Ich hatte mich gerade hin gelegt, als sich die Tür öffnete, da sah ich auf. Schwester Evans stand vor mir, ihr Gesicht war ganz rot. „Oh – V – Verzeihung.", stotterte sie ein bisschen. „Ich wusste nicht-"
„Schwester Evans?", hielt ich sie auf, denn sie hatte sich schon wieder umgedreht. Sie wandte sich wieder zu mir und schluckte. „Was ist mit Ihnen?", fragte ich sie behutsam. Überrascht stellte ich fest, dass sie weinte.
„I – ich...", stotterte sie wieder.
„Was?", fragte ich, dabei richtete ich mich jetzt auf.
„Ich schätze, ich hatte es verdient.", flüsterte sie. „Ich hätte einfach tun sollen, was er sagte.", aber dann schluchzte sie erbarmungswürdig auf.
„Was wer sagt?"
„H – Heiler B – B – Black.", brachte sie gerade so hervor, dann vergrub sie ihr Gesicht in ihren Händen.
„Setzen Sie sich einen Moment."; bat ich sie besorgt, aber darauf reagierte sie nicht, da stand ich endgültig auf und griff nach ihrer Hand, um sie mit mir zum Bett zu ziehen. Sie reagierte kaum, als ich sie herunter drückte und mich neben sie setzte. „Schwester Evans, was ist passiert?", fragte ich sie ruhig.
„W – wir haben einen Patienten behandelt, er...", sie schnappte jetzt ein bisschen nach Luft, sodass ich meine Hand auf ihre Brust legte, um ihren Herzschlag zu fühlen. Er ging viel zu schnell, auch ihr Puls raste, als ich ihn fühlte. Seufzend stand ich auf und reichte ihr die Papiertüte, in der Marlene mir die Reste von vor ein paar Tagen eingepackt hatte, damit sie in diese hinein atmen konnte.
Als sich ihr Atem beruhigt hatte, da räusperte ich mich. „Was ist passiert?", fragte ich noch einmal.
„Wir haben einen Patienten behandelt.", flüsterte sie etwas verstört. „Und Heiler Black wollte ihm einen Trank gegen die Schmerzen verabreichen, aber er war allergisch gegen Mumienstaub und als ich das gesagt habe, da hat er mich angeschrien, dass er das wüsste und deshalb den Trank mit der geringsten Menge Mumienstaub genommen hat. Er könnte ihn ja kaum einfach leiden lassen.", stotterte sie ein bisschen. „Aber es gibt ja welche ganz ohne Mumienstaub und ich dachte nur, wenn man eine allergische Reaktion vermeiden kann, dann...", sie stöhnte und vergrub ihr Gesicht wieder in ihren Handflächen.
Überrascht stellte ich fest, dass ich ihre Haare streichelte, da zog ich meine Hände zurück. Jetzt also... „Schwester Evans, ich bin wirklich beeindruckt von Ihnen.", begann ich zögerlich.
„Sie werden mich feuern.", flüsterte sie.
„Davon bin ich weit entfernt. Ich will nur ein kurzes, ermahnendes Gespräch mit Ihnen führen. Ich meinte das ernst, Sie haben mich in dem Monat, den Sie jetzt hier sind, bereits mehr als einmal beeindruckt.", erklärte ich ernst. „Aber Heiler Black ist – nun, er ist Ihr Vorgesetzter und ich schätze, er wird bedacht haben, was er tut. Sie haben seinem Urteilsvermögen zu vertrauen.", sie seufzte.
„Aber – aber es ist so unangenehm! Ich bin selber gegen Mumienstaub allergisch, 'ich' hätte lieber die Schmerzen, als eine allergische Reaktion zu riskieren.", erklärte sie. Ich zog meine Augenbrauen herauf.
„Was passiert bei Ihnen, wenn Sie zu Mumienstaub zu sich nehmen?", fragte ich sie interessiert. Sie wurde knallrot.
„Ich – uhm... Nun, ich schwelle an.", flüsterte sie verlegen. „Und das ist sehr schmerzhaft, weil die Haut sich verzieht und die Knochen unter dem Fleisch eingedrückt werden. Die Blutgefäße werden gequetscht und demnach die Finger und die Zehen schnell taub.", erklärte sie mir.
