First & Ten

Kapitel 2

Wie alles begann

BPOV

Was soll ich zuerst machen? Soll ich die Rezension über den Star-Quarterback der McKinley High fertig schreiben oder mich um die Statistik kümmern, die Buddy haben wollte? Ich strich mir mein langes braunes Haar aus dem Gesicht und runzelte wegen meines alten Computerbildschirms die Stirn. Würde ein neuer Flatscreen-Bildschirm wohl meinen finanziellen Ruin bedeuten?

Zuerst die Statistik. Dabei musste ich so gut wie gar nicht nachdenken, denn schließlich war es gestern Abend spät geworden. Ich war fast bis elf Uhr weg gewesen, da ich beim ersten Ringkampf-Treffen der Saison gewesen war. Zehn Schulen, dreißig Kämpfe ... das bedeutete viel Grölen und viel Schweiß. Ich hatte versucht, mich für das Ganze zu interessieren, aber ehrlich, der Ringkampf war nicht mein Lieblingssport. Football war meine einzige Leidenschaft.

Ich arbeitete mich gerade durch die Statistiken der Cardinals vom letzten Jahr und rechnete Whitlocks und Fitzgeralds Yards pro Fang herunter, als das Klingeln meines Handys mich aus der Konzentration riss. Ich sah mit einer Mischung aus Freude und Verzagtheit auf das Display. Ich hatte schon seit zwei Wochen nicht mehr mit Alice gesprochen, und das konnte nur eines von zwei Dingen bedeuten. Entweder sie hatte einen neuen Kerl oder sie war verliebt, was leider mit einer alarmierenden Regelmäßigkeit geschah, oder sie hatte sich unser nächstes Abenteuer ausgedacht. Sie hatte mich schon überredet, mit ihr mit dem Heißluftballon zu fliegen, in Mexiko schnorcheln zu gehen, auf Berge zu klettern ... Gott allein wusste, was ihr als nächstes einfallen würde. Aber wenn ich nicht ranging, würde sie so lang anrufen, bis ich aufgab.

"Hey, Alice."

"Bella! Ich habe tolle Neuigkeiten!" Sicher hatte sie die. Sie hatte immer tolle Neuigkeiten.

"Was könnte das wohl sein?"

"Ich habe ihn getroffen!" Also das war mein erster Tipp gewesen. Sie war wieder mal verliebt. Fuck, das würde nicht gut enden. Denn es endete nie gut.

"Das ist toll, Alice." Meine Stimme hätte nicht ausdrucksloser sein können. Hmm, Whitlock schaffte durchschnittlich 0,32 Yards mehr pro Wurf als Fitzgerald. Er war Cullens liebstes Ziel, er wurde 15 Mal pro Spiel umgeworfen, während Fitzgerald nur 13 Mal geworfen wurde. Kein großer Unterschied. Cullen konnte von Glück sprechen, dass er zwei erstklassige Wide Receivers hatte, denen er zupassen konnte.

"Bella! Hörst du mir überhaupt zu?" Shit, ich hatte ihr nicht zugehört. Sie hatte mir irgendwas erzählt, wie sie irgendjemanden getroffen hatte, aber ich hatte es nicht wirklich verarbeitet.

"Tut mir Leid, Alice, ich muss arbeiten."

"Hmpf. Ich habe schon seit zwei Wochen nicht mehr mit dir gesprochen und du hast zu viel zu tun, um mir jetzt zuzuhören? Ich sage dir, er ist der Mann für mich!" Natürlich war er das. Jeder war noch der Mann für sie, bis es drei Wochen später einen neuen Mann für sie gab. Alice war in höchstem Maße romantisch. Sie glaubte an die Liebe auf den ersten Blick. Das Problem war nur, dass sie viele Leute erblickte. Ein Kerl ersetzte den nächsten und dann kam der nächste und dann der nächste ... ich konnte kaum mehr mithalten.

Ich seufzte und drehte mich vom Bildschirm weg. Ich sah zum Fenster hinaus auf das Gebäude gegenüber. "Okay, wie hast du ihn getroffen?" Wenn ich nicht nachgab und ihr diese Frage stellte, würde sie mich so lange quälen, bis ich es endlich tat. Es war besser nachzugeben, als ihren inneren Plagegeist heraufzubeschwören.

"Bei dieser Charity Fashion Show, die ich arrangiert hatte! Er saß in der ersten Reihe und eins meiner männlichen Models tauchte nicht auf, also habe ich ihn überredet, für mich bei der Show mitzumachen. Er war ein großer Hit!" Tja, zumindest war ich nicht die Einzige, die Alices Befehle befolgen musste.

"Das glaube ich dir." Ich wartete darauf, dass sie zum Hauptgrund ihres Anrufes kam. Sie wollte sich nie einfach nur über die Kerle unterhalten. Ich musste sie immer kennenlernen.

"Also, wir treffen uns morgen Abend! Kannst du um acht auch zu Axis/Radius kommen?" Und da waren wir.

"Hör mal, Alice ..."

"Nein, hör du mal, Bella! Das ist mir wichtig. Er ist mir wichtig. Ich weiß schon, was du sagen wirst, als brauchst du es gar nicht zu sagen. Er ist der Mann für mich. Punkt." Das hatte sie schon mal gesagt, allerdings nicht so beharrlich wie jetzt.

"Wenn ich gehe ..." Sie unterbrach mich mit einem aufgeregten Kreischen. "Und ich sage noch nicht, dass ich gehe ..." Wen wollte ich hier eigentlich verarschen? Ich würde schon gehen, weil ich immer mitkam. "Dann bin ich nur für eine Stunde oder so dabei. Ich muss am Freitag über ein Spiel schreiben." Arbeit war immer eine gute Entschuldigung.

