Hi meine Lieben!

Hier bin ich also wieder. Wie ich es euch versprochen hatte und voll des Dankes ob der positiven Reaktionen auf die Geschichte.

Es folgt nun ein sogenanntes Zwischenkapitel. Ist im Grunde wie ein normales Kapitel, nur war es am Anfang nicht eingeplant und wurde von mir dann später auf den Wusch eines Lesers hin geschrieben und eingefügt. Es gibt ein paar davon und sie sind daran zu erkennen, dass sie immer einen Titel besitzen.

So, jetzt viel Spaß!


LET ME BE YOUR KITTEN

Wie man die Katze aus dem Sack …äh, vom Schoß bekommt

Mit einem leisen Klicken schloss sich die Tür hinter Albus, Minerva, Poppy und den nur sehr unwillig den Raum verlassenden Gryffindors. Kurz war noch die Geräusche sich entfernender Stimmen und Schritte zu vernehmen, dann herrschte Stille, die nur durch das leise Schnurren des neu verwandelten Katzenmenschen gestört wurde.

Dieser löste nun, da die potenzielle Gefahr in Form der anderen Menschen nun endlich verschwinden war, seinen eisernen Griff von den Roben des Tränkemeisters. Vollkommen entspannt schmolz er geradezu gegen den Brustkorb des Mannes, beide Arme nun locker um seine Taille geschlungen und den Kopf auf seine Brust, genau über den gleichmäßig schlagenden Herzen, gebettet.

Nachdenklich blickte Severus in die Leere, mit seinen Gedanken bei der Frage, wie er Harry am besten wieder von seinem Schoß herunter bekommen konnte. Hermine hatte die Idee gehabt ihn mit irgendetwas zu ködern, dass auf Katzen eine lockende Wirkung besaß, doch wenn er ehrlich war, dann glaubte er nicht, dass diese Idee große Erfolgsaussichten hatte. Das wäre zu leicht.

Bei Harry Potter war niemals etwas leicht. Oh nein! Harry Potter war einer jener Menschen, die die der Lage waren auf einer vollkommen ebenen Fläche den einzigen Stein zu finden und über diesen zu stolpern. Er war einer dieser Menschen, die an einem sonnigen Tag vom Blitz getroffen wurden.

Zu glauben, das gerade er einem einen leichten Ausweg bieten würde, war wie daran zuglauben, dass Fudge eines Tages so etwas ähnliches wie Kompetenz entwickeln würde. Reinster Wunschglaube. Ein Zeichen geistiger Umnachtung.

So gesehen eigentlich kein Wunder, dass der Direktor von der Idee begeistert gewesen war.

In seinen Gedanken gefangen bemerkte Severus nicht einmal, wie seiner Finger von ganz alleine wieder ihren Weg in das weiche Fell des immer noch um sein Handgelenk geschlungenen Katzenschwanzes gewandert waren und nun sanft durch dieses hindurch fuhren.

Erst als der Junge auf seinem Schoß sich zufrieden Seufzend noch ein wenig enger an ihn schmiegte und etwas Unverständliches murmelte, schreckte er aus seinen Gedanken hoch. Realisierend was er da machte, ließ Severus von dem Fell ab. Harrys unzufriedenes Murren ignorierend zog er seinen Zauberstab.

Ich kann es genau so gut erst einmal mit Grangers Idee versuchen, dachte er, irgendwo muss ich schließlich beginnen und dies ist ein ebenso guter Anfang wie jeder Andere.

„Potter?", sagte er halblaut, dabei hoffend zwar die Aufmerksamkeit des Katzenmenschen zu wecken, ihn jedoch nicht zu erschrecken. Auf eine weitere Begegnung mit seinen Krallen konnte er wirklich gut verzichten.

Nur widerwillig hob Harry seinen Kopf von seiner gemütlichen Position auf der Brust des Tränkemeisters. Schläfrige grüne Augen trafen auf bodenlose schwarze.

Katzenohren zuckten du zeigten an, dass der Junge ganz Ohr war.

Wunderbar, dachte Severus sarkastisch, Jetzt muss er nur noch lernen auch auf das zu hören, was man ihm sagt.

