Ein neues Kapitel! :D

Hoffe es gefällt 3


26. Dezember

Den ganzen letzten Abend hatte Hermione in dem Buch, das Professor Vektor ihr gegeben hatte, gelesen. Jetzt war es bereits später Vormittag und Hermione hatte erst vor ein paar Minuten verschlafen ihre Augen aufgeschlagen. Regungslos starrte sie an die Decke ihres Himmelbettes und genoss die Ruhe, die in ihr selbst herrschte. Dieses unscheinbare Buch mit dem dunkelgrünen Einband und dem simplen Titel ‚Ein Wort für dich' war... Hermione fehlten die Worte. Anders? Unglaublich. Berührend.

Es waren Gedichte, Gedichte von einem Muggelautor. Eines hatte Hermione am meisten berührt, der Titel des Gedichts lautete ‚Zeitkristall'. In Gedanken wiederholte sie es, Wort für Wort:

Zeitkristall,

Tag für Tag.

Ich sehe dich,

in dein Herz.

Zeitkristall

und graue Nacht.

Doch weiß ich,

da bist du.

Zeitkristall,

Tag für Tag.

Ich sehe dich,

in dein Herz.

Hermione wusste nicht genau, warum sie dieses Gedicht so faszinierte. Es war einfach, simpel, nicht herausstechend oder besonders raffiniert. Vielleicht war es auch gerade diese simple Wortwahl des Autors, die seinen Zauber ausmachte. Hatte sie abends das Buch noch aufgeschlagen, um das Geschenkerätsel zu lösen, so hatte sie es wegen dieses Zaubers bis spät in die Nacht nicht weglegen können.

Schweigend verharrte Hermione noch eine geschlagene Stunde so in ihrem Bett, genoss die Wärme, Ruhe und Zufriedenheit. Ferne Worte hallten noch in ihrem Geist nach.

Beim Mittagessen suchte sie nach Professor Vektor, doch diese betrat erst spät die große Halle und belegte einen Platz zwischen Professor McGonagall und Professor Flitwick. Irgendetwas war heute anders mit ihr, das strahlende Lächeln war abwesend und sie hob kein einziges Mal ihren Blick. Hermione versuchte ständig, irgendwie auf sich aufmerksam zu machen, doch... Bildete sie es sich ein, oder ignorierte Professor Vektor bewusst jeden ihrer Versuche um Blickkontakt? Vielleicht hatte sie aber auch nur schlecht geschlafen.

Da sie so spät gekommen war, standen nach und nach alle in ihrer Umgebung auf, bis schließlich nur noch Hermione und sie in der großen Halle zurückblieben. Mittlerweile schaute Hermione nachdenklich zur verzauberten Decke, weiche Schneeflocken rieselten vom weißen Himmel herab, genau wie außerhalb des Schlosses.

Professor Vektor zog das Essen absichtlich in die Länge, doch irgendwann legte sie endlich ihre Gabel ab, die Reste verschwanden auf magische Weise und zurück blieb nur ein sauber glänzender Goldteller. Schweigend schaute sie auf ihn, bis sie seufzend ihren Blick hob und Hermione ansah.

„Miss Granger? Ich nehme an, Sie sind nicht zufällig hier?"

Hermione runzelte die Stirn.

„Nein, bin ich nicht. Eigentlich wollte ich mich nur für Ihren Buchtipp bedanken, doch jetzt... Ist alles in Ordnung mit Ihnen?" Besorgnis schlich sich in Hermiones Stimme.

Professor Vektor lachte kurz auf, klang da Erleichterung mit?

„Ja, danke der Nachfrage! Haben Sie am Nachmittag etwas vor? Wenn nicht, würde ich Sie gerne auf einen Spaziergang einladen. Bei diesem Wetter finde ich die Natur einfach unbeschreiblich schön." Das gewohnte, strahlende Lächeln zierte jetzt wieder ihre Lippen.

Noch war Hermione etwas misstrauisch, da war doch etwas komisch. Doch ein Spaziergang mit Professor Vektor hörte sich wirklich verlockend an.

„Gerne, Professor."

„Dann treffen wir uns in einer Stunde in der Eingangshalle. Ziehen Sie sich warm an!" Schwungvoll stand Professor Vektor auf und ließ Hermione in der großen Halle allein.

