2.Rising and Falling

Severus Snape, renommierter Professor in Hogwarts, fühlte sich besser, als er sich je während der letzten zwei Jahre gefühlt hatte. Er nahm einen Schluck von dem dunklen Rotwein und genoss den Geschmack und das Gefühl der Wärme, das sich in seinem Magen ausbreitete. Er hatte es so lange nicht gewagt Wein zu trinken.

Vor drei Monaten kam Dumbledore mitten in der Nacht in seine Räume, um ihn darüber zu informieren, dass Voldemort nun über seinen Verrat Bescheid wüsste und dass ab sofort keine Notwendigkeit mehr bestünde, sich als Todesser auszugeben und an den Treffen teilzunehmen. Danach hatte er sich umgedreht und war gegangen.

Snape hatte schon immer gewusst, dass er nicht die einzige Informationsquelle für Dumbledore war und dass der alte Zauberer andere Wege hatte an Informationen zu kommen, die seine Vorstellungskraft bei Weitem überstiegen. Er hatte ihn vorher nie danach gefragt, aber in dieser Nacht, war da ein Ausdruck in Dumbledores Augen, eine Verzweiflung und Müdigkeit, der ihn dazu bewegte nachzufragen.

„Wer hat mich verraten, Albus?"

„Freue Dich, Severus", war seine einzige Antwort gewesen. „Freue Dich, dass alles vorbei ist."

Der Schulleiter jedoch, hatte nicht glücklich ausgesehen.

Severus nahm sich einen Bissen von dem Dinner, welches die Hauselfen so exzellent wie immer zubereitet hatten und musste ein Lächeln unterdrücken, das sich gerade auf seine Lippen schlich.

Am Anfang war er verloren gewesen. Als die große Bürde, zu spionieren, von seinen Schultern genommen worden war, fühlte er sich nackt und unnütz. Er war nun in größerer Gefahr als jemals zuvor. Jeder Anhänger Voldemorts würden ihn tot sehen wollen und ungeachtet dessen, was Dumbledore glaubte, war die Schule nicht gerade ein Ort, den man als sicher bezeichnen konnte. Eltern die Schüler besuchten, Schüler die mit den Ideen der Todesser sympathisierten – hinter jeder Ecke lauerten potentielle Feinde.

Trotzdem ging er weiter Nacht für Nacht durch die Schule, nur von den Schatten und dem Flüstern der Portraits begleitet. Vielleicht tat er es aus einem leichtsinnigen Bedürfnis heraus, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Vielleicht aber auch deshalb, weil er dieses Leben nicht weiter führen wollte.

Aber dann, nach einigen Wochen der Rastlosigkeit, des Herumwanderns und Fluchens, wachte er eines Morgens auf und verstand, was für ein Narr er gewesen war. So sehr er den Verräter, den wertlosen Bastard in ihrer Mitte auch verachtete, der ihm das angetan hatte, er hatte Severus – ohne es zu wollen- ein neues Leben geschenkt. Er war frei. Er konnte nun das Leben führen, das er leichtsinniger Weise vor vielen Jahren aufgegeben hatte, als er sich Voldemort anschloss.

Nach den Jahren, die er sich in der Dunkelheit verborgen hatte, öffnete er nun wieder die Augen und was er sah, war eine Welt voll Schönheit, eine Welt, die es wert war in ihr zu leben. Die Freuden, die er sich so lange versagt hatte, waren ihm nun wieder vollständig zugänglich. Es war eine Offenbarung für ihn Freundschaft, Komfort, die Freude an Wissen, die reiche Welt seiner Sinne und das Vergnügen, all das, ohne das Gefühl der Schuld und ohne Angst genießen zu können. Dieses Stew zum Beispiel ...

Ein Schmerz in seiner Seite riss ihn aus seinen Gedanken. Filius Flitwick, der neben ihm am langen Lehrertisch saß, lehnte sich zu im herüber und flüsterte:" Dein Gesicht tut Dinge, die sicher nicht von unserem grüblerischen Zaubertrank-Meister erwartet werden, Severus."

Wie er zu spät feststellte, hatte er wieder angefangen zu grinsen,. Die Schule war voll von Gerüchten, dass der schmierige Schwachkopf nun vollständig verrückt geworden war. Lächelnd wegen nichts, während er nur am Fenster stand und plötzlich nicht einmal ansatzweise versuchte, den Häusern Punkte abzuziehen.

