Kapitel 2
Ein ruhiger Morgen
Jack erwachte, als die ersten Vögel des Morgens mit ihren Liedern begannen und ein dünner, silberner Streifen Licht durch einen Spalt im Rollladen fiel. Er drehte sich herum, um die Zeit auf dem Radiowecker abzulesen, doch eigentlich wäre das gar nicht nötig gewesen – er wusste auch so, dass es 4.30 Uhr war.
Über die Jahre hatte Jack die Gewohnheit entwickelt, stets um 4.30 Uhr aufzuwachen. Anfangs hatte er versucht, wieder einzuschlafen, doch mittlerweile genoss er es, am frühen Morgen wach zu sein, all die Geräusche von draußen zu hören und den weichen Atemzügen von Ennis zu lauschen.
Jack drehte seinen Kopf wieder weg und wandte sich zu Ennis, der mit dem Rücken zu ihm lag. Ennis schlief auf der rechten Seite und hatte das Gesicht zum Fenster gedreht. So schliefen sie meistens und Jack lag oft auf der linken Seite, sodass sie Rücken an Rücken schliefen. In vielen Nächten schliefen sie noch immer in der Löffelchenstellung ein aber dann drehten sie sich herum, sodass beide liegen konnten, ohne dass ihre Arme und Beine taub und lahm wurden. „Aha", dachte Jack bei sich, „die jugendliche Leidenschaft ist der Bequemlichkeit des mittleren Alters gewichen."
Mittleren Alters. Jack dachte über diesen Ausdruck nach. Mit 63, vermutete er, war er nicht länger im mittleren Alter, obwohl er sich sicher nicht alt fühlte. Erst kürzlich hatte er einen Artikel gelesen: „Fünfzig ist das neue Dreißig!" „Wenn Fünfzig Dreißig ist", dachte er, „dann ist Sechzig wohl Vierzig." Er seufzte. Vierzig. Fühlte er sich so alt?
Als Jack so darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass er sich eigentlich fühlte, als wäre er in seinem 33sten Lebensjahr eingefroren. In diesem magischen Sommer, in dem er mit Ennis zusammenkam – als sie nach Quanah zogen und auf der Lazy L lebten – diesen Sommer würde Jack nie vergessen und in diesem Alter wollte er immer bleiben.
Er drehte sich im Bett herum und presste die Hand auf eine Stelle an seinem Rücken. Er wusste, dass er keine 33 mehr war und er hatte auch seine Wehwehchen aber alles in allem hatte er sich doch recht gut gehalten, wie er fand. Er wandte sich um und sah erneut Ennis' Rücken an. „Nun, hier haben wir einen Mann, der sich verdammt gut hält.", dachte er. Sein Rücken war noch immer muskulös. sein Hintern straff und fest. Außer ein paar grauen Strähnen an den Schläfen konnte Ennis' Aussehen an jedem Tag der Woche genauso gut das eines Vierzigjährigen sein. Immer, wenn Jack dies erwähnte, zwinkerte Ennis ihm zu. „Gute Gene.", sagte er stets.
Und wenn Jack je eifersüchtig auf Ennis' gute Gene wurde, beruhigte er sich selbst, indem er daran dachte, dass er mit diesem Mann alt und grau werden würde, dass dieser Mann ihn für immer in seinen Armen halten würde. All die Unsicherheiten der ersten Jahre – die ständigen Bekräftigungen, dass sie einander für immer lieben würden – waren der angenehmen Kenntnis gewichen, dass ihre Leben untrennbar vereint waren. Jack dachte an die dreißig vergangenen Jahre und wusste, dass sie ganz sicher noch mindestens weitere dreißig Jahre vor sich hatten.
Jack legte sich auf die Seite und strich mit seinem linken Arm sanft Ennis' Rücken hinab, wobei er die Formen von der Schulter bis zur Hüfte nachfuhr. Er tat es noch einmal, dieses Mal aber drückte seine Hand ein wenig fester zu und blieb ein wenig länger. Beim dritten Mal dann, bekam Jack die erwartete Reaktion. Ennis drehte sich herum und legte sich auf den Rücken.
Jack grinste in sich hinein und zog die Decke herunter. Ennis' Glied und seine Hoden bildeten ein schlaffes, kleines Bündel. Jack griff mit seiner rechten Hand hinüber und legte seine Finger darum, dann begann er, sie langsam zu massieren. Er liebte das Gefühl von Ennis' Glied, die weiche Haut, wenn es schlaff war wie jetzt und in seiner Hand hin und her glitt.
Jack streichelte Ennis langsam, kein Grund zur Eile, er hatte alle Zeit der Welt. Er hörte den Vögeln zu, deren Gezwitscher immer lauter wurde. Er vernahm den Ruf eines Spatzen und die Antwort von dessen Partner. Dann sah er zu Ennis hin und wartete auf die Antwort von seinem Partner.
