Der Sommersitz

Kaum war das Auto gelandet, öffneten sich die Türen des Aston Martin. Severus Snape war als Erster aus dem Wagen gesprungen. Er streckte sich und gähnte herzhaft.

„Warum musstest du um das Haus auch eine Appariersperre legen, Luc?" er rieb sich die Augen. „Es wäre doch viel bequemer einfach hierher zu apparieren."

Lucius Malfoy war nun ebenfalls aus dem Wagen gestiegen. Er sah seinen Freund über das Dach des Wagens an. Seine langen blonden Haare bewegten sich wie die Wellen des Meeres im sanften, warmen Wind.

„Ach, Severus. Wir wollen doch reisen wie die Muggel. Also müssen wir ein Muggelfahrzeug benutzen."

Draco half gerade Hermine aus dem Wagen. Diese viel ihm bei den letzen Worten in die Arme und lachte. Draco sah seine Freundin fragend an. Sie schüttelte nur den Kopf – vor Lachen konnte sie nicht sprechen.

„Die Appariersperre dient nur zu unserem Schutz, Severus." An Hermine und Draco gewandt rief er: „Kommt Kinder! Gehen wir ins Haus." Lucius Malfoy ging auf die große Eichentür des Hauses zu.

Haus? Es war wohl eher eine Villa, die auf dem sanften grünen Hügel lag. Hermine sah sich neugierig um. Das weiß gestrichene Hauptgebäude war mit Efeuranken bewachsen. Diese schlängelten sich bis hoch hinauf um die Fenster des zweiten Stocks bis zum Dach hinauf.

Das Dach war mit blau schimmernden Ziegeln gedeckt worden. Sogar der Schornstein schimmerte in der Sonne.

Das Haus selbst war vermutlich schon etwas älter. Darauf ließen die Holzfenster schließen. Dahinter konnte sie blau schimmernde Vorhänge entdecken, die ganz wunderbar zum Dach der Villa passten.

Die Malfoys schienen überhaupt ein Herz für Pflanzen zu haben. Nicht nur die Mauern waren Efeu bewachsen. Rings um das riesige Haus blühten die verschiedensten exotischen Pflanzen. Hermine beschloss den Garten später genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die beiden Nebengebäude waren ebenfalls weiß gestrichen – hier war jedoch keine Spur von Efeu zu sehen. Das rechte Gebäude war etwas kleiner als das linke. Hier waren wohl die Elfen und Dienstboten untergebracht. Das Dach wirkte schäbig und hinter den Fenstern waren keine Vorhänge zu sehen.

Das Gebäude auf der linken Seite ähnelte mehr dem Hauptgebäude. Auch hier schimmerte das Dach ebenso blau. Hinter den Fenstern konnte Hermine jedoch keine Vorhänge entdecken. Wofür war dieses Gebäude gedacht?

Das Mädchen wurde von seinem Freund aus dem Gedanken gerissen. Draco hatte ihre genommen und zog sie nun mit sich ins Haus. Dort erlebte Hermine die nächste Überraschung. Im Haus war es kühl – um nicht zu sagen eiskalt. Während draußen die Sommerhitze deutlich zu spüren war, fröstelte es Hermine im Inneren des Sommersitzes der Malfoys.

Draco, der das sofort bemerkt hatte, legte Hermine seinen Umhang über die Schultern. „Es ist hier nicht immer so kalt. Wir müssen nur erst die Kamine anmachen."

„Warum ist es hier drinnen so kalt?" fragte sie.

„Die Mauern lassen keine Wärme herein. Ansonsten würden wir auch hier schwitzen."

„Aber ein bisschen Wärme wäre doch nicht schlecht."

„Wenn Sie nachts schlafen möchten, dann sollten Sie die Fenster geschlossen lassen." Ertönte eine dunkle Stimme hinter den beiden.

„Wenn du die Fenster öffnest, kommt die Hitze herein und die Moskitos."

Hermine schüttelte sich erneut bei dem Gedanken an Moskitos. Da würde sie eben die Fenster geschlossen halten und die Wärme der Kamine nutzen.

„Komm, ich zeige dir dein Zimmer!" Bevor Hermine etwas erwidern konnte, lief Draco schon die breite, ebenfalls aus Eichenholz gefertigte Wendeltreppe nach oben in den zweiten Stock. Er öffnete eine von vier Türen.

„Das ist dein Reich für diesen Sommer."

Hermine trat langsam in den Raum. Sie stand in einem netten, kleinen, warm eingerichteten Zimmer. Drei Wände waren in einem dumpfen Orange gestrichen. Die vierte Wand war gelb. Es roch nach Zitronen und Orangen. Im hinteren Teil, direkt vor einem der Fenster, stand ein großes gemütlich anmutendes Bett mit zwei kuscheligen Kissen. Daneben ein Nachtkästchen, auf dem bereits ein Roman zum schmökern bereit lag.

Ein Lächeln huschte über Hermines Gesicht. Das Zimmer gefiel ihr. Auch der große helle Schrank, der für ihre Habseligkeiten gedacht, war strömte gewisse Vertrautheit und Wärme aus.

Hermine gähnte. „ Ich glaube ich werde mich ein bisschen hinlegen. Die Reise war doch etwas anstrengend für mich."

„Wie Severus." Draco lachte. Hermine sah in verdutzt an.

„Severus braucht auch immer erst ein Mützchen Schlaf, bevor er sich aufmachen kann neues zu entdecken."

„Wieso nennst du Professor Snape beim Vornamen?"

„Severus kommt jedes Jahr im Sommer mit uns hier her. Ich habe schon als kleines Kind Severus zu ihm gesagt. Nur in der Schule ist er Professor Snape."

Hermine nickte und wandte sich nun ihren Koffern zu, die irgendjemand – wahrscheinlich die Hauselfen, schoss es ihr durch den Kopf – bereits in ihr Zimmer gebracht hatte.

Draco ließ seine Freundin alleine. Sie sollte sich ausruhen – Sie hatte anschließend immer noch genug zeit sich umzusehen.

„Warum hast du denn die Granger mitgenommen?" fragte nun ein deutlich erschöpfter Severus Snape sein Gegenüber während er drei Löffel Zucker in seinen Espresso löffelte.

„Sie ist Dracos Freundin. Er wollte sie gerne dabei haben." Antwortete Lucius. „So ist er wenigstens nicht dauernd alleine und hängt an unserem Bein." Der Blonde warf Severus einen vielsagenden Blick aus seinen stahlgrauen Augen zu. Was ein Funkeln aus den Tiefen von Severus schwarzen Augen hervor rief.