Mit einem Flick seines Zauberstabs ließ er auf dem nächstgelegenen Bett einen riesigen Topf voller Katzengras erscheinen, der beinahe die gesamte Fläche der Matratze einnahm. Wortlos wies er auf die Ansammlung auf dem Bett und ungewöhnlich gehorsam drehte Harry den Kopf um sich das beschworene Grün anzusehen. Er schnupperte kurz, allerdings schienen es seine Aufmerksamkeit nicht besonders lange halten zu können, denn nur wenige Augenblicke später wandte er seinen Kopf wieder zu Severus herum. Fragend legte er den Kopf schief. Ja, und?, schienen seine Augen zu fragen.

Mit einem Flick ließ Severus alles wieder verschwinden.

Ich frage mich, ob Albus mich Gryffindor die fünf Punkte wieder abziehen lässt?... Und was jetzt?


Zum ersten Mal, seitdem Harry an diesem Tag erwacht war, fühlte er sich sicher und geborgen.

Die Menschen, die ihn bedrängt und seinen Fluchtinstinkt geweckt hatten, waren endlich verschwunden und mit ihnen waren die Geräusche und Gerüche verschwunden, welche seine empfindlichen Sinne überlastet hatten. Einzig der dunkle Mann, sein Ruhepol, war nun noch mit ihm im Raum, doch er störte nicht. Ganz im Gegenteil sogar. Seine Gegenwart war angenehm, sein Duft dezent und tröstlich. Wenn er sprach, dann war seine Stimme dunkel und warm wie Samt. Nicht alles was er sagte, ergab einen Sinn für Harry, aber in seinem momentanen Zustand reichte es ihm vollkommen, einfach nur auf die Tonlage seiner Stimme zu lauschen und zu spüren, wie die Worte durch seinen Brustkorb vibrierten.

Der Stoff der Robe, in der er sein Gesicht vergraben hatte, war weich, der darunter verborgene Körper fest. Es fühlte sich richtig an sich an den anderen zu schmiegen, sich in seine Wärme sinken zu lassen und dem gleichmäßigen Herzschlag zu lauschen.

Hier war er sicher. Er hatte vom ersten Moment an gewusst, dass es so sein würde. Hatte es instinktiv gefühlt.

Sein Ruhepol sagte etwas. Etwas in seinem Tonfall sagte ihm, dass er seine Aufmerksamkeit wollte, also hob Harry widerwillig den Kopf und blickte ihm fragend in die Augen. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie der Mann einen Stab durch die Luft schwang, doch er ignorierte es. Die anderen Menschen hatten auch solche Teile gehabt und damit herumgewedelt. Es waren einige bunte Lichter erschienen, die ihm in den Augen geschmerzt hatten, doch ansonsten waren sie vollkommen uninteressant gewesen. Lieber schaute er noch ein wenig in die schwarzen Augen seines Ruhepols und …

Hey! Warum schaust du weg?

Der Blick der schwarzen Augen richtete sich auf etwas hinter seinem Rücken und der dunkle Mann zeigte mit der Hand auf etwas.

Ist da irgendwas, dass ich mir ansehen soll?, fragte sich Harry und drehte seinen Kopf neugierig in die ihm gewiesene Richtung. Dort, auf einem Bett, breitete sich ein saftig grüner Pflanzenteppich aus. Harry fragte sich nicht, wie er dorthin gekommen war. Es war, als ob er schon häufiger erlebt hätte, wie Sachen aus dem Nichts erschienen waren. Was vielleicht so war. Seine Erinnerung war gerade nicht besonders gut. Alles was vor seinem Aufwachen lag, war irgendwie verschwommen, wie hinter einem dichten Nebel verborgen. Wo auch immer das Grünzeug auch hergekommen war, nun war es da. Und es roch gar nicht mal so übel.

Harry schnupperte. Wirklich nicht schlecht. Vielleicht wäre er jetzt unter anderen Umständen aufgestanden und hätte dich die Pflanze aus der Nähe angesehen, doch nicht jetzt. Jetzt war er bei seinem Ruhepol und so gut die Pflanze auch riechen mochte, sein Ruhepol roch noch tausendmal besser.

Ich frage mich nur, weshalb er mir das gezeigt hat.

