Schon sind wir bei der zweiten Geschichte (hört ihr Weihnachten auch näher kommen? ^^). Diesmal ist sie von BellatrixLestrange2, die uns ihre Geschichte präsentiert. Das Thema war von Alena ziemlich fix vorgegeben, denn Ron und Snape sollten gemeinsam ein Quidditchspiel zwischen Slytherin und Hufflepuff kommentieren. Sogar der Sieger war schon fest gelegt (aber den verrate ich hier natürlich noch nicht :P). Aber ich traue Bella ohne weiteres zu, diesen Vorgaben gerecht zu werden :D
Ron vs. Snape
Auch Hogwarts, die berühmte Schule für Hexerei und Zauberei, hatte der Winter eingeholt. Alles war vollkommen verschneit und Hagrid, der Wildhüter, war die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt Wege und Zugänge freizuschaufeln. Eine wahre Sisyphusarbeit! Denn immer wenn er fertig war, konnte er erneut beginnen. Anscheinend machten sich einige Schüler einen Spaß daraus die frei geräumten Wege mit einem einfachen Zauberspruch wieder in ihren alten Zustand zu versetzen.
Doch weder Wind, Schnee noch Kälte konnten heute die Stimmung trüben, stand doch eine beliebte Abwechslung neben Arithmantik, Verwandlung und Zaubertränke auf dem Stundenplan. Das Quidditchspiel zwischen Slytherin und Hufflepuff. Nachdem Hufflepuff Ravenclaw im vorigen Spiel mit 210 zu 70 locker vom Quidditchfeld geputzt hatte, war man frohen Mutes, dass auch die Chancen gegen Slytherin in diesem Jahr nicht allzu schlecht standen.
In der Großen Halle wurden während des Mittagessens schon eifrig Wetten abgeschlossen. Auch Harry, Ron und Hermine beteiligten sich daran. Ron jedoch nur halbherzig zur Verwunderung seiner beiden Freunde. Eigentlich war es doch immer Hermine, die sich gegen solcherlei Aktivitäten sträubte, da sie die unschöne Rivalität zwischen den Häusern schürten. „Komm schon, Ron!", versuchte Harry zum x-ten Mal Ron zu einem Wetteinsatz zu bewegen. „Nur 2 Knuts auf Hufflepuff." Doch Ron schüttelte rigoros den Kopf. „Du weißt doch, dass ich heute Jordan als Spielkommentator vertrete." So wie er das sagte, klang es, als habe er diesen Satz heute schon mehrmals gebetsmühlenartig runter leiern müssen. „Und als Kommentator muss ich unparteiisch sein." fügte er altklug hinzu und schob sich daraufhin ein kleines Bratwürstchen in den Mund. Harry warf Hermine einen verwirrten Blick zu. „Hast du ihn einer Gehirnwäsche unterzogen?"
„Ich bin nicht immer Schuld, wenn Ron Anwandlungen von Vernunft zeigt." verteidigte sich das Mädchen und reckte dann trotzig das Kinn vor. „Aber ich setze 1 Sickel auf Hufflepuff." Dann wandte sie sich zu Ron um und murmelte so leise, dass nur er es hören konnte: „Und als ob du unparteiisch sein könntest, nach allem, was Malfoy dir in den letzten Jahren angetan hat." Doch auch darauf hatte Ron erstaunlicher Weise eine Antwort parat: „Um mich daran zu erinnern, falls es doch mal mit mir durchgehen sollte, habe ich ja Luna an meiner Seite."
„Luna ist auch nicht gerade das, was ich als einen guten Spielkommentator bezeichnen würde." schoss Hermine zurück. Ron zuckte bloß mit den Schultern und nahm einen großen Schluck Kürbissaft, gurgelte lauthals und grinste zufrieden. „Ich muss doch meine Stimme ölen." sagte er dann entschuldigend, als er die angewiderten Blicke seiner Tischnachbarn sah.
Hermine wurde die Möglichkeit für eine entrüstete Bemerkung über Rons Tischmanieren genommen, als Professor McGonagall alle Schüler bat sich geordnet zum Spielfeld zu begeben.
