterte sich die grinsende Gestalt vor sich. Den Kopf neigend deutete er dann auf seinen Freund. „Du hast die Frage gestellt."
„Ich habe die Frage gestellt?"
„Du hast die Frage gestellt und die Antwort was positiv." Mark sah ihn jetzt mit einem triumphierenden Blick an.
„Ich habe die Frage gestellt und die Antwort war positiv?", wiederholte Derek erneut. Seufzend fing er an seinen Kopf zu schütteln, was aber schnell in ein Nicken überging. „Wie bist du so schnell darauf gekommen?"
„Es konnte nur das sein oder wenn sie schwanger wäre. Aber da hättest du noch zusätzlich einen nervösen Tick drauf." Mark reichte ihm die Hand. „Gratuliere, mit Sicherheit keine schlechte Wahl."
„Danke und du lässt die Finger von ihr." Derek nahm Marks Hand entgegen und drückte sie etwas fester, so dass Mark etwas zusammenzuckte.
„Keine Angst. Ich hab aus meinem Fehler gelernt." Mark zog seine Hand zurück, die er etwas schüttelte. „Außerdem bin ich gestern einen Schritt weiter gekommen mit Cristina."
Derek hob amüsiert die Augenbraue. „Einen Schritt weiter? Will ich wissen, was du genau meinst?" Da Mark jetzt ein schiefes Grinsen aufsetzte, schüttelte Derek lachend den Kopf. „Nein, will ich nicht."
„Ich würde dir eh nichts sagen, zumal ich mir jetzt den Klunker ansehen will, mit dem du deine Verlobte hast überreden können." Mark reichte einem Pfleger Samanthas Krankenakte. „Ich will angefunkt werden, sobald die neuen Blutwerte da sind." Er wandte sich von dem Pfleger, der ihm zugenickt hatte, wieder zu Derek zu. „Essen wir nachher zusammen?"
„Gerne. Sofern es dich nicht stört, wenn meine Verlobte mit am Tisch sitzt." Derek atmete tief durch. So langsam wurde es für ihn greifbar, was in der Nacht zuvor passiert war, jetzt als er es endlich jemanden mitgeteilt hat.
„Keineswegs." Die beiden gingen gemeinsam zu den Aufzügen. „Ich freue mich für dich." Mark klopfte Derek noch einmal auf die Schulter, dann ging er alleine den Gang hinunter, während Derek ihm lächelnd nachsah.
Im Krankenhaus - Gynäkologie
Dr. Evans nahm Izzie die Blutdruckmanschette vom Arm und sah sie mit geschäftsmäßigem Blick an. „Der Blutdruck ist ein wenig niedrig. Aber kein Grund zur Besorgnis. Das haben viele Frauen in den ersten Schwangerschaftswochen." Sie schaute auf die Krankenakte, die sie von Izzie angelegt hatte. „Laut ihrer Angaben hatten sie zweimal ihre Periode nicht. Ist das richtig?"
Izzie sah verlegen auf ihre Hände und nickte. Wahrscheinlich dachte Dr. Evans, dass sie völlig hinter dem Mond leben würde und nicht wusste, dass das Ausbleiben der monatlichen Blutung auf eine Schwangerschaft hindeuten konnte.
„Und sie haben vorher regelmäßig die Pille genommen?" erkundigte sich Dr. Evans.
Izzie nickte erneut. „Ich nehme sie allerdings erst seit ein paar Wochen", erwiderte sie.
„Es gibt kein Verhütungsmittel, das hundertprozentig sicher ist", sagte Dr. Evans. „Aber das wissen sie ja sicher selber." Sie machte eine Geste, dass Izzie sich hinlegen sollte.
„Ich mache jetzt eine Sonografie, um zu sehen, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist und ob es mit ihren Angaben zusammenpasst."
Izzie lehnte sich zurück und macht den Bauch frei, damit Dr. Evans sie untersuchen konnte. Sie schloss reflexartig die Augen, als sie das kühle Gel auf ihrem Bauch fühlte und wenig später, wie der Ultraschallkopf über ihren Bauch kreiste.
Ein Lächeln huschte über Dr. Evans' Gesicht. Sie drehte die Lautstärke etwas höher und der ganze Raum wurde erfüllt von dem Herzschlag des Embryos.