„Wow.", machte ich. „Das klingt – uh – ja, das klingt unangenehm.", stimmte ich ihr zu.
„Ich habe es nicht einmal unfreundlich gesagt, er ist einfach ausgerastet und hat mich angeschrien und 'Dummes Ding' genannt.", sagte sie dann betreten. Verdammt, was machte meine Hand schon wieder in ihren Haaren? Plötzlich räusperte sie sich. „Ich glaube, ich bin nur müde, normalerweise komme ich besser damit zurecht, wenn er mich so plötzlich anschreit.", überrascht zog ich meine Augenbrauen höher.
„Das ist schon öfter passiert?", hakte ich nach.
„Uh...", sie errötete umso mehr. „Ich – Heiler Potter, ich möchte eigentlich nicht-"
„Antworten Sie mir auf die Frage.", sagte ich ernst.
„Nun, ja, ein paar Mal. Aber ich habe damit wirklich keine Probleme.", flüsterte sie. „Es ist okay, Heiler Black kann mich nicht so gut leiden und...", sie zuckte mit ihren Schultern. „Tja, ich habe auch nicht unbedingt das Verlangen danach, dass er mir über den Kopf streichelt und mich lobt. Es ist okay, ich bin nur hier, um meine Arbeit zu machen.", erklärte sie. Ich stöhnte ein bisschen.
„Schwester Evans, darüber würde ich gerne noch mit Ihnen reden.", erklärte ich ihr. Sie wurde rot. „Ich habe gehört, dass Sie häufig nach Ihrer Schicht bleiben oder wieder zurück kommen."
„Ja.", sagte sie rasch. „Weil es immer noch viel gibt, was ich zu lernen habe und-"
„Sehen Sie, ich bin der 'Meister' des Clubs, ich bleibe eh immer hier und ich merke ja, dass Sie sehr wissbegierig sind, aber die anderen Schwestern sagen, dass Sie...", wie sollte ich das ausdrücken?
„Mary hat sich über mich beschwert.", sagte sie und jetzt klang tatsächlich etwas abfälliges in ihrer Stimme mit. „Nun, wenn Sie mir sagen, ich soll mit den anderen spielen, dann werde ich das tun, aber das hält mich nicht davon ab, ihr die Meinung zu sagen, wenn sie vor lauter Quatschen auf einen Schlangenbiss eine Salbe mit Fliegenblutbasis schmieren will! Das ist 'sehr' gefährlich und kann tödlich ausgehen!", ich starrte sie an.
„Sie wollte 'was'?", fragte ich nach. „Sind Sie wirklich sicher? Das ist eine ernste Anschuldigung", aber ich erinnerte mich, dass Alice Lily mehr oder weniger bestätigt hatte.
„Natürlich bin ich sicher, ich weiß so ziemlich alles über Medizin, was ich mit meiner begrenzten Erfahrung wissen 'kann', Heiler Potter! Und ohnehin, es tut mir ja Leid, ihr die Illusion genommen zu haben, aber jeder Blinde sieht, dass Sie kein Interesse an ihr haben. Zumindest nicht so.", schnaubte sie ein bisschen. Ich hob meine Augenbrauen an, da wurde sie rot.
„Und Sie würden das wissen?", hakte ich nach.
„I – ich... Es tut mir Leid, das war schrecklich unangebracht.", flüsterte sie. Ehe ich etwas tun konnte, war sie aufgesprungen und fuhr durch ihre Haare, dann band sie sie neu zusammen und stellte den Wasserhahn an. „Es tut mir Leid, Heiler Potter, ich... Das habe ich so nicht gemeint.", sie hielt ihren Kopf unter Wasser und machte ein erschrockenes Geräusch, vermutlich weil das Wasser so kalt war.
„Schwester-"
„Es steht mir natürlich nicht zu, darüber zu urteilen oder zu reden oder-"
„'Lily'!", sprach ich sie jetzt direkt an, damit sie aufhörte, zu plappern, tatsächlich verstummte sie daraufhin und stellte das Wasser wieder ab. Ihr ganzer Kopf tropfte, da stand ich auf, zog ein Handtuch vom Stapel und legte es um ihre Haare. „Legen Sie sich einen Moment hin.", verlangte ich. Sie gehorchte brav, konnte mich aber nicht mehr ansehen. War das mit dem Wasser eine Art 'Bestrafung' gewesen? „So ist es richtig. Wie lange sind Sie jetzt hier?", fragte ich ruhig.