Schnell gelangweilt drehte der Katzenjunge dem Katzengras auf dem anderen Bett wieder den Rücken zu und sah mit schräg gelegtem Kopf zu dem anderen Mann. Verwirrung sprach aus seinen grünen Augen. Er verstand nicht ganz, was ihm der andere da hatte zeigen wollen. Dieses Grünzeug? Es hatte ja einen wirklich netten Duft, aber mehr war da nun wirklich nicht dran.

Als der Mann seinen Stab wieder durch die Luft schwang, ließ Harry sich erneut gegen seine Brust sinken.

Er könnte sich jetzt den Kopf darüber zerbrechen, was das ganze sollte … oder er könnte noch ein wenig die Nähe seines Ruhepols genießen.

Die Entscheidung fiel ihm nicht wirklich schwer.


So, was versuche ich als Nächstes?, überlegte sich Severus, während Harry seinen Kopf wieder auf seine Brust sinken ließ und einen zufriedenen Seufzer von sich gab. Selina hat gerne alle möglichen Dinge gejagt und Potter ist immerhin Sucher. Ziemlich wahrscheinlich, dass sein Jagdinstinkt durch die Verwandlung nur noch verstärkt worden ist. Einen Versuch ist es wert.

Ein Moment der Konzentration – was gar nicht so leicht ist, wenn man einen schnurrenden, schmusebedürftigen Katzenjungen auf dem Schoss hat – und dir passende Beschwörung und schon flitzte ein Katzenspielzeug über den Boden der Krankenstation.

Harrys einzige Reaktion bestand darin, seinen Kopf so zu drehen, dass er das Spielzeug mit den Augen verfolgen konnte. Das war nicht viel, aber immerhin mehr, als er mit dem Katzengras erreicht hatte, also entschloss Severus sich es weiterhin in diese Richtung zu versuchen.

Nacheinander transformierte er das Spielzeug zuerst in ein herumkugelndes Wollknäuel, dann einen springenden Gummiball, der von einer Wand an die andere titschte und ihn einmal beinahe getroffen hätte, und schließlich, weil ihm nichts anderes mehr einfiel, in einen Schnatz.

Harry hatte die ganze Zeit lang nicht auch nur ein einziges Mal auch nur den Anschein gereckt, sich von seinem Schoß zu bewegen. Nur, als der Ball auf sie zugeflogen war, hatte er ein leises Fauchen von sich gegeben. Als nun der Schnatz durch den Raum schwirrte und ihre Köpfe umkreiste, zeigte er endlich eine deutlichere Reaktion. Zu Severus Bedauern, bestand diese jedoch nicht darin, ihm seine Bewegungsfreiheit zurück zu geben. Nein, seine Reaktion bestand darin, dass er, als der Schnatz gerade einmal wieder an ihren Köpfen vorbeisausen wollte, seine Hand hervorschnellte, und den flinken, kleinen Ball zielsicher aus der Luft pflückte. Zufrieden mit seiner Beute, ließ er sich dann wieder gegen Severus sinken.

Dieser hatte große Augen bekommen. Merlin, dass war wirklich schnell gegangen.

Das mit dem Quidditschpokal können wir dann wohl vergessen!

Mit einem Kopfschütteln verdrängte Severus diesen Gedanken. Quidditsch war nun nicht gerade sein größtes Problem. Erst einmal musste er sehen, dass er aus diesem Raum wegkam, DANN konnte er sich über den Zauberersport den Kopf zerbrechen. Vielleicht würde er ja Albus davon überzeugen können, dass es den anderen Schülern gegenüber unfair wäre Potter in seiner neuen Form spielen zu lassen. Obwohl … nein, eher würde der alte Zausel von seinen Zitronendrops auf Erdbeerdragees umsteigen, als seinen Goldjungen vom Quidditsch auszuschließen. Dummer Gedanke!

Severus konzentrier dich!

Aber er hat den Schnatz wirklich verdammt schnell gefangen!


Was ist denn das?

Eine rasche Bewegung am Boden lenkte Harrys Aufmerksamkeit auf sich. Erneut löste er sich von seinem Ruheplatz an der Brust des Tränkemeisters und drehte sich so, dass er eine bessere Sicht hatte. Da war es wieder, etwas Kleines, Buntes sauste über den Fußboden, drehte Kreise, verschwand unter den Betten und tauchte wieder auf, nur um dann abrupt die Richtung zu wechseln. Harry fühlte sich außer Stande seinen Blick von dem wilden Tanz des bunten Dingens zu wenden.