Tränen drangen durch Izzie's Wimpern, und ihre Hände krampften sich um die Liege. Sie wünschte, dass Alex jetzt bei ihr wäre, um mit ihr gemeinsam diesen Moment zu erleben.
„Möchten sie ihr Baby sehen?" fragte Dr. Evans, der aufgefallen war, dass Izzie ihre Augen immer noch geschlossen hielt.
Izzie nickte und öffnete langsam ihre Augen.
Dr. Evans drehte den Monitor so, dass Izzie einen ersten Blick auf den erst wenige Zentimeter großen Embryo werfen konnte. „Ihre Angaben waren ziemlich korrekt", sagte sie nach einer Weile. „Sie müssten so in etwa in der 8. SSW sein."
Izzie nickte. Zu mehr war sie nicht imstande. Wie hypnotisiert starrte sie auf den Monitor, während die Tränen über ihr Gesicht liefen. Das, was man bisher nur schemenhaft erkennen konnte, war ihr Baby – ihres und Alex'.
Dr. Evans ging zum Drucker und schaltete ihn ein. „Das erste Bild fürs Fotoalbum", sagte sie und händigte Izzie das Ultraschallbild aus, nachdem sie es ausgedruckt hatte. Sie wischte das Gel von Izzie's Bauch und half ihr dann, sich aufzusetzen. „Sie brauchen sich nicht zu sorgen", sagte sie dann. „Bisher entwickelt sich alles normal. Aber sie sollten sich in den nächsten Wochen trotzdem etwas schonen. Und sollten Blutungen auftreten und krampfartige Schmerzen, sollten sie sich sofort bei mir melden oder wenn sie zuhause sind, sich ins Krankenhaus fahren lassen."
Izzie nickte beklommen. Sie wusste das alles. Sie hatte genau dasselbe auch schon bei Hannah durchgemacht. Die Schwangerschaft mit ihr war nicht leicht gewesen – sowohl von der körperlichen Seite her als auch von der emotionalen. Das ihr kindlicher Körper sich in wenigen Wochen so krass veränderte war damals ein Schock gewesen. Und voller Horror erinnerte sie sich zurück an die Geburt. Ihre Mutter war damals bei ihr gewesen, hatte ihre Hand gehalten und sie getröstet, während sie die Qualen der Geburt durchlitten hatte. Izzie war damals der festen Überzeugung gewesen, dass sie das ganze nicht überleben würde. Und nach der Entbindung war sie so erschöpft gewesen, dass sie sofort eingeschlafen war.
„Ich werde ihnen jetzt noch Blut abnehmen", unterbrach Dr. Evans Izzie's Gedanken. „Reine Routine."
Dr. Evans entnahm Blut aus Izzie's Armvene und legte das volle Röhrchen dann in eine Nierenschale. „Ich werde es gleich ins Labor bringen. Morgen haben wir dann das Ergebnis."
Izzie erhob sich von der Liege. „Danke", murmelte sie.
Die Ärztin lächelte. „Ich habe nur meinen Job gemacht. Aber natürlich ist es immer etwas anderes, wenn man die Schwangerschaft einer Kollegin betreut."
Izzie nickte und ging dann zur Tür.
„Ach, Dr. Karev ..", sprach Dr. Evans sie an. „Bestellen sie ihrem Mann doch bitte gute Besserung von mir." Sie lächelte. „Sagen sie ihm, dass er hier dringend gebraucht wird."
Izzie sah die Ärztin mit gerunzelter Stirn an, bevor sie schließlich den Behandlungsraum verließ und sich auf die Suche nach Dr. Bailey machte.
Freie Klinik
Izzie war erleichtert, dass Dr. Bailey sie nicht nach Hause schickte sondern ihr erlaubte, in der freien Klinik auszuhelfen. Sie war dankbar darüber, keine schwere Arbeit leisten zu müssen, weil sie immer noch mit Übelkeit und gelegentlichen Schwindelattacken zu kämpfen hatte. Ihr erster Patient war ein Mann mit einem stark geschwollen Fußgelenk, das sich bläulich-schwarz verfärbt hatte.
„Ich bin Läufer wissen sie", erklärte er. „Ich nehme demnächst am New York Marathon teil und war gerade dabei, meine Trainingsrunde zu absolvieren, als mir diese blöde Katze über den Weg lief!"
Izzie verkniff sich ein Schmunzeln. „Sie sind also gestürzt?" fragte sie nach.
Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe versucht, dem Biest auszuweichen und bin dann gegen einen Laternenpfahl gerannt und umgeknickt", erwiderte er mit düsterem Blick. „Aber dieses Viech war schuld."
„Ich verstehe." Izzie begann vorsichtig den Fuß zu untersuchen, nachdem sie dem Mann geholfen hatte, Schuhe und Socke auszuziehen. „Also das sieht nicht gut aus", sagte sie dann. „Wir machen am besten gleich eine Röntgenaufnahme, um Knochenverletzungen auszuschließen.."
„Denken sie, dass ich bald wieder laufen kann?" fragte der Patient.
Izzie zog die Stirn in Falten. „Wir machen jetzt erst einmal die Untersuchung. Dann wissen wir Genaueres." Sie holte einen der Rollstühle aus der Ecke, die dort immer für Patienten zur Verfügung standen, die nicht laufen konnten und half dem Mann hinein. Sie war gerade dabei, ihn aus der Klinik zu fahren, als sie an der Tür mit George zusammenstieß.
„George!" rief Izzie erstaunt aus. „Ich meine .. Dr. O'Malley." Sie warf schnell einen Blick zu ihrem Patienten, doch der schien den Versprecher nicht bemerkt zu haben. „Was tun sie hier?"
„Dr. Bailey schickt mich. Ich soll dir ... ihnen assistieren." Er nickte dem Patienten zu. „Ich bin Dr. O'Malley", stellte er sich vor.
„Fisher." Der Mann nickte. „Geht es jetzt langsam mal weiter?" fragte er ungeduldig.
Izzie verdrehte die Augen. Wieso musste sie immer Fälle mit Patienten bekommen, die an allem herumkritisierten. Außerdem ärgerte es sie, dass Dr. Bailey ihr nicht mal zutraute, alleine mit dem Patienten zurechtzukommen. Bis George gekommen war hatte sie alles bestens im Griff gehabt. Izzie schob den Rollstuhl mit Mr. Fischer Richtung Röntgenraum, als George sie plötzlich am Arm festhielt.
„Du solltest nicht mit hineingehen", sagte er bestimmt. „Warte hier! Ich erledige das."
Izzie sah ihn mit rätselhaftem Blick an. „Wieso soll ich nicht mit hineingehen?" fragte sie verwirrt.
George's Blick wanderte zu Izzie's Bauch. „Nicht in deinem Zustand", sagte er etwas leiser, damit Mr. Fisher ihn nicht hören konnte.
Izzie starrte George wie betäubt an. Er wusste von ihrer Schwangerschaft? Aber wer hatte es ihm gesagt? Dr. Bailey würde so eine Neuigkeit nicht weiter geben. Und Dr. Evans hatte keinen Kontakt zu George gehabt. „Woher ...?" Sie brach verwirrt ab, denn George hatte sich bereits dem Patienten zugewandt.
„Ich bringe sie jetzt in den Röntgenraum, Mr. Fisher", sagte er und schob den Mann hinein.
Izzie blieb verwirrt im Flur stehen und starrte die Tür an, hinter der George gerade mit Mr. Fisher verschwunden war. Es erschien ihr eine Ewigkeit zu dauern, bis beide den Röntgenraum wieder verließen.
„Er hat eine Außenbandruptur des oberen Sprunggelenkes", erklärte George knapp. „Ich habe Callie gerade angepiept, damit sie sich das ganze noch einmal anschaut. Sie wartet bereits im Behandlungsraum 2 auf mich." Er sah Izzie mit besorgtem Blick an. „Ich bringe Mr. Fisher gerade zu Callie, und dann komme ich wieder."
Ungeduldig wartete Izzie auf George's Rückkehr, während sie im Flur auf und ab tigerte. Schließlich sah sie, wie er um die Ecke bog. „Woher weißt du, dass ich schwanger bin?" überfiel sie ihn gleich.
George senkte betreten den Kopf und schwieg.
„George, bitte!" Izzie sah ihn flehend an. „Wer hat es dir gesagt? Ich habe es bisher nur Dr. Bailey und Dr. Evans erzählt."
„Komm mit!" Er zog sie am Arm in einen der Wäscheräume hinein und schloss die Tür. „Alex", sagte er dann nach einem kurzen Zögern.