„Einen Monat und dreizehn Tage.", erwiderte sie.
„Ich meine Ihre Schicht, Lily, wie lange arbeiten Sie jetzt am Stück?", jetzt öffnete sie die Augen und sah gegen die Decke. Ihr Blick huschte von oben, nach unten, während sie angestrengt nachdachte.
„Uhm... Etwa siebzehn Stunden.", antwortete sie schließlich.
„Haben Sie ausreichend gegessen?", sie nickte. „Getrunken?", wieder Nicken, sie schloss die Augen wieder und ich wunderte mich plötzlich, was ihre Augenfarbe gewesen war. „Wann haben Sie das letzte Mal geschlafen?", fragte ich sie besorgt.
„Ich hatte gestern frei.", flüsterte sie. „Ich habe gestern beinahe den ganzen Tag geschlafen.", beantwortete sie schließlich meine Frage. Ich seufzte.
Mein Blick fiel auf meine Armbanduhr. „Ruhen Sie sich etwas aus, Schwester Evans. Ich werde mit Heiler Black reden und ihm eine andere Schwester für heute zuteilen.", sie atmete bereits wieder ruhiger und ich erwischte mich, wie ich erneut über ihre Haare streichelte.
„Das ist schön.", plapperte sie plötzlich wieder, eindeutig nicht mehr bei Sinnen. Da sie das als beruhigend empfand, streichelte ich weiter durch ihre Haare und wartete, bis sie wirklich eingeschlafen war. Einen Moment betrachtete ich sie. So eine hübsche, junge Frau. Sicherlich hatte sie zu Hause einen Freund sitzen, der sich wünschte, öfter krank zu sein, damit sie mehr zu Hause war...
Menschen wie sie, die doch immer so abweisend und kontrolliert und vor allem 'kompliziert' erschienen, waren ja normalerweise ganz anders in ihrem Privatleben. Sanft und zärtlich... Mir kam der Gedanke, dass sie vielleicht gar keinen Freund hatte, weil sie immer so viel arbeitete. Ihre Finger bewegten sich ein bisschen, während sie schlief, da musste ich lächeln. Die Tür wurde geöffnet, ich zuckte zusammen und zog meine Hand endlich aus ihren nassen Haaren.
Glücklicherweise war es nur Remus. Sirius sah das mit den Krankenschwestern viel zu ernst, als das ich von ihm mit einer Krankenschwester hätte erwischt werden sollen. 'Heiler Lupin' jedoch zog nur seine Augenbrauen hoch. „Uh – hey.", grüßte er leise, während er herein kam und seinen Spind öffnete. Ich stand vom Bett auf.
„Hey.", flüsterte ich zurück. „Du bist aber spät dran.", meinte ich dann und warf einen Blick auf die Uhr. „Ist deine Schicht nicht schon gut zwei Stunden fertig?", er seufzte.
„Ich hatte noch so viel Papierkram.", ich holte Luft, da fuhr er sofort fort. „Du kannst nicht immer alles machen, James, Sirius und ich sollten uns eigentlich um unseren eigenen Papierkram kümmern. Du arbeitest so schon viel mehr als wir...", maulte er leise, denn warf er einen Blick auf Schwester Evans. „Was ist mit ihr?"
„Nichts, nichts. Sie muss sich nur ein bisschen ausruhen. Ich schätze, sie ist übermüdet.", erklärte ich.
„Ich bin Sirius eben über den Weg gelaufen, er hat gesagt, sie ist ihm gegenüber aus der Reihe getanzt.", erzählte er mir bereitwillig. Ich seufzte.
„Sie hat gesagt, er hat sie angeschrien und 'dummes Ding' genannt, weil sie ihn darauf aufmerksam machte, dass ihr Patient gegen Mumienstaub allergisch ist und der Schmerztrank aber Mumienstaub enthält", erwiderte ich darauf.
„Die Schmerztränke ohne Mumienstaub wirken nicht so schnell.", gab er zurück.
„Ja, aber was hättest du lieber: Zwei Minuten länger Schmerzen oder eine allergische Reaktion auf Mumienstaub, mit Anschwellen und tauben Gliedmaßen?", fragte ich. Er wurde ein wenig rot. „Und trotz allem: Kein Grund zu schreien und 'dummes Ding' zu sagen, wenn das, worüber sie streiten doch beweist, dass sie Ahnung hat.", fügte ich hinzu.
