Wie gewohnt war Levy am Lesen. Sie saß in einer Nische und war in den Seiten ihres Romans verloren. Eigentlich hatte sie sich hier, in der grossen Bibliothek statt wie gewöhnlich in ihrem Zimmer versteckt, weil ihre Kusine sie vorhin in die Stadt gezerrt hatte, in der Hoffnung sie würde mit ihr in die Läden gehen.

Doch Levy hatte keine Lust darauf. Sie hasste dies! Warum verstand Juvia das gar nicht?

Jedenfalls war für die hübsche junge Frau mit den himmelblauen Augen jeden Grund recht um ihren neuen Liebhaber zu sehen, der Erbe des Hauses Fullbuster.

Levy war daran gewöhnt. Immer wenn sie ihre Kusine sah, ging es immer um dasselbe: Kichern und Geplapper, während sie Levy mit sich zerrte und ihre die Ohren mit ihrem Gray-Sama vollstopfte.

Wenn sie so darüber nachdachte, hatte Levy diesen Bewerber noch nie gesehen. Doch nachdem sie bei dem schnulzigen Heiratsantrag von Lyon Bastia dabei gewesen war, Juvias voriger Bewerber (dem sie einen Korb gegeben hatte), war sie der Meinung, dass Verliebte in Bücher weniger lächerlich waren als im echten Leben.

Da Juvia nun mit Grays älterer Schwester, Lady Ultear, beschäftigt war, wegen irgendetwas, hatte Levy davon profitiert und hatte sich davon geschlichen. Sie wusste, dass Juvia sie nicht in der Bibliothek suchen würde, weil sie Hausverbot hatte. Vor einiger Zeit hatte sie nämlich im Gebäude stark regnen lassen und dabei wurden viele Bücher beschädigt.

Ein Geflüstert riss Levy aus ihrer Lektüre. Sie hob den Blick und lächelte, als sie ihre beste Freundin, Lucy Heartfillia, erblickte, die sich zu ihr in die Nische gesellte.

Als die Blonde sich trotz der Enge einigermaßen bequem installiert hatte – ihre beste Freundin liebte es anscheinend sich in engen Orten zu verstecken – legte sie das Kinn auf ihren Knien und seufzte.

„Was ist denn, Lu-Chan?", fragte Levy, während sie ihr Buch weglegte.
Ihre Freundin hob den Kopf und starrte sie verzweifelt an.
„Ich bin verflucht, Levy-Chan! Leo hat mir einen Heiratsantrag gemacht!"
Levy zuckte zusammen.
„Leo? Vom Haus der Sternen? Lucy, das ist doch wundervoll!"

Auf ihrer Heimatarche, war die Gesellschaft nicht in Kasten aufgeteilt, wie es an anderen Orten üblich war, sondern in Häusern. Die Macht eines Hauses und die Beziehungen zu den anderen bestimmten ihren Platz in der hohen Gesellschaft.

Die Familie McGarden war Teil des Hauses Loxar. Obwohl Juvia eine Frau war, war sie die Erbin, den die Loxars konnten keine Söhne bekommen, bevor die Lady steril wurde. Dasselbe galt für Levy, mit dem Unterschied dass sie weder Macht noch Mitgift besaß, geschweige den Bewerber, die um ihre Hand kämpften.

Die Heartfillias hingegen waren ohne Zweifel eine der mächtigsten Häuser von Alexandria. Manche behaupteten sogar, dass ihr Reichtum sogar den des Hauses Vermillion übertraf. Und Lucy war die verwöhnte Erbin der Familie, sie zog zahlreiche Bewerber an aufgrund ihrer Schönheit und die Höhe ihrer Mitgift. Warum also war sie so deprimiert, dass der Führer des Hauses der Sterne, das beinah auf gleicher Höhe wie ihr eigenes stand, um ihre Hand gebeten hatte?

