Nur damit ihr es wisst, wir haben jetzt einen kleinen Zeitsprung gemacht.
Kapitel 2
Der Orden
Vorsichtig schlichen Jack Potter und Aurora Black näher an die Zimmertür des Wohnzimmers. Die beiden besten Freunde hatten vor zwei Tagen ihr drittes und viertes Schuljahr in Hogwarts beendet und planten nun über die Sommerferien etwas mehr über die Ordensarbeit ihrer Eltern zu erfahren.
Jack hoffte sehr, dass niemand auf den Gedanken gekommen war irgendwelche magischen Barrieren anzubringen, denn die Ordensmitglieder, die vor etwa einer Stunde angekommen waren, hatten alle sehr aufgebracht bewirkt und auch die anderen Erwachsenen der Rumtreiberhöhle waren in den letzten Tagen sehr nervös geworden.
Langsam ließen die beiden Teenager sich neben der Tür nieder und hörten auch schon die aufgeregte Stimme von Auroras Vater, Sirius Black: „Ich glaub es trotzdem nicht, Albus. Wir hätten doch schon lange vorher davon erfahren, wenn es tatsächlich war wäre!"
„Sirius, Voldemort hat große Mühen auf sich genommen um die Wahrheit über seinen besten Attentäter verheimlichen zu können. Wir haben großes Glück, dass wir überhaupt davon erfahren haben. Angeblich wird er Lord Salazar genannt.", schloss Dumbledore resigniert.
„Lord Salazar?", hörte Jack Tonks fragen.
„Vermutlich nach Salazar Slytherin.", antwortete Remus seiner frisch verheirateten Frau.
„Dann ist es also wirklich war?", fragte Jacks Mum entsetzt.
„Ja, Lord Voldemort hat einen Sohn.", antwortete Dumbledore mit sorgenschwerer Stimme.
„Ist es wahr?", fragte Alice Longbottom so leise, dass Jack sie fast nicht verstand, „Ist es wahr, dass dieser Sohn für die Morde an Kingsley und Alastor verantwortlich ist?"
„Daran gibt es keinen Zweifel. Und wir haben keine Ahnung, wen unserer Mitstreiter er noch auf dem Gewissen hat.", seufzte Dumbledore.
„Gewissen?", schnaubte James Potter abfällig, „Der Mistkerl hat doch kein Gewissen. Und wir werden auch keins zeigen. Er wird bezahlen für das, was er unseren Freunden angetan hat!"
Jack starrte Aurora mit großen Augen an. Voldemort hatte einen Sohn?
Aurora rückte ein Stück näher an Jack heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Igitt, wer schläft denn mit Voldemort?!"
Jack schnaubte vernehmlich auf und schlug sich dann entsetzt die Hand vor den Mund, aber schon wurde die Tür aufgerissen und eine ziemlich wütend aussehende Lily Potter stand in direkt vor ihnen. Schuldbewusst sahen die beiden Teenager auf, als sie ihre Hände in die Seiten stemmte und rief: „Jonathan Charlus Potter und Aurora Serena Black, was denkt ihr eigentlich was das hier ist? Ein Spiel vielleicht?!"
„Ähm, nein.", sagte Jack vorsichtig und kam sich dabei selbst nicht besonders geistreich vor.
„Wir wollten nur hören, ob das Treffen schon vorbei ist. Ich hab nämlich eins meiner Bücher im Wohnzimmer vergessen und Jack und ich wollten es holen.", sprang Aurora prompt ein.
Lily starrte sie mit zusammengekniffenen Augen an und Jack musste einmal mehr Auroras Mut bewundern.
„Nach oben mit euch. Sofort!", zischte Lily gefährlich. Die beiden erwischten Übeltäter ließen sich das nicht zweimal sagen und sprangen auf. Sie hatten die Treppe schon fast erreicht, als Lily ihnen nachrief: „Jack, tu mir bitte einen Gefallen und sieh nach deinen Schwestern, ja?"
Jack fluchte leise. Jetzt durfte er für den Rest des Abends Babysitter spielen.
„Stell dich nicht so an. Sie hätte sich auch eine schlimmere Bestrafung einfallen lassen können.", sagte Aurora, als sie Jacks Gesicht sah.
„Zum Beispiel?"
„Sie hätte unsere Besen wegschließen können.", antwortete Aurora mit einem Schaudern.