Und das Kreischen war in voller Lautstärke wieder zurück. "Oh Bella, ich kann es kaum erwarten! Ich habe meinem Jazz schon so viel von dir erzählt und er will dich unbedingt kennenlernen!" Jazz? Oh nein, zur Hölle, wieder ein Musiker. Der letzte war ein gammliger Sänger namens Embry, der Alice dazu gebracht hatte, Batik-Klamotten zu tragen und überallhin barfuß zu laufen. Das war eine ihrer unglücklicheren Romanzen gewesen ... Ich glaube nicht, dass sie in dieser Zeit überhaupt geduscht hatte. Sie musste damals eins mit der Erde werden oder so was. Gott sei Dank dauerte das mit ihm nicht einmal zwei Wochen lang.

Beruhige dich, Bella. Sie werden sie nicht ins Axis/Radius lassen, wenn sie nicht geduscht hat und keine Schuhe trägt. Das ist der heißeste Club in Scottsdale. Nur die Elite darf dort hinein. Nicht etwa, dass ich zur Elite gehörte, aber Alice. Sie war die beste Party-Organisatorin der ganzen Stadt. "Jazz?", fragte ich mit Angst in der Stimme.

"Ja! Mein Jazzy! Warte, bis du ihn siehst, Bella. Er ist toll. Groß und blond und schlank, aber voller Muskeln! Oh mein Gott." Und weg war sie. Sie schwärmte von ihrem heißen Musiker. Ich wandte mich wieder meinem Computer zu und begann, Cullens Wurfstatistiken neu zu berechnen, während sie weiter und weiter plapperte. "Und ich schwöre dir, ich will dich nicht verkuppeln, ich brauche dich aber wirklich wegen moralischer Unterstützung dort."

Halt ... was? "Wovon sprichst du bitte?"

"Hast du mir wieder nicht zugehört? Verdammt, Bella, wie kannst du bloß? Ich habe endlich Mr. Right gefunden und du ignorierst mich total!"

"Ich habe zugehört, Alice, ich versuche bloß zu arbeiten. Was hast du mit verkuppeln gemeint?" Ich versuchte, nicht verzweifelt zu klingen, aber es gelang mir nicht.

"Das ist kein Verkuppeln. Jazzy will bloß, dass ich seinen besten Freund kennenlerne, also bringt er ihn mit und ich bringe dich für die moralische Unterstützung mit. Den besten Freund kennenzulernen ist wichtig und ich will es nicht vermasseln! Ich brauche moralische Unterstützung!" Oh, zur Hölle, nein.

"Alice, du weißt, dass ich momentan nicht daran interessiert bin, jemanden kennenzulernen. Ich habe zu viel zu tun und ..."

"Und du hast für einen Mann in deinem Leben keine Zeit. Du bist völlig damit zufrieden, allein zu sein, und du bist über diesen Trottel hinweg. Ja, ich weiß, Bella, das habe ich schon tausend Mal gehört. Ich schwöre dir, ich versuche nicht, dich mit jemandem zu verkuppeln. Ich brauche dich einfach dort, damit wir uns unterhalten und damit ich gut dastehe. Das ist nicht zu viel verlangt, oder?"

Ich starrte meinen Bildschirm böse an und dachte darüber nach, was sie gesagt hatte. Sie hatte schon lang nicht mehr versucht, mich zu verkuppeln, also war es wirklich möglich, dass es stimmte, was sie gesagt hatte. Und ich liebte sie und wollte, dass sie glücklich war, auch wenn ihr Glück immer vom jeweiligen Kerl in ihrem Leben abhing. Könnte ich es aushalten, den besten Freund eine Stunde lang zu unterhalten? "Schön, ich mache es, aber du bist mir etwas schuldig."

"Danke, Bella! Du bist die beste Freundin im ganzen Universum. Zieh das Prada Kleid an, das ich dir zu Weihnachten geschenkt habe!" Und sie hatte aufgelegt. Worauf hatte ich mich da bloß eingelassen?

EPOV

"Komm schon." Jasper sauste das Feld entlang und lief sein altbekanntes Muster. Ich warf den Ball, als er etwa zwanzig Yards entfernt war, da ich wusste, dass er den Ball einholen würde. Er lief schneller und fing den Ball mühelos aus der Luft. "Nett", sagte ich ihm.

Er grinste und seine Grübchen kamen zum Vorschein, während er zu mir zurück joggte. "Netter Wurf. Lassen wir es jetzt gut sein für heute?"

Ich rollte meine rechte Schulter und spürte keinen Schmerz, was gut war, da am Sonntag das erste Spiel der Saison starten würde. "Yeah, verziehen wir uns von hier." Wir gingen in die Umkleide und schnappten uns unsere Handtücher und frische Kleidung.

"Also, was hast du morgen Abend vor?", fragte Jasper. Da war etwas in seinem Tonfall, das ich noch nie zuvor gehört hatte. War er nervös? Das konnte nicht sein.

"Nein. Ich will zu Hause bleiben und ein Spiel auf Band ansehen." Ich zog mir mein verschwitztes T-Shirt aus.

Jasper glucksste und verdrehte seine blauen Augen. Er schlang ein Handtuch über seine nun nackten Schultern. "Wirklich, Edward? Ein altes Spiel? Wie oft kannst du dir die ansehen? Du weißt doch, dass du schon all ihre Abwehrzüge auswendig kannst."

"Und?" Ich war eben gern vorbereitet, und das wusste er. Wir waren schon seit zwei Jahren Teamkollegen und kannten uns sogar noch länger. Seine Longhorns hatten zwei Mal während unserer Collegejahre gegen meine Trojaner gespielt und wir hatten am Spielfeld zwar gegeneinander gespielt, danach aber sofort Freundschaft geschlossen, bis wir beide im Jahr 2007 von den Cardinals angeheuert wurden.