„Wundervoll?", schrie Lucy entsetzt. „Verstehst du denn nicht, Levy? Wenn meine Eltern zu dieser Verlobung Ja sagen – was sicher passieren wird, so gross ist der Einfluss dieses Hauses auf die Gesellschaft – werde ich ihn heiraten müssen! Dann kann ich keine Auserwählte sein!"

Levy seufzte. Schon wieder die Zeremonie der Wahl...

Diese Zeremonie fand alle sieben Jahre statt. Zwischen die heiratsfähigen jungen Mädchen der Arche wurden fünf auserwählt, die dann auf die andere Seite der Atmosphäre geschickt wurden, zur größten bekannten Arche, dem Pol. Dort würden sie dann Fürsten des Drachenclans heiraten und würden bis zu ihrem Lebensende in der Citacielle bleiben, der Hauptstadt des Pols.

So ausgedrückt könnte es sich schrecklich anhören. Doch für die meisten Personen war dies eine grosse Ehre. Viele Mädchen von mindestens sechzehn Jahren hatten nur einen Traum: Zu den fünf Auserwählten gehören, um den größten Stolz ihres Hauses zu werden.

Nicht Levy. Erstens wegen der Tatsache, dass sie keine Chance hatte jemals auserwählt zu werden, da die Wahl aufgrund von bestimmten Kriterien basiert wurde, wie der Reichtum, der Platz in der hohen Gesellschaft, die Schönheit und die Höhe der Mitgift. Zweitens war sie wahrscheinlich eine der wenigen Mädchen, die wussten, was die Zeremonie der Wahl wirklich bedeutete.

Es handelte sich um eine Schuld

Eine Schuld die Mavis Vermillion, der Geist der Familie von Alexandria, den Drachen und deren Geist eingegangen war. Und der Preis musste sich alle sieben Jahren mit Menschen bezahlt werden.

Levy ignorierte deren Gründen? Warum Frauen, warum nur fünf? Sie hatte keine Ahnung. Nur dass das Schicksal der Opfer sicher nicht beneidenswert war.

Jedoch hatte sie nichts gesagt. Weder Lucy noch den anderen. Schliesslich war sie auf ein Geheimnis gestossen, dass zu gefährlich war um es zu veröffentlichen.

„Wenigstens hast du Glück. Wenn ich den Antrag von Lord Laytis gestern zähle und den des Ritters vorgestern, hast du schon drei Bewerber... Mich will sowieso niemand heiraten."

Die kleine Leseratte blickte bei ihren Worten zu Boden. Sie hasste es bemitleidet zu werden. Doch die Launen ihrer besten Freundin machten sie blind vom Glück das sie hatte und das nervte Levy. Schlimmer noch, Lucy bemerkte dies überhaupt nicht.

„Komm schon, Levy-Chan. Mach doch nicht so ein Gesicht. Ich bin mir sicher, dass eines Tages ein Jüngling bemerken wird wie schön und klug du bist. Viel interessanter als diese Tussis die den ganzen Tag nur Kichern können. Du könntest sogar eine Auserwählte werden", tröstete die Blonde ihre Freundin.
„Nie im Leben!"

Lucy zuckte zusammen. Diese brutale Weigerung war schockierend. Gut, sie wusste was Levy von der Wahl-Zeremonie hielt, doch...

„Was ist denn dein Problem? Willst du nicht den Stolz deines Hauses werden?", protestierte Lucy. Sie verstand die Reaktion der Blauhaarigen nicht.

„Mein Haus weiß nicht mal, dass ich überhaupt existierte", knurrte Levy. „Wenn eine aus dem Hause Loxar auserwählt wird, dann wird es Juvia sein. Nicht ich."

Die Blonde seufzte. Es machte sie traurig, doch sie wusste, dass ihre Freundin Recht hatte.