Das war wirklich ein lustiges Teil.

Dann änderte es auf einmal seine Form. Ein großes Wollknäuel kugelte nun munter umher und wickelte sich dabei ab, sodass sich bald ein Faden kreuz und quer durch den Raum spannte. Immer noch verfolgte Harry die Bewegung wie gebannt, auch wenn er das Knäuel nicht so interessant fast, wie das unidentifizierbare Objekt davor.

Los, verändere dich noch einmal.

Wie auf Kommando änderte das Knäuel leicht seine Form und die Fäden lösten sich auf. Der Gummiball, der jetzt unkontrollierbar von einer Wand zur nächsten sprang, ab Betten und Schränken abprallte und sogar die Decke nicht verschonte, war schon viel mehr nach Harrys Geschmack. Es juckte ihn in den Händen nach der kleinen Kautschukkugel zu greifen, doch als diese mit einem Mal direkt auf den Kopf seines Ruhepols zuflog und diesen nur im wenige Zentimeter verfehlte, verlor sie augenblicklich jegliche Attraktivität für ihn. Er fauchte. Alles, was seinen Ruhepol angriff, war schlecht.

Er war froh, als die Kugel sich erneut veränderte. Sie nahm eine goldene Farbe an und kleine Flügel erschienen, dann sirrte der neu entstandene fliegende Ball pfeilschnell durch die Luft.

Irgendwie kommt mir das Teil bekannt vor.

Gold blitzte im Licht auf, als die kleine Goldkugel direkt an ihm und seinem Ruhepol vorbeischwirrte und automatisch schnellte seine Hand nach vorne. Halb verwundert, halb triumphierend blickte Harry auf seine Hand. Er konnte spüren, wie die Flügel seine Handfläche kitzelten. Es war ein vertrautes Gefühl. Zufrieden flehte der Katzenjunge sich wieder zurück. Die Hand mit der geflügelten Kugel zur Faust geballt in seinem Schoß.

Das war spaßig.

Er gähnte. Langsam forderte die Aufregung ihren Tribut.


Das leise Gähnen des Jungen auf seinem Schoß lenkte Severus' Gedanken von Quidditsch und der Frage, ob Katzenmenschen die Teilnahme an diesem Sport erlaubt war, zurück auf sein eigentliches Problem.

Der Junge ist müde. Vielleicht ist das ja jetzt meine Chance!

Vorsichtig versuchte er sich aus den Armen des Katzenjungen zu lösen. Dieser jedoch machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Verschlafen schlang er seine Arme um den Hals des Tränkemeisters und presste sich eng an ihn. Er mochte zwar müde sein, doch wusste er ganz genau was er wollte und was nicht und im Moment wollte er sein bequemes, wenn auch ein wenig unwilliges Kuschelkissen in Menschenformat definitiv nicht loslassen.

Wäre ja auch zu schön gewesen.

Hm … er ist müde … vielleicht ist er ja auch hungrig.

Nun nach jedem Strohhalm greifend, rief er einen Hauselfen herbei. Sofort erschien eines der Wesen vor ihm und verbeugte sich. „Wie kann Gondy helfen?" Neugierig beäugte der Elf den Tränkemeister und sein „Schoßkätzchen", welches bei seinem Erscheinen seinen Halt an diesen noch verstärkt hatte. Dankenswerterweise ohne seine Krallen auszufahren.

In den Augen des Hauselfen war reines Staunen zu lesen. Severus war bei den Hauselfen bekannt –und gefürchtet- und ihn nun so zu sehen, war doch außergewöhnlich. Die anderen Elfen würde ihm das niemals glauben.

„Könntest du mir bitte etwas …" Kurz überlegte er, was dem Potter-Kater wohl schmecken würde. „… Thunfisch und Sahne bringen."

„Sofort, Professor Snape Sir!"

Mit einem erneuten Ploppen verschwand der Elf wieder und kurz darauf er schien ein Tablett mit den gewünschten Dingen auf dem Nachttisch.