"Also was könntest du noch lernen, wenn du es nochmals ansiehst? Freeney wird dir die ganze Zeit über nachjagen und Williams und Ford werden hinter mir her sein. Ford humpelt ein wenig wegen einer kleinen Knöchelverstauchung und Williams könnte mich nicht mal auf einem Motorrad einholen. Das wissen wir doch alles schon, Cullen."

"Ja, wir werden sehen. Warum fragst du überhaupt, was ich vor habe?"

Er sah von mir weg und griff in sein Schließfach. "Weil ich mir gedacht habe, du könntest mich ins Axis begleiten."

"Ins Axis/Radius?" Ich konnte den Unglauben nicht aus meiner Stimme verbannen. Das war der letzte Ort, an den jemand wie Jasper hingehen würde. Er war lieber in alten Kneipen unterwegs, nicht in Dance Clubs. Zur Hölle, und mir ging es genauso. Ich war nicht mehr dort gewesen, seit ich mit Tanya Schluss gemacht hatte.

"Ja", murmelte er und sah mich noch immer nicht an.

"Jasper, was ist los?"

Er sah zu mir hoch und sein Gesichtsausdruck machte mich sprachlos. Er sah aus, als hätte er im Lotto gewonnen. Sein Gesicht strahlte förmlich, verdammt noch mal. "Was zur Hölle? Bist du schwanger?"

Er lachte und boxte mir auf die linke Schulter. Wohlweislich verschonte er meinen Wurfarm. "Nein, Mann. Es ist bloß ... ich habe jemanden kennengelernt und ich will sie dir vorstellen." Eine Frau? Tja, gut, das war sicher besser als der erste Mann der Welt, der schwanger wird. Eine Freundin war schon in Ordnung.

"Whitlock, hat dich endlich ein Mädchen um den Finger gewickelt?" Das war ein erstes Mal. Jas ließ sie normalerweise wieder fallen wie eine heiße Kartoffel und entschuldigte sich nie dafür. Ich war immer derjenige, der in einer Beziehung landete, sogar wenn ich das nicht wollte.

Sein Lächeln wurde immer breiter. "Ja, sie heißt Alice und sie ist unglaublich. Sie ist wie ein Wirbelwind und ich weiß nicht. Ich musste sie nur ansehen und es war um mich geschehen." Heilige Scheiße, er war wirklich verliebt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch erleben durfte.

Ich ignorierte den leichten Neid, den dieses Geständnis entlockte, und erwiderte sein Lächeln. "Gut für dich, Jas. Ich möchte sie gern kennenlernen." Der Film vom Spiel konnte warten. Mein bester Freund verliebte sich schließlich nicht jeden Tag.

"Gut. Im Axis um acht. Wir sind im VIP Bereich." Das Lächeln schwand von seinem Gesicht und er beäugte mich vorsichtig. "Da gibt es nur einen Haken."

"Was?" Wie schlimm konnte es wohl schon sein?

"Sie will jemanden mitbringen."

Oh, das hätte ich mir denken sollen. "Ich nehme an, ihre beste Freundin?"

Er sah verlegen aus. "Naja, ja, aber ..."

"Verdammt, Jasper, du weißt doch, dass ich momentan keine Frau will. Ich bin gerade erst wieder frei geworden."

"Ich versuche nicht, dich mit jemandem zu verkuppeln, ich schwöre es. Ich weiß, was Tanya dir angetan hat. Sie will bloß, dass ich ihre beste Freundin kennenlerne, und ich brauche dich, damit du mir den Rücken freihältst. Du weißt, wie Mädchen so sind, wenn sie gerade jemanden kennen gelernt haben."

"Sieh mal, Jasper, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Du weißt, wie sich die Mädels bei mir benehmen, und ich glaube nicht ..."

"Alice sagt, Bella ist überhaupt nicht so wie all die anderen. Sie hat genauso wenig mit Dates am Hut wie du und wird nicht um dich herumscharwenzeln, bloß damit sie dich ins Bett kriegt. Aber wenn du mich fragst, würde es dir nicht schaden, wenn du ..."

"Halt verdammt noch mal die Klappe, Mann." Ich schlug mit dem Handtuch nach ihm und er sprang lachend zur Seite. "Wenn ich es tun will, mache ich es mir selber, aber danke."

Er hielt seine Hände kapitulierend hoch. "Ich weiß! Ich will dich nicht drängen. Genieß dein Zölibat, Mönchward."

"Trottel."

"Wenigstens weiß ich, wie ich meinen Schwanz einsetzen muss. Und bei dir?" Ich lachte mit ihm mit und schüttelte den Kopf. "Sag mir bloß nicht, dass Tanya dich kastriert hat! Das würde eine Menge erklären."

"Zum Glück hab ich meinen Schwanz aus dem Schussfeuer rausgehalten, danke." Meine Ex hatte ein heißes Russisches Temperament und sie ist richtig auf mich losgegangen, als ich mit ihr Schluss gemacht hatte. Aber zum Glück konnte sie sich nicht an meinem Schwanz vergreifen.

"Das ist gut. All die Frauen und auch ein paar Männer wären ziemlich in Trauer, wenn du dauerhaft vom Markt wärst."

"Weißt du, für jemanden, der etwas von mir will, benimmst du dich wie ein ziemlicher Arsch."

Er warf mir sein bestes Lächeln zu. "So bin ich halt. Und ich weiß, du liebst mich trotzdem."

"Mann, ich würde nicht davon sprechen, dich zu lieben, wenn wir beide halb nackt in einer Umkleide stehen."

"Ich bin mir eben meiner Männlichkeit bewusst."