„James, du scheinst reges Interesse an dieser Krankenschwester zu haben-", sagte er urplötzlich. „Und abgesehen davon, dass ich das interessant finde, weil sie gar nicht dein Typ zu sein scheint, kann ich dir nur dazu sagen, dass sie tabu ist! Du bist ihr Chef, sie ist fast sieben Jahre jünger als du und offensichtlich völlig beziehungsunfähig.", ich schnaubte.
„Ich – 'reges Interesse'? Sie ist eine Krankenschwester und momentan in aller Munde, es ist klar, dass ich mich mit ihr befassen muss, Remus!", maulte ich ein bisschen.
„Du hast ihre Haare gestreichelt!", kam es spontan zurück.
„Sie hatte gerade eben eine Art – uh – Anfall.", verteidigte ich diese Handlung sofort. „Remus, ich mache hier meinen Job, okay? Versuche nicht, mir irgendetwas anzuhängen, ich muss mich um solche Sachen kümmern, ich bin euer Chef.", erinnerte ich ihn. Seine Ohren wurden ein bisschen rosa und er drückte seine Brille zurecht.
„Uh... Du hast Recht.", stellte er dann fest. „Tut mir Leid."
„Nein, du musst dich nicht entschuldigen, Remus, das ist nicht nötig, ich möchte nur, dass dir das klar ist. Ich werde wohl noch ein bisschen länger mit diesem Thema zu tun haben, weil sie eben – uhm – etwas klüger ist, als alle anderen in diesem Haus.", fügte ich hinzu. „Hast du mitbekommen, dass Mary während deiner Schicht einen Patienten mit einem Schlangenbiss behandelt hat? Letztlich?", fragte ich dann.
„Uh – ja, Mr Jenkins. Er hat mir erzählt, dass Schwester Evans und – uhm – Schwester McKinnon sich heftig gestritten haben.", erklärte er dann. „Mary hat wohl die ganze Zeit über irgendeinen Typen geredet, den sie so toll findet. Und plötzlich jaulte Schwester Evans auf und fuhr sie an, dass das die falsche Salbe sei und ob sie keine Augen im Kopf hätte!"
„Also stimmt es, dass Mary die falsche Salbe benutzen wollte?", fragte ich nun, um so viel wie möglich über den Vorfall heraus zu finden.
„Ja, das hat Mr Jenkins mir erzählt.", bestätigte Remus mir auch sofort. „Er sagte, ihm sei aufgefallen, dass die Salbe ganz schwarz war und ich aber immer eine helle Salbe verwende. Alice war zufällig dort, sie wurde knallrot hat er gesagt.", ich nickte. Schwarze Salbe, also...
„Nun, Schwester Evans hat gesagt, Mary wollte eine Salbe auf Fliegenblutbasis benutzen.", er wurde blass.
„Was?"
„Und sie hat gesagt, sie hat über 'mich' gesprochen.", fügte ich hinzu.
„Wow – das... Das ist gefährlich gewesen! Gut, dass Schwester Evans es bemerkt hat...", erklärte er schließlich.
„Ich sage dir, ihr tut ihr alle Unrecht. Sie hat viel mehr Fachwissen als alle anderen hier, sie ist wie – wie-", mir fehlte das richtige Wort, da zog Remus seine Augenbrauen herauf.
„Sie ist wie du.", erklärte er letztendlich. Ich warf einen Blick auf die schlafende Gestalt, dann seufzte ich.
„Unmöglich. Niemand wäre freiwillig wie ich...", meinte ich und ließ ihn alleine.
Sie sahen alle beide mächtig verwundert auf, als ich aus dem Kamin trat. „Störe ich?", fragte ich. Sirius wurde ein bisschen rot, aber Marlene stand sofort auf.
„Nein, gar nicht. Willst du etwas essen?", fragte sie.
„Uh – ja, wenn ich-", sie verschwand in der Küche, wo ich sie mit dem Geschirr rappeln hörte, da setzte ich mich Sirius gegenüber. „Hey.", machte ich.
„Hey.", machte er zurück. „Was gibt's?"
„Ich wollte mit dir über etwas sprechen.", Marlene kam mit einem gefüllten Teller zurück.