Aber sie konnten auch nicht ahnen, wie gut es sich anfühlte in der Wärme der Sonne zu baden.

Severus lächelte noch einen Moment lang und nickte dann Flitwick zu, bevor er wieder den finsteren Blick des immer gefürchteten Zaubertrank-Meisters aufsetzte. Es würde nicht mehr vor seinen Schülern passieren – ein menschlicher Severus Snape wäre für sie alle ein tödlicher Schock.

Während er sich wieder mit seinem Stew beschäftigte, schweiften seine Augen ab.

Das Abendessen in der großen Halle war eine genauso laute Angelegenheit wie jedes andere Essen auch, mit Schülern, die so laut redeten und lachten, wie sie nur konnten und manchmal sogar von Tisch zu Tisch rannten.

Einzig die Siebtklässler sahen ein bisschen kleinlaut aus. Fast noch neun Monate bis zu ihren Examen, und sie machten sich trotzdem jetzt schon verrückt. Nicht dass das sonderlich schwierig war. Severus hatte schon immer vermutet, dass Teenager normalerweise am Rande des Wahnsinn standen, aber es würde schwierig werden, das Jahr über mit ihnen zu überstehen, wenn sie sich jetzt schon verrückt machten.

Seine Augen blieben am Gryffindor - Tisch hängen, wo sich die verlorenen zwei Überbleibsel des Goldenen Trios leise unterhielten. Der leere Platz zwischen ihnen zeugte von der Abwesenheit des einzigen Gehirns, das sie besaßen. Miss Granger verpasste wieder mal ein Essen und war sicher über Nachforschungen oder ein freiwilliges Projekt in der Bibliothek gebeugt.

Er hatte sie gestern gesehen, als sie gerade zügig ein überdimensional großes Buch verschlang. Die dunklen Ringe unter ihren Augen und die gebogene Linie ihrer Schultern verrieten ihre Müdigkeit. Für einen Moment hatte Severus den irrwitzigen Gedanken, sich zu ihr zu setzen und ihr zu sagen dass sie nicht so hart arbeiten und stattdessen ihr Leben genießen sollte, doch er verwarf den Gedanken schnell wieder. Dann wäre sie wahrscheinlich wirklich ohnmächtig geworden.

Das Granger - Mädchen hatte sich auch verändert. Ihre Arbeit war seit Anfang des neuen Jahres wie immer fehlerlos gewesen, jedoch hatten ihre Aufsätze Einiges an epischer Qualität verloren und ihre Mitarbeit in der Klasse hatte sich auf ein bis zwei wohl formulierte Kommentare reduziert. Vielleicht hatte die kleine Know-it-all doch noch herausgefunden, wie das Leben wirklich lief.

Er grinste. Die Musterschülerin zeigte doch noch menschliche Züge. Das würde ihm genug Stoff geben, um Minerva noch bis ins nächste Jahrhundert damit aufzuziehen.

Er wandte sich nach links, wo Remus Lupin dabei war sich eine lächerliche Menge Essen auf den Löffel zu schaufeln. Nach dem Fiasko im Ministerium, was unter vorgehaltener Hand die „Umbridge - Idiotie" genannt wurde, hatten Fuge und seine Gefolgsleute die Störenfriede gestoppt. Die Eltern hatten am Ende realisiert, dass, was auch immer passierte, Dumbeldore der beste Mann war, um damit fertig zu werden. Nachdem Lucius Malfoy und viele andere Todesser-Eltern aus dem Rennen waren, gab es keinen weiteren Protest gegen Lupins Rückkehr als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste und die enthusiastischen Reaktionen der Schüler waren die Bestätigung für die Entscheidung des Schulleiters.

„Bereit für einen neuen Test?"

Lupin nickte, kaute aber noch einen Moment weiter.

„Lass mich nur das exzellente Stew zu Ende essen, Severus. Um dem Imperius zu wiederstehen, brauche ich einen vollen Magen."

Sie hatten angefangen an einem besseren Weg herum zu experimentieren, dem Imperius Widerstand entgegen zu bringen. Die Wirkung sollte mit Hilfe eines Tranks verstärkt werden, den Severus während der letzten Monate angefangen hatte zu entwickeln. Wieder in der Lage zu sein, zu seiner wissenschaftlichen Arbeit zurückzukehren und sich in Experimente und Nachforschungen vertiefen zu können, war definitiv ein weiterer Punkt auf der Positiv - Liste seiner neuen Situation. Er nickte, streckte nach einigen Momenten des Zögerns den Arm aus und klopfte Lupin auf den Rücken.