Die bekam Jack auch. Ennis' Glied wurde steif in seiner Hand und Jack wechselte von der langsamen Massage zu einem regelmäßigen Reiben. Er wusste, dass Ennis noch immer tief schlief, aber irgendwo in den Tiefen seines Schlummers bemerkte Jack die heranwachsende Erregung. Ennis' Hüften bewegten sich leicht und er langte zu Jack herüber, um mit der Hand über seine Brust zu streicheln. Seine Finger fanden einen Nippel und drückten ihn leicht, dann fiel sein Arm zurück an seine Seite.
Jack grinste. Er liebte diesen Mann so und er liebte auch diese langsam wachsende morgendliche Erregung, die Chance, Ennis lustvoll zu wecken. Er rieb ein wenig weiter, jetzt legte er seinen Kopf auf Ennis' Brust und sah auf das Glied hinab, das in seiner Hand steifer wurde. Er liebte Ennis' Penis. Auch wenn er fand, dass es lächerlich war, einen Körperteil von jemandem zu lieben, tat er es. Er liebte die Form und die Farbe, auch die Größe und die Art, wie es oben vor der Spitze ein wenig gekrümmt war.
Er sah zu, wie seine Hand Ennis' Glied bearbeitete und merkte, dass es mit jeder Bewegung steifer wurde. Er beugte sich hinab und leckte kurz über die Spitze, dann knabberte er sanft mit den Zähnen daran und spürte wie ein wohliger Schauer Ennis durchlief. Ennis' Arm legte sich um Jack und streichelte seinen Nacken, dann wuschelte er ihm durchs Haar.
Jack schaute auf und sah, dass Ennis' Augen nun offen waren, wenn er auch noch schwere Lider hatte und verschlafen aussah. Jack lächelte ihn an und Ennis erwiderte das Lächeln verschlafen, dann ließ er seinen Kopf auf das Kissen zurück sinken.
Er griff hinüber und streichelte Ennis' Tattoo unter seiner Hüfte, neben seinem Glied. Er war immer erstaunt gewesen, dass Ennis es gerade da gewollt hatte. Ennis, der sich immer mit einer solch ruhigen, fast konservativen Art an die Welt wandte, hatte eine solche Wildheit in sich, von der nur Jack wusste. Er liebte es.
Er strich erneut mit der Zunge über Ennis' Glied, diesmal aber nahm er es tiefer in seinen Mund auf und fühlte die vertraute Form in seinem Rachen. Jack umfasste seine Hoden mit der linken Hand und platzierte zwei Finger neben Ennis' Hintern. Langsam strich er die Spalte entlang und dann zu seiner Öffnung.
Ennis bewegte sich jetzt deutlicher, seine Hüfte schnellte nach oben und er drang damit tiefer in Jacks Mund ein. Jack fuhr mit der Erkundungstour seiner Finger fort, strich um seine Öffnung und spürte, wie seine eigene Erregung in seiner Brust anstieg. Er schaute zu Ennis hinauf und fragte sich gerade, ob er das K-Y Gel aus dem Nachttisch nehmen sollte, als Ennis zum Leben erwachte und sich auf die Seite rollte.
Jack hob den Kopf an und lehnte sich zu Ennis hinüber, der sich nach vorne neigte und seine Lippen auf Jacks presste, wobei seine Zunge sanft seinen Mund erforschte und an seinen Zähnen entlang glitt. Dann bog er den Kopf zurück und legte ihn in Jacks Nacken. Dabei küsste und leckte er seine Lieblingsstelle an Jacks Schlüsselbein.
Ennis verlagerte sein Gewicht und rollte sich auf Jack. Dessen Gesicht hielt er in seinen Händen. Jack grinste und Ennis grinste zurück, dann küsste er ihn erneut. Jack erbebte unter Ennis' Gewicht und spürte das angenehme Gefühl seines Körpers auf sich. Während Jack sie beide für gleich groß hielt, war Ennis eigentlich 2,5cm größer und etwa 10 Kilo schwerer, obwohl das Gewicht alles Muskeln waren, wodurch er sogar schlanker aussah als Jack. Sie trugen dieselbe Größe und teilten sich die meisten ihrer Klamotten, besonders Alltagkleidung wie Jeans und T-Shirts. Wer würde schon ahnen, dass das Leben mit einem Mann das Kleiderschrankproblem vereinfachte?
Ennis stützte sich auf seine Arme und warf Jack einen Blick zu, den dieser sofort deuten konnte. Er nickte. Es bedurfte keiner Worte. Sie hatten diesen Tanz hunderte Male getanzt und die Choreografie verinnerlicht. Beide waren erregt und Jack wollte Ennis, er fühlte das vertraute Ziehen in den Lenden.