Ron ließ die Finger knacken und streckte sich durch: „Dann wollen wir mal zur Tat schreiten."
Die Große Halle leerte sich ziemlich rasch. Harry, Ron und Hermine bildeten das Schluss-
licht. Sie waren noch nicht ganz aus dem Schloss, als Professor McGonagall sie zurückrief. „Mr. Weasley! Mr. Weasley!" Ron drehte sich mit einem fragenden Blick und einem unguten Gefühl im Bauch zu ihr um. Völlig außer Atem kam ihre Hauslehrerin bei den Dreien an. „Ich wollte Ihnen nur schnell berichten, dass Miss Lovegood das Spiel nicht mit Ihnen kommentieren kann. Ein kleiner Unfall während des Zaubertrankunterrichts hat sie außer Gefecht gesetzt."
Ron schluckte hart und war um Lässigkeit bemüht, als er entgegnete: „Macht doch nichts. Ich werde das Kind auch alleine schaukeln. … Aber Luna ist doch nicht ernsthaft verletzt?" – „Nein. Mit Madame Pomfreys Hilfe wird sie heute Abend wieder auf dem Damm sein. Wir haben auch schon eine Vertretung für sie organisieren können."
„Wen?" fragten Harry, Hermine und Ron panisch wie aus einem Munde.
„Professor Snape." entgegnete McGonagall knapp und eilte dann an ihnen vorbei auf die Ländereien.
Ron hätte nie gedacht, dass ihm die Vorfreude auf das Spiel innerhalb von Sekunden so sehr hätte verdorben werden können. Sämtliche Schüler rannten johlend, singend und Wimpel schwenkend über die Ländereien zum Quidditchfeld. Einzig Ron sah aus, als würde man ihn zur Schlachtbank führen. Er verabschiedete sich nur mit einem knappen Gruß von Harry und Hermine und begab sich dann auf seinen Platz auf dem Kommentatorenturm, gleich neben Professor Snape. Der wartete schon vollkommen entspannt auf den Beginn des Spiels und bedachte Ron nicht mit einem einzigen Blick.
Während zwischen den Kommentatoren eisiges Schweigen herrschte, brach auf den Rängen ohrenbetäubender Jubel aus, als die beiden Quidditchmannschaften Aufstellung nahmen. Diesem folgte neugierige Stille. Ron konnte die Blicke hunderter Schülern und der Spieler auf sich spüren. Was wollten sie? Warum sagte Snape nichts? Warum war seine eigene Kehle so trocken? Er zuckte erschrocken zusammen, als Madame Hooch, die Schiedsrichterin, unerwartet auf ihrem Besen vor ihnen auftauchte. Sie fixierte Ron und Snape mit einem entrüsteten Blick aus ihren grünen Augen. „Würden die beiden Herren wohl die Freundlichkeit besitzen, die Mannschaften vorzustellen, damit ich das Spiel anpfeifen kann?" frage sie spitz. „Aber wozu?" stellte Snape in gelangweiltem Ton eine Gegenfrage. „Die Aufstellungen haben sich seit dem letzen Spiel doch nicht geändert." „Über die Regeln wollen wir uns jetzt ja wohl nicht streiten.", stellte Madame Hooch kategorisch fest. „Und jetzt… los!" Sprach's und flog davon. Es folgten erneut einige Sekunden des Schweigens. Schließlich wurde es Ron zu dumm. Man hatte ihn schließlich als Vertretung für Jordan ausgesucht und dem wollte er jetzt auch alle Ehre machen. Er räusperte sich kräftig und griff dann zum Mikrofon: „Herzlich willkommen zum heutigen Quidditchspiel Hufflepuff gegen Slytherin. Welche Mannschaft die Sympathien auf ihrer Seite hat, muss wohl nicht erneut betont werden." Jubelschreie und Buhrufe ertönten. Ron grinste zufrieden und ignorierte Snapes unzufriedenes Brummen. „Für Hufflepuff hält heute Jimmy Masters die Ringe sauber. Wenn er das so macht wie im letzten Spiel gegen Ravenclaw, dürfte das heute für die Slytherins ein Problem darstellen, welches sie in ihrer Überheblichkeit vielleicht nicht bedacht haben. Smith und Cadwallader werden heute als Jäger ein Tor nach dem anderen machen und Miller und Finch-Flatley den Slytherins als Treiber ordentlich einheizen! Nicht zu vergessen, der beste Sucher, nach meinem Freund Harry natürlich, Cedric Diiii-gooo-ryyy!!!" Der Jubel brandete ohrenbetäubend auf. Da Snape keine Anstalten machte das Mikrofon zu übernehmen, um seine Hausmannschaft vorzustellen, übernahm Ron auch dies. Er war sowieso gerade so schön in Fahrt. „Da mein Kommentatorkollege Professor Snape die Mannschaft von Slytherin für so bekannt und berühmt hält, dass sie eine genauere Vorstellung nicht benötigt, nur soviel: Die Aufstellung hat sich nicht geändert. Dieselben hässlichen Gesichter wie beim letzen Mal."
