Prompt: Weihnachten soll keiner allein sein
KABUMM!
Nick saß aufrecht im Bett und starrte in das Halbdunkel des Dachbodens hinein.
Was zum Kuckuck war denn das gewesen?
Der Grimm rieb sich mit einer Hand über die Augen, sank dann aber langsam wieder zurück in sein Kissen. Er zog die Decke bis zum Kinn und lauschte in den Dämmer hinein.
Stille.
Nick seufzte, kuschelte sich wieder in sein Kissen und schloß die Augen.
Ehrlich, so bequem hatte er schon lange nicht mehr gelegen, ganz zu schweigen davon, daß es einfach … kuschelig war. Woher auch immer, diese Bettdecke war definitiv die wärmste, unter der er je gelegen hatte. Und es störte ihn nicht einmal die blinkende Lichterkette, die Monroe am Treppenaufgang angebracht hatte. Sollte der Blutbad doch …
Da fiel Nick ein, daß er allein im Haus war. Monroe war über die Feiertage weggefahren, um Rosalee zu besuchen. Was immer da auch vorging zwischen den beiden …
Nick grummelte etwas und zog die Decke über den Kopf.
Er war letzte Nacht bis drei in der Frühe im Dienst gewesen, und heute hatte er, einmal abgesehen davon, daß er, wie immer, auf Bereitschaft war, sollte ein Mord passieren, frei. Also würde er die Zeit nutzen und so viel Schlaf wie möglich nachholen. Weihnachten mit all den Traditionen, Besuchen, Geschenken und was sonst noch ging ihn dieses Jahr schlicht nichts an, Punkt!
Gerade fühlte Nick, wie er wieder zurück in den Schlaf dämmerte, da …
KABUMM! RUMS!
Der Grimm öffnete die Augen und schmuhte hoch Richtung Decke.
Das klang eindeutig, als würde jemand auf dem Dach sein. Aber … ernsthaft … welcher Einbrecher wäre so dämlich, sich von dort aus Einlaß zu verschaffen, wenn es soviel einfacher war, eines der Fenster im Erdgeschoß einzuwerfen. Außerdem, darüber wollte Nick noch mit Monroe sprechen, waren die beiden Schlösser nach draußen alles andere als sicher. Man brauchte nicht einmal eine Haarnadel, um die zu knacken. Und, so sehr die überall herumstehenden und -hängenden Uhren in den beiden unteren Stockwerken Nick auch manchmal störten mit ihrem ständigen Ticken, einige von ihnen schienen recht alt und vielleicht wertvoll zu sein.
Der Grimm seufzte.
Okay, jetzt war er wach. Soviel also zum Ausschlafen – seinem einzigen Weihnachtswunsch dieses Jahr (neben einem hübsch verpackten Sean Renard zum Verprügeln).
RUMS! RUMS!
Schritte?
Nick setzte sich wieder auf, den Kopf in den Nacken.
Okay, da war definitiv jemand über ihm auf dem Dach. Und das bedeutete nichts gutes.
Der Grimm schlüpfte unter der Decke hervor und angelte nach seiner Jeans. Er wollte keinem möglichen Einbrecher in Boxershorts gegenübertreten. Und für den Fall, daß Monroe vielleicht doch wieder zurückgekommen war …
KABUMM! SNARG! RATSCH!
Nick hob eine Braue.
Was … ?
Das hörte sich an, als sei gerade etwas oder jemand den Kamin hinuntergerutscht.
Blödsinn! Nichts und niemand paßte durch den Schornstein. Er war ja selbst fast steckengeblieben als er, nachdem Monroe ihn mehr oder weniger dazu genötigt hatte, die verdammte Klappe repariert hatte.
Also wurde der Hall irgendwo falsch umgeleitet.
KNARR!
Nicks Kopf ruckte herum.
Okay, das war definitiv IM Haus!
Er griff nach seiner Waffe, schlüpfte in seine Schuhe und lief die Treppe hinunter in den ersten Stock.
Die Türen waren alle geschlossen, keine Bewegung auszumachen.
Er HATTE das doch gehört, verdammt!