„Soll ich gehen?"
„Nein, du kannst bleiben.", sagte ich sofort. „Nein, nein, ich will euch auch gar nicht lange aufhalten, eigentlich, ich weiß, eure freien Montag-Abende sind heilig...", erklärte ich. Marlene lächelte und drückte meinen Arm kurz vor lauter Freude, dass ich 'freiwillig' zu ihnen gekommen war. Ihr entwischte sogar ein breites Grinsen. „Es geht um Schwester Evans. Und Mary. Und dich.", eröffnete ich schließlich. Sirius' Gesicht veränderte sich sofort.
„Ich-"
„Nein, 'ich' möchte reden, du sollst mir nur zuhören.", meinte ich bestimmt. Er verschränkte seine Arme, nickte aber auffordernd. „Ich habe gestern mit ihr geredet, nachdem sie in Tränen aufgelöst in den Gemeinschaftsraum kam.", ich bemerkte sehr wohl, dass seine Wangen rosa wurden, als er einen bösen Blick von Marlene zu spüren bekam. „Hatte euer Patient eine allergische Reaktion?", fragte ich, obwohl ich die Antwort kannte.
„Geringfügig. Er ist etwa eine Kleidergröße angeschwollen, aber es war nicht allzu schlimm.", erklärte er.
„Wie lange hat die Reaktion angehalten?", hakte ich nach, obwohl ich auch darauf die Antwort kannte.
„Etwa eine halbe Stunde, etwas weniger.", gab er mit knirschenden Zähnen zu.
„Und wusstest du, dass Schwester Evans auf Mumienstaub allergisch ist und sich wahrscheinlich mit diesem Thema auskennen würde?", jetzt schüttelte er seinen Kopf. „Und selbst wenn es alles anders gewesen wäre, gäbe es keinen Grund, deine Krankenschwester an zu schreien und 'dummes Ding' zu nennen. Ich möchte dich nicht noch einmal dazu ermahnen müssen, auch mit Schwester Evans 'professionell' um zu gehen, Sirius, egal, ob sie irgendetwas besser weiß als du.", er nickte, sein Kiefer spannte sich an, so wütend wurde er auf mich.
„Ja.", machte er trotzdem.
„Was ihre sozialen Kompetenzen angeht, habe ich mir euren Rat zu Herzen genommen und wollte mit ihr darüber ebenfalls sprechen.", erklärte ich dann. „Aber ich muss sagen, wenn 'mein' Kollege unachtsam ist und Salbe mit Fliegenblutbasis auf einen Schlangenbiss schmieren wollen würde, würde ich auch meine Nerven verlieren.", daraufhin räusperte er sich verlegen.
„W – wollte sie?"
„Remus hat diese Geschichte über den Patient bestätigt bekommen. 'Schwarze Salbe' hat er gesagt, wie viele 'schwarze Salben' gibt es? Braun, ja, aber 'schwarz'?", sagte ich ernst. „Mary ist die Nächste, die darüber etwas hört, ich muss eine Abmahnung schreiben, das wisst ihr, oder?", Marlene fuhr über ihr Gesicht.
„Das hat sie nicht dazu gesagt.", murmelte Sirius jetzt ganz betreten.
„Das kann ich mir denken. Mary hat ihre Ausbildung schon zwei Jahre länger als diese Schwester Evans, ihre Probezeit wurde sogar verlängert und ist erst vor einem halben Jahr beendet worden. Ich würde auch nicht die ganze Geschichte erzählen wollen, wenn dann so ein junges Ding daher kommt und mich in allem übertrifft, was ich mache.", schnaubte Marlene.
„Ich habe sie dazu ermahnt, deinem Fachwissen zu vertrauen, weil du der Heiler bist, Sirius, aber ich bitte dich inständig, demnächst zu überprüfen, was sie sagt! Diese junge Frau hat mehr Fachwissen, als alle anderen ihres Alters und sie hat gerade gestern bewiesen, dass sie manchmal auch einen Heiler toppen kann.", die beiden sahen mich an.
„Wow, die hat es dir aber angetan.", sagte Marlene plötzlich.
„Was? Jetzt fängst du auch damit an!", schnaubte ich aufgebracht. „Sie ist eine Krankenschwester, es ist mein 'Job', mich mit solchen Sachen auseinander zu setzen!", ärgerte ich mich. Sie zuckte überrascht zusammen, weil ich diesen Ton noch nie ihr gegenüber angeschlagen hatte.