Mit einem Pfiff entließ Madame Hooch die Bälle aus ihrer Box und sogleich begannen die Spieler ihnen hinterher zu jagen. Einzig die beiden Sucher, Diggory und Malfoy, schienen alle Zeit der Welt zu haben. Weit über den Köpfen der anderen Spieler und Zuschauer zogen sie ihre Bahnen auf der Suche nach dem Goldenen Schnatz, der ihrer Mannschaft 150 Punkte bringen würde und somit meistens den Sieg.
Für einige Augenblicke war es nahezu still in Hogwarts' Quidditchstadion, abgesehen von den bewundernden Ohs oder Ahs der Zuschauer. Die Quidditchspieler jagten über das Feld, der Quaffel wechselte in atemberaubender Geschwindigkeit den Besitzer und die Treiber gingen ihrer Aufgabe gewissenhaft nach. Schon jetzt war klar, dass sich gegenseitig nichts geschenkt werden würde und auch, dass Slytherin die Schmach, gegen Hufflepuff zu verlieren, nicht zulassen würde. Dies wurde in der zehnten Minute durch eine Aktion von den Treibern Crabbe und Goyle verdeutlicht. Sie nahmen Cadwallader, der soeben unbescholten auf dem Rückflug zum Mittelfeld war, in die Zange und plötzlich begann der Jäger Hufflepuffs ohne ersichtlichen Grund auf dem Besen zu taumeln und wäre beinahe in die Tiefe gestürzt. Nicht nur die Zuschauermenge schrie empört auf. Auch Ron, der das Spiel bisher schweigend beobachtet hatte, was zwar für Kommentatoren nicht üblich ist, aber niemandem recht aufgefallen war, sprang nun entrüstet auf und schrie: „Foul!!! Foul!!! Verdammt!" Laut hallte seine Stimme übers Quidditchfeld. Ron erschrak vor dem Klang seiner eigenen Stimme und Snape grinste süffisant. „Also Foul im eigentlichen Sinne würde ich das nicht bezeichnen, sondern eher als taktisch klug durchdacht."
„Das war hinterhältig! Wie immer. Etwas anderes erwartet man von Slytherins ja gar nicht." rief Ron, die Selbstbeherrschung nun vollends verlierend.
„Halten Sie die Schüler aus Hufflepuff für so schwächlich, Mr. Weasley, dass diese Ihres Schutzes bedürfen? Ich denke…" Snape wurde vom lauten Jubel der Menge, die angestrengt die Diskussion der beiden Kommentatoren zu ignorieren versuchte, unterbrochen.
„Wie? Was ist denn passiert?" fragte Ron verwirrt.
„Wir haben ein Tor geschossen!" jubelte ihm Zacharias Smith aus Hufflepuff im Vorbeifliegen jauchzend zu.
„Oh! Ah! Das ist ja super!" freute sich auch Ron und verkündete mit provokantem Blick in Richtung Snape das Zwischenergebnis: „10 zu Null für Hufflepuff." Doch kaum hatte er diesen Satz beendet, sah er Madame Hooch auf sich zufliegen. Ihre kurzen Haare waren vom Wind zerzaust und ihr wütender Blick gab ihr das Aussehen einer rachsüchtigen Furie.