Auch Jack lief es bei diesen Worten eiskalt den Rücken hinunter. Er erinnerte sich noch sehr gut an die letzten Sommerferien, als seine Mum tatsächlich ihre Besen weggesperrt hatte, nachdem die beiden versucht hatten Alea zu helfen ihr Zimmer neu zu streichen, leider war dabei nicht nur das Zimmer neu gestrichen worden, sondern auch die dreijährige Gilly. Das war nur einen Tag vor Emmas Geburt gewesen und seine Mum war damals dementsprechend sowieso nicht besonders gut drauf gewesen.
Aurora und Jack hatten zwei Wochen lang gebettelt und gefleht, da sie ihre Besen doch zum Training brauchten. Aber erst nachdem die beiden ihre Väter und Onkel Remus so lange genervt hatten, bis sie die Schnauze voll hatten, hatte Lily eingelenkt. Aber nur mit der Drohung, die Besen jederzeit wieder wegschließen zu können, sollte sie es für nötig erachten.
Als die beiden Freunde nun das Spielzimmer betraten sahen sie, dass Jacks kleine Schwestern auch eindeutig ohne sie gut zurechtkamen. Die neunjährige Alea saß auf einem Sessel und las mal wieder ein Buch, Gilly mit ihren vier Jahren spielte glücklich mit ein paar Puppen und die 11 Monate alte Emma saß vor ihrem Lieblingsspielzeug, dass die ganze Zeit Seifenblasen ausstieß, die Emma freudig versuchte einzufangen.
Wohlwissen, dass Lily bald kommen würde um nachzusehen, ob die beiden wirklich auf die Mädchen aufpassten, setzten Aurora und Jack sich in ihre Lieblingsecke und spielte für den Rest des Abends Zauberschach.
Jack seufzte leise. Manchmal war es wirklich schrecklich der älteste zu sein, er war eigentlich der Meinung, dass er einen viel besseren kleinen als großen Bruder abgeben würde, aber diesen Gedanken durfte man in diesem Haushalt auf keinen Fall äußern. Als seine Eltern ihm damals erzählt hatten, wer das fremde Baby auf den alten Bildern war, war Jack sehr traurig gewesen. Mittlerweile dachte er nicht mehr so oft an Harry, aber an manchen Abenden fragte er sich, wie es wohl gewesen wäre einen großen Bruder zu haben, den er nerven konnte und der dann völlig widerwillig auf IHN aufpassen musste.
Remus Black seufzte resigniert, als er Jack und Auroras Stimmen vor der Tür hörte. James und Sirius waren ja schon schlimm gewesen, aber immerhin hatte er sie noch ein bisschen gebremst. Aurora uns Jack ließen sich jedenfalls kaum aufhalten, die beiden pflügten wie zwei Schneeschieber über sämtliche Regeln und Verbote hinweg. Neben ihm fing Dora plötzlich an zu lachen.
„Was ist?", fragte Remus, der mit einem Ohr noch immer auf das Geschehen vor der Tür hörte.
„Ich habe grade nur gedacht, dass der einzige Grund warum Hogwarts noch steht ist, dass die beiden nicht im gleichen Jahr sind.", antwortete Dora fröhlich.
Auch die anderen begannen alle zu lachen.
„Die beiden sind in der Tat eine echte Herausforderung. Wenn irgendwo etwas passiert, kann man die beiden und ihre Freunde ruhigen Gewissens bestrafen. Man trifft sicherlich nie den Falschen.", sagte Minerva McGonagall trocken.
„Hey!", rief Sirius gespielt beleidigt, „Sie können doch meine Tochter nicht einfach bestrafen, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie es war. Wie kommen sie denn auf den Gedanken, dass sie irgendwas damit zu tun hat?"
McGonagall sah ihn verständnislos an und sagte: „Ganz einfach: Sie ist Ihre Tochter."
Darüber mussten auch die anderen lachen und hörten erst wieder auf, als Lily den Raum wieder betrat und sagte: „Was geht denn hier vor?"
Erst jetzt viel den anderen wieder das ernste Thema ein, dass sie heute Abend eigentlich besprechen wollten.
„Wissen wir irgendwas genaues über diesen jungen Lord?", fragte Dorcas Meadows.