„Ich werde mit den Vorbereitungen anfangen. Wir treffen uns in einer halben Stunde."

Er grüßte die restliche Lehrerschaft mit einem Nicken und verließ den Tisch und die große Halle, wobei seine Robe wie ein großes dunkles Tier hinter ihm herwehte.

--

„Sie macht es schon wieder! Ich hasse es wenn sie das tut!"

Ron rannte schon wieder hin und her. Harry hätte gern den Boden des Gemeinschaftsraumes auf Zeichen extremer Abnutzung überprüft, wenn er nicht genau so wütend, ärgerlich und besorgt wie Ron gewesen wäre.

„Ich verstehe das nicht!", wiederholte Ron immer und immer wieder, „Ich meine, sie ist nicht in der Bibliothek und nicht in ihrem Zimmer. Wir haben mindestens hundertmal geklopft, und sie müsste antworten, es könnte immerhin ein Schüler in Not sein!"

Hermine war, nicht wirklich überraschend, in diesem Jahr zur Schulsprecherin geworden,und neben den Privilegien nun die Verbotene Abteilung der Bibliothek benutzen zu dürfen und durch die Korridore zu laufen wann immer sie wollte, hatte sie ein eigenes Zimmer bekommen, das mit einer Öffnung zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors und einer zum Korridor daneben versehen war.

„Du verhältst dich aber nicht gerade wie ein Schüler in Not, Ron", kommentierte Harry trocken. Gegen ihre Tür schlagen und – „Öffne die verfluchte Tür, Hermine Granger, oder ich bringe Deine Katze um!" – ist auch nicht gerade der beste Hilfeschrei."

Ron kam vor Harry zum Stehen und starrte ärgerlich auf seinen Freund herunter.

„Machst du dir denn gar keine Sorgen?"

„Doch. Natürlich mache ich mir Sorgen,"seufzte Harry, „aber wir können sie nicht dazu zwingen mit uns zu reden. Offensichtlich will sie alleine sein, und daran können wir rein gar nichts ändern."

„Wir sind ihre Freunde. Sie sollte uns alles erzählen. WIR erzählen ihr ALLES, verdammt noch mal!" ergänzte Ron

„Wenn wir wenigstens die Karte des Rumtreibers hätten", Harry starrte ärgerlich auf den Kamin, als ob er über eine Möglichkeit nachdachte, ihn zu verzaubern.

Die Karte des Rumtreibers, ein unbezahlbarer Wegbegleiter für so viele Jahre des Dummheiten - machens und Herumstreifens nach Schulschluss, war am Ende des letzten Jahres ein Opfer der Flammen geworden. Sie hatte auf einem Tisch nahe des Kamins gelegen, als Hermine daran vorbei gelaufen war und sie versehentlich mit dem Saum ihres Mantels in die Flammen gefegt hatte.

Harry und Ron waren zunächst misstrauisch – Hermine war immer schon dagegen gewesen, dass sie sie besaßen- aber es tat ihr so aufrichtig leid, dass sie ihr schließlich geglaubt und ihre aufrichtigen Entschuldigungen angenommen hatten. und außerdem konnten ihre schauspielerischen Fähigkeiten wohl kaum so gut sein.

Harry seufzte wieder. Die Karte hätte ihnen Hermines Aufenthaltsort auf jeden Fall gezeigt, doch nun hatten sie keine andere Möglichkeit außer zu warten und sie zu befragen, wenn sie wieder da war.

„Steht Neville immer noch Wache vor dem anderen Eingang?", fragte er Ron.

„Ich werde mal nachschauen."

Ron stieg einige Minuten später zurück in den Gemeinschaftsraum und nickte zufrieden. „Sie hat keine Möglichkeit um ihn herum zu kommen", berichtete er, „Neville ist genauso entschlossen wie wir."

„Dann können wir jetzt nichts mehr tun. Lust auf eine Runde Schach?", fragte Harry und erntete das erste Lächeln an diesem Abend.