„Mr. Weasley!", keifte sie, „Sie sollten zumindest im Stande sein den Punktestand korrekt anzugeben, wenn Sie das Spiel ansonsten schon für so uninteressant halten, dass Sie es anscheinend nicht genauer kommentieren wollen."
„Hab… hab ich doch… Oder nicht?" stammelte Ron kleinlaut und wünschte sich in diesem Augenblick ganz weit weg. In die Heulende Hütte, den Fuchsbau oder am Besten ans Ende der Welt, wo auch immer das sein mochte.
„Während Sie mit Professor Snape die moralischen oder unmoralischen Eigenschaften der Slytherins diskutiert haben, sind innerhalb weniger Sekunden zwei Tore gefallen. So was nennt man im Fachjargon auch Gegentor oder Konter. Also…" Sie gab einen unwilligen Laut von sich und entriss Ron das Mikrofon. „Um die Tatsachen richtig zu stellen, hier der aktuelle und vor allem korrekte Punktestand: 10 zu 10." Sprach's erneut und flog ebenso erneut davon.
„So was nennt sich dann im Fachjargon Konter." flötete Ron ins Mikrofon.
In diesem Moment schoss Cedric Diggory unerwartet in die Tiefe. Ein aufgeregtes Raunen ging durch die Menge der Zuschauer.
„Hat er den Schnatz entdeckt?" schrie Ron aufgeregt. „Oh, seht mal, wie der fliegen kann! Und jetzt hat auch Malfoy begriffen, was los ist. Dauert halt manchmal ein bisschen länger bei ihm, bis er mitbekommt, was lost ist."
„Das wäre das kürzeste Quidditchspiel in der Geschichte von Hogwarts, wenn einer der beiden Sucher jetzt tatsächlich den Schnatz fangen sollte." fügte Snape, um Ruhe in der Stimme bemüht, hinzu.
„Wen interessiert das denn?" blaffte Ron.
„Das macht einen guten Kommentator aus, Mr. Weasley. Eine Mischung aus Fakten und spannenden Beiträgen zum Spiel." Das ließ Ron kurzzeitig verstummen.
„Dann sind wir aber schlechte Kommentatoren, oder?!"
„SIE sind ein schlechter Kommentator, Mr. Weasley."
„Warum? Wieso müssen Sie gleich so ausfallend sein?"
„Weil ich das Mikrofon heute noch nicht einmal in der Hand hatte und somit auch nicht wirklich etwas produktives zum Spiel beitragen konnte."
Ein scharfer Pfiff von Seiten Madame Hoochs ließ sich die Beiden wieder Richtung Spielfeld wenden.
„Ich sage es jetzt nicht noch mal! Kommentieren Sie das Spiel ordentlich oder halten Sie beide den Mund. Ob Sie es glauben oder nicht, sie lenken die Spieler ab. Wenn ich könnte, dann würde ich Ihnen eine Auszeit als Strafe geben. Leider fallen die Spielkommentatoren nicht in meinen Zuständigkeitsbereich." Sprach's und flog davon.
Während dieser erneuten Diskussion zwischen Schiedsrichterin und den immer unbeliebter werdenden Kommentatoren hatte Cedric den Schnatz aus den Augen verloren. Er und Malfoy flogen nun wieder, leicht frustriert, über den Köpfen der anderen. Die restlichen Spieler machten sich nun einen Spaß daraus, Snape oder Ron zu zitieren, wenn sie sich den Quaffel zupassten oder andere strategische Spielzüge ausführten. „Das nennt man im Fachjargon „Konter"!" rief Finch-Flatley, als er den Quaffel Richtung Torringe warf. Leider war der Wurf recht schwach. Denn vor Lachen konnte sich der Jäger Hufflepuffs kaum richtig auf dem Besen halten, geschweige denn ordentlich zielen. Darum stellte dieser Angriff für Slytherins Torhüter Miles Bletchley keine nennenswerte Gefahr dar und der hoch gepriesene Konter verlor an Ernsthaftigkeit.