"Ja klar." Jasper lief ständig nackt durch die Umkleide. Es war ihm egal, wer sich darin befinden könnte. Einmal war meine Mutter gekommen, um meinen Vater abzuholen und ... nein, daran wollte ich mich lieber nicht erinnern. "Ich geh unter die Brause."

"Also, morgen um acht?" Seine Augen bettelten mich an, sodass ich ihm nicht absagen konnte.

"Ich werde da sein." Worauf zur Hölle hatte ich mich da nur eingelassen?

BPOV

Ich war spät dran und Alice würde mich umbringen. Es war aber nicht meine Schuld. Buddy hatte mir den Artikel über Todd Johnson, den Quarterback der McKinley High und zukünftigen Arizona Wildcat Spieler, mit etlichen Fragen und Überarbeitungen zurückgeschickt. Bis ich alles ausgebessert hatte, war es schon nach sechs gewesen. Ich eilte nach Hause, duschte und zog mich um, und da war es auch schon Viertel vor acht. Ich würde niemals pünktlich dort sein und sie würde mir die Hölle heiß machen.

Hmm, ist es besser, wenn ich ihr sage, dass ich zu spät komme, und sie mir dann tausend böse SMS und Sprachnachrichten schickt, oder soll ich einfach stillschweigend zu spät kommen? Sie musste ja vor "ihrem Jazz" und seinem Freund höflich sein, also war das Zweitere wohl die bessere Alternative. Der Zorn der großen Alice war nichts, das ich zu spüren bekommen wollte, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Sie konnte später wütend auf mich sein. Zumindest hatte ich das kleine, schwarze Kleid von Prada angezogen, so wie sie es mir vorgeschrieben hatte, nicht wahr? Ich hatte meine Haare gewaschen, gefönt und Locken gedreht, sodass es mir in sanften Wellen um das Gesicht fiel. Ich hatte sogar Make-up aufgelegt. Alice würde zwar nicht erfreut über meine Verspätung sein, aber zumindest würde ihr mein Aussehen gefallen. Ich wäre so und so zu spät gekommen. Ich hatte mir für sie mehr Mühe gegeben als für meine eigenen Dates, was natürlich auch der Grund sein konnte, wieso ich kaum welche hatte, wenn ich genauer darüber nachdachte. Aber egal.

Ich stieg in meinen treuen, silbernen Volvo und fuhr ins Zentrum von Scottsdale. Es dauerte etwa eine halbe Stunde von meiner Wohnung in Phoenix aus. Warum machte ich das schnell noch mal? Oh ja, weil ich meine beste Freundin liebte. Dumm von mir, wirklich. Ich konnte jederzeit eine neue beste Freundin finden, allerdings gab es nirgendwo auf der Welt eine andere Alice. Sie trieb mich zwar oft in den Wahnsinn, aber normalerweise hatte sie Recht. Jeden Ausflug, den wir unternahmen und von dem ich dachte, er wäre grässlich, verwandelte sich dann immer schlagartig in die beste Zeit meines Lebens. Sie drängte und bettelte – ich zickte und grummelte – und irgendwie ergänzten wir uns einfach wunderbar.

Ich bog in die Camelback Road ein und seufzte, sobald der riesige Club in Sicht kam. Axis und Radius waren zwei getrennte Gebäude, die durch eine Galerie aus Glas miteinander verbunden waren. Axis befand sich auf der einen Seite, Radius auf der anderen. Die zweigeschossigen Gebäude hatten riesige Glasfronten. Es gab zwei Dance Floors und auf jedem Stockwerk einige Bars. Alice war Alice und hatte uns Plätze im VIP-Bereich des Axis gesichert. Ich hielt vor dem Herrn vom Parkservice an und stieg zögerlich aus dem Wagen.

Der Einparker nahm meine Schlüssel und reichte mir ein Ticket, bevor er mich zum Haupteingang des Axis schickte. Dort traf ich auf einen schwerfälligen Mann, der ultra seriös aussah in seinem schwarzen Anzug. Ich dachte kurz daran, mich umzudrehen und wieder in meinen Wagen zu steigen, aber der Parkservice war bereits weggefahren. Ich holte tief Luft und näherte mich dem riesigen Kerl. " Ihren Ausweis bitte, Miss", sagte er in tiefem Bariton.

Ich schluckte und zog ihn aus meiner Geldbörse. "Isabella Swan? Sie sind auf der VIP Liste." Ich versuchte, mir bei der Überraschung in seiner Stimme nichts zu denken. Ich sah wirklich nicht so aus, als gehörte ich in den VIP Bereich, also konnte ich es ihm nicht verübeln. Ich konnte mich zwar in Prada kleiden, aber das machte noch lange keinen VIP aus mir. Ich würde sowieso am liebsten immer ein T-Shirt und Jeans tragen.

"Äh, wo ist der VIP Bereich?" Ich war erst einmal hier gewesen, und das war natürlich mit Alice. Damals standen wir aber nicht auf der VIP Liste. Sie musste wohl etwas für den Club geleistet haben, wenn sie diesen Status bekommen hatte. Vielleicht hatte sie hier eine große Feier geplant und nun küssten sie ihr dafür die Füße. Das geschah relativ oft in letzter Zeit, sie machte sich langsam echt einen Namen.

"Die Stufen hoch und dann rechts bis ganz nach hinten. Dort müssen Sie wieder Ihren Ausweis vorzeigen, also können Sie ihn gleich heraußen lassen", sagte er mir schroff. Er hatte sich bereits von mir abgewandt und neue Gäste begrüßt, die hinter mir aufgetaucht waren. Ich holte tief Luft und betrat den Club.