Ennis langte zum Nachttisch hinüber und holte sorgsam das K-Y Gel hervor, welches er auf seinen Fingern verteilte. Dann griff er zu Jacks Hintern und Jack hob willig seine Knie an. Ennis richtete sich auf und nahm Jacks Glied in seine linke Hand, während er mit seinen Fingern zu dessen Öffnung wanderte und erst einen, dann zwei Finger hinein schob.
Jetzt war Jack an der Reihe, Ennis unter schweren Lidern anzuschauen, während ein wohliger Schauer seinen Körper durchlief. Er hörte die Vögel draußen nicht mehr, nur Ennis' Atemzüge und seine eigenen, wobei sein Herz in seiner Brust hämmerte. Er konzentrierte sich auf Ennis' Finger, die in ihn und wieder hinaus glitten, zuerst sanft, dann grober, als seine Muskeln sich weiteten und zu zucken begannen.
Ennis beugte sich nach vorne, leckte und knabberte an Jacks Schlüsselbein, dann sah er Jack tief in die Augen und dieser nickte erneut. Ennis griff wieder zur Tube mit dem K-Y Gel, verteilte es großzügig auf seinem Glied und presste dieses dann gegen Jacks nun weiche, entspannte Öffnung. Nach einem kleinen Stoß glitt die Spitze leicht über den Muskel und sein Glied drang weich und einfach ein, wie eine Hand in einen Handschuh.
Ennis hob Jacks Hüften an und verlagerte sein Gewicht, sodass er den richtigen Winkel hatte, um seinen Lustpunkt zu finden, er begann langsam, um Jack ansehen zu können.
Jack liebte das Gefühl von Ennis in sich. Es sorgte dafür, dass er sich komplett fühlte und ganz und geliebt, alles zugleich. Er ging in dem Moment auf und genoss die Erregung. Jack streckte seine rechte Hand aus und bedeckte Ennis' linke, die sein Glied umklammert hielt und im gleichen Rhythmus rieb, wie er in seinen Hintern stieß.
Die anfangs sanfte Entspannung machte bald den Weg einer intensiveren Leidenschaft frei. Ennis' Stöße wurden tiefer und seine Lider schlossen sich. Jack fühlte, wie sein Atem ihm in der Brust stecken blieb und die Hitze in seiner Brust und seinem Herzen zu hämmern begann, und dennoch war es immer noch zärtlich und liebevoll. Es gab Zeiten, in denen er und Ennis übereinander herfielen wie zwei Löwen, die man aus ihren Käfigen befreit hatte aber es gab auch andere Zeiten – so wie jetzt – in denen sie nichts anderes wollten, als langsame, genussvolle Befriedigung und ihre Liebe zu teilen.
Ennis hielt einen Moment inne und sah Jack an. Jack wusste, was er dachte – sie befanden sich kurz vor dem Orgasmus. Sie konnten entweder ihre Gedanken auf etwas anderes konzentrieren, wie etwa die Pferde im Stall und es so noch ein paar Augenblicke hinauszögern, um die gesamte Lust auszuschöpfen. Oder aber sie konnten sich diesem langsamen Rhythmus hingeben und so den Orgasmus kommen lassen, nicht so rau und leidenschaftlich wie sonst aber genauso befriedigend.
Jack nickte wieder. Ich will kommen, signalisierte er seinem Lover still und Ennis verstand ihn. Er zog sich zurück, stieß noch ein paar Mal heftig zu, hob Jacks Hüften weiter an und presste dessen Knie enger an seinen Körper. Eins, und Jack fühlte ein starkes Ziehen in sich, zwei, es wurde tiefer und stärker, dann drei, die Erlösung kam in ihm und füllte ihn aus. Das Gefühl von Ennis' Orgasmus stachelte Jack weiter an und Ennis rieb sein Glied, fest aber nicht grob, drückte es mit seinen geübten Fingern, bis auch Jack so weit war und sein Sperma weich und klebrig auf seinen Bauch spritzte.
Ennis wartete einen Moment, bis sein Glied schlaff wurde, dann zog er sich zurück und legte sich auf die Seite, wobei er Jack an sich zog. Ein weiterer Kuss folgte und seine Finger rieben Jacks Samen in seinem Schamhaar, während sich seine Augen schlossen. Jack legte seinen Kopf auf Ennis' Schulter, der Schlaf übermannte auch ihn und bevor er wegdriftete, sah er wieder auf die Uhr: 5.30. Dieses Mal, wusste Jack, würden sie beide bis sieben schlafen, dann wach werden und bereit für den Tag sein.