„Ich... So habe ich das nicht gemeint.", murmelte sie.
„Nein, tut mir leid, ich bin gereizt.", maulte ich. „Das ist nicht deine Schuld. Ich habe nur gestern schon mit Remus dieses Gespräch geführt. Sie ist 'sieben Jahre' jünger als ich, meine Angestellte und offensichtlich nicht mein Typ. Ich muss mich um sie kümmern, weil das meine Aufgabe ist.", sie nickte sofort.
„Ja, schon gut, ich weiß.", sagte sie sofort. Ich seufzte, dann griff ich nach ihrer Hand.
„Mach das nicht, Marlene.", bat ich sie erschöpft. „Es tut mir Leid.", Sirius fuhr durch seine Haare, während ich seine Verlobte anfasste, sah aber nicht besonders gestresst darüber aus.
Einen Moment schwiegen wir alle, dann räusperte sie sich. „Willst du heute Abend hier bleiben, Jamie?", fragte sie mich. Ich schüttelte meinen Kopf.
„Nein, ich muss noch arbeiten.", erklärte ich. „Übrigens: Hat Mary letztlich mal mit dir über mich gesprochen?", fiel mir noch ein. Sie schüttelte ihren Kopf. „Schwester Evans hat nämlich gesagt, sie hätte in einer Tour von 'mir' geschwärmt.", sie zog ihre Augenbrauen herauf.
„Weißt du, James, dass du keine Augen für Frauen zu haben scheinst, bedeutet nicht, dass die sich nicht nach dir umdrehen.", erklärte sie leise lächelnd. „Auch wenn du es nicht glaubst und auch nicht unbedingt viel dafür tust: Du bist ein sehr begehrter Junggeselle.", meinte sie dann noch grinsend. „Ich hätte dich genommen, wenn du schönere Haare hättest.", ich lachte. Das war glaube ich das erste Mal seit über einer Woche, dass ich richtig lachen musste.
„Ich hasse dich, Marlene...", sagte ich amüsiert.
„Nein, Jamie, du liebst mich...", zwitscherte sie.
„Andromeda ist auch ein bisschen in dich verknallt.", mischte sich Sirius ein. „Ich glaube fast 'alle' sind in dich verknallt. Du musst dir nur eine aussuchen, die dir genug gefällt.", ich schnaubte.
„Am besten eine, die 'nicht' unter mir arbeitet...", sagte ich sarkastisch.
„Aber eigentlich willst du doch eine von 'unter dir', oder?", grinste er breit.
„Irgendwann wird eine kommen und ich werde mich in sie verlieben.", meinte ich nur noch. „Und jetzt lasst uns über etwas anderes sprechen..."
„Kommst du zur Hochzeit?", fragte Marlene.
„Himmel, verschont mich doch.", verlangte ich.
„Alice hat mir geschrieben, wir haben uns getroffen, sie hat die ganze Zeit geheult und-"
„Marlene, lass uns über etwas anderes sprechen, ich habe schon mit Sirius über dieses Thema gesprochen und wir wurden uns nicht einig.", sagte ich. Sie verzog ihr Gesicht. „Ja, das war, als er mich beim wichsen unterbrochen hat.", ärgerte ich sie.
„Oh Mann...", machte sie. „Jamie, du müsstest nicht wichsen, wenn du zur Hochzeit kämst und dort eine Freundin findest.", riet sie mir. „Dann hättest du endlich jemanden, der für dich wichst.", ich lachte wieder ein bisschen.
„Ich brauche niemanden, der für mich wichst, Marlene, ich bin rundum glücklich, okay? Ich habe zwei gesunde Hände und meinen Job. Ich liebe meinen Job!", ermahnte ich sie jetzt.
„Dein Job wird dir keine Kinder gebären.", sagte sie.
„Ich mag keine Kinder, darum liebe ich meinen Job.", gab ich zurück.
„Und deine Wohnung? Hast du mittlerweile mal eins der Regale aufgestellt, die wir gekauft haben, als du vor sieben Jahren dort eingezogen bist?", ich stöhnte.