„Nicht viel.", antwortete Dumbledore ruhig, „Er muss noch ziemlich jung sein. Vielleicht Anfang 20, aber das ist schwer zu sagen."
„Wir sollten alles daran setzten ihn in die Finger zu bekommen!", sagte Sirius bestimmt.
„Sirius hat recht, wenn er noch so jung ist, dann ist er vielleicht noch nicht so gefährlich. Mit jeder Sekunde, die Voldemort mehr Zeit hat ihn zu trainieren, wird er stärker.", sagte James hitzig.
„Mein lieber James, ich versichere dir, dass das Alter hier keine große Rolle spielt. Auch Voldemort war noch sehr jung, als er das erste Mal tötete. Trotzdem stimme ich euch zu: Wir sollten diesen Mann so schnell wie möglich fassen, vor allem, da er anscheinend etwas gegen den Orden hat. Es scheint, als hätte er es zu seinem persönlichen Ziel erklärt, uns alle zu vernichten."
Mit diesen deprimierenden Worten endete, das Treffen für diesen Tag. Die Potters brachten ihre Kinder ins Bett, Remus und Tonks wollten Tonks Eltern besuchen und Sirius musste dringend ein Gespräch mit seiner Tochter führen.
Er klopfte an Auroras Tür, erhielt aber keine Antwort.
„Aurora, mach die Tür auf.", sagte er und hörte leises poltern aus dem Zimmer seines 14jährigen Wildfangs. Plötzlich öffnete sie die Tür und wischte sich lässig ihre schwarzen Locken aus dem Gesicht.
„Was gibt's, Dad?", fragte sie nervös.
„Kann ich rein kommen? Ich muss mit dir reden und es ist wichtig."
„Ok.", sagte sie und trat aus der Tür um ihrem Vater den Weg frei zu machen. Automatisch blickte Sirius sich um und versuchte herauszufinden, was Aurora so schnell versteckt hatte, als er an der Tür klopfte, sah aber nichts. Er setzte sich resigniert aufs Bett und bedeutete Aurora sich neben ihn zu setzten.
„Aurora, Schatz, ich habe jemanden kennengelernt.", begann er vorsichtig.
„Ok", sagte Aurora etwas unsicher warum ihr Vater darum so ein großes Ding machte, es war ja nicht so, als würde er nicht ständig eine neue Freundin haben.
„Ihr Name ist Phoenix, naja eigentlich Kathryn, aber so nennt sie keiner.", fuhr Sirius fort. Als Aurora keine Anstalten machte etwas zu erwidern, fuhr ihr Vater fort: „Sie ist ein bisschen jünger als ich und…", er brach nervös ab.
„Jünger als du? Erstens ist das doch auch nicht neu und zweitens hat Alter hier doch eh keine Bedeutung. Tonks ist auch 13 Jahre jünger als Onkel Remus.", sagte Aurora überrasscht.
Ihr Vater sah sie ein bisschen schuldbewusste an. Und Aurora starrte ungläubig zurück: „Ist sie etwa noch jünger als Tonks?"
„Nur ein bisschen.", beeilte sich Sirius zu versichern. Seine Tochter starrte ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Sie ist 23.", sagte Sirius knapp.
„Na, wenn es sie nicht stört, dass du so alt bist, warum sollte es mich stören?", sagte Aurora trocken.
„Hast du mich gerade alt genannt?", fragte Sirius beleidigt, „Ich bin doch nicht alt!"
Aurora verdrehte nur die Augen und Sirius sagte: „Egal, darum geht es gar nicht. Ich würde sie dir sehr gerne vorstellen und möchte dich deshalb um einen Gefallen bitten."
„Ja, ja. Ich bin lieb, nett, artig und werde mich benehmen. „
„Das natürlich auch, aber Phoenix ist Muggel und ich hatte noch nicht die Gelegenheit ihr zu erzählen, dass ich ein Zauberer bin."
Aurora starrte ihren Vater mit offenem Mund an: „Heißt das, ich muss so tun, als wäre ich ein Muggel?!"
„Bitte Aurora, tu mir den Gefallen. Sie ist sehr nett. Du wirst sie sicher mögen."
Aurora schnaubte nur und sagte: „Von mir aus."
Sirius küsste sie dankbar auf die Stirn, sagte gute Nacht und verließ ihr Zimmer.
Als er selber ins Bett ging, dachte er noch: „Was für ein Abend!"