Ron sackte nun beschämt auf seinem Stuhl zusammen.
„Dieses Spiel wird nicht als das Kürzeste, sondern als das Lächerlichste in die Geschichte von Hogwarts eingehen….", murmelte Snape halb zu sich selbst, halb hörbar für das Publikum, „wenn die Spieler sich nicht endlich mal ihrer Aufgabe bewusst werden und beginnen vernünftig zu spielen." schnauzte er dann laut und ungehalten. Dass die ersten zehn Minuten durch aus passabel gewesen waren, wurde einfach mal aus den Gedanken gestrichen, zu mal man ja damit beschäftigt gewesen war, den Kommentatorenkollegen rund zu machen. Dass dieser Rüffel des Professors nicht angebracht und vollkommen überflüssig war, war jedem im Quidditchstadion bewusst, aber er kam eben von Snape, von dem die Schülerschaft der Zauberschule prinzipiell eh nichts anderes gewöhnt war. Dieser Ausruf wurde dann einfach folgendermaßen von der breiten Masse interpretiert: Snape machte sich Sorgen um das Ansehen seines Hauses oder des Quidditchsports im Allgemeinen.
„Was soll man hier denn auch kommentieren? Es passiert ja nichts." brummelte er dann weiter. Wieso hatte er sich auch dazu überreden lassen, diesen Job zu übernehmen. Es war kalt und zugig hier oben, man konnte das Spiel nicht genießen und der so genannte Kollege war ein absoluter Alptraum. Professor McGonagall hatte an seine Kollegialität appelliert. Wunderbar. Sie würde einiges an Kollegialität aufbringen müssen, um das hier zu vergelten. Ron hatte das Spiel während dessen weiter beobachtet und griff nun gedankenverloren zum Mikrofon, um einen letzten, verzweifelten Versuch zu wagen, seiner Aufgabe nachzukommen: „Cadwallader passt zu Smith. Sauber. Der weicht einem Klatscher von Goyle geschickt mit einer Faultierrolle aus, zielt aufs Tor. Schön… Aber… NEIN! Leider nicht drin." Das Publikum stöhnte gemeinsam mit Ron enttäuscht auf. „Nun geht es wieder zurück zum Tor der Hufflepuffs. Warrington, der meiner Meinung nach viel zu dick für einen Jäger ist, schlängelt sich geschickt durch Hufflepuffs Abwehr. Schlängelt, das passt doch gut zu Ihrem Haus, finden Sie nicht auch, Professor Snape? Aber wieso hält den denn keiner auf? Schlafen die Hufflepuffs? Ah, da kommt Miller wie aus dem Nichts angeschossen, aber Warrington hat den Quaffel schon geworfen und… Er ist drin. 20: 10 für Slytherin." Unter dem lauten Jubel der Slytherinschüler und den Buhrufen sämtlicher anderer Häuser drehte der Torschütze eine Ehrenrunde. Snape hingegen korrigierte währenddessen gelangweilt und demonstrativ gähnend den Punktestand auf der kleinen hölzernen Anzeigetafel.
„Und was ist jetzt schon wieder falsch?" wollte Ron eingeschnappt wissen.
„Eigentlich bin ich ein Freund des Quidditchsports, Mr. Weasley. Aber ich finde es faszinierend, wie langweilig es werden kann, wenn Sie das Spiel kommentieren." Diese Worte ließen Ron im Gesicht dermaßen rot anlaufen, dass seine Haarfarbe mit seiner Gesichtsfarbe konkurrierte. In diesem Moment wünschte sich Ron die intelligente Schlagfertigkeit Hermines. Ihm fiel nämlich keine gute Äußerung ein, die er Snape nun an den Kopf werfen könnte, auch wenn er innerlich schier kochte vor Wut und Entrüstung. So schnappte er lediglich ein paar Mal nach Luft, wie ein Fisch auf dem Trockenen, was Snape bloß zu einem leisen, gehässigen Lachen veranlasste. Stürmisch griff Ron nach dem Mikrofon, um seiner Aufgabe erneut nachzugehen. „Wir wollen doch professionell sein, nicht wahr?" sagte er dann so ruhig wie möglich.