Ein Husten!
Nick reckte das Kinn vor wie ein Hund, der eine Spur aufgenommen hatte.
Na warte! Mochte sich vielleicht noch nicht herumgesprochen haben in der Nachbarschaft, aber hier wohnte jetzt ein Polizist – okay, Polizist und Grimm … Das bedeutete nicht nur, daß Monroes Haus jetzt unter seinem persönlichen Schutz, sondern daß diese ganze Siedlung jetzt unter einer anderen Priorität beim Revier lief als zuvor. Würde, wer auch immer im Erdgeschoß war, nicht Monroe sein, würde er sein blaues Wunder erleben!
Nick pirschte zum Treppenaufgang und lugte mit langem Hals über die Brüstung. Irrte er sich oder lagen da plötzlich verpackte Kisten unter Monroes vorderem Weihnachtsbaum (einer reichte natürlich nicht, Monroe hatte gleich drei Bäume aufgestellt in unterschiedlichen Räumen).
Nick nahm vorsichtig die Treppe in Angriff, sorgsam darauf bedacht, auch ja kein Geräusch zu produzieren. Er wußte mittlerweile welche der Stufen knarrten, also konnte er diese so gut wie möglich überspringen. Dabei behielt er immer das Wohnzimmer im Auge, das langsam immer weiter unter ihm zum Vorschein kam.
Ein weiteres Husten und ein schlurfender Schritt.
Das war definitiv nicht Monroe!
Nick kam am Fuß der Treppe an und orientierte sich wieder. Die Geräusche kamen eindeutig aus dem nicht einsehbaren Teil des Wohnzimmers beim Kamin. Also …
Die Waffe im Anschlag und entsichert machte Nick einen langen Schritt und richtete den Lauf nach vorn.
„Portland PD! Hände über den Kopf und ..." Der Rest des Satzes blieb ihm im Halse stecken als er sah, WER da beim Kamin stand. Nick klappte unwillkürlich das Kinn herunter, seine Augen weiteten sich.
Da stand ein Mann in rotem Mantel mit weißem Pelzbesatz. Ein langer, wallender Vollbart reichte ihm bis zur Brust. Einzig die Statur paßte nicht so ganz, war dieser … Weihnachtsmann doch schlank. Und, Nick mußte sich berichtigen, die Augen stimmten auch nicht, glühten sie doch in einem eigenartigen Türkis.
„WAS … ?" Nick blinzelte, doch die Gestalt blieb was sie war.
Und diese Gestalt stemmte jetzt die Hände in die Hüften und betrachtete den Grimm von oben bis unten. „Hey Kleiner", sagte sie dann schließlich. „Ehrlich gesagt hätte ich schon ein paar Kekse erwartet, wenn ich schon vom Nordpol komme."
Nick war immer noch fassungslos. Dann ging ihm allmählich auf, WAS das war. Kein Weihnachtsmann, ein Gefrierengeber.
„Und gegen ein Glas warme Milch hätte ich auch nichts einzuwenden", fuhr das Wesen fort.
„Wie? Was? Wieso?" stotterte der Grimm endlich.
Warum hatte dieser Gefrierengeber keine Angst vor ihm? Warum ging er nicht gleich auf Abwehr, wie sonst doch üblich unter Wesen?
„Monroe hat mir geschrieben, neben einigen anderen. Darüber, daß du doch ein netter Grimm bist, der mich sicher nicht einen Kopf kleiner machen wird. Aber leider auch, daß du im Moment sehr einsam bist. Da dachte ich, komme ich über die Feiertage einfach mal vorbei."
Nick kam aus dem Staunen nicht heraus.
Der … Weihnachtsmann stand in Monroes Wohnzimmer und wollte über die Feiertage zu Besuch bleiben?
War das jetzt Glück oder … ?
„Oh, und wir haben dir ein paar Geschenke zusammengestellt. Alles Dinge, von denen deine Freunde glauben, du könntest sie brauchen", fuhr der Gefrierengeber fort und nickte zum vorderen Weihnachtsbaum. „Frohes Fest, Junge!"