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Yukino schloss sanft das Gartenportal hinter sich. Langsam folgte sie den Weg, der zum hinteren Teil der Villa der Strauss. Die Nacht legte ihren Mantel über Alexandria. Eine wunderschöne pechschwarze Sommernacht, mit unzähligen Sternen, die stark glitzerten.

Yukino liebte die Nacht. Sie liebte die Nacht, weil ihre Einsamkeit während ihren schlaflosen Stunden endlich vollkommen war. Man riskierte nicht mehr sie wegen Kleinigkeiten zu stören, brutal in ihr Zimmer zu kommen ohne zu klopfen, wie ihre Mutter es machte, und ihr vorzuwerfen, sie hätte keine Manieren und keine Haltung, wie ihr Vater es gerne vor Gästen machte. Sie war alleine und das beruhigte sie.

Sie stieg die Treppe hinauf, drehte den Schlüssel in der Tür und öffnete diese. Sie putzte sich die Schuhe auf den Gartensteinen, damit sie den wertvollen Holzboden nicht beschmutzte und trat in das schlafende Haus hinein. Danach schloss sie die Tür hinter sich, was die Halle in vollkommener Dunkelheit eintauchte. Doch Yukino störte dies nicht. Sie kannte diesen Ort auswendig, sie brauchte kein Licht und keine Lacrimas um sich zu Recht zu finden. Sie marschierte durch die Küche, schnappte sich auf dem Weg noch ein verlorenes Brot, Krümel des Abendessens, das sie verpasst hatte. Doch wenn sie immer jeden Abend die gleiche Szene ansehen musste, dann wollte Yukino lieber die Wut ihrer Mutter am Morgen aushalten. Sachte zog sie ihre weissen Schuhe aus, die wegen dem Staub der Strassen Alexandrias grau geworden waren. Ihren Umhang legte sie auf ihren Arm, dann nahm sie ihre Schuhe und ging geräuschlos die Treppe hinauf. Sie umging die zwölfte Stufe, diese knackste immer trotz des roten Teppichs und legte die Hand nicht auf das Geländer. Die Staubschicht hätte sie am Morgen verraten und sie wollte nicht mit einer grauen, ekelhaften Hand vorgefunden werden.

Sie marschierte durch den langen Gang des ersten Stocks, der sich in verschiedene Salons aufteilte, sowie den Boudoir von Lady Strauss und den Büro ihres Vaters, Lord Aguria. Ohne Vorkommnisse erreichte sie die Treppe auf der anderen Seite, ging leise hinauf und blinzelte in den Korridor des zweiten Stocks, wo die beiden Familien schliefen und marschierte noch höher.

Der Dachboden. Da wo die Bediensteten noch arbeiteten, mehrere Koffer lagen vor ihnen. Sie begrüßten Yukino nicht während sie an ihnen vorbei ging, obwohl sie die Tochter des Cousins ihres Meisters war und seit einem halben Jahr hier lebte. Die Weisshaarige war daran gewohnt. Schliesslich war sie nicht mehr wert als die Diener.

Yukino ging in ihr Zimmer, eine kleine Mansarde mit einem einzigen Fenster. Eine schlechte Lacrima beleuchtete den Raum nur gering, was die Schatten lebendig wirken liess. Das Dach war feucht. Der Boden war von Würmern zerfressen und Motten hausten im Schrank. Yukino legte ihre Sachen auf dem einzigen Stuhl, dessen viertes Bein nur noch dank Faden und Honig standhielt. Ihren Sack legte sie sachte auf den Boden, damit sein Inhalt nicht beschädigt wurde.

Danach zog sie sich um, sie zog ihr weißes, enges Kleid und ihre langen Strümpfe aus um ein weißes und weites Nachthemd aus Flanell anzuziehen und legte sich unter der Decke ihres Bettes, dass unter dem Gewicht knackste. Yukino war zwar nicht schwer, im Gegenteil, sie war viel zu schlank für die heutige Mode, doch ihr Bett würde nicht mal eine Feder aushalten.