„Wann waren Sie in der vergangenen halben Stunde einmal professionell?" wollte Snape dann provokant wissen. „In den Momenten, in denen Sie keinen abfälligen Kommentar abgeliefert haben." raunzte Ron verletzt zurück. Mit zitternder Stimme sprach er dann zum Publikum: „Entschuldigt bitte die erneute Unterbrechung. Nun bin ich voll und ganz für Euch da." Allerdings musste Ron feststellen, dass er natürlich erneut völlig den Überblick verloren hatte. Um Madame Hooch nicht erneut einen Grund zu bieten aus der Haut zu fahren, beugte er sich über die Balustrade und suchte einen Quidditchspieler, der gerade nichts zu tun hatte oder zumindest so aussah.
„Diggory!" schrie Ron schließlich aus Leibeskräften, aber natürlich ohne Erfolg. Da besann er sich des Mikrofons in seiner Hand: „Cedric Diggory wird zum Kommentatorenturm gebeten." sprach er dann möglichst neutral. So wie er die Ansagen auf dem Bahnhof in Kings Cross in Erinnerung hatte. Man sah Cedric die Verwirrung an. Er schüttelte den Kopf und gestikulierte wild in Malfoys Richtung. „Bist du verrückt?! Ich muss ihn im Auge behalten." Ron wiederholte seine Aufforderung und verlieh ihr mehr Nachdruck durch ein frustriertes: „Sofort!" am Satzende. Cedric stand der Zorn ins Gesicht geschrieben, als er auf Ron zugeschossen kam. „Sag mal, tickst du noch ganz rein?" polterte er los, kaum dass er vor der Balustrade abgebremst hatte. „Hallo, Professor Snape."
„Sag mir nur ganz schnell, wie es steht, bitte!" flehte Ron und warf eilig einen Blick in die Richtung von Madame Hooch. Die war allerdings gerade damit beschäftigt Goyle zu rüffeln und dem Team von Hufflepuff einen Freistoß zu erteilen. Somit bekam sie nicht mit, dass der Kommentator einen der wichtigsten Spieler von seiner Aufgabe abhielt.
„60 zu 40 für uns." gab Diggory endlich die gewünschte Auskunft.
„Wann, bei Merlins Bart, habt ihr denn die ganzen Tore gemacht?" verlangte Ron dann entgeistert zu wissen.
„Als du erneut damit beschäftigt warst dich bei Professor Snape und der gesamten Schule unbeliebt zu machen." schimpfte Cedric ungehalten und wollte dann wutschnaubend abzischen, wurde allerdings erneut aufgehalten. Dieses Mal war der Grund allerdings ein kleiner, goldener Ball, der frech gleich vor der Nase des Suchers herum flatterte. Sowohl Cedric als auch Snape und Ron stießen ein überraschtes „Oh!" aus. Ein wenig zu hastig versuchte Cedric nach dem Schnatz greifen und hätte dabei beinahe das Gleichgewicht verloren, schoss dann aber zielsicher hinter dem Schnatz her.
„Diggory hat den Schnatz entdeckt!", brüllte Ron heiser, „Und jagt ihm nun hinterher wie ein geölter Blitz. Seine Flugkünste habe ich heute ja schon gelobt. Deswegen einfach nur schweigen und genießen. Nun ist ihm Malfoy hart auf den Fersen. Da wird gerempelt und gestoßen. Für uns sieht das wahrscheinlich schlimmer aus, als es ist. Die Hufflepuffs haben gemerkt, dass es nun anscheinend endgültig in die Endphase geht und geben jetzt noch mal alles. Der Quaffel wechselt so schnell den Besitzer, dass ich mir die Details spare. Das Team von Hufflepuff arbeitet sich konsequent auf die Torringe zu. Bletchley bekommt offensichtlich Panik bei dem Anblick der Armanda, die da auf ihn zugeflogen kommt… uuuund… TOOOR! 70 zu 40 für Hufflepuff." Angestrengt rang Ron nach Luft. „Kurzzeitig war Slytherin in Ballbesitz. Doch nun jagen die Dachse zurück zum gegnerischen Tor. Da hat Smith den Quaffel verloren. Warum tut er das denn? Was machen denn unsere Sucher? Oh, je! Die sind auf Kollisionskurs. Diggory kommt von rechts. Malfoy kommt von links. Bremst doch ab! Die Wahnsinnigen! Und da dreht Diggory kurz vorher noch ab und Malfoy kommt ins Schlingern." Snape begann Ron ungeduldig am Umhangärmel zu zupfen. Das war zwar nervtötend, aber Ron gerade auch egal.
