So, jetzt gehts aber wirklich los! Bitte schön, Kapitel 1!


1.

Ich lag auf meinem Bett und lauschte den Klängen meiner Lieblingsband.

Seit vier Tagen hatten wir Ferien. Es war ein Tag wie jeder Andere seit ich wieder im Fuchsbau war. Selten war mir so langweilig gewesen. Ich sprach noch immer nicht mit George. Wenn ich aus meinem Fenster sah, konnte ich den Obstgarten sehen, in dem sie jeden Tag Quidditch spielten. Ich hatte mittlerweile die Vorhänge zu gezogen. Doch auch mit lauter Musik, konnte ich ihre freudigen Rufe nicht übertönen, die sie während des Spiels ausstießen. Wie sollte ich das nur den Rest der Ferien aushalten?!

Seit wir wieder da waren, hatten Molly und Arthur viel zu tun. Ich sah sie kaum. Was meine Einöde noch unerträglicher machte. Ginny war selten zu Hause. Sie traf sich fast täglich mit ihren Freundinnen in der Winkelgasse. Sie hatte sich dafür extra einen eigenen Vorrat an Flohpulver zugelegt.

Ich wünschte mir auch solch gute Freundinnen. Angelina meldete sich nicht. Gleich am ersten Tag hatte ich ihr eine Eule geschickt.

Ich stierte weiter an die Decke. Vielleicht sollte ich auch einmal ausgehen. Doch wohin und mit wem?

Plötzlich ging die Tür auf und meine kurzzeitige Rettung vor der Langeweile trat ein.

„Hey Mary!", begrüßte mich Charlie.

„Was machst du denn hier, musst du nicht arbeiten?", fragte ich ihn, noch bevor ich mich aus meinem Bett erhoben hatte.

Charlie drehte die Musik leiser und nahm mich kurz in den Arm.

„Mum hat mir geschrieben, ich solle vorbeikommen. Muss was wichtiges sein, darum bin ich auch gleich gekommen. Aber jetzt ist sie nicht da. Das ganze Haus ist ja wie ausgestorben. Nur du und Ron sind da." sagte Charlie.

„Fred und George sind draußen und spielen Quidditch. Seit heute Morgen haben sie sich nicht mehr blicken lassen. Na ja, mir soll es recht sein. Muss ich schon nix kochen."

Ich grinste ihn an.

„Und der Rest?", fragte Charlie und ließ sich auf meinem Bett nieder.

„Ginny ist mit ihren Freundinnen shoppen, mal wieder, Percy und Arthur sind arbeiten, Ron ist ja in seinem Zimmer, Molly ist bei Dumbledore, glaube ich, und Bill... keine Ahnung, wo der sich wieder herumtreibt. Wahrscheinlich ist er bei Fleur..."

Ich musste wieder grinsen. Ich war froh, dass Bill sich an Fleur ran machte. Ich hatte keine Lust, mit ihm auch noch Probleme zu bekommen.

Charlie nickte.

Wir schwiegen, dann fragte Charlie:

„Hast du eine Ahnung, um was es diesmal geht?"

Ich schüttelte den Kopf. Charlie war die letzte Zeit schon öfter gekommen, weil Molly ihm etwas mitteilen musste, das sie nicht in Briefe schreiben konnte. Es war etwas Großes am laufen, das wusste ich, aber wir Jüngeren wussten noch nichts genaues und schafften es auch nicht, aus denen, die Etwas wussten, irgendetwas herauszubekommen.

Wir schwiegen wieder und erneut ergriff Charlie als Erster wieder das Wort:

„Und, wie geht's dir so?"

„Ganz gut. Ich hab nur nicht viel zu tun." meinte ich.

„Hausaufgaben?"

„Keine Lust!"

„Fang doch schon mal an, dann hast es hinter dir."

Ich zuckte mit den Schulter. Trotz meiner Langeweile konnte ich mich mir Interessanteres als Hausaufgaben vorstellen.

Die Tür ging erneut auf. Molly stand im Türrahmen.

„Charlie, da bist du ja. Ich habe Nachricht von Dumbledore für dich!", sagte sie.

„Ich komme!", meinte Charlie und stand auf. An mich gewandt sagte er:
"Vielleicht sehen wir uns heute ja noch mal. Du kannst mir ja Abendessen machen!"

Er grinste mich an und ging dann mit Molly hinunter. Ich seufzte. Wieder allein. Kurz überlegte ich, ob ich Charlies Rat befolgen sollte und mit den Hausaufgaben anfing, dann besann ich mich aber eines Besseren und ging ebenfalls die Treppe hinab. Ich schlenderte angeödet ins Wohnzimmer und sah auf die Uhr.

