Kapitel 2: Todessehnsucht

Schmerzen, ja, das ist es, was ich fühle.

Sie überlagern alles, was ich spüre, sie überhämmern mit ihrer roten Wut selbst das, was meine Seele seit langem auseinanderreißen will. Und mein Auftrag ist wieder doppelt gescheitert, ich weiß es...

weder konnte ich Osgiliath befreien, noch durfte ich sterben.

Sie haben alle anderen einfach niedergemetzelt und ihre Köpfe mit Katapulten auf Minas Tiriths Mauern geschleudert. Und ich musste zusehen, und jeden einzelnen meiner Männer sterben sehen und -

ich schließe die Augen vor diesen Gräueln und frage mich, warum ich es überleben musste.

Nur, um wieder seine Augen zu sehen, diese stets unzufriedenen, und seine Stimme zu hören, "nicht mal sterben konnte er in Ehren!", und nicht mal sterben KÖNNEN!

Nicht mal das hab ich fertig gebracht.

Jetzt liege ich hier, in weißes Leinen gebettet, und wünschte mir, die Pfeile hätten mein Herz getroffen. Aber sie haben gut gezielt, zu gut, sie zielten mich zu verletzen und nicht mich zu töten.

Wie ER.

Ich stöhne, genehmige mir diesen Ausdruck des Schmerzes, und versuche mich umzudrehen, doch es tut einfach zu weh. Ich gebe auf, ich lasse es und meine Augen suchen das Zimmer ab nach Dingen, die mir helfen könnten, von hier zu gehen.

Einfach weg, wer würde mich schon vermissen!

Nie hat mich irgendwer vermisst, nie ein Hahn nach mir gekräht, seit seinem Fortgang eh nicht, ich weiß noch, wie ich ihn das letzte Mal sah, wie er auf mich herabblickte, und dann ritt er - in seinen Tod, und er ließ mich allein.

Allein, ich bin allein.

Würde ich sterben, wäre ich wenigstens mit ihm vereint. Und mit dem, der mein Vater war - vielleicht hat das Feuer seines Todes seine Seele gereinigt und er ist ein anderer, er ist so, wie er wohl vor dem Tod meiner Mutter gewesen sein musste... wer weiß es schon.

Hier hält mich auf jeden Fall nichts mehr.

Faramir, der Heermeister Gondors, hat nicht zeigen können, was er wert ist.

Gerade als ich meine Augen wieder schließen möchte, geht die Tür auf.

Ich beschließe mich schlafend zu stellen, und ich höre nun mehr Schritte auf mein Lager zukommen. Langsame, vorsichtige Schritte, und leise Stimmen, die murmeln. Eine erkenne ich wieder, es ist dieser Elb, Legolas, und ich erkenne eine weitere Stimme, sie flüstert: "Die Hände eines Königs allein vermögen ihn zu heilen!"

Ja, nur die Hände eines Königs - ich lache bitter in mich hinein, keiner sieht oder hört es.

Hier ist kein König, also lasst mich endlich sterben.