„Da haben die Slytherins doch wahrhaftig ein Tor geschossen! Wie das jetzt zu Stande gekommen ist? Fragt mich nicht. Immerhin habe ich es mal mitbekommen. 70 zu 50 der neue Punktestand. Diggory jagt gerade wie wild um die Torpfosten der Slytherins. Der Schnatz hält ihn wohl zum Narren, wenn man das so sagen kann." Erneutes Ringen nach Luft, erneutes Umhanggezupfe. „Hufflepuffs Jäger sind wieder in Quaffelbesitz und sausen durch die Abwehr der Slytherins. Die stehen da wie ein Ochs' vorm Berg. Cadwallader gibt ab an Smith, der passt den Quaffel rüber zu einem der Treiber, der den Quaffel mit seinem Schlagstock zum Tor katapultiert und er ist drin!!! 80 zu 50 für Hufflepuff. Ob das ein regelkonformer Spielzug war, ist gerade irrelevant, genial war er allemal. Sie haben den Spielstand aktualisiert, Snape?"
„Ja.", knurrte der Angesprochene, „Und es heißt Professor Snape." Doch die Kritik prallte an Ron ab, wie in diesem Moment der Klatscher von Crabbe an Cadwallader.
„Da! Da! Da!" schrie Ron plötzlich und hüpfte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf und ab wie ein Flummi.
„Was ist denn da?" wollte Snape mit geheucheltem Interesse wissen.
„Diggory schießt in einem waghalsigen Sturzflug dem Boden entgegen, während Malfoy weiter um die Torpfosten herumjagt. Wer hat denn nun tatsächlich den Schnatz entdeckt? Wer von beiden vollführt ein Ablenkungsmanöver? Behalten Sie das mal im Auge, Snape…"
„Pro- fess- or Snape."
„Ja, ja. Schon recht. Die Treiber der beiden Mannschaften bieten sich gerade ein Duell der besonderen Art. Sie hauen sich die Klatscher gegenseitig um die Ohren. Ja, ja. Bis einer weint, bis einer weint! Könnte Madame Hooch vielleicht mal dazwischen gehen? Danke! Was machen die Sucher, Professor Snape?"
„Die suchen."
„Und haben sie gefunden und gefangen, was sie suchen?"
„Ääähm… nein."
„Schade. Also, weiter im Text. Die Hufflepuffs sind schon wieder in Quaffelbesitz. Diesmal versucht es Cadwallader mit einem Alleingang. Uhh… Ohne Erfolg. Da hat ihn ein Klatscher voll erwischt. Diggory hat seinen Sturzflug abgebrochen und jagt nun im wilden Zickzack über das Quidditchfeld." Snape begann erneut Ron penetrant am Umhang zu zupfen und jetzt riss dem Jungen endgültig der Geduldsfaden: „Was soll denn das?" verlangte er dann entnervt zu wissen und entzog den Umhangsaum grob Snapes Fingern.
„Ich weiß nicht, ob es Ihnen aufgefallen sein sollte, aber zu diesem Spiel gehören zwei Mannschaften. Wenn es nicht zu viel verlangt ist, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Spielzüge der Slytherins ebenfalls mal kommentieren könnten."
„Was kann ich denn dafür, wenn die nichts Aussagekräftiges leisten?"
Das Publikum unterband durch einen kollektiven Aufschrei sämtliche weitere Frotzeleien. Ron blinzelte verwirrt und suchte verzweifelt nach dem Grund.