Als sie das Schulportal öffneten und heraustraten, schlug ihnen eine klirrende Kälte entgegen. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs legte Professor Vektor einen Wärmezauber über sie. Der Schnee lag kniehoch, jedoch hatte Hagrid vorsorglich einen Weg vom Schloss bis zum See und einmal darum herum frei geschaufelt, dort gingen die Beiden jetzt entlang.

Es war ein herrlicher Tag, zwar bewölkt, jedoch hell und irgendwie freundlich. Sie hatten Glück, es hörte bald auf zu schneien und zurück blieb nur eine glatte, unberührte Landschaft. Durch die weiße Schneedecke wirkten alle Konturen plötzlich weich und rund. Unter ihren Stiefeln knirschte der Schnee, ihr Atem wurde zu weißen Wolken.

„Ach, wie ich dieses Wetter liebe! In meinem Heimatdorf schneit es nie! Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum ich über Weihnachten immer in Hogwarts bleibe." Professor Vektor zwinkerte Hermione an.

„Warum sind Sie eigentlich hier? So weit ich mich erinnere, waren Sie die letzten Jahre immer weg...?" Eine Frage schwang in Professor Vektors Rede mit.

Die schöne, unbeschwerte Stimmung war auf einmal gedämpft. Hermione spürte einen Stich in ihrer Brust, eigentlich hatte sie nicht wirklich Lust darüber zu reden, aber andererseits... warum nicht? Vielleicht würde es ja ganz gut tun, es einmal loszuwerden.

„Hm, ja. Ich war immer mit meinen zwei besten Freunden bei der Familie von einem der beiden, Ron." Traurig schaute Hermione auf den zugefrorenen See und hatte plötzlich große Lust, dem Riesenkraken da unten Gesellschaft zu leisten. ‚Bestimmt war auch so ein Riesenkrake irgendwann mal einsam', dachte sie und musste darüber sogar grinsen. Was machte sie sich über Riesenkraken Gedanken...

Sie wandte ihren Blick wieder Professor Vektor zu, die sie neugierig beobachtete.

„Ich nehme mal stark an, der ‚Andere' ist Harry Potter. Von euch drei hört man immer mal wieder was, Harry Potter, Ronald Weasley und Hermione Granger, das goldene Trio", lächelte Professor Vektor gutmütig.

Hermiones Herz ging schneller, sie hatte das Gefühl, ihr würden Messer ins Herz gestoßen werden. Ihre Augen wurden glasig, sie schluckte ein paar Mal und starrte auf den glitzernden Schnee. ‚Das goldene Trio', schoss ihr durch den Kopf, ‚das war einmal.'

Doch Professor Vektor merkte nichts von der inneren Wandlung Hermiones, vorsichtig wagte sie wieder eine dieser schmerzenden Fragen. Bis sie rausbekommen hatte, was sie wissen wollte, würde sie wohl nicht aufgeben: „Und warum sind Sie dieses Jahr alleine hier?"

Hermiones Augen begannen mittlerweile beunruhigend zu brennen, schon schlich sich eine Träne auf ihre Wange. Trotzig wischte Hermione sie mit einer raschen Bewegung weg und zischte verstimmt: „."

Professor Vektor zog eine Augenbraue hoch und verzog ihren Mund zu einem sarkastischen Grinsen. „Ist das was zum Essen?"

Hermione seufze zitternd, schaute der Lehrerin direkt in die Augen und sagte laut und deutlich: „Weil ich mit Ronald Weasley Schluss gemacht habe." Wieder rann etwas Feuchtes aus Hermiones Augen.

Ruhig blickte Professor Vektor Hermione an. Sie verzog keine Miene, nicht, als Hermione ihr dies eröffnete und auch nicht, als immer mehr Tränen aus ihren Augen kullerten.

„Ich war ein halbes Jahr mit ihm zusammen, doch eigentlich hatte ich nie wirklich Gefühle. Doch als ich mich dazu durchgerungen habe, es ihm zu sagen", sie schluchzte einmal auf, „war der Grund egal. Jetzt bin ich einfach eine Lügnerin, die mit Gefühlen spielt. Ich bin keine Freundin mehr. Er hasst mich."

Hermione begann zu zittern, ihre Stimme wurde immer leiser. Unbewusst machte Professor Vektor einen Schritt auf sie zu.

„Und Harry? Wie steht er dazu?"

„Der ist Rons Freund."