Sofort tauchte ich in den pulsierenden Beat eines Rihanna Songs ein. "Rude Boy" kam über die Lautsprecher und einige Gäste wirbelten auf der Tanzfläche herum. Ich blieb sicherheitshalber von diesem Chaos fern, lief direkt zu den Stufen und stieg vorsichtig empor. Natürlich musste ich heute diese Schuhe mit den 10 Zentimeter hohen Absätzen tragen. Aber diese Schuhe gehörten einfach zu diesem Kleid. Das wusste ich nur, weil Alice sie zu dem Kleid hinzugegeben hatte, als sie es mir geschenkt hatte.

Ich klammerte mich an den Handlauf wie an eine Rettungsleine, stieg vorsichtig empor und atmete einmal erleichtert aus, als ich oben ohne hinzufallen angekommen war. Meine Tollpatschigkeit hatte ich zum größten Teil hinter mir gelassen, außer ich trug Stilettos. Verdammt seien Alice und ihr lächerlicher Geschmack, was Schuhe betraf.

Ich schob mich durch die Menge. Die Masse an Leuten, die mir im Weg herumstanden, irritierte mich. Warum waren die alle an einem Donnerstagabend unterwegs? Musste morgen niemand arbeiten gehen? Ich kam mir vor, als wäre ich dem Champ fünf Runden lang im Ring gegenübergestanden, bis ich es zur VIP Zone geschafft hatte. Hier stand wieder ein riesiger, muskulöser Mann an der Tür, und dieser hatte einen komplett kahlrasierten Kopf. Ich reichte ihm meinen Ausweis und er verglich ihn mit seiner Liste. Ja, ich war noch die selbe Isabella Swan wie unten. Ehrlich, wie exklusiv konnte der VIP Bereich hier schon sein? Er trat zurück, öffnete die Glastür und wedelte mich herein.

Ich brauchte eine Minute, um meine Umgebung zu betrachten. Alice wusste eindeutig noch nicht, dass ich hier war, sonst hätte sie mich schon zu sich gerufen. Hier herinnen war es dunkel und eigentlich auch ziemlich ruhig. Die Musik spielte auch hier, aber in einer Lautstärke, bei der man nicht schreien musste, um seine Freunde zu verstehen. Im vorderen Teil befand sich eine Bar mit allen möglichen Flaschen auf Vorrat, die man sich nur wünschen konnte, und sie alle sahen für mich sehr hochklassig aus. Nicht dass ich das aus persönlicher Erfahrung wissen konnte, aber die Flaschen waren sehr hübsch. An den anderen drei Seiten des Raumes befanden sich jeweils Nischen, und ich ging eine nach der anderen entlang auf der Suche nach meiner kleinen Freundin und ihrem mysteriösen Kerl. Und dessen Freund natürlich, erinnerte mich die saure Stimme in meinem Kopf. Ist doch bloß für eine Stunde, Bella, das überlebst du schon. Hoffte ich zumindest.

Ich spähte auf der rechten Seite in die Ecke, und dort war sie, nur zwei Nischen von der Bar entfernt. Es war witzig, wie sie es schaffte, in jeder Situation hervorzustechen. Sie trug ein rotes Neckholder-Top, einen kurzen schwarzen Rock und kniehohe schwarze Stiefel. Sie sah mit einem Wort umwerfend aus. Ich schüttelte meinen Kopf und beobachtete meine beste Freundin, die vor Freude förmlich glühte und mit dem blonden Kerl neben ihr plauderte. Sein Kopf war ihr zugewandt und mir abgewandt, also konnte ich sein Gesicht nicht sehen, bis ich am Tisch angekommen war. Jemand war neben ihm gesessen, wie es aussah, denn ich sah ein leeres Bierglas vor einem dritten Platz stehen, aber derjenige, zu dem es gehörte, war gerade nicht da.

Ich ging hinüber zu ihnen und blieb vor dem Tisch stehen. Alice hatte ihre Hand auf den Arm des Blonden gelegt und bemerkte meine Anwesenheit überhaupt nicht. "Alice?" Immer noch nichts. "Alice!" Ich sprach ein paar Dezibel lauter und endlich nahm sie mich wahr. Sie wandte ihre Augen von ihrem Adonis ab und sah mich. Und ein riesiges Lächeln legte sich über ihr Gesicht.

"Bella!" Sie sprang auf und verließ die Nische wie ein Blitz. Sie schlang ihre Arme um mich, noch ehe ich mit ihrer Bewegung mithalten konnte. "Du hast es geschafft!" In ihrer Stimme lag überhaupt kein Tadel und ich merkte, wie ich mich ein wenig entspannte. Vielleicht war sie doch nicht böse, dass ich zu spät gekommen war.

"Hab ich doch versprochen, oder?", fragte ich und erwiderte ihre Umarmung.

"Ja! Ich kann immer auf dich zählen", murmelte sie leise, sodass nur ich sie hören konnte. Sie zog sich zurück und ich drehte mich zu ihrer neuesten Flamme um. "Bella, das ist die Liebe meines Lebens, Jasper. Jazzy, das ist meine Bella." Jasper? Tja, das war wenigstens um einiges besser, als wenn sein Name wirklich Jazz gewesen wäre, schätze ich.

Ich drehte mich um, um ihrem Date die Hand zu reichen. Er stand gerade von der Nische auf und seine ziemlich große, sportliche Figur kam zum Vorschein. Ich merkte, wie mein Kinn nach unten klappte, sobald ich sein Gesicht sah. Heilige Scheiße, er war kein Musiker. Alices Jazz war der Jasper Whitlock der Cardinals, einer der besten Wide Receivers der Liga, und das nach erst zwei Saisonen. Warum zur Hölle hatte sie mir nicht erzählt, dass er Football spielte? Oder hatte sie es etwa doch? Ich hatte nicht aufgepasst, als sie mich auf dem Telefon zugetextet hatte. Und doch hätte sie sicher gehen sollen, dass ich es wusste. Das war die Art von Information, die man der besten Freundin, die Football über alles liebte, erzählen musste, oder?

