Disclaimer: Da sowas ja üblich und bestimmt auch nötig ist: Ich besitze weder die Charaktere noch sonstige Rechte; ich leihe sie mir nur aus. ;) Ansonsten wünsche ich viel Spaß bei der Lektüre:)

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Adam seufzte. „Komm, Cringer." Er kehrte gemeinsam mit seinem treuen Haustiger in den Palast zurück. Er nickte einigen Bediensteten freundlich zu, die ihm auf seinem Weg zu Adoras Zimmer begegneten. Wieso musste alles so schwierig sein? Er verfluchte wieder einmal das Schicksal. Hätten sie Adora nur früher retten können, hätten sie den Bann nur eher brechen können… Doch alles Klagen half nichts. Die Vergangenheit ließ sich nicht ändern; nicht einmal He-Man oder die Sorceress vermochten die Zeit zurückzudrehen.

Er klopfte an Adoras Zimmertür, doch erhielt keine Antwort. Mit einem Seufzen öffnete er die schmuckvolle Tür und betrat die Gemächer seiner Zwillingsschwester. „Adora?"

Sie saß vor einem Spiegel und schien sich ihrer Umgebung nicht im Mindesten bewusst zu sein. Sie reagierte auch nicht, als er sie noch einmal ansprach. Erst als Adam seine Hand auf ihre Schulter legte, schreckte sie förmlich auf. „Adam!"

Er lächelte gequält. „Hallo Adora. Wo warst du mit deinen Gedanken?" Als ob er das nicht wüsste.

Sie seufzte. „Überall und nirgends. In der Vergangenheit. Du weißt…" Sie brach ab.

Adam nickte. „Komm, du solltest nicht den ganzen Tag hier herumsitzen. Es ist wundervolles Wetter draußen, lass uns ausreiten. Spirit vermisst dich schon."

Adora blickte zu ihm hoch. Sein Blick verriet ihr, dass er sie nicht in Ruhe lassen würde, also stand sie langsam auf. Es war erstaunlich, dass sie bereits das Gefühl hatte, ihn so gut wie niemanden sonst zu kennen, obwohl sie einander erst vor so kurzer Zeit zum ersten Mal begegnet waren. „Aber lass uns bitte irgendwohin reiten, wo nicht so viele Leute sind."

Er legte fürsorglich seine Hand um ihre Schulter und spürte, wie sie sich ein klein wenig entspannte. Er wusste, sie hätte diese Berührung niemandem sonst erlaubt. „Natürlich, Adora, keine Sorge." Er blickte zu Cringer hinunter. „Tut mir leid, Cringer, aber ich muss dich ein Weilchen allein lassen. Du kannst ja in der Küche vorbeischauen, ob es einen Fisch für dich gibt." Der Tiger maunzte kurz und trottete dann in Richtung der Küche davon.

Adora musste lächeln. „Man könnte meinen, er würde jedes Wort verstehen."

Adam sah sie mit gespielt großen Augen an. „Oh, das tut er! Er ist ein sehr kluger Tiger. Es würde mich nicht wundern, wenn er mir eines Tages antworten würde."

Nun musste Adora kurz lachen, doch sie spürte, wie ihr dabei die Tränen wieder in die Augen zu schießen drohten. „Ach, Adam…" Sie lehnte sich leicht gegen ihn. „Wie schaffst du das nur?"

„Was meinst du?"

„Nach allem, was geschehen ist… Nach allem, was ich getan habe… Wie kannst du es ertragen, in meiner Nähe zu sein? Wie kannst du so freundlich sein?"

Er blieb stehen und blickte seiner Schwester in die Augen. „Adora, wie kannst du so etwas fragen? Du bist meine Schwester, und ich liebe dich! Ich bin so froh, dass wir dich gefunden haben."

Tränen schimmerten in Adoras Augen. „Aber was ich getan habe…"

Er fiel ihr ins Wort. „Du hast gar nichts getan. Hordak und Shadow Weaver sind die einzigen Verantwortlichen, und sie werden dafür zahlen, was sie dir angetan haben." Sein Blick wurde hart bei dem Gedanken an den Kriegsherrn und seine Magierin. „Ich werde sie zur Strecke bringen, das verspreche ich dir."

Adora schüttelte leicht den Kopf, bevor sie widersprach. „Adam, es ist nicht so, dass es mich erst seit der Aufhebung des Zaubers gibt. Ich habe alle Erinnerungen an mein Leben, und es fühlt sich nicht so an, als hätte ich jemals gegen meinen Willen gehandelt. Es sind alles meine Gedanken, und ich spüre sie immer noch in meinem Kopf. Hordaks Lehren sind nicht einfach weg!" Tränen liefen über ihre Wangen hinab, während sie sprach.

Adam wischte sie sanft weg, als er antwortete. „Ich kann mir wahrscheinlich nicht vorstellen, was in dir vorgehen muss, Adora, aber ich weiß, dass ich alles tun werde, um dir zu helfen, und dass ich immer zu dir halten werde. Hordak hat deinen Geist kontrolliert, aber das ist jetzt vorbei. Für mich warst das vorher nicht du."

„Das ist eben das Problem, für mich ist das nicht so."

Adam schloss sie in die Arme und spürte, wie sie ihren Kopf gegen seine Schulter legte und still weinte. „Du wirst all das irgendwann hinter dir lassen können, Adora. Du bist schließlich eine Kämpferin."

Als sich Adora wieder etwas beruhigt hatte, strich Adam ihr eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte. „Und jetzt reitest du mit mir aus, sonst fühlt sich dein Lieblingsbruder nämlich stark vernachlässigt."

Sie musste wieder kurz lachen und umarmte ihn fest. „Danke, Adam. Danke, dass du da bist."

Er zuckte lächelnd mit den Schultern. „Hey, das ist doch selbstverständlich. Wenn ich schon bei der Regierung Eternias nicht helfe, muss ich mich doch wenigstens um dich kümmern. Also los!"

Sie schniefte noch ein letztes Mal und ging dann mit ihm zu den Ställen.

Innerlich seufzte der junge Prinz. Es würde noch sehr lange dauern, bis Adora ihre Vergangenheit bewältigt haben würde…

Beide bemerkten nicht, dass hinter einer der Säulen jemand ihre Unterhaltung mit angehört hatte, und so konnten sie auch nicht den verletzten und wütenden Gesichtsausdruck sehen, mit dem sich Teela abwandte und in Richtung der Trainingsräume verschwand.