„Alex?" Izzie riss die Augen weit auf. „Du weißt es von Alex? Aber .." Sie überlegte einen Moment. „Du ... du weißt wo er ist, oder?" Sie lehnte sich haltsuchend gegen die verschlossene Tür. Es war ihr in diesem Moment egal, ob George erfuhr, dass sie und Alex einen Streit hatten. Sie machte sich viel mehr Sorgen, wo ihr Ehemann steckte und ob es ihm gut ging.
George nickte. „Ich traf ihn gestern Nacht bei Joe. Er war ziemlich betrunken, und ..." Er brach ab und räusperte sich. Izzie brauchte nicht zu erfahren, dass er und Alex sich beinahe geprügelt hätten. „Nun, wie ich schon sagte, er war ziemlich betrunken, und im Laufe des Gesprächs kam dann heraus, dass du schwanger bist."
„Und danach?" Izzie trat nervös von einem Fuß auf den anderen. „Weißt du, wo er danach hingegangen ist?"
George grinste schief. „Nun, er wird nicht weit gekommen sein, denn er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten." Er sah, wie Izzie jegliche Farbe aus dem Gesicht verlor. „Du machst dir wirklich Sorgen um ihn, oder?"
Sie nickte und wischte sich schnell eine Träne von der Wange, die ihrem Auge entwichen war. „Wir hatten einen Streit", sagte sie leise.
„Wegen des Babys?"
Izzie nickte, während immer mehr Tränen über ihre Wangen strömten. „Er hasst mich, weil ich ..." Der letzte Rest des Satzes ging in Schluchzen unter.
George konnte nicht anders. Er zog sie in seine Arme und bettete ihren Kopf an seine Schulter. „Er hasst dich nicht", sagte er leise. „Man kann dich überhaupt nicht hassen." Es verwunderte ihn, diese Worte aus seinem Mund zu hören. Nur einen Tag vorher hatte er Alex vor Dr. Webber schlecht gemacht und ihm nur Unglück gewünscht. Doch irgendwie wollte er es nicht so im Raum stehen lassen, dass Alex seine Frau wirklich hasste. Er hatte erlebt, in welchem Zustand er gewesen war. Die reine Verzweifelung hatte ihn in die Bar getrieben.
Izzie befreite sich zögernd aus George's Armen. Es tat so gut, jemanden zu haben, an den man sich anlehnen konnte. „Danke", flüsterte sie.
„Schon gut." George nickte. „Mach dir keine Sorgen wegen Alex", sagte er. „Er kommt schon klar."
Izzie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Ich muss zurück in die Klinik", sagte sie.
„Aber keine Röntgenaufnahmen mehr", sagte er und hob spielerisch drohend den Finger. „Du solltest in diesem Fall jemanden zur Hilfe rufen."
Izzie lächelte. „Danke für den Rat." Sie legte eine Hand auf ihren Bauch. „Es gibt so einiges, an das ich mich erst gewöhnen muss."
George sah ihr nachdenklich hinterher, als sie den Raum verließ und machte sich dann kurze Zeit später auch wieder auf den Weg zu Dr. Bailey.
Im Krankenhaus
Meredith saß an Dereks Schreibtisch und betrachtete sich zufrieden den Ring an ihrem Finger. Eigentlich hatte sie mal wieder die Aufgabe einige Akten für ihn auszufüllen, doch sie fand, dass man auch dabei ihre Pausen brauchte. Lächelnd umfuhr sie mit ihrem Zeigefinger den nach ihrem Geschmack viel zu wertvollen Ring. Wenn es nach ihr gegangen wäre, so hätte er ihr auch etwas aus einem Kaugummiautomaten über den Finger streifen können. Ein Klopfen an die Tür riss sie etwas unsanft aus ihren Gedanken. Noch bevor sie den Ring wieder ausziehen konnte, wurde schon die Tür geöffnet und Dr. Evans streckte ihren Kopf durch die Tür.
„Derek?" Fragte die Ärztin etwas schüchtern und trat dann ganz in das Zimmer.
„Dr. Shepherd." Antwortete Meredith etwas schnippisch und fragte sich gleichzeitig, ob sie seinen Namen annehmen sollte oder einen Doppelnamen. Sie könnte auch ihren Namen behalten. Wieder tauchte sie in ihre Gedankenwelt ab und teste, was sich besser anhörte. Erst als sich Dr. Evans räusperte, wurde sie erneut in die Realität zurückgeholt. „Es ist Dr. Shepherd. Sie wollten doch professionell bleiben."