„Ich hatte noch keine Zeit.", sagte ich verlegen, woraufhin sie schnaubte. „Was? Und wozu auch? Es ist wahrscheinlich, dass ich jetzt eher ausziehen würde, bevor ich die Bücher alle ausgeräumt habe, warum also alles aus den Kisten raus holen? Damit ich es wieder einpacken muss, wenn die Wohnung zu klein wird?", sie schnaubte wieder. „Lass das."
„Lass was?"
„Dieses abfällige Schnauben von gerade, lass das, ich mag dieses Geräusch gar nicht. Du bist nicht meine Mutter, richtig?", daraufhin schwieg sie betreten. Sirius sah jetzt nur noch auf seinen Teller, da seufzte ich tief. „So habe ich das nicht gemeint, das wisst ihr.", sagte ich todernst. Beide nickten. „Seht mal, ich 'weiß', dass ihr euch Sorgen um mich macht, aber mir geht es wirklich gut.", versprach ich.
„Aber-"
„Nein, mir geht es gut!", betonte ich wieder. „Wenn sich das ändert und ich einsam bin, dann werdet ihr das daran merken, dass ich mehr Zeit hier verbringe, dann dürft ihr das Thema wieder aufgreifen, aber bis dahin hört bitte auf, mich unter Druck zu setzen. Ich habe gerade alles, was ich brauche. Und wenn mir nach Gesellschaft ist, dann komme ich zu 'euch'. Ihr seid meine Familie, okay?", nachdem ich den letzten Satz ausgesprochen hatte wurden Marlenes Augen feucht und sie nickte, dann stand sie auf und drückte meinen Kopf gegen ihren Oberkörper.
„Ich verspreche, dich nicht mehr damit zu ärgern.", sagte sie.
„Dankeschön.", meinte ich nur zurück. Sie ließ mich los und räumte die leeren Teller ab, da stand ich auf. „Ich lasse euch beide mal lieber alleine. Ich habe noch so viel Arbeit und so...", erklärte ich einfach und Sirius stand auf.
„Gut, dass du hier warst, James. ...ich – uhm – ich werde auf meinen Umgangston mit Evans achten.", versprach er mir.
Sie lag stöhnend und ächzend auf dem Bett, als ich herein kam und sah auf, als ich die Tür schloss. „Oh – Heiler Potter, ich-"
„Bleiben Sie ruhig liegen.", meinte ich und legte mich einfach direkt neben sie. Das war für gewöhnlich untersagt, aber ich fand, in Anbetracht der Tatsache, dass ich der Chefheiler war und mir niemand die Leviten deswegen lesen konnte, würde ich es jetzt trotzdem machen.
„Wonach riechen sie?", fragte sie plötzlich. Ich stöhnte.
„Uh – Magensaft. Und Kotze.", sagte ich. „Wieso? Wonach riechen sie?"
„Fruchtwasser.", ich schnaubte ein bisschen.
„Ah.", machte ich. „Ja, Heiler Black hat so etwas erwähnt. Verstecken Sie sich?", fragte ich dann. Sie fuhr über ihr Gesicht und stöhnte.
„Ich wünschte, ich würde mich in Luft auflösen.", erklärte sie. „Sie ist uns einfach weg gestorben...", ihre Stimme zitterte, da griff ich nach ihrer Hand.
„Das Baby hat überlebt, das wird Mr Johnson ein Trost sein.", sagte ich beruhigend. Darauf antwortete sie nicht. Als ich meine Augen wieder öffnete und sie an sah, da hatte sie ihre Augen selber zusammen gekniffen und weinte leise. Es sah aus, als wäre es schmerzhaft, ihr Schluchzen zu stauen. „Schwester Evans-"
„Ich weiß.", atmete sie aus. „Ich weiß, ich darf das nicht an mich heran lassen, bloß keine Gefühle zeigen, aber-"
„Nein, darum geht es nicht.", unterbrach sich sie. „Sie 'sollen' sogar Gefühle zeigen, Miss Evans, das ist eine Aufgabe, die 'Menschen' leicht fällt. Sie sollen Gefühle zulassen können. Trost, Mitleid, Verständnis – niemals Schuld."
„Aber-"
„Habe Sie einen Fehler gemacht?", sie schüttelte ihren Kopf. „Unüberlegt gehandelt?"
„Nein...", jammerte sie. Ich richtete mich auf und zog sie dabei mit mir hoch. „Nein."