Sie löschte ihr Lacrima und schloss die Augen, während sie versuchte, ihren Körper zu entspannen. Ihre Schultern schmerzten.

„Mein Haus weiß nicht mal, dass ich existierte."

Sie drehte sich zur Seite, was das Bett mit einem Quietschen quittierte.

„Niemand hat mir je einen Antrag gemacht."

Sie biss sich auf die Zähne und öffnete ihre Augen in der Dunkelheit. Tränen kullerten ihre Wangen runter.

Ein paar Stunden vorhin war sie in der Bibliothek gewesen, in der Hoffnung etwas auszuleihen, wenn sie ihre Schwester besuchen würden, in zwei Wochen. Unabsichtlich war sie Zeugin eines Gespräches zwischen miss Heartfillia und miss McGarden geworden, zwei Mädchen, die sie schon mal in der Stadt begegnet war, sowie auf den Soireen der Vermillions, zu denen jeder eingeladen war. Die Worte der Blauhaarigen waren wie ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Die McGarden waren keine einflussreiche Familie in Alexandria. Der Vater war ein dicklicher Mann, ohne jeglichen Verstand und der nicht genug guten Wein hatte, um das Interesse der hohen Gesellschaft zu wecken. Seine Tochter war eine Leseratte, sie las die ganze Zeit, ihr Gesicht zwischen unfrisierten Strähnen versteckt.

Die Mutter hingegen... sie lag die ganze Zeit im Bett, konnte nur den kleinen Finger bewegen. Sie war sehr krank und es wurden Wetten gehalten, wie lange sie noch zu leben hatte.

Das komplette Gegenteil der Familie Aguria.

Lord Aguria war ein Textilhändler, der dank Seide reich geworden war. Seine Gemahlin, Lady Aguria, organisierte luxuriöse Feste, zu der Zeit als die Gerichtsvollzieher das Haus noch nicht beschlagnahmt hatten.

Selbst nachdem Sir Charles sein Geld verloren hatte, selbst nachdem sie ihre Güter verlassen mussten und ihre ältere Tochter opfern mussten, indem sie dem Forderer als Frau gegeben wurde, behielt die Familie den Respekt der Gesellschaft in die Privilegien des Hauses Vermillion. Seit diesen bedauerlichen Ereignissen, lebten sie mitten in der Hauptstadt, in der Villa ihrer Verwandten. Ein sehr guter Ort um das Leben neu zu machen, hatte Lord Charles bestimmt.

„Welches Leben?", hätte Yukino gerne so frech wie ihre Schwester gefragt. Doch Yukino war nicht Sorano. Sie hatte weder ihre Hochnäsigkeit noch ihre Kühnheit. Yukino war nur der Abschaum einer Familie, die sie vergessen hatte. Sie war schüchtern und unsichtbar. Sie kleidete sich in weiß während alle in Alexandria viele Farben und luxuriöse Kleider trugen. Sie besaß nur ein einziges Kleid, während Soranos Koffer fast nicht mehr zu schließen gewesen waren, als sie nach Era gehen musste.

Yukino Aguria hatte kein Leben. Wie denn auch, wenn niemand ihre Existenz wahrnahm?

Darum hatte sie sich in den Worten von miss McGarden erkannt. Auch ihr hatte um ihre Hand gebeten, weil niemand sie wahrnahm. Oder wenn es der Fall war, dann um sie mit Vorwürfen zu überhäufen und sie zu erniedrigen.

Sie hätte so gerne Freundinnen gehabt. Doch ihr kaltes und glattes Aussehen entmutigte die seltenen Mädchen, die es auch versuchten. Und wenn sie ihre Verwandtschaft zum Hause Strauss erfuhren nahmen sie die Flucht. Lord Strauss machte Angst, genauso wie sein Sohn. Niemand wollte deren Zorn zu spüren bekommen.