"Bella, es freut mich sehr, dich kennenzulernen. Alice hat mir schon so viel von dir erzählt", sagte er, nahm meine Hand in seine und hob sie an seine Lippen hoch. Ich gluckste wegen seines südlichen Charmes.

"Ich freue mich auch, dich kennenzulernen, Jasper. Ich fürchte, dass Alice mir nicht so viel von dir erzählt hat wie umgekehrt." Ich schoss ihr einen bösen Blick zu. "Ich dachte, du wärst Musiker, da sie dich immer Jazzy nannte." Sie zuckte die Achseln und rutschte zurück in die Nische neben ihn. Ich setzte mich neben ihr hin.

Er musste bei dieser Aussage lachen. "Ich fürchte, dass ich ziemlich versage, sobald ich in die Nähe eines Musikinstruments komme. Meine Momma hat versucht, mich in einen Violinenkurs zu stecken, aber es war hoffnungslos." Etwas hinter meiner Schulter erregte seine Aufmerksamkeit und er grinste. "Aber bei meinem Jungen hier könnte man das nicht behaupten. Er ist der Musiker von uns beiden. Bella, das ist Edward. Edward, das ist Bella."

Edward? Das konnte nicht sein, oder? Ich spürte Schmetterlinge in meinem Bauch und drehte mich um. Direkt neben mir stand jemand in einer blauen Jeans. Ich war auf einer Augenhöhe mit seiner Leistengegend. Toll, Bella, genau so macht man einen guten ersten Eindruck. Ich blickte langsam nach oben und sah das jägergrüne Hemd, das sich über seiner sagenhaften Brust etwas spannte. Ich schluckte, mein Blick setzte seine Reise nach oben fort und ich sah zwei schön geformte Schultern. Er musste es sein. Es konnte nicht sein, aber es musste es sein. Ich blickte weiter hoch, sah das Kinn, und dann wusste ich es. Er war es. Edward Cullen. Fick mich. Im buchstäblichen und im übertragenen Sinne, fick mich, bitte.

EPOV

Das war Scheiße. Ich war um acht im Axis, so wie Jasper es wollte. Ich hatte all den Mist mitgemacht, den ich immer an einem Ort wie diesem erlebte. Ich wurde um Autogramme und Fotos gebeten, die Mädchen versuchten, mir ihre Telefonnummern zuzustecken ... warum war ich noch mal hier? Oh ja, wegen meines besten Freundes. Ich bewegte mich rasch durch das Gedränge der Bewunderer und holte dankbar Luft, als ich es relativ unbeschädigt in den VIP Bereich geschafft hatte. Zum größten Teil liebte ich mein Leben, aber es war nicht gerade mein liebster Zeitvertreib, mich mit geldgierigen Frauen zu umgeben. Wenn sie mich meinetwegen gern kennen würden, wäre das toll, aber sie sahen immer nur den Quarterback Edward Cullen.

Das war frustrierend und einer der vielen Gründe, weshalb ich es mehr oder weniger aufgegeben hatte, mich mit Frauen zu verabreden. Die meisten wollten nur mit mir gesehen werden und ich war ihnen egal, wenn es nicht gerade darum ging, etwas für sie zu tun. Ich dachte, es wäre das Beste, mit einer Frau zusammen zu sein, die den Druck des Ruhmes verstand, und so war ich zuerst mit Lauren zusammen, dann mit Tanya. Beides waren monumentale Fehler. Lauren machte es zur Gewohnheit, mit all ihren Filmpartnern herumzuvögeln. Das fand ich heraus, als ich sie zum ersten Mal am Set besucht hatte und ich sie unglücklicherweise mitten beim Sex vorfand mit dem Kerl, der in dem Film ihren Vater spielte. Ihren Vater! Ich wusste, dass er nicht wirklich ihr Vater war, aber es war trotzdem ziemlich widerlich.

Und Tanya? Sie benutzte mich nur, so wie es all die anderen auch wollten. Wir sahen zusammen gut aus, aber das war es auch schon wieder. Sie hatte fürchterliche Launen ... Naomi Campbell war im Vergleich mit ihr wie ein Engel. Ihre Ausraster waren irgendwo legendär, aber irgendwann hatte ich sie satt. Wir sahen uns etwa zwei Mal im Monat und das war meiner Meinung nach zwei Mal öfter als notwendig. Ich versuchte einige Monate lang, mit ihr Schluss zu machen, aber sie lenkte mich jedes Mal mit Sex ab und so blieb ich weiterhin mit ihr zusammen. Schließlich brachte ich es vor ein paar Monaten hinter mich. Ich ließ die Wut, das Kratzen und das Schlagen über mich ergehen und trennte mich für immer von ihr. War es ein Wunder, dass mich derzeit Frauen nicht interessierten?

Aber heute ging es nicht um mich. Ich war wegen Jasper hier. Er war verrückt nach dieser Alice und als Freund war es meine Pflicht, sicher zu gehen, dass sie ihn verdient hatte. Jas hatte ein gutes Herz und er vertraute immer sofort jedem Menschen. Ich wollte sicher sein, dass sie es wert war. Ich sah sein zerzaustes blondes Haar an der rechten Seite der Bar und machte mich auf den Weg hinüber zu ihm.

"Hey Jas, ich bin hier."

Er strahlte mich an und ich war von seinem schier glücklichen Gesichtsausdruck geschockt. Er war schon immer zufrieden gewesen, aber heute war es mehr als das. Er war komplett in diesem Mädchen verloren.