Es dauerte ein wenig, bis sich Harry von dem Erscheinen des Hauselfen erholt hatte und seinen Halt um Severus' Hals wieder lockerte. Das Essen auf dem Nebenbett bemerkte er sogar noch eine ganze Zeit später. Dann jedoch nahm er den Teller mit dem Thunfisch und schnupperte vorsichtig an diesem. Beinahe hätte Severus gelacht, als sich ein Ausdruck reinsten Abscheus auf dem Gesicht des Katzenjungen ausbreitete und er den Teller schnell wieder weg stellte.

Die Sahne fand mehr Beifall und verschwand schnell im Magen des Jungen. Einem Magen, der, nun auf den Geschmack gekommen, laut vernehmlich knurrte.

Auffordernd wandten sich ihm zwei grüne Katzenaugen zu.

„Ah, du willst also noch was zu essen. Mehr Sahne?" Der Junge schüttelte den Kopf. „Du willst mir nicht zufällig sagen, auf was du Hunger hast?" Stille und bettelnde, große Augen.

Severus seufzte und rief erneut nach einem Hauself.

Es erschien derselbe wie schon zuvor. Dieses Mal blieb Harry entspannt. Es schien, als hätte er erkannt, dass das kleine Wesen keine Gefahr für ihn darstellte.

„Wie kann Gondy Professor Snape Sir noch zu Diensten sein?"

„Gibt es in der Küche jemanden, der weis, was Mr. Potter hier gerne isst?", fragte Severus ohne viel Hoffnung. Wahrscheinlich würde er irgendetwas bestellen und dann hoffen müssen.

Doch er irrte sich.

„Ja, Professor Snape Sir! Dobby ist Freund von Mr. Potter Sir. Ich ihn bitten ihnen etwas hoch zuschicken."

Er verschwand, einen dankbaren Tränkemeister zurück lassend. Wer hätte gedacht, dass er wirklich einmal Glück haben würde. Nun ja, es gab für alles ein erstes Mal.

Ein Tablett erschien auf dem Nachttisch. Darauf ein Teller mit Chili, ein Kelch mit Kürbissaft, etwas Brot und ein Stück Schokoladenkuchen.

Also auf ein Neues.

Gespannt beobachtete Severus, was nun geschehen würde.


Erschrocken klammerte Harry sich an den dunklen Mann, als ein seltsames kleines Wesen im Raum erschien. Er hatte keinen Zweifel daran, dass er bei ihm sicher war, doch hatte ihn das Geräusch, mit welchem das Wesen erschienen war, erschreckt.

Er war dankbar, als das Wesen wieder verschwand.

Nur langsam löste sich die Anspannung aus seinem Körper. Es war an diesem Tag einfach viel zu viel geschehen.

Dann bemerkte er etwas auf dem Nachttisch, was zuvor noch nicht da gewesen war. Ein Teller und einen Becher. Neugierig nahm er sich den Teller und schnupperte daran.

Igitt!

Angewidert verzog Harry das Gesicht und stellte den Teller wieder weg. Thunfisch war eindeutig nichts für ihn. Irgendwie hatte er ein Gefühl, als habe ein dicker, schweineähnlicher Junge etwas mit seiner Abneigung zu tun. Wer das wohl war? Naja, auch egal.

Er griff nach dem Becher. Erneutes Schnuppern.

Ok, dass war schon besser.

Viel zu schnell war der Becher leer.

Harry konnte hören, wie sein Bauch knurrte und schaute bettelnd zu seinem Ruhepol auf. Bestimmt konnte der ihm noch etwas zu essen besorgen.

„Ah, du willst also noch was zu essen. Mehr Sahne?" Der Junge schüttelte den Kopf. Nein, die Sahne war gut gewesen, aber er wollte nicht wirklich mehr davon haben. „Du willst mir nicht zufällig sagen, auf was du Hunger hast?" Harry überlegte, doch ihm fiel nichts ein. Also blickte er den anderen nur groß an, darauf vertrauend, dass er ihm schon irgendetwas Gutes auswählen würde.

Der Mann seufzte und kurz darauf erschien auf seinen Ruf hin erneut das keine Wesen in Raum. Dieses Mal erschrak Harry sich nicht. Verschlafen malte er mit einem Finger kleine Kreise auf den Stoff der schwarzen Robe des anderen, während dieser mit dem Wesen sprach. Er blickte erst dann wieder auf, als das Wesen verschwunden war, und ihm plötzlich ein Duft in die Nase stieg, bei dem ihm das Wasser im Munde zusammen lief.