Dr. Evans rollte etwas mit den Augen. „In Ordnung. Wissen sie zufällig wo Dr. Shepherd ist?" Sie stellte sich vor den Schreibtisch und musterte Meredith, die noch immer von ihrer Erkrankung etwas blass um die Nase war.
„Warum wollen sie das wissen?" Meredith sah ihre Kollegin skeptisch an.
„Das geht sie nichts an. Wissen sie nun wo er sein könnte?" Dr. Evans schnaubte etwas auf als sie Meredith ungeduldig anstarrte.
„Wo könnte ein Chirurg sein?" Stellte Meredith eine Gegenfrage und setzte ein halbherziges Lächeln auf.
„Ich würde sagen, dass das jetzt auch nicht professionell von ihnen ist, Dr. Grey. Ich habe ihnen eine einfache Frage gestellt." Genervt stemmte sie ihre Hand in die Seite und funkelte Meredith verärgert an.
Meredith hob die Arme und sah dann unter den Schreibtisch. „Er ist nicht hier und ich habe auch keine Leine um seinen Hals gebunden, an der ich ihn jetzt zurückziehen könnte." Schief grinsend lehnte sich Meredith auf Dereks Schreibtischstuhl zurück. „Ich kann ihm aber gerne etwas ausrichten, wenn er wieder in sein Büro kommt."
„Ich habe nur noch einmal eine Frage, was Epilepsie betrifft. Vielleicht könnte er nachher kurz auf der Frühchenstation vorbeisehen." Sie ah Meredith jetzt herausfordernd an und erwartete einen schnippischen Kommentar ihrer Kollegin, doch Meredith sah sie nur unberührt an.
„Ich werde es ihm ausrichten." Meredith sah zu Dr. Evans hoch und setzte wieder ein gespieltes Lächeln auf.
„Es könnte etwas länger werden. Er soll also nur kommen, wenn er wirklich Zeit an." Sie hoffte auf eine angriffslustige Antwort, doch Meredith nickte ihr nur zu.
„In Ordnung. Ich bin mir sicher, dass er das machen wird." Meredith strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und der Ring funkelte auf als ein Lichtstrahl auf ihn fiel. Dr. Evans sah zuerst etwas verwundert darauf, dann seufzte sie etwas auf. Als Meredith den Blick nachvollziehen konnte, nahm sie ihre Hand herunter und sah verträumt darauf. „Ich wusste immer, dass er einen guten Geschmack hat."
„Ja, scheint so." Dr. Evans sah von dem Ring weg und ging wieder zur Tür. „Es eilt nicht mit meiner Frage." Sie ging wieder aus dem Büro heraus und schloss die Tür hinter sich geräuschvoll.
„Das dachte ich mir schon." Meredith grinste als die Tür wieder ins Schloss gefallen war. Sie sah auf den Ring und seufzte auf. Vielleicht war es gut, dass sie keinen aus dem Kaugummiautomaten erhalten hat, sondern etwas richtig Wertvolles. Zumindest schien sie damit lästige Kontrahentinnen in die Flucht zu schlagen ohne sich noch großartig anstrengen zu müssen und Derek wollte ohnehin, dass sie es ruhiger angehen lässt.
Freie Klinik
„Du hast mich angepiept?" Lexie sah Callie fragend an, als sie den Behandlungsraum 2 betrat. Sie verfiel gleich darauf wieder in einen sachlicheren Ton, als sie sah, dass Callie mit einem Patienten im Raum war.
„Das ist Mr. Fisher", erklärte Callie. „Er hat eine Außenbandruptur des Sprunggelenks, hervorgerufen durch falsche Belastung des Fußes beim Laufen."
„Dieses blöde Viech war schuld! Nicht mein Laufen!" warf Mr. Fisher empört ein.
Lexie hob irritiert die Augenbrauen. „Was ist denn passiert?" fragte sie neugierig.
„Das tut nichts zur Sache", unterbrach Callie sie unwirsch. „Sie sollen jetzt nur tun, was ich ihnen sage."
Lexie sah Callie verstört an. Sie konnte sich nicht erklären, wieso sie sie so anfuhr. „Ja, natürlich", sagte sie leise.
„Also was tun wir in diesem Fall?" fragte Callie in geschäftsmäßigem Ton.