„Oh, mein Gott! Ich glaube, Malfoy hat den Schnatz gefangen!" Eine grüne, undefinierbare Zuschauermenge sprang jubelnd auf und auch Snape ließ alle Neutralität fahren und stimmte in den Jubel ein. Auf den ohrenbetäubenden Jubel folgte eisiges Schweigen, als ein verirrter Klatscher Malfoy hart an der Seite traf und der vor Schreck den Schnatz los ließ. Der kleine, goldene Ball verfing sich daraufhin in Cedrics Quidditchumhang, so dass dieser ihn hastig zu ergreifen versuchte und dabei fast das Gleichgewicht verlor. Seine hoch gelobten Flugkünste Lügen strafend schlingerte er mehr schlecht als recht gen Boden und reckte dann die Faust in die Luft, die den Schnatz umklammert hielt. Nun gab es für das Publikum kein Halten mehr. Jubelschreie mischten sich mit Buhrufen, wobei Rons letzte Ansage nahezu völlig unterging: „Endstand 230 zu 50. Hufflepuff gewinnt und steht damit im diesjährigen Finale um den Quidditchpokal von Hogwarts! Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und na ja… Nächstes Jahr haben die Slytherins ja wieder eine Chance. Professor Snape, möchten Sie noch ein paar tröstende Worte an Ihre Schüler richten... Professor Snape?" Doch der Lehrer hatte seine Sachen zusammen gerafft und befand sich schon auf dem Weg zurück Richtung Schloss. „Schlechter Verlierer." stellte Ron für sich selber fest, warf nur einen kurzen Blick auf den Siegerjubel der Hufflepuffs unten auf dem Rasen und folgte seinem Zaubertranklehrer dann, in der Hoffnung in der Menschenmenge Harry und Hermine zu finden.
„Also, ganz ehrlich?" fragte Hermine und legte ihre Schreibfeder neben das Pergament, das sie schon zu ¾ beschrieben hatte. Ron, der soeben einen Schokofrosch verspeiste, nickte nachdrücklich. Hermine setzte sich aufrecht hin und strich sich einige lästige Haarsträhnen aus der Stirn.
„Du warst grottenschlecht."
„Das ist ja wohl eine maßlose Übertreibung, die dem Fass den Boden ausschlägt. Harry, sag du doch auch mal was." wandte er sich Hilfe suchend an seinen besten Freund.
„Na ja…", begann dieser unsicher, „ein Lee Jordan bist du nicht."
„Gut erkannt. Ich bin Ron Weasley und ich habe mein Bestes gegeben."
„Ja, dein Bestes darin dich noch unbeliebter zu machen bei Snape." schoss Hermine trocken zurück.
Beleidigt verschränkte Ron die Arme vor der Brust.
„Okay. Er ist ein wenig beleidigt. Aber doch nicht nur wegen mir."
„Ein wenig beleidigt?", wiederholte Hermine fassungslos, „Ron, er hat dir einen vierseitigen Aufsatz über die Verwendung von Nachtschattengewächsen in der Herstellung von Zaubertränken aufgegeben."
„Aber Euch doch auch." stammelte Ron verwirrt. Seine Freunde warfen sich einen betretenen Blick zu. Vorsichtig schüttelte Hermine dann den Kopf. „Wir müssen nur anderthalb Seiten schreiben."
„Und das alles nur wegen des Quidditchspiels."
„Einem Quidditchspiel, bei dem du keine Möglichkeit ausgelassen hast, dich mit Snape anzulegen. Ron, ein Mikrofon macht dich nicht unbesiegbar."
Mit einem verzweifelten Aufstöhnen ließ Ron den Kopf auf den Tisch sinken.
„Na ja. Versuch es positiv zu sehen.", versuchte Harry seinen Freund zu beruhigen, „Das Schuljahr geht nur noch zwei Monate. Und das nächste Quidditchspiel kommentiert wieder Lee Jordan." Beleidigt ergriff Ron seine Schreibfeder und hoffte, dass das Schuljahr schnell vorbei ginge, damit Snape nicht allzu viele Möglichkeiten bekäme, ihm noch längere Aufsätze aufzudrücken und damit seine Mitschüler diese Blamage schnell vergäßen.
Ende