Gerade schnellte der Arthurs Zeiger auf ‚Zu Hause' und wenig später folgte auch Percys. Ich ging in die Küche. Dort waren die Beiden angekommen; Molly und Charlie saßen am Küchentisch.

Percy und Arthur schienen über etwas zu streiten.

„Warum sollte man mich nicht befördern?! Immerhin leiste ich gute Arbeit!", sagte Percy gerade laut.

Ich blieb stehen. Ich wollte mich nicht einmischen. Aber es war doch etwas merkwürdig. Percy wurde tatsächlich befördert. Wo er doch so viel Ärger in seinem letzten Posten gehabt hatte. Er hatte ja nicht mal bemerkt, dass sein Chef von Voldemort kontrolliert wurde.

„Aber du arbeitest erst ein Jahr im Ministerium! Du hast zu wenig Erfahrung! Es ist doch mehr als unwahrscheinlich, dass jemand mit so wenig Praxis gleich Juniorassistent des Ministers wird!", antwortete Arthur erzürnt.

Angelockt von dem Gebrüll kamen jetzt auch die Zwillinge und Ron in die Küche.

„Was...?", fing Ron an.

"Pst!"

Ich legte mir den Finger auf den Mund um ihnen klar zumachen, dass sie sich besser nicht einmischen sollten.

Plötzlich kam auch Ginny in die Küche gerollt. Sie war offenbar mit ihrer Einkaufstour fertig. Ich zog sie schnell zu mir rüber und flüsterte ihr ins Ohr, sie solle jetzt nichts sagen.

Percy und Arthur schienen davon nichts mitzubekommen. Sie standen sich wütend gegenüber.

„Du bist doch nur sauer, weil ich eine bessere Stelle bekomme und mehr verdienen werde als du!", warf Percy Arthur vor.

Molly schlug sich die Hände vor den Mund. Arthur reagierte auf diesen Vorwurf nicht gerade ruhig:

„Fudge will doch nur einen Spitzel unter sich haben! Er weiß, dass ich mit Dumbledore befreundet bin!"

Ich zuckte zusammen. Arthur hatte angefangen zu brüllen. Sein Kopf war tief rot.

„Dumbledore ist ein alter Narr! Und du bist nur mit ihm befreundet, weil du nicht genug Ehrgeiz hast um es allein weiter zu bringen!", donnerte Percy.

„Du verschließt die Augen vor Tatsachen! Dumbledore ist der einzige, der die Gefahr sieht und etwas dagegen unternimmt!", erwiderte Arthur. „Warum glaubst du Harry nicht? Ist es nicht Beweis genug, dass er ihn gesehen hat?"

„Harry ist doch genauso verrückt wie Dumbledore! Er will doch nur, dass wir ihn anbeten!"

Molly standen inzwischen die Tränen in den Augen. Charlie starrte seinen Bruder wütend an. Ginny stand fassungslos neben mir und ich spürte, wie die Zwillinge hinter mir vor Wut zu beben begannen.

„Dumbledore wird wegen dieser Lügen jede Menge Ärger bekommen. Ich weiß, wem ich die Treue halten muss und wenn ihr das Ministerium verraten wollt, werde ich dafür sorgen, dass jeder weiß, das ich nicht länger dieser Familie angehöre!", fuhr Percy aufgebracht fort.

Molly stieß einen Schluchzer aus. Percy warf Arthur einen letzten, vernichtenden Blick zu, dann ging er in Richtung Treppe. Als er uns bemerkte, blieb er für einen Moment stehen, sah mich an und drängte sich dann an uns vorbei.

Die Weasleys waren in der Küche. Ich hielt es für besser, sie allein zu lassen. Es war immerhin eine Familienangelegenheit. Ich ging die Treppe hinauf. Ich bemerkte, dass Percys Tür einen Spalt offen stand. Vorsichtig lugte ich hinein. Auf dem Bett lag ein weit geöffneter Koffer und ein paar Sachen flogen auf einige Umhänge, die bereits ihren Weg in den Koffer gefunden hatten. Ich überlegte kurz, dann öffnete ich zaghaft die Tür.

Percy sah auf. Er war noch immer wütend.

„Percy? Ist das dein Ernst?", fragte ich vorsichtig.

Er sah wieder auf seinen Koffer.

„Glaubst du auch Dumbledores Lügen?", fragte er mich.

„Warum glaubst du, dass er lügt?", fragte ich ihn, statt ihm zu antworten.