All die angestaute Traurigkeit und Einsamkeit kamen mit einem Mal in Hermione hoch, sie schluchzte jetzt ungehemmt, die Tränen flossen. Ihr Gesicht versteckte sie hinter ihren Händen, für einen Moment schwankte sie.

Da gab sich Professor Vektor einen Ruck und schloss sie in ihre Arme. Mit einer Hand drückte sie Hermiones Kopf sanft an ihre Schulter, mit der anderen umschlang sie fest ihren Rücken, wie um ihr Schutz und Halt zu geben. Tröstend strich sie ihr mit kleinen Kreisen über den bebenden Rücken.

Hermione ertrank in ihrer Verzweiflung, doch der warme Körper vor ihr spendete dennoch Trost. Erst nach einer Weile konnte sie sich beruhigen, sie schluchzte nur noch ab und zu und hörte schließlich endgültig auf.

Professor Vektor hielt sie immer noch in ihren Armen, ihre Hand malte Muster auf ihren Rücken. Ein gutes, ruhiges Gefühl breitete sich nach und nach in Hermione aus, sie war zwar noch immer traurig, doch irgendwie verschwand die Verzweiflung und Einsamkeit in den Hintergrund. Sie fühlte sich müde und träge, und schloss leicht lächelnd wieder ihre Augen.

Sie verscheuchte alles aus ihren Gedanken, was mit Harry und Ron zu tun hatte; sie wollte nur noch den Moment genießen. Professor Vektor roch gut, so vertraut, eine sanfte Süße und Frische, ein wenig nach Pfefferminz. Sie fühlte sich gut an, ihr Körper war weich und bot Hermione Geborgenheit und Wärme. Irgendwie war alles richtig.

Als die Schwere der Trauer von Hermione abfiel, begann ihr Körper langsam auf die Berührungen der anderen Frau zu reagieren. Die Kreise und Muster weckten Schauer, die durch Hermione rieselten und ihr Herz schneller schlagen ließ. Hermione spürte die leichten auf- und ab Bewegungen der Brust unter ihrem Kopf, schlagartig wurde ihr bewusst, dass ihre Wange auf nackter Haut lag. Der Schal war wohl so verrutscht, dass sie Professor Vektor direkt in den Ausschnitt geweint hatte.

‚Na super', dachte Hermione und errötete. Doch ihre Scham wurde von einem ganz anderen Gefühl überdeckt: Sie wurde immer sensibler, ihr Körper reagierte noch mehr auf die Zärtlichkeiten und ihr Herz raste mittlerweile.

Was, wenn sie...- nein. Professor Vektor war ihre Lehrerin! Sie konnte sie nicht küssen, das durfte sie nicht!

Doch dann erschienen wieder Rons und Harrys Bilder in ihrem Kopf, ihr Verstand setzte aus und sie setzte einen vorsichtigen Kuss auf die wunderbar riechende Haut Professor Vektors.

Kurz verkrampfte sich deren Hand auf Hermiones Rücken, dann wurde auch sie von einem Schauer durchzuckt. Hermione küsste ihren Hals nochmals und umschlang den Hals ihrer Lehrerin, die sie auch ihrerseits fester an sich zog.

Hermione übersäte jede freie Stelle mit Küssen und wanderte langsam an Vektors Hals hoch. Professor Vektors Atem beschleunigte sich, ihre Hände verkrampften sich um Hermiones Umhang.

Dann war es plötzlich soweit, Hermiones Lippen schwebten über denen der Lehrerin, ein kurzer Blick in ihre wunderschönen braunen Augen und dann...

Kurz bevor sich ihre Lippen berührten und der Trommelwirbel in Hermione seinen Höhepunkt erreichen sollte, zuckte Professor Vektor zurück.

Verwirrt und schuldbewusst blickte sie Hermione an. Dann ließ sie sie wie von der Tarantel gestochen los und trat hastig zurück. Ihre Wangen röteten sich und noch immer ging ihr Atem sehr schnell.

„Hermione..", sagte Professor Vektor stockend, „Ich.. ich kann das nicht. Tut mir Leid." Sie drehte sich um und eilte mit wehendem Umhang zum Schloss zurück.

Wieder blieb Hermione alleine zurück, ein schwarzes Loch schien sich über sie zu stülpen.


*dadadadaaaaaa**dramatische Musik* wie es wohl weiter geht..? und was ist jetzt eigentlich in dieser doofen Schachtel? :-P