Er blickte sich um und entdeckte schnell ein Tablett mit Essen auf dem Nachttisch. Sofort machte er sich über die köstlichen Speisen her. Das Chili war würzig und gerade scharf genug, der Kürbissaft kühl und erfrischend. Rechnete man dann noch dazu, dass er sich beim Essen gemütlich gegen die Brust des Mannes mit den dunklen Augen lehnen konnte, dann konnte man wohl getrost sagen, dass es das beste Mahl war, dass er je gehabt hatte. Nicht dass er sich an viele Mahlzeiten erinnern konnte, doch das war ja im Grunde nebensächlich. Es konnte ja gar nicht anders sein.

Schnell hatte Harry den Teller mit dem Chili geleert. Mit einem Stück Brot wischte er die letzten Soßenreste vom Teller und wandte sich dann um, um sich den Kuchen vorzuknöpfen. Schokolade - yummie!

Doch von dem begehrten Nachtisch war auf dem Nachttisch keine Spur mehr zu sehen.

Irritiert blickte der Katzenjunge sich um. Er konnte den Kuchen riechen, so weit konnte er also nicht sein.

Und in der Tat. Der Kuchen befand sich nur wenige Meter von ihm entfernt … und zirka vier Meter hoch in der Luft.

Na warte, dich krieg ich!

Fix sprang Harry auf. Wäre ja noch schöner, wenn er das dumme Ding nicht bekommen würde. Es war sein Kuchen, verdammt noch einmal, sein SCHOKOLADENkuchen! Er wollte ihn unbedingt haben.

Fliehen nützt dir gar nichts, dachte Harry und durchbohrte den sich geschickt aus seiner Reichweite entfernenden Kuchen mit einem bitterbösen Blick. Du kannst mir nicht entkommen.

Es folgte eine Verfolgungsjagd durch das ganze Zimmer, bevor der Kuchen endlich auf einem Bett ganz am anderen Ende, gegenüber der Tür, landete. Triumphierend schnappte Harry sich den Teller.

Hab dich!

Mit einem strahlenden Lächeln drehte er sich um, um dem anderen Mann seine Beute zu präsentieren. Doch anstatt den Mann mit den schwarzen Augen und der weichen Stimme, sah er nur ein leeres Bett und eine zufallende Tür.

Er hörte, wie die Tür verschlossen wurde und ließ sich betrübt auf eines der Betten fallen. Auf einmal hatte er gar keinen Hunger mehr auf seinen Kuchen.


Außerhalb der Krankenstation atmete Severus erleichtert aus.

Endlich geschafft!, dachte er, während er sich auf den Weg in die Kerker machte.

Wer hätte gedacht, dass Potter so verrückt nach Schokoladenkuchen ist? Ob er das von Lupin `geerbt´ hat? Der würde für das Zeug auch beinahe alles tun. Wenn Albus erfährt, dass ich mich mit Hilfe eines schwebenden Kuchens befreien musste, dann lacht er sich halbtot. Ganz zu schweigen davon, dass seine Augen dann wahrscheinlich funkeln werden, dass jeder Weihnachtsbaum daneben verblasst.

Hm … muss ich es ihm sagen?

Ok, dumme Frage! Als ob auch nur die geringste Chance bestände, dass Albus es nicht eh rausbekommt. Ich schwöre, manchmal könnte man meinen, dass er seine Augen und Ohren wirklich überall hat. Der Kerl weiß einfach alles!

Den ganzen Weg in seine Räume entlang, führte er gedankliche Monologe seinen Mentor, seine Kollegen und deren Reaktionen auf das Geschehene betreffend. Während er den Kessel mit dem zu einem kohleähnlichen Klumpen verkochten Trank reinigte, malte er sich die Bemerkungen am Frühstückstisch am nächsten Morgen aus. Selbst noch später am Abend, als er sich umkleidete und ins Bett ging, kreisten seine Gedanken weiterhin nur um dieses eine Thema.

Und das alles nur, um zu verdrängen, wie leer sich sein Schoß ohne Harry angefühlt hatte.

-tbc-