„Ich würde vorschlagen, dass wir eine Aircast-Schiene anlegen, um den verletzten Knöchel zu stabilisieren", gab Lexie zur Antwort.
Callie nickte. „Dann tun sie es bitte!" Sie ging an einen Schrank und holte die gewünschte Schiene heraus, die sie dann an Lexie weiter reichte.
Während Lexie Mr. Fisher die Schiene umlegte, warf sie immer wieder einen verstohlenen Blick zu Callie hinüber, die mit abwesendem Gesicht zuschaute.
„Sie dürfen nun aufstehen und ein wenig herumgehen", sagte Callie danach zu dem Patienten.
Mr. Fisher stand auf und ging im Raum umher. „Das geht ja super!" stellte er fest, nachdem er ein paar Mal im Kreis gegangen war. „Kann ich damit laufen?"
Callie zog die Stirn in Falten. „Gehen – ja, laufen – nein", sagte sie entschieden. „Sie werden wohl auf ihren Marathon verzichten müssen, denn der Knöchel muss jetzt 6 Wochen lang ruhig gehalten werden."
„6 Wochen?!" Mr. Fisher sah sie entsetzt an. „Das geht nicht, völlig unmöglich!" begehrte er auf.
Callie verlor nun langsam die Geduld. „Hören sie, wir können ihnen auch noch 10 Tage länger verschaffen, indem wir sie vorher noch operieren." Sie stellte sich vor ihn und sah ihn provozierend an. „Was ist ihnen lieber ... OP oder Schiene? Oder die letzte Alternative wäre noch, dass sie für immer ein Krüppel bleiben!"
Lexie räusperte sich hörbar. Sie fand, dass Callie ein wenig zu weit ging mit dem Patienten. Schließlich war sein Verhalten durchaus verständlich. Irgendetwas musste passiert sein, dass Callie so aggressiv reagierte. „Mr. Fisher entscheidet sich für die Schiene, nicht wahr?" warf sie schnell ein, während sie ihm einen flehenden Blick zuwarf.
Er nickte beklommen. „Ja ... ja ... Schiene ... sicher", stotterte er, während er Callie mit geschocktem Blick ansah. Er erhob sich. „Vielen Dank", murmelte er, als er an Lexie vorbei zur Tür ging.
„Was ist denn nur los mit dir?" fragte Lexie vorwurfsvoll, als Mr. Fisher den Raum verlassen hatte. „So kannst du doch nicht mit dem Patienten reden!"
Callie massierte ihre verspannten Muskeln. „Ich brauche dringend Urlaub. Die Scheidung und das alles war einfach zuviel", entfuhr es ihr seufzend.
„Es tut mir leid! Ich wollte dich nicht so anfahren", sagte Lexie und legte ihre Hand auf Callie's Schulter.
„Schon okay. Du hast ja Recht." Sie ließ sich stöhnend auf einen Stuhl fallen. „Ich habe mich nicht korrekt verhalten. Aber ich dachte, er hätte mit ihr Schluss gemacht", presste sie hervor. "Schließlich ist sie verheiratet. Aber vorhin habe ich sie wieder gesehen, wie sie kurz hintereinander getrennt den Wäscheraum verlassen haben." Sie hob vielsagend die Augenbrauen. „Und sie haben dort bestimmt nicht Scrabble gespielt."
„Wer?" Lexie sah Callie verstört an. „Von wem redest du überhaupt?" Sie hatte Mühe, Callie's Gedankensprüngen zu folgen.
„Ich rede von meinem lieben Ex-Ehemann und dieser Schlampe Izzie Ste ... Karev", stieß Callie sarkastisch hervor.
Lexie hatte mit einem Mal das Gefühl, als ob eine eiskalte Hand nach ihrem Herzen greifen würde. Sie begann nach Luft zu schnappen. „George und ... Izzie?!" stieß sie hervor.
Callie nickte. „Sie tut immer so lieb und unschuldig. Dabei hat sie es faustdick hinter den Ohren." Sie lachte verächtlich. „Jetzt weiß ich auch, wieso er mir permanent aus dem Weg geht. Ich wusste doch, dass es sich mal wieder um eine Frau handelt."