Er legte einen Arm um meine Schulter. "Hey Mann, was möchtest du?" Ich bestellte ein Bier und Jasper reichte dem Barkeeper einen Hunderter. "Behalten Sie den Rest." Manche Leute würden denken, er wäre ein Angeber, aber so war Jasper eben, er war ziemlich großzügig. "Komm schon, ich muss dir Alice vorstellen."

Er führte mich hinüber zu ihrer Nische, die von weitem leer aussah, bis wir näher kamen. Eine winzige Frau mit stacheligem, schwarzem Haar und einem aufreizenden, roten Oberteil saß dort. Sie war so klein, dass ich sie in der Nische gar nicht gesehen hatte. Sie stand auf und ich musste mir das Lachen verkneifen, da sie neben Jasper noch winziger aussah. Sie waren körperlich total gegensätzlich, aber sie passten so wunderbar zusammen, dass man das einfach nicht ignorieren konnte. "Edward, ich freue mich so, dich endlich kennenzulernen. Jazzy spricht nonstop von dir", zwitscherte sie. Ihre Stimme war so fröhlich und sie grinste hoch zu mir. Aber Jazzy?
Ich wollte ihr gerade meine Hand reichen, aber sie ignorierte sie und sprang mir förmlich in die Arme. Sie schlang ihre kurzen Arme so weit es ging um mich und umarmte mich, als hinge ihr Leben davon ab. Ja, ich konnte sehen, warum Jasper sie mochte. Sie war voller Leben und hatte keinen einzigen schüchternen Knochen in ihrem Körper. Er brauchte jemanden wie sie, sie war die ideale Ergänzung für ihn. Ich mochte sie sofort. "Es ist schön, dich kennenzulernen, Alice. Könntest du mich vielleicht nicht so fest drücken? Ich habe in drei Tagen ein Spiel und kann daher keine angeknacksten Rippen brauchen." Ich machte bloß Spaß, aber sie kicherte und ließ mich los. Sie rutschte wieder in die Nische und setzte sich so dicht zu Jasper, dass sie fast auf seinem Schoß saß. Das schien ihn aber nicht zu stören.

Ich setzte mich an seine andere Seite und bemerkte, das Alices Freundin noch nicht da war. Wie war doch gleich ihr Name? Belinda? Ich nippte an meinem Bier und spürte einen Stich der Eifersucht, als ich sah, wie Alice und Jasper einander ansahen. Aber sonst war wahrscheinlich niemand da, dem das auffallen könnte. Ich räusperte mich und Alice drehte sich zu mir. "Tut mir Leid", sagte sie mit einem weiteren Kichern. "Ich vergesse immer alles um mich herum, wenn mein Jazzy da ist." Da war es wieder. Jazzy. Ich lachte und dachte daran, dass ich Jasper mal so in der Umkleide nennen musste. Emmett würde einmal lachend über das ganze Feld rennen, wenn er das hörte.

"Also, wie habt ihr zwei euch kennengelernt?" Das hatte er mir noch nicht verraten, und ich dachte, das wäre ein guter Punkt, um eine Unterhaltung zu beginnen. Wie schon vermutet erhellte sich Alices Gesicht und sie erzählte mir ihre Geschichte.

"Ich bin Event Plannerin und habe vor ein paar Wochen eine Wohltätigkeits-Modenschau für das Phoenix Children's Hospital organisiert. Du hast sicher davon gehört." Und das stimmte auch. Ich musste an diesem Tag eine Hochzeit im Kreis der Familie besuchen, andernfalls wäre ich mit meinen Eltern wahrscheinlich auch dort gewesen. "Jedenfalls ist eines meiner männlichen Models nicht aufgetaucht! Ich war komplett verzweifelt und habe am Vorhang vorbeigeschaut, um nachzusehen, ob ich jemanden finden könnte, der einspringen könnte, und dort war er. Er saß in der ersten Reihe." Sie gab Jasper einen Kuss auf die Wange. "Er raubte mir den Atem. Ich brauchte ein paar Minuten, bevor ich zu ihm gehen und ihn bitten konnte, für mich die Show zu übernehmen."

Jasper lachte. "Bitten? Ich kann mich nicht erinnern, dass du mich gebeten hast." Sie schaute ihn böse an, und er schlang einen Arm um sie und drehte sich zu mir. "Eigentlich kam sie zu mir und informierte mich, dass eines ihrer Models ausgefallen war und ich für ihn einspringen musste. Ich wollte protestieren, dass ich ja nichts vom Modeln verstand, und sie stemmte ihre Hände in die Hüften und informierte mich, dass ich toll aussehe und es auch wüsste und ich ja bloß den Laufsteg entlanglaufen müsste."

"Tja, du siehst ja wirklich toll aus", meinte sie und kuschelte sich an seine Seite. Es kam mir fast so vor, als wäre ich ein Eindringling in der Welt der Beiden. Das war seltsam.

"Wenn du meinst, Liebling", murmelte er. Seine Wangen röteten sich ein wenig. Gütiger Gott, Jasper errötete? Ich sollte das filmen und dann dem ganzen Team vorspielen. Das wäre eine Lachnummer. Ich lachte und er sah mich an und grinste verlegen. "Jedenfalls versuchte ich, mit ihr zu streiten, aber die Diskussion dauerte nicht einmal zwei Minuten. Das Nächste, das ich wusste, war, wie ich hinter die Bühne geschleppt wurde und sie mir die Kleidung vom Leib riss. Aber das war mir eigentlich relativ egal."

Sie kicherte. "Nein, es war ihm komplett egal. Er streckte seine Hand nach mir aus, aber ich sagte ihm, dass wir keine Zeit für Spielchen hatten, aber wenn er seine Sache gut machte, würde ich ihm vielleicht später beim Ausziehen helfen."