Yukino hätte gerne mit der kleinen McGarden gesprochen. Die seltenen Male als sie ihre olivgrünen Augen hinter ihren wilden Strähnen sehen konnte, sah sie immer eine unglaubliche Intelligenz. Das war Levy auch, ohne Zweifel. Sie liebte ihr magisches Talent, Wörter als Waffen.

Yukino hatte kein solches Talent, doch das war nicht erstaunlich: Die Menschen mit Magie waren selten. Selbst Miss Heartfillia, obwohl von allen Gaben gesegnet, hatte keine Magie. Sorano auch nicht. So oder so, Yukino war für ihre Eltern eine Enttäuschung gewesen: Sie konnte nicht zwei Wörter von sich geben ohne zu erröten, sie war weder wirklich schön noch klug und sie hatte keine Magie. Sie hatte nichts für die Familie gebracht und ihre Eltern hatten ihr dies auf brutale Weise klar gemacht: Sie hatten ihre Tochter von ihrem öffentlichen Bild verbannt, nahmen sie nie zu Festen anderer, stellten sie niemanden vor, sie verbieten ihr sogar an ihren eigenen Festen aufzutauchen. Sie hatten sie von ihrer geliebten Schwester und ihren Cousins getrennt, indem sie Yukino in diesem schmutzigen und kalten Zimmer steckten, weit weg von den edlen und sauberen Räumen des zweiten Stocks. Selbst die Zimmer der Diener waren sauberer als ihr eigenes.

Mirajane, Elfman und Lisanna, ihre Cousins, hatten alle drei ihre Magie. Diese waren auch sehr ähnlich und machten irgendwie Angst, vor allem die der beiden Älteren. Lady Aguria hatte Yukino oft klargemacht, dass sie ohne zu zögern sie gegen ihre gleichaltrige Kusine Lisanna umgetauscht hätte. Doch Yukino machten ihren Cousins keinen Vorwurf. Sie waren viel zu lieb um gehasst zu werden.

Das junge Mädchen versuchte noch etwas Schlaf zu finden. In zwei Wochen würde sie ihre Schwester besuchen. Sorano und sie würden endlich wieder vereint sein. Sie würde ihr von diesem dunklen und kalten Zimmer erzählen. Sorano würde sicher ihren Eltern einen Skandal machen, damit ihre kleine Schwester ein richtiges Zimmer bekam. Sorano hatte nie verstanden, warum ihre Schwester so mies behandelt wurde. Vielleicht war es auch besser so. Yukino wollte die Unschuld ihrer naiven Schwester nicht zerstören.

Sorano war trotz allem immer noch ein Kind. Yukino war reifer für sie zwei geworden, weil sie nicht auf der Bühne lebte und alles sah, was in den Kulissen passierte.

Zwei Wochen. Yukino sagte diese Worte immer wieder, als hinge ihr Leben davon ab. Sie musste noch zwei Wochen aushalten.

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„Du meine Güte! Mutter!"

Lucys Schrei hallte durch die ganze Villa der Heartfillias. Es war nur acht Uhr morgens und trotzdem ging alles schon drunter und drüber. Heute Abend würde es ein Fest geben. Ein großer Bal zu Ehren der Verlobten, des Sternenhauses und das der Vermillions, die ausnahmsweise sich deplatzieren würden. Alles musste vor sieben Uhr abends fertig sein!

„Warum schreien Sie, Lucy?"

Lady Laylas sanfte Stimme erhob sich, während sie durch die auf dem Boden geschmeißten Kleidern einen Weg bannte. Sie gesellte sich zu ihrer Tochter, die panisch vor dem Spiegel stand.

„Mutter! Es ist schrecklich! Schauen Sie mal!"

Ein hässlicher Riss verunstaltete das Kleid, dass Lucy heute Abend tragen musste. Sie war komplett kaputt.