Lexie fühlte, wie ihr Herz kurz stoppte und dann wieder anfing zu schlagen. Sie brauchte eine Weile, um zu kapieren, was Callie ihr da offenbarte. George hatte eine Affäre mit Izzie Karev? Und was war sie dann für ihn? Nur ein netter Zeitvertreib? Lexie spürte, wie Tränen in ihr hochstiegen. Das fehlte ihr gerade noch, jetzt vor Callie loszuheulen, dachte sie entsetzt. Sie räusperte sich. „Brauchst du mich jetzt noch?" fragte sie mit heiserer Stimme.
Callie schüttelte den Kopf. Sie sah Lexie mit gerunzelter Stirn an. „Geht es dir gut? Du siehst auf einmal so blass aus."
Lexie rang sich ein Lächeln ab. „Alles bestens. Ich muss jetzt nur zurück auf die Station."
„In Ordnung", nickte Callie. „Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich dir das jetzt erzählt habe", fügte sie hinzu.
Lexie schüttelte mechanisch den Kopf. Nein, sie war Callie nicht böse. Sie war, im Gegenteil dankbar, dass sie nun wusste, dass George ein doppeltes Spiel mit ihr spielte. Wieso musste sie sich immer in die falschen Männer verlieben? Sie hielt es nicht länger aus. Sie drehte sich um und verließ fluchtartig den Behandlungsraum.
Im Krankenhaus – Umkleidekabine
Meredith stand abermals vor ihrem Spind. Irgendwie hatte sie es geschafft, den Tag zu überstehen. Sie wusste, dass es besser gewesen wäre, zu Hause zu bleiben, doch wollte sie Derek nicht den Triumph geben, Recht gehabt zu haben. Etwas mühselig zog sie ihre OP Kleidung aus, um in ihre Straßenkleidung zu wechseln. Als sie endlich ihre Schuhe an hatte, griff sie in die Tasche ihres Arztkittels, um den Ring herauszuholen, den sie nachdem Dr. Evans Dereks Büro verlassen hatte, wieder ausgezogen hatte. Sie wollte nicht, dass irgendwelche Schwestern die Nachricht verbreiteten, weil sie einen kostbaren Schmuck an ihrem Finger gesehen hatten. Nachdem sie ihren Kittel in den Spind gehangen hatte, öffnete sie die Schachtel und ließ sich einmal mehr davon in den Bann ziehen. Zwei Arme schlangen sich von hinten um ihren Körper. Vom Tage erschöpft lehnte sie sich gegen den warmen Körper hinter ihr. Derek nahm aus der Schachtel den Ring heraus, um ihn ihr erneut über den Finger zu streifen.
„Daran könnte ich mich gewöhnen." Murmelte Meredith etwas verträumt.
„Dann kann ich das ja bis zu unserer Hochzeit üben." Derek küsste sie auf die Wange.
„Mit der wir uns Zeit lassen?" Meredith drehte ihren Kopf zur Seite, so dass sie Derek ansehen konnte.
„So viel wie du brauchst." Er küsste sie auf die Nase und lehnte danach seinen Kopf gegen ihren, während er mit ihren Fingern spielte.
„Okay." Sie schloss die Augen, um den Augenblick genießen zu können. Für einige Minuten standen sie schweigend in der Umkleidekabine. „Warst du bei Dr. Evans?" Durchbrach Meredith die Stille und neigte wieder ihren Kopf zur Seite.
Derek verdrehte die Augen. „Ja, war ich. Sie wollte etwas wegen einem Medikament wissen." Er grinste sie jetzt an. „Und sie hat mir gesagt, dass du einen sehr schönen Ring hast. Ich dachte, dass du ihn während der Arbeit nicht anhaben wolltest."
Meredith räusperte sich etwas und wand sich dann aus seiner Umarmung. „Das war ein Zufall." Sie sah in ein höchst amüsiertes Gesicht von Derek und schüttelte dann den Kopf. „Ich hatte wirklich nur in einer kleinen Arbeitspause den Ring anprobiert, ob er auch noch passt."
„Und? Passt er noch?" Er neigte seinen Kopf etwas und betrachtete sich ihre Hand.
„Perfekt." Sie sah wieder zu ihm hoch. „Es war wirklich nur ein Zufall. Auch wenn ich mich nicht beschweren kann, dass sie ausgerechnet in diesem Moment in dein Büro gestürmt ist."
Derek schmunzelte leicht und küsste sie dann auf die Stirn. Da sie sich wieder wärmer anfühlte, als sie sollte, sah er sie besorgt an. „Mer, du solltest wirklich kürzer treten. So ziehst du das ganze doch nur in die Länge."