Sie kannte keine Grenzen, oder? Es war ihr nicht mal annähernd peinlich, mir zu erzählen, dass sie wenige Minuten, nachdem sie meinen Freund kennengelernt hatte, schon beschlossen hatte, ihn zu vögeln. Obwohl es normalerweise abtörnend war, so etwas zu hören, war es das aus irgendeinem Grund bei ihr nicht der Fall.

"Also hast du bei einer Modenschau mitgemacht? Hat das jemand gefilmt?", fragte ich mit einem riesen Lächeln im Gesicht. Alice nickte und Jasper schüttelte zur gleichen Zeit den Kopf. "Ja, ich brauche unbedingt die Filmaufzeichnung."

Sie lachte. "Ich werde sehen, was ich tun kann", sagte sie, während Jasper gleichzeitig sagte: "Nur über meine Leiche." Sie tätschelte Jasper den Arm und er starrte mich böse an. "Ich lasse es dir zukommen", flüsterte sie tonlos, während er von ihr wegsah. Ich mochte dieses Mädchen, ich mochte sie wirklich.

"Jedenfalls ging er dort hoch und brüstete sich ..."

"Brüsten? Das glaube ich nicht", unterbrach Jasper sie. "Ich ging dort eher so schnell wie möglich lang."

Sie lachte wieder. "Okay, das ist wahr. Er war nicht direkt ein Profi auf dem Laufsteg, aber er hat es für mich gemacht und ich war ihm sehr dankbar." Sie gab ihm einen Kuss und ich musste mich wieder räuspern, weil sie anscheinend die Welt um sich herum vergessen hatten. "Tut mir Leid", sagte sie wieder, aber ihr Lachen strafte ihrer Worte Lügen.

"Nach der Show setzten wir uns hinter der Bühne hin und unterhielten uns stundenlang. Es war, als hätten wir uns schon unser ganzes Leben lang gekannt. Und du kennst mich, Mann. Ich spreche mit niemandem recht lang, aber mit Alice hier war das alles ganz natürlich." Jaspers Worte waren eine Untertreibung. Man konnte jede Menge Spaß mit ihm haben und er war ein guter Freund, aber bei Interviews war er schrecklich. Am liebsten beantwortete er die Fragen so knapp wie möglich, damit er rasch von den Kameras wegkommen konnte. Und jetzt zu hören, dass er sich mit jemandem stundenlang unterhalten hatte, war surreal. Aber wahrscheinlich hatte Alice das meiste gesprochen.

"Bei mir ist er die totale Quasselstrippe", sagte sie und widerlegte meine Gedanken. Ich schüttelte den Kopf und grinste sie an. Sie war ein eigenes Kapitel. Ich fragte mich, ob ihre Freundin wohl auch so war wie sie. Sie war nicht wirklich mein Typ, aber für Jasper hätte ich sie mir auch nicht vorstellen können.

"Wo ist deine Freundin?" Wie hieß sie noch gleich? Ihr Name begann mit B, da war ich mir ziemlich sicher. Aber ich wollte nichts Falsches sagen und Alice damit wütend machen. Ich wollte sie mir nicht zur Feindin machen. So glücklich sie auch wirkte, ich konnte spüren, dass sie auch ein ziemliches Temperament hatte.

"Bella?" Sie blickte auf die zarte, silberne Uhr auf ihrem Handgelenk und runzelte die Stirn. "Sie ist spät dran, wie immer. Wahrscheinlich wurde sie auf der Arbeit aufgehalten. Sie wird bald da sein." Bella, genau. Hübscher Name. Ich fragte mich, ob sie wohl auch hübsch war?

Ich stellte mein leeres Bier auf den Tisch und stand auf. "Ich hole mir noch eines. Braucht ihr etwas?" Sie schüttelten beide ihre Köpfe, also machte ich mich auf den Weg zur Bar. Dies würde mein letzter Drink sein. Ich wollte nach Hause und mir noch einen Film ansehen, bevor ich schlafen ging. Ich holte mein Bier und kehrte zurück zur Nische. Anscheinend war Alices Freundin endlich gekommen. Ich sah einen braunen Schopf über der Nische erscheinen und blieb neben ihr stehen, um mich vorzustellen. Ich hörte gerade, wie Jasper erzählte, ich wäre ein Musiker, und war peinlich berührt. Warum erzählte er ihr das?

"Bella, darf ich dir Edward vorstellen? Edward, das ist Bella." Ich hörte gedämpft, wie Jasper uns einander vorstellte, aber ich sah bloß das Mädchen neben mir an.

Bella drehte sich um und ihr Blick war auf meine Hüftgegend fixiert. Ich merkte, wie mein Schwanz sich regte, einerseits weil sie ihm so nah war, andererseits weil sie ihn so lange ansah. Langsam blickte sie hoch zu mir und ich sah das Gesicht einer Porzellanpuppe mit langen, gewellten braunen Haaren. Ihre Augen waren verträumt, als sie mich ansah, und ihr Mund öffnete sich ein wenig. Ich schätze, sie erkannte mich. Sie war absolut wunderschön und ich merkte, wie mein Schwanz noch härter wurde, als ich sie in dem kleinen schwarzen Kleid betrachtete. Sie hatte kilometerlange Beine. Ich stellte mein Bier ab und wollte nichts sehnlicher, als sie zu berühren. "Hi." Meine Stimme klang selbstbewusst, trotz der Nervosität, als ich ihr meine Hand hinstreckte. "Schön, dich kennenzulernen, Bella." Der Name passte mehr als perfekt zu ihr. Sie nahm meine Hand und ich spürte bei ihrer Berührung einen elektrischen Schlag. Dieser Abend war voller Überraschungen. Und plötzlich wollte ich gar nicht mehr so schnell nach Hause.