„Wenn du-weißt-schon-wer wieder auferstanden wäre, würde das Ministerium etwas unternehmen. Fudge ist doch nicht dumm. Aber es kann einfach nicht war sein! Du-weißt-schon-wer ist besiegt und kommt nicht wieder. Dumbledore hat Harry das wahrscheinlich nur eingeredet. Oder Harry sucht Aufmerksamkeit und erzählt solche Lügen, die Dumbledore dieser Narr auch noch glaubt."

Percy sprach diese Worte mit unglaublicher Überzeugung. Wenn ich meinen Großvater nicht selbst gesehen hätte und nicht spüren würde, wie er immer stärker wurde, hätte ich ihm geglaubt.

„Und du willst wirklich gehen?", fragte ich erneut.

„Wieso, willst du mit?", fragte Percy und sah mich an.

„Ich- ich will nur nicht, dass er eine Familie zerstört. Und wenn es helfen würde, würde ich an deiner Stelle gehen!", antwortete ich.

„Wer ‚er'? Dumbledore?"

„Nein... du-weißt-schon-wer!"

„Glaubst du es etwa auch?", fragte Percy und wurde mit jedem Wort lauter.

„Ich- wenn du wüsstest, was ich weiß, würdest du es auch glauben!", antwortete ich.

„Dann sag mir doch, was du weißt!", forderte er mich wütend auf.

„Ich kann nicht!"

Ich war verzweifelt. Ich könnte eine Familie zusammenhalten und durfte es nicht, weil Dumbledore es mir verboten hatte. Wieder spürte ich meinen Hass auf ihn. Mein Verstand musste wieder versuchen, dagegen anzukommen.

„Bitte Percy, bleib da! Wenn nicht ihretwegen," ich deutete hilflos zur Tür. „dann wenigstens meinetwegen!"

Percy sah mich argwöhnisch an.

„Wie meinst du das?"

„Ach komm schon, du weißt, wie ich das meine!"

Ich hatte mir geschworen, nie zu erwähnen, dass ich wusste, wie er für mich empfand. Ich wusste auch nicht, ob es noch stimmte, aber ich hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, um ihn zum Bleiben zu bewegen.

„Wer hat es dir gesagt und wann?"

Ich biss mir auf die Unterlippe. Percy kam einige Schritte auf mich zu.

„Ich weiß es ungefähr seit Weihnachten. Und gesagt hat es mir eigentlich niemand. Ich hab es schon geahnt. Es wurde mir nur bestätigt." druckste ich herum.

„Bin ich dir so wichtig, dass ich hier bleiben sollte?", fragte Percy ernst.

„Bleib einfach da, okay?!", sagte ich und sah vom Boden auf.

Percy stand direkt vor mir und blickte mir in die Augen. Ich betrachtete ihn unsicher.

„Und, bleibst du?", flüsterte ich hilflos.

Percy drehte sich um und sagte laut:

„Ich kann nicht in einem Haus bleiben, in dem ich so unterschätzt und verhöhnt werde. Ich kann nicht mit Leuten unter einem Dach leben, die das Ministerium verraten!"

„Percy!", rief ich und ergriff seinen Arm. „Es ist deine Familie! Sie lieben dich!"

„Ich liebe meine Familie auch, so wie dich und doch kann ich nicht bleiben, denn ihr alle fallt auf Lügen herein. Warum siehst du denn nicht ein, dass Dumbledore lügt?!"

Percy war sehr laut geworden.

„Ja, Dumbledore lügt in mancher Hinsicht, aber Voldemort ist zurück, ob du es glaubst oder nicht!", sagte ich laut und fast flüsternd fügte ich hinzu:

„Bitte glaub mir doch!"

Percy zuckte beim Klang von Voldemorts Namen unwillkürlich zusammen.

„Ich hatte dich für klüger gehalten! Es ist schade das auch du dich gegen mich wendest." meinte er mit bitterer Miene.

Percy schlug seinen Koffer zu, ergriff einen weiteren, warf mir einen letzten, verletzten Blick zu und apparierte.

Ich sank auf sein Bett und stützte den Kopf auf meine Hände. Ich seufzte. Jemand kam herein, ich sah nicht auf. Er setzte sich neben mich und legte seinen Arm um mich.

„Ich hab es versucht!", wisperte ich.

„Ich weiß!"

Es war Bill. Ich lehnte mich gegen seine Brust und fing an zu weinen. Ich wusste nicht, warum. Percy war mir nicht sehr wichtig gewesen, aber nun hatte ich erlebt, wie mein Großvater es schaffte, selbst Familien auseinander zu bringen und irgendwie war er nun mal mein Bruder.