„Ich hab übermorgen frei, da werde ich das Bett nicht verlassen." Sie rollte mit ihren Augen, auch wenn sie sich eingesehen musste, dass es sich gut anfühlte so umsorgt zu werden.
„Wie hat eigentlich Cristina auf die Nachricht reagiert. Irgendwie habe ich sie heute ständig verpasst." Derek half Meredith in ihre Jacke. Doch sie zuckte nur mit den Schultern. „Sie hat mit den Schultern gezuckt?"
„Nein." Meredith warf ihre Spindtür zu. „Können wir gehen?"
„Was ist los?" Er hielt sie an der Schulter fest. „Sie war wohl nicht ganz so begeistert wie Mark."
Meredith zuckte erneut mit den Schultern. „Sie weiß es noch nicht." Sie ging ein paar Schritte auf die Tür zu, doch da Derek ihr nicht folgte, blieb sie stehen. „Sie war so auf ihre Nacht mit Mark fixiert, dass ich es ihr noch nicht sagen konnte."
Derek nickte ihr zu. Langsam ging er auf sie zu und umarmte sie. „Sollen wir noch auf sie warten, damit du es ihr sagen kannst?" Er strich ihr sanft über die Haare.
Erschöpft von allem schlang sie ihre Arme um seinen Hals, um sich an ihm besser festhalten zu können. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter. „Nein. Ich will nach Hause und mich hinlegen.", murmelte sie gegen seinen Hals und spielte dabei mit seinen Nackenhaaren, während er sie leicht hin und her wiegte.
„Sicher?" Er spürte ihr Nicken und seufzte etwas. „Sollen wir unterwegs was zu essen kaufen?" Jetzt schüttelte sie den Kopf, so dass Derek zu lächeln begann. „Soll ich dir was machen? Irgendwas leicht bekömmliches?" Sie nickte wieder. „Du gibst zu, dass ich Recht hatte und du besser zuhause geblieben wärst?" Es dauerte dieses Mal etwas länger, aber dann nickte sie wieder. Er küsste sie auf die Schläfe und führte sie dann zur Tür, die in diesem Moment aufgestoßen wurde.
„Vorsicht." Cristina kam durch die Tür gestürmt, blieb aber stehen als sie Meredith gegen Derek angelehnt sah. „Alles in Ordnung?"
„Ja, ich bin nur müde." Meredith gab Derek einen kleinen Schubser, das er weiter gehen soll. Als er sie mit einem fragenden Blick bedachte, schüttelte sie nur mit dem Kopf. „Bis morgen, Cristina."
„Bis morgen." Cristina sah etwas verwundert zu den beiden rüber als sie aus der Tür gingen. Sie wusste, dass etwas anders war, doch konnte sie es nicht ausmachen. Erst als die beiden schon ein paar Augenblicke aus der Umkleide verschwunden waren, wurde es ihr bewusst. Der Ring an ihrer Hand war definitiv ein Verlobungsring gewesen und Meredith hatte ihr nichts gesagt.
Betrachtet man sich den Mechanismus, was eine Lawine auslösen kann, so findet man unter anderem zwei Gründe. Zum einen löst sie sich, wenn die Massen zu groß werden. Bei den Gefühlen ist es ähnlich. Irgendwann wird man davon überwältigt und bricht deswegen zusammen (Alex sitzt wieder am Tresen mit einem Bier vor sich). Doch viel gefährlicher ist es, wenn man die Wirkung eines kleinen Schneeballs unterschätzt, der sie ebenfalls auslösen kann. So können auch Kleinigkeiten bei uns alles durcheinander bringen (Lexie begegnet George in der Umkleide und sieht ihn mit einem eiskalten Blick an). Das trügerische dabei ist, dass man es oft noch nicht einmal kommen sieht (Cristina zieht sich um. Wirft dabei einen wütenden Blick auf Merediths Spind). Man glaubt, dass man alles unter Kontrolle hat (Derek bringt Meredith eine heiße Suppe in ihr Schlafzimmer), doch man ist in Wahrheit dabei, alles zu verlieren (Izzie wirft einen traurigen Blick auf ihren Ehering bevor sie das Licht ausmacht). Denn der Verrat muss nur eine kleine Geste sein, aber die Wirkung ähnelt einer Lawine, die ins Tal bricht.