„Wir werden keine Zeit mehr haben sie zu reparieren! Und alle meine anderen Kleider sind zu schlicht für meinen Verlobungsball! Mutter, was soll ich tun?"

Lucy wurde immer hysterischer. Sie würde nicht zu ihrem Verlobungsball kommen können! Doch sie lebte nur für diese Soireen, es war eine Katastrophe, was würde si nur tun? Und Leo würde ihr es nie verzeihen!

„Beruhigen Sie sich, Lucy. Wenn Sie unzufrieden sind mit Euren Kleidern, werde ich Ihnen eines von meinen geben. Wir haben dieselbe Größe, alles sollte gut gehen. Meine Zofe wird alles Nötige machen."

Die sanfte Stimme ihrer Mutter beruhigte die Blonde. Sie folgte Lady Layla durch die Korridoren des großen Hauses bis in der Suite ihrer Eltern, in dem sie bis jetzt nur zwei Mal in ihrem Leben war. Hier war alles schlicht gehalten. Lucy lebte seit ihrer Geburt in Gold und Luxus, diese Schlichtheit war erstaunlich. Doch es war typisch für ihre Mutter. Layla mochte den Luxus der Dekorationen im Haus nicht. Lucy hingegen schon. Und wenn die Kleider ihrer Mutter zu ihrem Zimmer passten, einfarbig und fad? Da wollte Lucy schon lieber ein zerrissenes Kleid tragen. Wenigstens würde das etwas Stimmungslage bringen. Sie lächelte als sie sich den Skandal vorstellte.

„Schaut hinein und nehmt was Euch gefällt. Ihr werdet es hier anprobieren, ich werde Candice rufen."

Lady Heartfillia verließ den Raum, während ihre Tochter mit offenen Mund den Inhalt des Schrankes begutachtete.

Kleider von allen Formen, von allen Farben, von allen Stoffen. Blau, rot, purpurrot, goldig; schlicht oder heikel, locker oder luxuriös; tiefe ausgeschnitten oder enge Korsagen, bauschig oder fallend. Ungläubig strich sie über den Stoff. Ihre sonst so schlichte Mutter besaß solche Schönheiten? Warum trug sie diese nicht mehr?

Lucy wählte ein wunderschönes goldenes Kleid aus, mit ein paar Pailletten, dessen Unterrock aus schwarzem Samt war. Dieser gleiche Samt war um den Ausschnitt wieder zu finden, was ihre Brust zur Wertung brachte und ihre milchweiße Haut erstrahlen liess. Die Ärmel waren lang, wurden beim Ellebogen breit und weiteten sich bis zu den Handgelenken. Das Kleid war schulterfrei, so könnte Leo ihr seinen Umhang ausleihen, wenn sie kalt hatte.

Candice, die Zofe ihrer Mutter, musste nicht viel machen. Das Kleid ging ihr wie angegossen. Layla lächelte beim Anblick.

„In diesem Kleid habe ich Euren Vater kennen gelernt", seufzte die Lady. „Ich ging zu einem Bal und hatte mich in den Strassen von Alexandria verirrt. Ich wollte keine Kutsche nehmen, zu dieser Zeit konnte ich die Transportmittel nicht aushalten. Zwei Grobiane wollten mich angreifen. Er hatte mich gerettet und zum Fest begleitet. Sein Name hatte ich erst ein paar Tage später erfahren... Doch ich hatte immer an ihn gedacht."

Lucy lächelte sanft. Das war so romantisch und ritterlich... Auch sie hätte gerne aus Liebe geheiratet. Sie mochte Leo, doch empfand für ihn nur tiefe Freundschaft.

Doch das waren nur Mädchenträume. Sie musste sich resigniert zeigen. Und an Mädchen wie Levy denken, oder dieses hübsches Mädchen mit dem melancholischen Blick, das im Schatten des Hauses Strauss lebte. Sie würden nicht dieselbe Chance haben.

Lucy war bereit.