Fünf Stunden später, als sie Hermine schon beinahe aufgegeben hatten und so müde waren, dass es schon zu anstrengend war die Augen aufzuhalten, sprang das Portraitloch endlich auf.

Eine sehr geschaffte und knurrige Hermine betrat den Gemeinschaftsraum.

„Hermine!", Rons enthusiastischer Schrei lies sie zu Seite springen. Ihre Hand zuckte zu ihre Tasche bevor sie mitbekam wer sie so überrascht hatte, aber als sie Ron und Harry sah, warf sie ihren einen entnervten Bilick zu.

„Solltet ihr nicht schon lange im Bett sein?" fragte sie und wollte sich einen Stuhl nehmen, doch bevor sie ihn erreichen konnte schwankte ihr Schritt und sie musste sich selbst abfangen,indem sie sich gegen eine Wand lehnte.

„Geht es dir gut Mine?"

„Ja Harry, danke. Ich bin nur ein bisschen müde."

„Warum bist du dann solange weg gewesen? Und wo?" verlangte Ron wütend zu erfahren," Wir haben stundenlang versucht dich zu finden."

„Dann habt ihr beide also Neville vor meiner Tür stationiert! Er ist übrigens eingeschlafen. Einer von euch sollte raus gehen und ihn reinholen."

Sie erreichte endlich das Sofa und ließ sich vorsichtig nieder. Sie bewegt sich wie eine alte Frau bemerkte Harry auf einmal und seine Sorge um Hermine erreichte ein neues Level. Sie war so immer so energiegeladen gewesen, doch nun sah sie auf eine befremdliche Art und Weise verbraucht und erschöpft aus.

„Ist wirklich in Ordnung mit dir?"

Er setzte sich neben sie und nahm ihre Hand, „Wir sind nur besorgt, Hermine. Du verbringst immer weniger Zeit mit uns, wir können dich Ewigkeiten nicht finden und du siehst nicht gut aus. Denkst du nicht du übertreibst es ein bisschen mit der Schularbeit?"

Sie seufzte, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen, als Ron sich auf ihre andere Seite setzte und ihr einen dieser Hundewelpenblicke zuwarf, die alle Mädchenherzen im Gryffindorturm zum Schmelzen brachte.

„Ich bin wirklich okay, Jungs", beruhigte sie sie, „aber da gibt es ein spezielles Projekt, an dem ich gerade arbeite – stöhnt nicht so! – und Professor McGonagall wollte nicht, dass ich es irgendjemandem erzähle. Tatsache ist, dass sie mich als Lehrling genommen hat und weil sie das offiziell nicht tun darf bevor wir unseren Schulabschluss gemacht haben, sollte es keiner wissen.

„Hermine das ist toll!"

„Glückwunsch!"

„Danke, aber haltet das geheim, verstanden?"

Plötzlich fanden sich die beiden Jungen in einer starken Umarmung wieder. Für einen Moment schmiegte sie sich an sie und drückte sie so fest, wie sie konnte, ließ sie dann los und stand auf.

„Es tut mir wirklich leid, dass wir so wenig Zeit zusammen haben, aber Ihr versteht doch, dass dieses Projekt sehr wichtig für mich ist, oder? Ich muss es tun und wenn ich manchmal ein bisschen müde aussehe, dann ist das ein Preis, den ich gerne zahle. Nebenbei, würde Professor McGonagall mich nichts tun lassen, was schlecht für mich wäre, oder ?"

Sie nickten, und nach etwas Small - Talk über die Schule und Seamus neue Freundin verließen Harry und Ron den Gemeinschaftsraum, um in ihren Schlafsaal zu gehen. Ron schien ganz zufrieden mit ihrer Erklärung zu sein, doch Harry fühlte, dass da etwas nicht so ganz stimmte. Sie sah so verzweifelt aus, als sie ihnen die Geschichte auftischte, zu verzweifelt, um es komplett glaubhaft zu machen.

Aber er kannte Hermine gut genug, um zu wissen, dass sie dicht machen würde, wenn er zu eindringlich nachgefragte. Bevor sie gingen, schaute Harry zurück und seine Augen fanden Hermine, die sie mit einem eigenartigen Ausdruck im Gesicht betrachtete. Schmerz, Liebe und irgendetwas anderes waren zu einem Ausdruck gemischt, der sein Herz schmerzen ließ. Er würde diese Nacht nicht gut schlafen.

--