„Miss Evans, wir können nichts dagegen tun. Wir können immer nur unser Bestes geben und ich bin mir sicher, Sie haben Ihr Bestes gegeben, um diese Frau zu retten. Das 'Schicksal' hat die Zügel in seiner Hand und wir können keinen Einfluss darauf nehmen, was geschieht.", belehrte ich sie. „Trost, Mitleid, Verständnis. Lassen Sie nicht zu, dass 'Schuld' dazu kommt, denn wenn Sie ihr einmal Raum gegeben haben, dann wird sie immer wieder kommen und dieser Beruf wird Sie zerbrechen.", als sie immer noch weinte, zog ich sie in meine Arme.
Das war so etwas von 'verboten'!
Sie war eine Krankenschwester und ich war der Chefheiler, ich sollte eigentlich versuchen, körperlichen Kontakt zu vermeiden. Schon gar nicht mit ihr auf dem Bett liegen und sie umarmen. Aber sie schluchzte auf und schlang ihre Arme um mich, da hüpfte mein Herz urplötzlich und mein Magen zog sich zusammen. Wann hatte sich das letzte Mal eine Frau an mich geklammert, so wie sie es gerade tat? Marlene vielleicht irgendwann mal, kurz nachdem meine Eltern gestorben waren? War das schon wieder vier Jahre her? „Er ist doch noch so klein, er braucht doch eine 'Mutter'!", heulte sie gegen meine Schulter. Ich streichelte wieder durch ihre klebrigen Haare.
„Ich bin mir sicher, dass er das alles noch nicht mitkriegt.", flüsterte ich rau. „Er wird im Krankenhaus bestens versorgt werden und sein Vater wird ihn an sich klammern, wann immer er kann.", versicherte ich ihr dann. „War das das erste Mal?", fragte ich sie, als sie sich ein bisschen beruhigt hatte.
„Ja.", flüsterte sie. „Und die erste Geburt.", ich nickte verstehend. „Leben und Tod liegen direkt beieinander.", flüsterte sie dann.
„Und vergessen Sie das nicht.", bat ich sie. „Miss Evans, das Leben ist nicht immer fair, aber dieses Baby ist sicher und soweit ich weiß gesund zur Welt gekommen. Darüber dürfen Sie 'dankbar' sein.", sie nickte und obwohl da immer noch Tränen über ihre Wangen liefen, musste sie plötzlich lächeln. Ihre Zähne blitzten hervor.
„Er ist ganz süß.", flüsterte sie ehrfürchtig. Ich grinste plötzlich schief. Wir waren uns übrigens unerträglich nah! So nah, dass ich ihren Atem auf meiner Haut spüren konnte und so nah, dass mein Blick für eine Nanosekunde zu ihren Lippen huschte. Hoffentlich hatte sie das nicht gesehen! „Er ist – Heiler Potter, er ist nur so groß.", sie zeigte mir mit ihren Händen, wie groß der Junge war und lehnte sich dabei ein wenig von mir zurück. „Und seine Finger sind ganz, ganz klein.", fügte sie hinzu.
Meine ungezogene Hand war wieder in ihren Haaren. „Durften Sie ihn waschen?", sie nickte.
„Er riecht nach – nach-"
„Karamell.", half ich ihr aus, da nickte sie eifrig. „Wie weit war sie?"
„Sie war erst im achten Monat.", sagte sie. „Darum ist er noch – ich meine... Wow, er ist nur so klein...", ihre Augen waren grün. Nicht grün-braun, so wie die meisten Augen, sie waren ganz grün, durch und durch, die Farbe war dunkel und dick umrandet. Ich hatte noch nie solche Augen gesehen... „Hoffentlich wird er genug in den Arm genommen. Kleine Babys wollen doch bestimmt nur in den Arm genommen werden, oder?", ich lächelte über diesen Kommentar.
„Ich wette mit Ihnen, dass er das nicht mitkriegt, Miss Evans.", versprach ich wieder. „Wir können nicht wissen, was kleine Babys wollen.", meinte ich dann noch sanft. Sie lächelte wieder, aber dieses Lächeln war viel bitterer als das vorher..
„Kleine Babys wollen lieb gehabt werden.", das hatte Mum immer gesagt. Ich lächelte wieder, dann schlang ich wieder meine Arme um sie.
